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Junuzovic und der Wunsch nach einem neuen Andi Herzog

Nach François Affolter am letzten Wochenende könnte morgen erneut eine Neuverpflichtung direkt in der Startelf stehen. Die Rede ist natürlich von Zkatko Junuzovic, den Werder von Austria Wien verpflichtet hat. Christoph Luke, stellvertretender Chefredakteur bei sportnet.at (und Autor des sehr lesenswerten Serie A Blogs “Lo Scudetto“), war so freundlich, mir ein paar Fragen über “Juno” zu beantworten:

Der österreichische Fußball ist ja für viele Deutsche immer noch etwas exotisch. Viele Werderfans kennen Zlatko Junuzovic daher hauptsächlich von YouTube-Videos. Beschreib ihn doch mal. Was ist er für ein Spielertyp? Der deutsche Boulevard hat sich schon vor längerer Zeit auf den Spitznamen „Ösi-Özil“ festgelegt. Ähneln sich die Beiden auf dem Platz?

Junuzovic kann offensiv alle Rollen bekleiden, im zentralen Mittelfeld, aber auch links und rechts spielen. Er ist stark am Ball, technisch sehr gut. Er will – auch wenn das ein bisschen platt klingt – Fußball in erster Linie spielen, was ja grundsätzlich der Spielweise der Austria in den letzten Jahren entsprochen hat. Seine Stammposition ist das zentrale Mittelfeld, erst in den letzten Monaten spielte er bei der Austria auf der linken Seite.

Die 10er-Position gehörte in dieser Saison bislang zu den Problemzonen bei Werder. Am liebsten wäre den meisten Fans deshalb ein Spieler, der diese Lücke sofort füllen kann. Traust du Junuzovic zu, bei Werder direkt einzuschlagen? Oder müssen wir noch Geduld mit ihm haben?

Ich wünsche es ihm, den Werder-Fans und den österreichischen Fans, die einen guten Junuzovic im Nationalteam sehen wollen. Ich glaube, dass er so cool bleiben kann, dass ihn die große Erwartungshaltung nicht hemmt. 2010 wurde er nach dem Karriereende von Austrias Milenkos Acimovic in die Nachfolgerrolle des Spielmachers gedrängt und hat das, meiner Meinung nach, gut gelöst. Jetzt kann man natürlich (zu Recht) argumentieren, dass die Deutsche Bundesliga wieder etwas anderes ist, aber Druck bleibt Druck und dem hat er in Wien, wo es medial um einiges aufgeregter zugeht als etwa in Klagenfurt, standgehalten.

Junuzovic weckte schon sehr früh große Hoffnungen in Österreich, gehörte z.B. zum Team, das 2007 bei der U20-WM überraschte. Ist er diesen Erwartungen bislang gerecht geworden? Man hört ja durchaus auch kritische Stimmen, was seine Entwicklung angeht.

Ich würde das in die typische Kategorie der Ups & Downs einer jungen Karriere einordnen. Junuzovic debütierte im Frühjahr 2005, mit 17 Jahren, für den Grazer AK, ist ja jetzt, bald sieben Jahre später, fast schon eine halbe Ewigkeit im Geschät. Dass es da nicht immer nach Wunsch laufen kann, sollte klar sein. Aber: Ein paar Tore mehr dürften es schon sein.

Unsere beiden anderen Österreicher Marko Arnautovic und Sebastian Prödl sind ja zwei sehr unterschiedliche Typen. Wie ist Junuzovic charakterlich einzuschätzen? Kann er sich gut anpassen oder könnte er auch zum Problemfall werden, wie Arnautovic in seiner ersten Saison?

Charakterlich sehe ich ihn, sofern man hier überhaupt Vergleiche anstellen kann, ganz klar eher bei Prödl. Ruhig, bescheiden, kein Typ für Skandale. Mir wäre in seiner Zeit in Wien (und auch davor) nie zu Ohren gekommen, dass es irgendwelche Probleme gegeben hätte. Ich glaube, dass er sich in einer Stadt wie Bremen sicher wohlfühlen kann.

Österreichische Spieler haben bei Werder schon seit Rehhagels Zeiten Tradition. Jetzt spielen gleich drei Österreicher an der Weser. Wird Werder in Österreich von Fans und Medien deshalb besonders intensiv verfolgt?

