Der Fall Born – Eine Chronik

Die Vorwürfe gegen (Ex-)Werder-Boss Jürgen L. Born werden von Tag zu Tag größer. Inzwischen hat Born dem Druck nachgegeben und hat seinen für Jahresende vorgesehenen Rücktritt vorgezogen. Beendet ist die Affäre, die außerdem Werderprofi Claudio Pizarro belastet, damit noch lange nicht.

Eine Chronik der Ereignisse:

Montag, 2.3.2009:

Der Spiegel erhebt in seiner Ausgabe 10/2009 erstmals Anschuldigungen gegen Werder Bremen und seinen Geschäftsführer Jürgen L. Born. Beim Transfer des Peruaners Roberto Silva sollen nur $250.000 der Kaufsumme von $1,35 Mio. an dessen Verein Sporting Cristal Lima überwiesen worden sein. Der Rest ging angeblich an die Agentur Image des Spielerberaters Carlos Delgado, bei der auch Claudio Pizarro (stiller) Gesellschafter ist, und von wo aus das Geld dann verteilt worden sein soll: $895.875 an Pizarro, $10.000 an Limas Sportdirektor und $100.000 an einen gewissen "JB", bei dem es sich um Jürgen Born handeln soll. Born bestreitet die Vorwürfe und behauptet, die gesamte Transfersumme sei an Sporting Cristal Lima gezahlt worden. Diese Behauptung nahm er wenige Tage später jedoch zurück.

Samstag, 7.3.2009:

Spiegel-Online bekräftigt die Vorwürfe gegen Born. Dem Spiegel liege eine Zahlungsanweisung von Delgado an Born vom 29. August 2001 über $50.000 vor, heißt es. Born gibt dem Spiegel gegenüber zu, Geld von Delgado erhalten zu haben. Er könne sich nicht erinnern, ob dies im Zusammenhang mit Silvas Transfer geschehen sei, kann allerdings auch keine andere schlüssige Erklärung liefern. Möglicherweise habe es sich um die Rückzahlung eines Privatkredits gehandelt, den Born Delgado zur Finanzierung einer Weltreise gewährt hatte. Born erklärt weiter, dass er sich als Opfer eines Ehestreits zwischen Delgado und seiner Noch-Ehefrau Fiorella Farré (in einigen Quellen auch Fiorella Fore/Faré) sehe, in dessen Rahmen die belastenden Dokumente an die Öffentlichkeit geraten waren.

Am Samstagabend teilt Born Werders Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke mit, dass er seine Ämter bei Werder Bremen bis auf Weiteres ruhen lasse. Daraufhin gibt Werder Bremen eine Pressemitteilung heraus, die den vorläufigen Rücktritt des Geschäftsführers bestätigt. Lemke wird darin folgendermaßen zitiert:

"Die Vertreter des Aufsichtsrates begrüßen und akzeptieren ausdrücklich diesen Schritt von Jürgen Born. Wir werden alles daran setzen, damit es zu einer schnellen Aufklärung der Angelegenheit kommt. Werder Bremen ist für seine solide Geschäftspolitik bekannt, solche Vorwürfe gefährden unser Image. Deshalb werden wir zur Aufklärung einen unabhängigen und renommierten Wirtschaftsprüfer einsetzen."

Zugleich betont Lemke jedoch, dass man solange davon ausgehe, dass sich Jürgen Born korrekt verhalten habe, wie "keine Schuld nachgewiesen wird." Born beteuert seine Unschuld. Er habe keinerlei Zahlungen im Rahmen des Transfers erhalten, wolle jedoch bis zur "endgültigen Klärung des Sachverhaltes" seine Funktionen ruhen lassen.

Montag, 9.3.2009:

Werders Geschäftsführung reagiert auf Borns Rückzug und verteilt die Aufgaben neu: Sportdirektor Klaus Allofs übernimmt kommissarisch den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und den Vorsitz der Geschäftsführung, Manfred Müller neben Marketing und Management nun auch die Verantwortung für Werders Finanzen.

