Darf ich vorstellen: Udinese Calcio

Im Gegensatz zu Werders letztem Gegner, dürfte Udinese Calcio den meisten Werderfans noch bekannt sein. 3 1/2 Jahre ist das letzte Aufeinandertreffen in der Champions League her. Werder spielte am 3. und 4. Spieltag der Gruppenphase gegen die Mannschaft aus dem norditalienischen Udine und legte nach zwei Niederlagen gegen Barcelona und Panathinaikos den Grundstein zum Weiterkommen. In Udine holte man nach einer etwas glücklichen Führung durch ein Eigentor ein etwas blasses 1:1 Unentschieden.

Das Rückspiel hatte hingegen höchsten Unterhaltungswert. Werder zeigte eine ganz starke erste Halbzeit und lag nach 50 Minuten mit 3:0 vorne. Doch auch das andere Werdergesicht bekamen die Fans zu sehen: Innerhalb weniger Minuten verspielte die Mannschaft die Führung und musste beim Stande von 3:3 nach einer Stunde von vorne anfangen. Ein Unentschieden wäre gleichbedeutend mit dem sicheren Vorrundenaus gewesen. Doch Werder riss sich am Riemen und ging durch ein Tor von Micoud wieder in Führung. Am Ende blieb es beim verdienten 4:3. Werder zog schließlich noch ins Achtelfinale ein.

Die Mannschaft von Udinese Calcio hat sich seit dem noch radikaler verändert, als die des SV Werder. Nur zwei Spieler aus der damaligen Startelf stehen heute noch im Kader: Der Brasilianer Felipe und Christian Obodo. Viel interessanter aus Werdersicht ist jedoch der damalige Joker Antonio Di Natale. Er erzielte in den beiden Spielen gegen Werder 3 der 4 Tore für Udine und dürfte noch heut in Andi Reinkes Alpträumen vorkommen. Seit Vicenzo Iaquintas Wechsel zu Juve ist Di Natale der Star bei Udine. In dieser Saison erzielte er in 22 Spielen 12 Tore. Mehr werden voraussichtlich nicht hinzu kommen, denn Di Natale fällt wohl für den Rest der Saison mit einer Knieverletzung aus.

Für Werder ist es sicher ein Vorteil, wenn die Italiener ohne ihren besten Stürmer antreten müssen. Torgefahr geht ansonsten eigentlich nur von dessen Sturmpartner Fabio Quagliarella aus. Auch Udines Tabellensituation spricht nicht für sie: Nur auf Platz 14 steht man 8 Spieltage vor dem Ende und hat ähnlich wie Werder weder mit Abstiegskampf noch mit den internationalen Plätzen etwas zu tun. Zuletzt zeigte man zwar ein starkes Spiel gegen Tabellenführer Inter, verlor jedoch mit 0:1. Die beiden Spiele gegen Werder sind nicht nur für Udinese Calcio die letzte Chance, noch einen Erfolg in dieser Spielzeit zu erringen, sondern für den gesamten italienischen Vereinsfußball. Alle anderen Mannschaften sind bereits ausgeschieden.

Obwohl sich Udine in den letzten Jahren durch regelmäßige Europapokalteilnahmen einen Namen gemacht hat, hat der Verein noch nie einen bedeutenden Titel gewonnen. So zählt das Erreichen des Viertelfinales im UEFA-Cup schon zu den größten Erfolgen in der Geschichte des Vereins. Übertroffen wird es nur noch von der einzigen Champions League Teilnahme 2005/06. Es kann als gutes Omen gewertet werden, dass Udine auch damals an Werder scheiterte. Überhaupt spricht die Statistik zumindest im Hinspiel klar für Werder: In bislang 12 Heimspielen gegen italienische Mannschaften gab es noch kein Niederlage. Dies sollte sich auch heute Abend nicht ändern, um Werders Chancen auf das Halbfinale aufrecht zu erhalten.

Auch ein Gegentor sollte vermieden werden, wenn man im Rückspiel nicht gegen eine Mauer anrennen will. Taktisch ist die Mannschaft von Pascale Marino gut eingestellt. Die großen Namen sucht man bei Udinese Calcio vergeblich, doch davon sollte man sich nicht blenden lassen. Der Kader ist trotzdem gut und ausgeglichen besetzt. Größter Pluspunkt ist das Mittelfeld um den Schweizer Gökhan Inler und Gaetano D'Agostino, das Werder wenig Raum für die entscheidenden Pässe geben dürfte. Wenn Werder hier nicht zu seinem Kombinationsspiel findet und Udine so seine gefährlichen Konter ermöglicht, könnte es ein bitterer Abend werden. Zeigt sich Werder jedoch in der Form aus den Spielen gegen Milan oder Dortmund und Wolfsburg im DFB-Pokal, sollte auch die Hürde Udinese Calcio übersprungen werden.

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