Auf jeden Fall. Die Deutsche Bundesliga ist generell dank der zahlreichen österreichischen Legionäre mit Sicherheit jene ausländische Liga, die von Österreichs Fußballfans am intensivsten verfolgt wird. Werder ist spätestens seit den Herzog-Zeiten populär – die Transfers von Prödl (war 2007 U20-Kapitän) und Arnautovic, der einfach immer polarisiert und bei dem alle darauf warten, dass er endlich durchstartet, haben das erneut angefeuert. Der Wunsch nach einem “neuen Andy Herzog” ist sehr groß.

Wenn Werder sich noch einen vierten Österreicher zulegen sollte, wen würdest du da vorschlagen?

Da gäbe es sicher einige. Ein paar Namen, einfach mal so in den Raum geworfen: Georg Teigl (Red Bull Salzburg, Mittelfeld), Christopher Dibon (Admira, Abwehr), Florian Kainz (Sturm Graz, Mittelfeld).

Vielen Dank für das Interview und ich hoffe Klaus Allofs schreibt sich die Namen schon mal auf.

“Peter Niemeyer ist zu einem echten Führungsspieler geworden”

Edit: Leider ist mir der Post ein bisschen voreilig “rausgerutscht”. Da fehlte noch die Vorstellung des Interviewpartners: Daniel bloggt für das Hertha BSC Blog und war so nett, mit vor dem Spiel am Sonntag ein paar Fragen zu beantworten:

Hallo Daniel, schön dass Du mitmachst. Erstmal willkommen zurück in der 1. Liga. Wie würdest du das Jahr in Liga 2 rückblickend bewerten? War der Abstieg nur ein Ausrutscher oder gab es in der letzten Saison einen richtigen Neuanfang?

Vielen Dank, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie es sich da “unten” anfühlt. Abstiege sind grausam und ich wünsche sie wirklich niemandem - was natürlich nur solange stimmt, wie wir selbst damit nichts zu tun haben. Sobald das der Fall ist, wünsche ich es allen anderen. Jedenfalls kann ich deine Eingangsfrage zweimal mit Ja beantworten. Es war ein Ausrutscher, der nicht hätte passieren dürfen, aber er wurde vom Verein genutzt, um sich komplett neu aufzustellen. Auch in der Öffentlichkeit ist es angenehmer. Ich hab das natürlich auch früher nicht gemacht, aber man muss seit dem Wiederaufstieg weniger dafür entschuldigen Hertha-Fan zu sein, als vor dem Abstieg.

Neun Punkte aus sechs Spielen und Platz 10 sprechen für Mittelmaß, dennoch macht der Verein einen zufriedenen Eindruck. Liegt das nur daran, dass ihr gerade erst wieder aufgestiegen seid oder haben sich die Ansprüche im Verein geändert? Wo ist das Anspruchsdenken der Hoeneß-Ära geblieben?

Dieses Anspruchs-Denken ist nach Wolfsburg gewechselt und das kann da auch gerne bleiben. Im Nachhinein hätten wir dafür aber deutlich mehr Geld verlangen sollen. Egal. Es ist ehrlich gesagt ein bisschen zu einfach, zu sagen: Der Hoeneß hat den Druck erzeugt, weil er damals davon geträumt hat, mit der Meisterschale durchs Brandenburger Tor zu fahren. Träume sind auch weiterhin erlaubt, wer hat sie nicht? Aber es bricht hier kein Sturm der Enttäuschung mehr los, wenn es nicht für den Europa-Pokal-Platz reicht - wie es vor dem Abstieg der Fall war. Jeder Hertha-Fan weiß, dass wir den Verein vermutlich hätten dicht machen können, wenn wir nicht direkt wieder aufgestiegen wären. Das erdet einfach ungemein.

Was sind für dich persönlich die Ziele in dieser Saison? Reicht es Dir, wenn man „nur“ die Klasse hält oder denkst Du schon wieder ans internationale Geschäft?