Die Printausgabe des Spiegel (11/2009) wiederholt noch einmal die Vorwürfe, die Spiegel Online bereits zwei Tage vorher erhoben hatte. Born selbst wollte sich zu dem Thema nicht mehr äußern. Gegenüber der Syker Kreiszeitung erklärt er: "Ich möchte dazu nichts mehr sagen, weil das immer wieder Raum für Spekulationen gibt."

Dienstag, 10.3.2009:

Der "Fall Born" weitet sich immer mehr aus. Nun steht auch Claudio Pizarro im Fokus der Beobachtung. Carols Delgados Agentur Image wird Steuerhinterziehung in Höhe von ca. 8 Mio. € vorgeworfen. Pizarro besitzt an der Agentur, die von seinem Vater und Delgado gemeinschaftlich gegründet wurde, die Anteilsmehrheit. Ihm wird zudem unterstellt, aktiv als Spielervermittler tätig gewesen zu sein, was aktiven Spielern laut FIFA-Statuten untersagt ist.

Erstmals lässt Klaus Allofs durchblicken, dass sich diese Vorwürfe auch auf die eigentlich für diesen Sommer geplante Verpflichtung des Peruaners auswirken könnte, der derzeit auf Leihbasis für Werder spielt und noch bis 2010 beim FC Chelsea unter Vertrag steht. Allofs erklärt zwar, dass man von Pizarros Unschuld überzeugt sei, lässt dessen Zukunft bei Werder jedoch offen:

"Um finanzielle Dinge hat sich Claudio bei den Verhandlungen mit uns
eigentlich nie so recht gekümmert, das hat er immer seinem Berater und
seinem Vater überlassen. Deshalb bin ich überzeugt, dass er über
mögliche Beteiligungen an so einer Firma nichts Genaues weiß. Er war
und ist kein Spielervermittler."

(…)

"Aus sportlicher und menschlicher Sicht wollen wir Claudio gerne
behalten, aber wir müssen auch die Untersuchungen in Peru abwarten,
denn wir können uns ja nicht außerhalb des Rechts stellen."

Mittwoch, 11.3.2009:

Nachdem sich Pizarro einen Tag zuvor noch nichts zu den Anschuldigungen sagen wollte, äußert er sich nun gegenüber der Kreiszeitung: "Ich bin mir sicher, dass ich nichts falsch gemacht habe. Deshalb mache ich mir auch keine Sorgen." Außerdem halte er an Berater Delgado fest, da dieser aus seiner Sicht nichts unrechtes getan habe. Auch Pizarro sieht sich (und Delgado) als Opfer des zuvor angesprochenen "Ehekriegs": "Die Sache ist doch so: Die Frau will Geld, und ich habe einen bekannten
Namen – deswegen steht das so groß in den Zeitungen, obwohl ich damit
gar nichts zu tun habe."

Das Festhalten an Delgado könnte auch zum Stolperstein für die Transferverhandlungen werden, sollte Werder Pizarro tatsächlich fest verpflichten wollen, mutmaßt die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Es sei kaum vorstellbar, dass der Klub künftig noch Geschäfte mit einem Berater mache, der einen Werder-Funktionär an einem Transfer
beteiligt hat.

Unterdessen hat nach der Staatsanwaltschaft Lima auch die FIFA Ermittlungen gegen Delgado aufgenommen. Es wird erwartet, dass es bald auch Ermittlungen gegen Pizarro geben könnte.

In Bremen wird derweil bereits über einen Nachfolger Borns spekuliert. Hoch gehandelt wird der ehemalige Werderspieler Marco Bode, der auch gleich Interesse signalisierte. Laut einem Artikel der Welt hat Werders Aufsichtsrat bereits mit dem Ex-Nationalspieler gesprochen, was jedoch nicht als Signal ausgelegt werden muss, dass Werder das Kapitel Born schon ageschlossen hat. Der Abschied der Geschäftsführer Born und Müller im Sommer 2010 steht schließlich schon seit längerer Zeit fest. Werder hat deshalb schon vor einigen Wochen drei Headhunter engagiert, die geeignete Kandidaten für die Geschäftsführung suchen sollen. Der studierte Philosoph Bode gilt schon länger als möglicher Nachfolger für Müllers Marketingposten.

