Der U-UEFA Cup (1): Kopfschmerzen dank Kerner

Werder – Ajax Amsterdam 3:0

Eigentlich gibt es von gestern Abend hauptsächlich positives
zu berichten. Werder hat überzeugend gespielt und deutlich gewonnen, die
Voraussetzungen für das Rückspiel sind hervorragend und der zuletzt vermisste
volle Einsatz war über die gesamten 90 Minuten spürbar. Was könnte man sich
sonst noch als Bestandteil eines gelungenen Europapokalabends wünschen?
Johannes B. Kerner mit Sicherheit nicht. Doch lieber einen Moderator, der es
nicht schon vor Anpfiff schafft, einem mit seiner ahnungslosen Fragerei die
Laune zu verderben. Und sicher, Werder hätte ruhig das eine oder andere Tor
mehr schießen dürfen. Aber wer will nach den zuletzt enttäuschenden Ergebnissen
gleich gierig werden?

Erstaunlich ist allerdings, dass Werder nach zwei verlorenen
Spielen gleich eine Krise angedichtet wurde. Sicherlich auch eine Wertschätzung
der bisherigen Leistungen, das gibt es sonst in Deutschland nur beim FC Bayern.
Amüsiert hat mich vor dem Spiel besonders, dass mancherorts sogar von einer
„Serie“ die Rede war, die Werder beenden wolle. Bei einem Sieg gegen den HSV am
Wochenende hätte man also schon wieder eine Siegesserie vorzuweisen. Auch nicht
schlecht. Nachdem ich mir meine Überschrift für diesen Beitrag schon gestern
vor dem Spiel versaut habe, hat wenigstens der Kicker die Idee aufgegriffen und
zur Schlagzeile „Sauber! Werder putzt Ajax“ umgedichtet. Auch Kerner und
Poschmann konnten sich ihre Wortspiele nicht verkneifen. Seit ich von
Fußballreportern keine kreativen Formulierungen mehr erwarte, geht es mir
viel besser! Also, dann müssen wir im Rückspiel jetzt nur noch „wegspülen“…

Sehr erfreulich war auch das Spiel von Bayer Leverkusen
gegen die Blackburn Rovers. Ein sehr offenes, schnelles, „typisches Pokalspiel“,
mit vielen Torszenen und einer tapfer kämpfenden Leverkusener Mannschaft, bei
der mir besonders Simon Rolfes im defensiven Mittelfeld gut gefiel. Dazu eine
fast perfekte Leistung des Schiedsrichters, der viel laufen ließ und trotzdem
genau in den richtigen Momenten das Spiel unterbrach. Abgerundet wurde das
ganze durch den überraschend zurückhaltenden Kommentar von Thomas Wark, den ich
eigentlich deutlich unangenehmer in Erinnerung hatte. Vielleicht sind meine
Erwartungen in ihn aber auch schon so gering, dass er nur noch gewinnen kann.

Zum Abschluss möchte ich noch mal kurz auf das Werderspiel
zurückkommen. Genauer gesagt auf die angebliche Formkrise bei Miro Klose. Man
darf zumindest erwarten, dass sich die Kritiker schlau machen, bevor sie den
Mund aufmachen. Bestes Gegenbeispiel war gestern erneut Poschmann: „Miro Klose
wäre wirklich mal wieder ein Tor zu gönnen.“ Damit erweckt er den Eindruck,
Klose hätte lange nicht getroffen, dabei ist sein letztes Tor gerade einmal
zwei Wochen her! Zur generellen Kritik ist zu sagen, dass die Behauptung Klose
treffe in Topspielen seltener als sonst zwar stimmt, aber vielleicht auch daran
liegen könnte, dass Werder allgemein in Topspielen seltener trifft (wie
verwunderlich!). Es ist nun mal nicht gerade leicht, gegen Mannschaften wie
Barcelona, Chelsea oder Juventus Turin Tore zu erzielen, wenn man noch dazu als
bester Spieler des Gegners gilt und somit besonderes Augenmerk der gegnerischen
Abwehr auf einen gerichtet ist. Und da ist es dann doch weniger verwunderlich,
dass Klose seit über einem Jahr nicht im Europacup getroffen hat, wenn man
bedenkt, dass 6 dieser 8 Spiele eben gegen Barcelona, Juve und Chelsea waren.
Klose zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er auch an schwächeren Tagen
sehr viel defensiv arbeitet und ein gutes Auge für den besser postierten
Mitspieler hat. Solange Klose solche Vorlagen liefert, wie für Frings und Diego
gestern, kann ich gut damit leben, dass seine Trefferquote geringer ist als letzte Saison. Und
solange Spieler wie Kuranyi und Gomez sich nicht gegen Innenverteidiger wie
Cannavaro, Terry, Puyol oder Carvalho durchgesetzt haben, will ich erst recht
keine Zweifel daran hören, ob Klose der beste deutsche Stürmer ist.

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