Ich würde ja schon gern mit der Meisterschale durchs Brandenb…nein im Ernst, mir reicht der Klassenerhalt vollkommen aus, solange der Verein dadurch gesundet. Wenn wir keine Schulden mehr haben, wann auch immer das sein wird, können wir vielleicht mal wieder über Europa reden, vorher ist alles, was nicht Abstieg heißt, ein Erfolg.

Euer Spiel gegen Dortmund hat mir imponiert, das war blitzsauberer Konterfußball. Wie so viele Mannschaften in der Bundesliga scheint ihr aber Probleme zu haben, das Spiel selbst zu machen. Ist es momentan sogar ein Vorteil für euch, auswärts zu spielen?

Es sieht so aus, auch wenn ich diese Unterscheidung von Heim- und Auswärtsspieltaktik nicht mag. Hertha darf auch zu Hause auf Konter spielen, wenn es dem Erfolg zuträglich ist, selbst wenn Markus Babbel das nicht glaubt (er hat vor dem Augsburg-Spiel behauptet, das Olympiastadion wäre zur Halbzeit halbleer, wenn Hertha mit der Taktik aus dem Dortmund-Spiel gegen Augsburg komme). Denn es es ist doch so: Das, was eine Mannschaft am Besten kann, sollte sie auch spielen. Und wenn das Konterfußball ist, dann ist das eben so. Ich hoffe jedenfalls, dass wir auch am Sonntag wieder mehrere Kostproben von unserer Konterstärke zu sehen bekommen.

Mit Rafael, Ebert und Ramos habt ihr starke Offensivspieler im Team. Ist eine vor allem auf Konter ausgelegte Taktik auf Dauer nicht zu wenig, um das Optimum aus der Mannschaft herauszuholen?

Die Schlüsselpositionen in unserem System sind die beiden Sechser. Sie bestimmen, wie offensiv oder defensiv das System ist, sie sind die Taktgeber wenn man so will. Naja, und wenn die Taktgeber dann eben Andreas Ottl und Peter Niemeyer sind, dann spielt man eben grundsätzlich erst einmal defensiv. Das soll keine Kritik sein, aber große Offensiv-Denker sind sie eben nunmal beide nicht. Hinzu kommt, dass die angesprochenen Spieler leider launische Diven sind, die sich gerne mal Auszeiten nehmen. Und dann bringt auch eine offensive Ausrichtung nichts.

Mir fällt es noch etwas schwer euren Trainer Markus Babbel richtig einzuordnen. Nach seiner Zeit beim VfB Stuttgart wurde er von vielen als Eintagsfliege abgestempelt. Bei Euch macht er jedoch den Eindruck, dass er ein Konzept hat und es den Spielern auch gut vermitteln kann. Ist er der richtige Trainer für Hertha?

Gute Frage, die allerdings voraussetzt, dass ich wüsste, wie der “richtige” Trainer für Hertha aussieht. Ich war sehr lange davon überzeugt, dass dieser Trainer Lucien Favre heißt, nunja, das Ende der Geschichte kennen wir. Babbel macht seine Sache insofern gut, dass er es schafft, Fans und Umfeld auf seine Zeit zu bekommen. Oftmals ist er für mich noch ein Rätsel, gerade was eben die taktische Ausrichtung bei Heimspielen angeht. Da schiebt er dann gerne mal die großen Erwartungen der Fans oder des Umfelds vor (die, wie bereits erwähnt, gar nicht so groß sind) um Entscheidungen zu rechtfertigen. Natürlich hat er durch den Aufstieg einen riesengroßen Bonus, der auch sehr lange Zeit halten wird. Aber eine echte Negativ-Serie hatten wir unter ihm noch nicht. Und was ein guter Trainer, zeigt sich eben meist erst, wenn es mal nicht so läuft.

Mit Peter Niemeyer habt ihr letzte Saison einen Spieler geholt, der sich bei Werder nicht so richtig durchsetzen konnte. Bei Euch hat er einen Stammplatz und zeigt gute Leistungen. Wie bewertest Du seine Entwicklung und seine Bedeutung in der Mannschaft?