Donnerstag, 12.3.2009:

Am Tag des UEFA-Cup Spiels gegen St. Etienne erhebt die peruanische Zeitung La Repulica neue Anschuldigungen gegen Jürgen Born: Auch bei der Vertragsverlängerung von Nelson Haedo Valdez im Jahr 2003 soll Born mitverdient haben. Es soll eine Rechnung über 200.000 Euro von Delgados Beraterfirma, die Valdez (angeblich auf Wunsch Borns!) bei den Vertragsverhandlungen vertrat, an Werder Bremen existieren. Das Geld sei dann auf die Konten von Valdez' Schwester Sonia Haedo und Jürgen Borns Sohn Maximilian weiterverteilt worden. Diese Anschuldigungen werden von Fiorella Farrés Anwalt Edgardo Mercado erhoben. Jürgen Born will sich gegenüber bild.de nicht zu den Anschuldigungen äußern.

Manfred Müller bestätigt auf Anfrage der Kreiszeitung die Überweisung an Image: "Delgado war eine zeitlang der Berater von Nelson – und wir haben
damals auch das bei Vertragsverlängerungen übliche Honorar an den
Berater überwiesen. Über den Verbleib
des Geldes weiß ich allerdings nichts."

Klaus Allofs kündigt nach dem Spiel gegen St. Etienne eine offizielle Reaktion des Vereins am Freitag an.

Freitag, 13.3.2009:

Jürgen Born tritt von seinen Ämtern bei Werder Bremen zurück. Da er sich zu dem Zeitpunkt aus familiären Gründen in Uruguay aufhält, gibt dazu folgende Erklärung ab:

"Aufgrund der Tatsache, dass ich erneut Gegenstand von Berichten im
Zusammenhang mit Finanztransaktionen der peruanischen Firma ‚Image’
bin, werde ich meinen ohnehin zum Jahresende geplanten Rückzug aus der
Geschäftsführung von Werder Bremen vorziehen. Ich gebe meine Ämter ab
sofort endgültig ab. Ich kann aber versichern, dass ich keinerlei
unerlaubte finanzielle Vorteile auf Kosten der Werder Bremen GmbH &
Co KG aA gezogen habe. Der Nachweis darüber erfordert jedoch einige
Zeit, ich möchte Werder daher von unnötigen Belastungen frei halten."

Der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke äußert sich dazu folgendermaßen:

"Das war eine folgerichtige Entscheidung von Jürgen Born. Die
eingeleitete Untersuchung der Vorgänge durch eine
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft werden wir aber auf jeden Fall
durchführen lassen. Wir sind verpflichtet zum Wohle von Werder Bremen
die nötige Transparenz in dieser Angelegenheit zu schaffen."

(…)

"Ich habe mit ,Borni' dreimal über diese Dinge gesprochen, und er
konnte mir nicht sagen: Willi, so und so war das. Aber genau das hätte
ich erwartet. Denn an eine Zahlung von 50.000 Dollar könnte ich mich
erinnern und wüsste, wofür das Geld geflossen ist."

Die Bereits am vorigen Montag verkündete Neuordnung der Geschäftsführung habe "bis auf weiteres Bestand."

Sonntag, 14.3.2009:

Bild.de titelt: "Pizarro vor dem Aus!" Es ist ein neues Schriftstück aufgetaucht, dass eine aktive Betätigung Pizarros als Spielervermittler belegen soll. Wieder geht es um Pizarros Landsmann Roberto Silva. An dessen Transferrechten soll Pizarro persönlich zu 30% beteiligt sein. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, droht Pizarro eine Sperre von bis zu zwei Jahren.

Klaus Allofs betont nach Außen sein Vertrauen in Pizarros Unschuld und macht Werders Interesse an einer Weiterverpflichtung weiterhin vom Ausgang der Ermittlungen abhängig. Bild.de will jedoch erfahren haben, dass Werder vom Plan, Pizarro zu verpflichten, "längst abgerückt" sei.

