Darf ich vorstellen: Schachtar Donezk

Es ist soweit. Heute ist UEFA-Cup-Finale. 5.000 Werderfans sind mit nach Istanbul gereist und werden die Mannschaft bestimmt nach Leibeskräften unterstützen. Die reine Anzahl der mitgereisten Fans ist nicht hoch, was sicher auch an der weiten Entfernung liegt, doch wenn ich die Begeisterung bei unseren bisherigen Auswärtsspielen gesehen habe, dann mache ich mir keine Sorgen, auch wenn 7.000 Zuschauer aus Donezk da sein werden. In Bremen selbst wird viel los sein. Heute beginnt der Deutsche Evangelische Kirchentag, zu dem über 100.000 Gäste erwartet werden. Eine größere Public Viewing Veranstaltung findet daher nur etwa außerhalb in der Waterfront in Bremen-Gröpelingen statt, denn alle zentralen Plätze sind bereits durch Veranstaltungen des Kirchentages belegt.

Über Werders Gegner habe ich in den letzten Tagen viel gelesen und mal wieder festgestellt: Lesen bildet! Ich nehme an, der Name unseres Gegners war nicht nur für mich verwirrend. In Deutschland ist die Mannschaft gemeinhin unter dem Namen Schachtjor Donezk bekannt. "Schachtjor" bezieht sich auf den russischen Namen (?????? ??????). Im Ukrainischen heißt die Mannschaft hingegen ?????? ???????, was im Deutschen "Schachtar" heißt (Quelle ist zwar nur Wikipedia, aber dafür reichen selbst meine Kyrillischkenntnisse noch). Auch in der international verwendeten englischen Version Shakhtar Donetsk bezieht man sich auf den ukrainischen Namen.

Aber Namen sind Schall und Rauch. Viel wichtiger ist natürlich, zu welcher Leistung diese Mannschaft auf dem Platz fähig ist. Schaut man sich die letzten Jahre an, dann muss man Schachtar sicherlich Respekt zollen, aber nicht vor Ehrfurcht im Boden versinken. Wie Werder spielte Donezk in dieser Saison zum fünften Mal in Folge in der Champions League. Allerdings reichte es nie für ein Weiterkommen über die Gruppenphase hinaus. In der ukrainischen Liga konnte man Rekordmeister Dynamo Kiew in den letzten Jahren etwas auf Distanz halte und wurde in drei der letzten vier Jahre Meister, doch in dieser Saison steht Donezk mit deutlichem Rückstand auf Kiew nur auf Platz 2.

Da ich mich weder in der ukrainischen Liga, noch mit Schachtars Kader wirklich gut auskenne, möchte ich auf einen Eintrag im Worum-Blog verweisen, in dem zwei Kenner dieser Mannschaft, deren Stärken und Schwächen anschaulich beschreiben. Ich habe Donezks Spiele im Halbfinale gegen Kiew gesehen und war ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht. Das Niveau der Spiele war nicht schlecht und Donezk insgesamt auch die bessere Mannschaft, aber insgesamt lag das schon etwas unter der Klasse der Nordderbys im anderen Halbfinale. Ansonsten habe ich ein Spiel aus der UEFA-Cup Saison 2006/2007 vor Augen, als Donezk auf gutem Weg war, Titelverteidiger FC Sevilla aus dem Wettbewerb zu schmeißen, bevor Torhüter Palop seine Mannschaft durch ein Tor in der Nachspielzeit noch in die Verlängerung rettete, wo man sich dann letztendlich durchsetzte. Matuzalems 1:0 war sicher eines der schönsten Tore jener Saison.

Ob Werder nun leichter Favorit ist oder nicht, spielt in so einem Finale keine Rolle. Es wird ein großer Kraftakt nötig sein um den Pokal zu gewinnen und ich hoffe unsere Spieler sind bereit für diese Aufgabe. Diegos Ausfall ist bitter, da er selbst an einem schlechten Tag ein Spiel durch eine Einzelaktion entscheiden kann und Freiräume für seine Mitspieler schafft. Nun hängt vieles an Özil, aber auch an Frings. Das Mittelfeld ist bei beiden Mannschaften der beste Mannschaftsteil. Hier muss Werder die physischen Vorteile ausnutzen und spielerisch mit Donezk mithalten. Donezk wird sicherlich am Ausfall von Thomas Hübschman zu knabbern haben (daher ist Diegos Ausfall gleich doppelt schade). Großen Respekt habe ich vor Darijo Srna, der auch zu den Leistungsträgern der kroatischen Nationalmannschaft gehört. Ihn würde ich sogar als eine größere Bedrohung für Werder einstufen, als etwa Fernandinho oder Jadson.

Doch nun genug der vielen Worte. Geht's raus und spuits Fußball!

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