Peter Niemeyer ist der legitime Nachfolger von Pal Dardai und auch wenn das im Rest der Fußball-Republik vielleicht nicht als ein solches angenommen werden würde: Das ist ein Riesenkompliment. Niemeyer gewinnt eigentlich jeden Zweikampf, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann er zuletzt einen verloren haben soll. Er ist bei uns zu einem, wenn man heutzutage noch davon reden kann, echten Führungsspieler geworden und ich kann mir vorstellen, dass er uns in den drei Jahren, in denen er auf jeden Fall noch bei uns spielen wird (laut Vertrag), sehr viel Freude bereiten wird.

Eine Frage zum Gegner: Werder hatte letzte Saison ein ähnlich schwaches Jahr, wie ihr in der Saison davor. Dem Abstieg sind wir zum Glück knapp entgangen. Nun steht man plötzlich wieder oben in der Tabelle. Wie stark ist Werder aus Deiner Sicht?

Ich bin ehrlich: Ich hatte euch vor der Saison nicht auf dem Zettel und wenn ich sage “nicht”, dann meine ich “gar nicht”. Ich habe sogar vor der Saison darauf gewettet, dass Thomas Schaaf der erste Bundesligatrainer in dieser Saison ist, der entlassen wird (ich weiß eine makabre Wette, aber wir waren zu sechst und sehr betrunken). Das war nach dem Aus im DFB-Pokal und teilweise unterirdischen Vorbereitungsspielen eurerseits. Tja und dann startet ihr so in die Saison, was mich dann – nach kurzem Ärger über die
verlorene Wette – doch sehr gefreut hat, weil ich durch meine Familie durchaus gewisse Sympathien für Werder hege. Wenn sich niemand verletzt, kann das dieses Jahr wieder was werden mit Europa. Aber wer bin ich, das zu prognostizieren.

Der Bremer Offensivfußball dürfte eurer Spielweise eigentlich entgegen kommen. Wie schätzt Du Herthas Chancen am Sonntag ein? Wärst Du mit einem Punkt zufrieden oder ist sogar mehr drin?

Ich bin vor dem Spiel nie mit einem Punkt zufrieden. Allerdings habt ihr in dieser Saison bisher zu Hause selten was anbrennen lassen, deshalb liegt ein Unentschieden durchaus im Bereich des Erträglichen. Wenn es irgendwie geht, hätte ich es aber natürlich gerne, dass Hertha ähnlich viele Chancen wie in Dortmund erspielt und diese nicht dreimal ans
Aluminium verschwendet.

3 Fragen zu Bayer Leverkusen

Endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, vor dem Spiel ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners führen. Vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen hat mir Jens Peters von catenaccio drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Leverkusen macht die letzten Wochen einen guten Eindruck, gewinnt auch die weniger guten Spiele. Glaubst du ihr könnt den zweiten Platz bis zum Saisonende gegen die Bayern verteidigen und endlich euer Phlegma des letzten Saisondrittels ablegen? Oder ist sogar noch mehr drin, falls der BVB schwächelt?

Ich denke ehrlich gesagt nur von Woche zu Woche. Im Moment stehen wir auf Rang 2 und bei den derzeitigen Leistungen sollte der Platz auch am Ende der Saison drin sein. Über mehr mag ich gar nicht nachdenken. Platz 1 sowieso nicht und als Dritter bin ich auch mehr als glücklich!

Die Mannschaft wirkt im Vergleich zu den letzten Jahren gereift. Selbst das Dauerthema Michael Ballack scheint das Team nicht groß zu verunsichern. Liegt das an der hinzugewonnenen Erfahrung der Spieler oder ist einfach der Kader stärker als in den Vorjahren?

Dass die Mannschaft gereift ist kann ich so unterschreiben. Ein junges Team, dass nun im Grunde seit 2-3 Jahren mit punktuellen Ergänzungen, so zusammen spielt. Und die Ergänzungen, da muss man den Verantwortlichen ein Lob aussprechen, passen perfekt ins Gesamtgefüge. Die Jungen bringen die nötige Leistung auf dem Platz, hinzu kommen dann erfahrene Recken, wie Hyypiä, Rolfes, Ballack und Kießling, die der Mannschaft Halt geben und auch in der Vergangenheit gefehlt haben. Inzwischen ist dann auch die nötige Tiefe hinzugekommen und die Spieler reifen bspws. an der Europa League weiterhin.