Nach dem Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart nimmt Willi Lemke in der Fernsehsendung Sportclub im NDR noch einmal Stellung zu den Vorwürfen. Neue Erkenntnisse gibt es nicht. Lemke ist anzumerken, dass die Affäre Spuren hinterlassen hat. Er nennt Jürgen Born auch in Interviews weiterhin "Borni", doch seine Aussage, noch immer von dessen Unschuld überzeugt zu sein, klingt wenig glaubhaft. Auch in der Causa Pizarro kann man Lemkes Zweifel bemerken. Er lenkt das Gespräch immer wieder auf die sportlich erfolgreichen Ergebnisse der letzten Wochen, bringt aber auch die Nervosität zum Ausdruck, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein könnte. Statt bröckchenhafter Informationen aus den peruanischen Medien wünsche er sich, dass endlich alle Fakten auf den Tisch kämen, damit die Sache ein Ende habe und Werder die nötigen Konsequenzen ziehen könne.

Donnerstag, 19.3.2009

Die Süddeutsche Zeitung arbeitet die Vorwürfe gegen Born und Pizarro weiter auf. Dabei erheben die Autoren auch indirekt Vorwürfe gegen den neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung Klaus Allofs. Den Versuch, die Entdeckung des bei Werder erfolglosen Delgado-Schützlings Roberto Silva als Zufall darzustellen, halten sie für wenig glaubhaft, die Rolle der Werder-Geschäftsführung für "mindestens naiv". Allofs wird dazu folgendermaßen zitiert: "Natürlich habe ich mit
Claudio damals über Roberto gesprochen. Er hat mir gesagt: Du,
ich kenne den gar nicht richtig." Dies erscheint  schon deshalb unglaubwürdig, weil Pizarro und Silva 1998 einige Monate lang im selben Verein spielten. Die SZ beruft sich auch auf einen Artikel des Weser Kuriers aus dem Jahr 2001. Dort sei davon die Rede gewesen, dass Pizarro Allofs seinen Landsmann "wärmstens empfahl".

Das eigentlich Neue an dem Artikel sind jedoch zwei Dokumente, die belegen sollen, wie der Silva-Transfer genau über die Bühne ging: Werder schloss offiziell einen Vertrag mit Sporting Cristal Lima über den Kauf des Spielers Roberto Silva ab. Darin verpflichtet sich Werder zu einer Zahlung von $1.350.000 an den Verein. Der Betrag wurde dann jedoch an Delgados Agentur Image überwiesen. Die Dokumente untermauern also die  schon im Spiegel erhobenen Anschuldigungen. Merkwürdig ist allerdings, dass die Vereinbarung auf Seiten von Sporting Cristal Lima von Delgado unterschrieben wurde, der angeblich über eine Vollmacht des Vereins verfügt haben soll. Delgado trat somit in doppelter Rolle – als Berater des Spielers und als Vertreter des abgebenden Vereins – in Erscheinung, was nach Statuten der Fußballverbände verboten ist.  Laut SZ verdienten Delgado und Pizarro somit gleich dreifach: Neben dem Vermittlungshonorar von $135.000 und weiteren $125.000 aus einem Beratervertrag mit Werder kassierten sie auch an der Transfersumme mit.

Neben den schon erwähnten drohenden Sanktionen gegen Pizarro erwähnt der Artikel auch erstmals mögliche Strafen gegen Werder Bremen: "Dem Klub drohen von milden Geldstrafen bis Transferverbot, Punktabzug und Zwangsabstieg ebenfalls eindrucksvolle Bußen." Zwangsabstieg für das Fehlverhalten eines Geschäftsführers? Wenn nicht eine weitreichende Beteiligung der gesamten Geschäftsführung nachgewiesen werden kann, dürfte das doch sehr unwahrscheinlich sein. Da haben andere Vereine schon viel heiklere Situationen überstanden.

Samstag, 21.3.2009

Peter Burghardt wirft in der SZ einen Blick auf die Frau, die hinter dem Bekanntwerden der Vorwürfe steht:

"Die Frau, die das Zahlungssystem im Profifußball enthüllen will, ist
eine aparte Schönheit. Schwarzes Haar, schwarze Augen, blasser Teint.
In Peru wurde Fiorella Faré einst in Dessous bekannt: Auf ihrem
berühmtesten Plakat posierte sie in weißer Spitzenwäsche an einer
Avenida Limas, Autofahrer gerieten vor ihren Kurven ins Schlingern. Nun
hat das Topmodel beschlossen, mutmaßliche Abzocker aus der Kickerszene
zu entblößen, vorneweg ihren bisherigen Gatten und dessen Partner.

