Das Leben der Anderen (3): CL Achtelfinalhinspiele

Werder spielt erst Donnerstag im UEFA-Cup beim AC Milan. Das Spiel wird wie erwartet nicht im deutschen Fernsehen übertragen und auch nicht bei Werder.TV. Man muss also entweder auf Live-Streams hoffen oder mit der neunzig minütigen Liveübertragung im Radio vorlieb nehmen. Grund genug, sich mal auf den anderen Plätzen Europas umzuschauen. Die Champions League geht in die nächste Runde:

FC Arsenal – AS Rom 1:0

In der ersten Halbzeit war es ein Spiel, wie man es erwarten konnte: Arsenal mit viel Offensivkraft, viel Ballbesitz (so um die 65%) und auch durchaus mit guten Torchancen. Leider kamen auch die Schwächen im Torabschluss wieder zum Vorschein. Es gab Zeiten, da hätten die Gunners wesentlich mehr aus solchen Chancen gemacht. Das Spiel war typisch für Arsenal auf technisch hohem Niveau, aber auch sehr umständlich. Hätte Mexes kurz vor der Halbzeit nicht Robin Van Persie im Strafraum von den Beinen geholt, bin ich mir nicht sicher, ob die Londoner überhaupt ein Tor geschossen hätten. Der Niederländer verwandelte den Strafstoß selbst und sorgte für die verdiente Pausenführung. Rom war bis dahin nur sporadisch vor dem Arsenal Tor aufgetaucht, war dann aber immer gefährlich und hatte einige gute Chancen.

In Halbzeit zwei investierten die Römer mehr in das Spiel und verlagerten es etwas aus ihrer Hälfte heraus. Arsenal versuchte sich nun mehr an schnellen Gegenstößen, konnte aber aus den sich bietenden Chancen wieder nichts machen (Eboué! Bendtner). Rom hatte Probleme, das eigene Angriffsspiel aufzuziehen, verlor die Bälle spätestens 30 Meter vor dem Tor. So plätscherte das Spiel dann bis zum Abpfiff vor sich hin, vermutlich auch, weil beide Mannschaften mit dem Ergebnis leben können: Arsenal hat einen Vorsprung herausgeholt und kein Gegentor kassiert, Rom wird sich darüber freuen, dass man nur mit einem Tor unterschied verloren und so durchaus noch Chancen aufs Weiterkommen hat.

Inter Mailand – Manchester United 0:0

Das brisanteste Spiel fand am Dienstag in Mailand statt. Mourinhos Inter gegen Fergusons United. Duell zweier Trainerlegenden. Alex Ferguson hat dabei in der Vergangenheit meistens den kürzeren gezogen. Hier sah es eine Halbzeit lang so aus, als würde jetzt die Revanche dafür kommen. Manchester spielte mit den Italienern Katz und Maus, war in allen Belangen überlegen. Es sah aus, wie bei einem Boxer, der seinen hoffnungslos unterlegenen Gegner erstmal richtig hinstellt, bevor er zum K.O.-Schlag ausholt. Der entscheidende Punch kam jedoch nicht, trotz bester Einschussmöglichkeiten.

Jose Mourinho wäre aber nicht Jose Mourinho, wenn er darauf keine passende Antwort parat gehabt hätte. In der zweiten Halbzeit war Inter plötzlich da, machte defensiv mehr Druck auf den ballführenden Spieler und spielte sich offensiv beste Chancen heraus. Manchester war davon sichtlich beeindruckt und kam kaum noch zu Tormöglichkeiten. Aus dem ungleichen Duell in Halbzeit 1 wurde ein Schlagabtausch auf Augenhöhe. Das Unentschieden geht daher am Ende in Ordnung, doch United dürfte sich ordentlich in den Hintern beißen, dass man aus den zahlreichen guten Chancen kein Auswärtstor gemacht hat. Zwar kann man nun mit einem Heimsieg alles klar machen und darauf hoffen, das Edwin van der Sar seine fast 24 Stunden währende Serie ohne Gegentor noch weiter ausbauen kann. Andererseits ist das 0:0 ein typisches Mourinho-Champions-League-Heimspiel-Ergebnis. Im Rückspiel wird gemauert und irgendwie vorne ein Ball reingekegelt.

Von der Klasse her, müsste Manchester klar weiterkommen, doch Inter ist vor allem physisch ein ganz starker Gegner (wie man schon im Heimspiel gegen Werder sehen konnte), der im Rückspiel um jeden Zentimeter kämpfen wird. Wenn ich müsste, würde ich mein Geld jetzt auf Inter setzen.

FC Chelsea – Juventus Turin 1:0

Am Mittwoch traf dann Mourinhos Ex-Club FC Chelsea auf das wieder erstarkte Juventus Turin, das ebenfalls von einem ehemaligen Chelsea Coach trainiert wird, nämlich Claudio Ranieri. Es war das erste Champions League Spiel für die Blauen unter dem neuen Trainer Guus Hiddink.

Chelsea legte los wie die Feuerwehr, erspielte sich in der Anfangsphase eine Chance nach der anderen. Und sie wurden früh für ihren Aufwand belohnt: Ballack eroberte auf der rechten Seite einen Ball von Camoranesi. Der Ball landete vor den Füßen von Kalou, der aus der Drehung einen Traumpass genau zwischen die beiden Innenverteidiger in den Sechzehner spielte, den Drogba vorbei an Buffon ins Tor vollstreckte. Chelsea blieb auch in der Folge die dominante Mannschaft, ließ aber gegen Ende der ersten Halbzeit die Zügel etwas schleifen, so dass Juventus sich etwas befreien konnte und durch Del Piero, Chiellini und Camoranesi auch zu eigenen Chancen kam. Die Londoner behielten jedoch die Kontrolle über das Spiel.

Dies änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht. Das Spiel verflachte zusehends, weil Juve nicht mehr konnte und Chelsea nicht mehr musste. Drogba lieferte sich eine kleine Privatfehde mit dem Schiri, in dem er bei jedem Körperkontakt im Strafraum zu Boden ging, jedoch keinen Strafstoß zugesprochen bekam. Juve hatte die beste Chance in der letzten Minute durch einen abgefälschten Schuss von Pavel Nedved, der knapp neben dem Tor einschlug. Auch hier können beide Mannschaften mit dem Ergebnis einigermaßen leben. Wenn Chelsea im Rückspiel aber ähnlich souverän auftritt, räume ich Juventus keine große Chance auf ein Weiterkommen ein.

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