In Bremen läuft es weit weniger rund. Der Klassenerhalt ist in Gefahr und die Leistungen passen zum Tabellenplatz. Ist Werder in dieser Situation überhaupt ein ernstzunehmender Gegner für euch?

Sagen wir mal so. Spielt Werder den Fußball der letzten Wochen ist Bremen ein schlagbarer Gegner. Leider kommt die unbekannte Variable “Mannschaft-mit-Potenzial-für-mehr-im-Abstiegskampf” mit ins Spiel. Wer weiß was da passiert?

Dein Tipp?

1:3!

3 Fragen zum FC Bayern

Wie angekündigt möchte ich in der Rückrunde wieder vor jedem Bundesligaspiel ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners führen. Vor dem Spiel gegen die Bayern hat mir probek drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Transfers in der Winterpause sind nichts besonderes. Den Kapitän zwischen dem 19. und dem 20. Spieltag zum AC Milan zu verkaufen ist dagegen sehr außergewöhnlich. Wie stehst du zu van Bommels Wechsel und welche Auswirkungen hat er deiner Meinung nach auf das Mannschaftsgefüge?

Wie ich dazu stehe? Ich hätte Mark einen besseren Abschied gewünscht, der in einer perfekteren Welt erst zum Ende der Saison (oder gar noch später) gekommen wäre. Aber: so läuft’s Business, wenn dein Vertrag ausläuft, die komplette Vereinsführung seit längerem die Zukunft offensichtlich ohne dich plant und dir mit den Transfers von Tymoschtschuk und später Gustavo auch sehr deutlich zu verstehen gibt, dass sie nach Alternativen bzw. Nachfolgern sucht. Dann gehste halt mal ein halbes Jahr eher, zu einem auch nicht so schlechten Verein. Dass jetzt allein van Gaal derjenige gewesen sein soll, der ihn in die Flucht getrieben hat, halte ich insofern auch für wenig glaubwürdig. Hätte der Trainer ihm einen neuen Vertrag anbieten sollen? Oder auch nur dürfen?

Trotzdem bedaure ich seinen Abschied, ist doch klar. Ich habe ihn für einen vorbildlichen Kapitän gehalten, für einen auch von manchen Bayernfans (zu) wenig besungenen, wichtigen Faktor in engen Spielen gegen Gegner hoher und höchster Klasse. Es ist aber auch eine hohe Kunst, sich als Verein und als Fußballprofi zum genau richtigen Zeitpunkt und in beiderseitigem Einvernehmen zu trennen, das klappt beileibe nicht immer problemlos (an dieser Stelle mal unvermittelte und rein zufällige Grüße an tätowierte Bremer Mittelfeldspieler). Und ginge es nach mir, hätte Bayern eh noch Luca Toni, Lucio, Hummels, Zé Roberto, Roy Makaay und Giovane Elber im Kader. Zwar reizvoll, aber vielleicht keine allzu realistische Alternative.

Das Mannschaftsgefüge? Da entsteht sicher eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Ist mir aber ziemlich egal, wichtiger wäre mir, dass die Truppe mal konstanter spielt. Nur: wem sage ich das (sorry; vielleicht sollte ich dann doch mal versuchen, nicht von unseren eigenen Problemen abzulenken).

Bei den Bayern läuft es derzeit wieder rund, während Werder um den Klassenerhalt kämpft. Eigentlich spricht alles für einen klaren Auswärtssieg. Wann vervollständigt Mario Gomez gegen Werder seinen Hattrick – over/under 30. Minute? Etwas ernsthafter: Wirkliche Sorgen müsst ihr euch vor dem Spiel nicht machen, oder?

Bei uns läuft’s rund? Da sagst du was, vor allem: sag das mal weiter. Denn die Bayern wären nicht die Bayern, wenn nicht jeder Furz, den irgendeiner (sei es ein Ex-, ein anderer Ex- oder ein Ex-Ex; konkreter will ich gar nicht werden) zu irgendwas ablässt mit unglaublich viel Aufmerksamkeit registriert würde und Unruhe verbreitet. Oder als Indiz für den unmittelbar bevorstehenden Abschied von van Gaal und die Inthronisierung von Matthias Sammer als Nachfolger dienen könnte. Nein, wirkliche Sorgen müssen wir uns — vor allem im Vergleich zu euch (sorry!) — nicht machen, aber: wir machen sie uns trotzdem immer und immer wieder gerne mal selbst.