(…)

'Das ist jetzt meine Arbeit', sagt
sie. Auf einem Eichentisch mit Kamelhaardecke stapeln sich Kopien von
vielen der 4000 Dokumente, die sie in ihren Besitz gebracht hat, die
Originale lagern in einem Safe. Ein Rechner und eine Lupe liegen
bereit, es geht um Millionen und Kleingedrucktes. 'Claudio Pizarro'
steht auf Ordnern, 'Werder Bremen', 'Bayern München' und so weiter.
Manche Akteure sind darin entkleidet bis auf die Kontoführung."

Bayern München? Darüber wurde bislang öffentlich nicht spekuliert. Über eventuell belastendes Material ist ebenfalls nichts bekannt. Pizarro spielte von 2001 bis 2007 bei den Bayern. Der Name Delgado dürfte auch dort nicht unbekannt sein. Auch Paolo Guerrero wurde seinerzeit von ihm vertreten. Die Papiere gewähren tiefe Einblicke in die Ausgestaltung der Spielerverträge von Delgados Schützlingen, belasten aber nicht die jeweiligen Vertragspartner. Deutlich wird allerdings, wie "geschickt" Delgado seine üppigen Einnahmen verteilte.

Man sollte auch eigentlich davon ausgehen, dass Farré und ihr Anwalt etwaiges belastendes Material gegen den FC Bayern längst veröffentlicht hätten – schon allein des öffentlichkeitswirsamen Effekts wegen. Schaut man sich Farrés bisherige Strategie bei der Veröffentlichung von belastendem Material an, kann man trotzdem nicht ausschließen, dass auch in dieser Richtung noch etwas kommen könnte.

Claudio Pizarro und Werder Bremen kündigen unterdessen an, dass Pizarro am 23.3. nicht nach Peru reisen werde. Eine Vorladung zur peruanischen Staatsanwaltschaft existiere nicht.

Montag, 23.3.2009

Bei Werder geht die Untersuchung der Vorwürfe durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer weiter. Eine Stellungnahme zum aktuellen Stand der Untersuchung lehnt Klaus Allofs ab: "Wir bitten um Verständnis, dass weder die Geschäftsführung noch der Wirtschaftsprüfer Zwischenergebnisse kommentieren werden. Wir möchten den Abschluss der Prüfungen abwarten." Mit einem Abschlussbericht sei nicht vor Anfang Mai zu rechnen.

Der inzwischen wieder in Deutschland weilende Jürgen Born leugnet weiterhin ein Fehlverhalten seinerseits: "Ich habe bereits erklärt, dass ich keinerlei Zahlungen zu Lasten Werder Bremens erhalten habe. Darüber hinaus werde ich öffentlich keine Stellungnahme abgeben, solange die Untersuchung läuft. Den Wirtschaftsprüfern stehe ich selbstverständlich zur Verfügung."

Samstag, 23.5.2009

Spiegel Online berichtet über den Transfer Claudio Pizarros von Werder zum FC Bayern 2001. Auch damals soll Delgado illegalerweise doppelt kassiert haben. Insgesamt seien für den Transfer 45 Millionen US-Dollar geflossen sein. Pizarros Gehalt belief sich demnach für vier Jahre Vertragslaufzeit auf $15 Millionen netto. Darin enthalten waren $8 Millionen Handgeld, die vom Sportartikelhersteller Adidas über einen langfristigen Werbevertrag mit Pizarro ausgezahlt wurden. Berater Carlos Delgado habe sowohl vom FC Bayern, als auch von Pizarro eine Vermittlungsprovision erhalten. Insgesamt sollen $3,75 Millionen an Delgado, bzw. seine Agentur geflossen sein.

Samstag, 30.5.2009

Werder Bremen gibt eine Pressemitteilung zum "Fall Born" heraus. Die beauftragten Wirtschaftsprüfer hatten am Donnerstag dem Aufsichtsrat ihren vorläufigen Bericht präsentiert:

"Dabei kam zum Ausdruck, dass sich der Verdacht einer Bereicherung auf
Kosten von Werder Bremen im Zusammenhang mit Spielertransfers nicht
erhärtet hat.

