Das Weißwurstimperium schlägt zurück

Werder U19 – Bayern U19 2:2

Schon klar, dass ein spöttischer Artikel über den FC Bayern nicht ungesühnt bleiben darf. Aber warum müssen es immer die Kleinsten sein, die es ausbaden?

Am Mittwoch spielte Werders U19 im Halbfinal Hinspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den Nachwuchs der Bayern. Vor ca. 1.500 Zuschauern auf Platz 11 sicher ein tolles Erlebnis für die Jungs, die das große Interesse mit einer ansprechenden Leistung zurückzahlten. Für mich war es nach bestimmt 5 Jahren das erste Spiel einer (Werder-)Jugendmannschaft, bei dem ich live vor Ort war. Gelohnt hat es sich auf alle Fälle. Erstens nehme ich in der gerade angebrochenen spielfreien Zeit alles mit, was ich bekommen kann. Zweitens konnte ich so dem Vater meiner Freundin (ehemaliger American Football Trainer mit sehr begrenzten Soccer-Kenntnissen), der gerade aus den USA zu Besuch ist, so wenigstens ein bisschen hochklassigen Fußball bieten. Drittens war das Spiel sehr spannend und intensiv. Und viertens war ich kurz im ARD-Mittagsmagazin zu sehen, wo gestern die Höhepunkte des Spiels gezeigt wurden.

Zugegeben, der Platz, den wir uns im kleinen Stadion ausgesucht hatten, war grenzwertig: Mitten zwischen dem etwa zehnköpfigen (dafür aber lautstarken) Bayern-Fanblock und der Auswechselbank des Rekordmeisters. Motto: Keep your friends close, but your enemies closer. Die werden schon sehen, dachte ich mir.

Werder begann stark, mit gutem Passspiel und viel Druck nach vorne. Leider wurden sie nicht belohnt und ließen nach ca. 15 Minuten ein wenig nach. Die Bayern schlugen eiskalt zu und gingen in Führung. Danach gab es ein sehr ausgeglichenes, kampfbetontes Spiel. Werder schaffte noch vor der Pause den Ausgleich, was den doch etwas übermütigen Münchner Anhang zum Schweigen brachte. Die zweite Halbzeit war spielerisch etwas schwächer, aber nicht weniger intensiv. Werder gelang es kaum, sich echte Torchancen herauszuspielen, Bayern blieb durch schnell Konter gefährlich. Dann die Szene des Spiels, aus Bremer Sicht: Ein neuer Stürmer wird eingewechselt, bekommt 20 Sekunden später eine butterweiche Flanke im Strafraum auf den Kopf und hebt den Ball gefühlvoll über den Keeper. Ganz große Klasse! Zum ersten Mal kommt ein bisschen was wie Stimmung auf. Die Bayern antworteten mit einigen wütenden Angriffen, doch die Abwehr stand sicher. Leider fielen die letzten 10 Minuten in doppelter Hinsicht ins Wasser: Erst setzte ein sintflutartiger Platzregen ein, der bis nach Ende des Spiels anhielt. Dann erzielten die Bayern zwei Minuten vor Schluss noch das 2:2.

Vom Tor haben weder ich noch meine Begleiter etwas mitbekommen, da wir krampfhaft versuchten, zu dritt unter einem Regenschirm Platz zu finden. Gebracht hat es nichts, beim Abpfiff waren wir komplett durchnässt, die Bayern jubelten und irgendwo am grauen Bremer Himmel, da bin ich mir ganz sicher, sah ich Uli Höneß – ein Weißbierglas in der Hand – hämisch auf mich herabgrinsen. Geschieht mir ja auch recht.

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