Mario Gomez’ Hattricks sind mir ansonsten und unter uns, ziemlich wumpe. Wichtige Spiele gewinnen ist mir ungleich wichtiger — wer die Dinger dann macht, ist sekundär.

Auch wenn das Thema Meisterschaft abgehakt sein dürfte, gibt es in dieser Rückrunde für die Bayern noch einiges zu gewinnen. Auch letzte Saison seid ihr spät auf Touren gekommen, dafür dann aber richtig. Traust du van Gaal und dem Team dieses Jahr eine ähnlich furiose Rückrunde zu?

Ja.

Dein Tipp?

Hm, schwierig. Wie bei diesem Gastspiel wird’s wohl nicht laufen, fürchte ich. Was tippen … ach, ich sage mal: 3:0 für Bayern. Durch drei Gomez-Tore (7., 41. und 76. Minute). Sorry!!!

Vor dem Hinspiel: Drei Fragen zum FC Bayern

Schuldner

1. FC Köln – Werder Bremen 3:0

Das Zarte Pflänzchen Hoffnung ist nach nur einem Spiel komplett zertrampelt, entwurzelt und entsorgt worden. Mit einer spielerisch und kämpferisch desolaten Vorstellung setzt sich Werder im Abstiegskampf fest und hinterlässt nachhaltig den Eindruck, diesem nicht gewachsen zu sein.

Keine Aussicht auf Rückzahlung

Der Kredit ist aufgebraucht, nicht erst seit gestern. Die Erfolge der letzten Jahre und all die schönen Momente, die Thomas Schaafs Werder den Fans gegeben hat, täuschen nicht mehr über den desaströsen Zustand dieser Mannschaft hinweg. Inzwischen ist nicht nur der Kredit verspielt, sondern bereits ein hübsches Sümmchen neuer Schulden hinzugekommen. Wie diese Schulden abgegolten werden sollen, ist ähnlich unklar wie bei Vater Staat. Werder bräuchte dringend einen Bailout.

Mehr als das Minimalziel Klassenerhalt kann und will man von dieser Mannschaft nicht mehr erwarten. Ob sie dieses Minimalziel erreichen wird, scheint derzeit fraglicher denn je. Nachdem man vor einer Woche noch die katastrophalen Eindrücke aus dem Trainingslager in Belek etwas beiseite wischen konnte, folgte gegen erstaunlich mutige Kölner ein Rückschritt, der in dieser Form überraschend und erschütternd zugleich war. Von der ersten bis zur letzten Minute fand die Mannschaft keinen Weg ins Spiel und so war das 0:3 am Ende noch ein recht schmeichelhaftes Ergebnis für Werder. Eine Fehleranalyse erübrigt sich fast, wenn ein Team so kollektiv die individuellen Aufgaben jedes einzelnen Spielers vernachlässigt. Individualtaktische Fehler und nicht vorhandene Einsatzbereitschaft können weder durch die taktische Ausrichtung, noch durch eine vermeintlich höhere individuelle Klasse der Spieler ausgeglichen werden.

Drei Fragen an den Gegner statt Fehlersuche

Ich bin nicht bereit, mich mit diesem Spiel darüber hinaus auseinander zu setzen. Mit dem Wort Arbeitsverweigerung bin ich vorsichtig, aber gestern hatte ich nicht den Eindruck, dass sich die Spieler ihrem Verein und den Fans gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet fühlten, eine wie auch immer geartete Leistung abzuliefern. Es war eine Nicht-Leistung. Wo keine Leistung ist, braucht man auch nichts zu bewerten.

Ich habe stattdessen ein kurzes Interview mit dem Spielebeobachter geführt und ihm drei Fragen zum Spiel seiner Kölner gestellt:

Ich nehme an du bist genauso schockiert wie ich über das Ergebnis. Gab es vor dem Spiel Grund zur Annahme, dass Köln das Spiel so klar gewinnen könnte?