Willi Lemke, der Vorsitzende des Aufsichtsrates kommentierte den
Vorgang: 'Wir können nach einer vorläufigen Mitteilung des
Wirtschaftsprüfers derzeit davon ausgehen, dass Jürgen L. Born der
Kapitalgesellschaft keinen wirtschaftlichen Schaden zugefügt hat. Der
Aufsichtsrat geht nach derzeitigem Stand der Erkenntnis ebenso davon
aus, dass sich Jürgen Born nicht bereichert hat.'"

Fraglich bleibt, ob der Bericht Born vollständig entlasten kann. Die Formulierungen klingen noch sehr vorsichtig. Der endgültige Bericht von PricewaterhouseCoopers "steht unmittelbar bevor."

Samstag, 6.6.2009

Jürgen Born gibt der Kreiszeitung ein Interview, in dem er sich zum Bericht der Wirtschaftsprüfer äußert. Born sieht sich durch die Erkenntnisse rehabilitiert, kritisiert zugleich den Aufsichtsrat: "Ich hätte mir (…) nach zehn Jahren unentgeltlicher Mitarbeit
sehr gewünscht, das Ergebnis der Analyse abzuwarten, statt voreilig
eine Vorverurteilung vorzunehmen und damit mir und letztlich auch
Werder Bremen einen Imageschaden zuzufügen." Dieser Vorwurf dürfte vor allem an die Adresse von Willi Lemke gerichtet sein. Zu den konkreten Anschuldigungen gegen sein Person nimmt er unter Verweis auf den bevorstehenden Abschlussbericht nur vorsichtig Stellung:

"Sie waren verdächtigt worden, bei einem Spielertransfer und
einer Vertragsverlängerung mitverdient und Werder Bremen Schaden
zugefügt zu haben. Wie konnten Sie das entkräften?"

"Die
Geldbeträge, die geflossen sind – dies schon einmal als Vorgriff auf
das endgültige Ergebnis der Untersuchung – sind weder bei mir
verblieben, was schriftliche Bestätigungen dritter Begünstigter
belegen, noch entsprachen alle veröffentlichten Daten der Realität.
Bevor der endgültige Bericht des Wirtschafts-Prüfungsunternehmens
vorliegt, halte ich es aber für fair und sinnvoll, zu weiteren Details
keine Stellung zu nehmen."

To be continued…

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Zur Personalie Jürgen L. Born:

Jürgen Ludger Born (* 24.9.1940) war seit Mai 1999 erst Vorstandsvorsitzender und später Vorsitzender der Geschäftsführung bei Werder Bremen. Außerdem war er in der Geschäftsführung für die Bereiche Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Seine Tätigkeiten bei Werder führte Born allesamt ehrenamtlich aus. Vorher war der studierte Wirtschaftswissenschaftler von 1968 bis 1999 bei der Deutschen Bank tätig. Einen Großteil dieser Zeit verbrachte er im Ausland, unter anderem in Buenos Aires, Asunción, Montevideo und Sao Paolo. Seit 2000 ist er außerdem Honorarkonsul von Uruguay.

Born gab sich gerne volksnah, wurde bei Heimspielen sogar schon im Fanblock gesichtet. Seine besonnene und freundliche Art verhalf ihm bei Fans und Vereinsumfeld zu großer Beliebtheit. Auch die Tatsache, dass er sich aus sportlichen Belangen meist heraushielt und sich nie öffentlich in die Kompetenzen von Sportdirektor Allofs und Trainer Schaaf einmischte, machte ihn zum scheinbar idealen Vorsitzenden der Werder KG aA.

Born galt als ausgezeichneter Kenner der südamerikanischen Fußballszene. Seine Verbindungen verhalfen Werder immer wieder zu lohnenswerten Transfers südamerikanischer Spieler, wie etwa Claudio Pizarro (der "Santa Cruz für Arme", Zitat Uli Hoeneß) oder Nelson Haedo Valdez. Dass er sich an zweien dieser Transfers selbst bereichert haben soll, lässt diese "guten" Verbindungen in ganz anderem Licht erscheinen.

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