Sagen wir mal so: Wäre dies das erste Spiel der Rückrunde gewesen, wäre der “Schock” kleiner. Die Wintereinkäufe des Effzeh lesen sich gut, es scheint ein Zusammenrücken der Mannschaft gegeben zu haben, Frank Schaefers Arbeit trägt langsam Früchte. Allerdings war der Rückrundenauftakt gegen Kaiserslautern wieder ein Rückschritt und liess befürchten, dass es wohl doch nichts mit dem neuen Gesicht der Mannschaft werden würde. Dazu noch die vielen Ausfälle – ein solch klarer Sieg war wahrlich nicht zu erwarten.

Was hat dich mehr überrascht: Dass der Effzeh von Anfang an so konzentriert und mutig gespielt hat, oder dass Werder nach dem Sieg gegen Hoffenheim über 90 Minuten so harmlos agieren würde?

Ich habe leider nur Ausschnitte des Spiels sehen können, dies vorweg. Dass der Effzeh zu Hause versuchen würde, die von Schaefer eingeforderte höhere Aktivität besser auf den Platz zu bringen als gegen den FCK, überraschte nicht. Dass dies über 90 Minuten gelang (jedenfalls nachdem was ich sah und las), schon eher, häufig gab es in der 2. Halbzeit einen mentalen Einbruch. Die vollkommende Harmlosigkeit Werders hab ich so sicher nicht erwartet. So jedenfalls schlittert Werder dem Abstieg entgegen.

Köln hat nun einen guten und wichtigen Schritt nach vorne gemacht. War das ein Strohfeuer oder glaubst du, dass es eine richtige Entwicklung gibt und die Mannschaft auf der Leistung aufbaut und sich unten herauskämpft?

Irgendwo dazwischen vermutlich: Es gibt eine positive Entwicklung und dieser Sieg wird sicher helfen, sich spielerisch weiter zu entwickeln. Aber die Wintereinkäufe könnten in der Tat der Mannschaft zu mehr Stabilität im Defensivbereich und mehr Kreativität im Offensivbereich verhelfen. Aber niemand kann erwarten, dass das jetzt so weitergeht, Rückschläge werden sicher kommen. Ob es am Ende reicht – knappe Geschichte das.

Vor dem Hinspiel: 3 Fragen zum 1. FC Köln

Noch 3 Fragen zu 1899 Hoffenheim

Wie angekündigt möchte ich in der Rückrunde wieder vor jedem Bundesligaspiel ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners führen. Den Anfang macht Heiko Walkenhorst vom Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim, der mir drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet hat:

Das Spiel in der Hinrunde habt ihr deutlich gewonnen und dabei über weite Strecken schönen Tempofußball gespielt. Insgesamt war eure Hinrunde dann zwar nicht schlecht, aber doch etwas durchwachsen. Wie zufrieden bist du mit dem achten Platz momentan? Wäre mehr drin gewesen?

Nein, zufrieden sind wir nicht, eben weil mehr drin gewesen wäre. Immer diese Last-Minute-Punkteverluste – gegen Bayern, Freiburg, Dortmund, HSV etc. Das war schon sehr frustrierend. Andererseits war eben der Fußball selbst wesentlich besser anzuschauen als im letzten Jahr.

Die Winterpause war in Hoffenheim alles andere als ruhig. Der Verkauf von Luis Gustavo, der Weggang von Ralf Rangnick, das Hickhack um Demba Ba – wie beurteilst du diese Entwicklung? Erwartest du trotzdem eine erfolgreiche Rückrunde?

Diese Entwicklung musste mal kommen. Wir hatten ja sehr lange Zeit diese eine Stammelf, mit der wir sehr viel erreicht haben. Dann aber gab es sehr unterschiedliche Zielsetzungen – und das parallel zu einem sagenhaften Angebot (Gustavo) sowie einem akzeptablen “Kollateralschaden” (Rangnick). Denn so gut war sein Standing bei den Fans auch nicht wirklich.

Das mit Ba ist ärgerlich, denn er hat viele Sympathien. Ich halte ihn für einen klasse Fußballer, aber herrjeh, er ist nicht der erste und er wird nicht der letzte sein, der den Versprechungen seines Beraters erliegt.

Aber diese Unruhen haben natürlich auch was Gutes: den Aschenputtel-Faktor. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten weg. Die, die da sind, können gerade dank dieser Unruhen als Mannschaft auftreten, da dies den Zusammenhalt der neuen Gemeinschaft stärken kann.

Mit Marco Pezzaiuoli habt ihr einen neuen Trainer, der schon einige Erfolge mit DFB-Jugendauswahlmannschaften hatte. In der Bundesliga ist er aber noch recht unbekannt. Wie schätzt du ihn ein? Ist er der richtige Trainer für Hoffenheim?

Habe ihn erst einmal erlebt – und ich finde, er hat was Tucheliges, was er gewiss ebenso ungern hören dürfte wie “Jogi-Zwilling”. Wie dem auch sei, er ist gewiss ein glaubwürdigerer Vertreter der Ursprungsphilosophie von Hoffenheim als es sein Vorgänger war.

Dein Tipp?

Ich glaube, wir gewinnen auch das Rückspiel, weil ihr einfach keine Mannschaft habt. Das macht einen wirklich traurig als Fan des Fußballs. Als Fan von Hoffenheim freue ich mich natürlich über das 1:2. :-)

Vor dem Hinspiel: 3 Fragen zu 1899 Hoffenheim

3 Fragen zu Borussia Mönchengladbach

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 9. Spieltag hat mir Jannik, der in seinem Blog Entscheidend is auf’m Platz über Borussia Mönchengladbach schreibt, drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Auswärtsspiele in Gladbach sind für Werder seit Jahren ein rotes Tuch. Sind wir nach dem enttäuschenden Saisonstart der richtige Aufbaugegner für euch?

Mit den extrem guten Erinnerungen an Werder im Hinterkopf und eurer ja auch nicht rosigen Situation vor Augen kann man da durchaus optimistisch sein. Nur da liegt auch schon das Problem: Wann immer man als Borusse denkt, der nächste Gegner sei jetzt aber wirklich der für den Durchbruch, dann geht’s erst Recht schief. Also bleibt die Hoffnung, dass sich die gute Heimbilanz gegen Werder am Ende im Ergebnis bemerkbar macht. Denn es wird langsam Zeit für uns.

Werder und Gladbach haben die meisten Gegentore der Liga kassiert. Glaubst du, dass es ein torreiches Spiel wird? Oder ist Werders Offensive gar nicht mehr so bedrohlich, dass Raul Bobadilla einen Hattrick machen muss (für die meisten Werderfans ein realistisches Szenario), um euch die drei Punkte zu holen?

Egal wie bedrohlich eure Offensive auch ist – unsere Abwehr wird’s im Zweifelsfall schon selber richten. Deshalb halte ich zwischen einem 6:3 und einem 0:7 alles für möglich, nur kein 0:0. Beide müssen punkten und beide werden sicherlich betont selbstbewusst auftreten. Wohl auch, um die Verunsicherung zu kaschieren. Vielleicht wird’s wie in den 80ern im Pokal: Wir gewinnen 5:4, nur diesmal ohne Verlängerung. Wobei mir so ein schmutziges 1:0 auch mal richtig lieb wäre.

Wer ist eigentlich besser, Reus oder Marin?

Momentan ist die Frage ja eher, wer weniger schlecht drauf ist. Beide haben großartige Anlagen, beide werden oft verglichen, für mich zu Unrecht. Reus ist zehn bis zwölf Zentimeter größer, hat in ungefähr halb so vielen Bundesligaspielen wie Marin gleich viele Tore erzielt. Die beiden sind einfach unterschiedliche Typen, die, bezogen, auf ihre Gladbacher Zeit, nur Vorname, Frisur und Rückennummer verbindet. Obwohl er sein erstes Bundesligator nach einem 40-Meter-Solo erzielt hat, ist Reus nicht der Dribbler wie Marin. Dafür legt Marin eben mehr Treffer auf. Fest steht: Marin war damals ein absoluter Schlüsselspieler bei uns. Für Reus dürfte das auch bald gelten. Aber wer jetzt besser ist – das lässt sich objektiv nicht sagen. Ich hätte als Trainer beide gern in meiner Mannschaft.

Dein Tipp?

Wir gewinnen knapp. Ich sag’ mal 3:2.