Der U-UEFA Cup (3): 23 Prozent Werder

Celta Vigo – Werder 0:1

Wer in Deutschland die Bundesliga oder die Champions League live im Fernsehen sehen möchte, ist (bis auf wenige Ausnahmen) auf Premiere und Arena angewiesen, was mitunter nicht ganz billig ist. Wer sich den Spaß nicht leisten kann oder will, muss trotzdem nicht auf Live-Fußball verzichten: Es gibt das Montagsspiel der zweiten Liga im DSF, einige DFB-Pokalspiele in ARD und ZDF und auch den UEFA Cup kann man – sofern man nur Spiele mit deutscher Beteiligung sehen möchte – live im deutschen Fernsehen verfolgen. Leider gibt es auch im UEFA Cup Ausnahmen. Wie am Donnerstag Abend. Da die Fernsehrechte des UEFA Cups nicht zentral vermarktet werden, kann jede Mannschaft die Livesenderechte ihrer Heimspiele direkt an die Fernsehsender vermarkten. Normalerweise klappt das auch ganz gut. Normalerweise. Beim Spiel Celta Vigo gegen Werder Bremen hat es leider nicht geklappt, sicht mit einem deutschen Sender über die Rechte zu einigen, deshalb blieben die Bildschirme schwarz. Leider war das nicht das einzige, das bei mir an dem Abend schwarz blieb…

Eine tolle Alternative zum teuren Bezahlfernsehen sind Videostreams
im Internet. Hier kann man mit einem entsprechenden Programm durch ein
Peer-to-Peer Verfahren lustige – größtenteils chinesische –
Fernsehsender empfangen, die Bundesliga, Champions League und  UEFA Cup
(und natürlich noch sehr viel mehr) übertragen. Mit einer schnellen
Internetverbindung kann man also auch ohne Pay-TV viele Spiele live
sehen. Mit Hilfe des Werder-Forums bekam ich schnell heraus, wo das
Werder Spiel übertragen wurde. Einem netten Fernsehabend stand also
erstmal nichts im Wege.

Leider brauchen die Livestreams oft eine längere Zeit um
einigermaßen stabil zu bleiben, deshalb sollte man sie rechtzeitig vor
dem Spiel starten, damit man zum Anpfiff ein flüssiges Bild hat. Der
Kanal, der Werder an diesem Donnerstag übertrug ging nur leider erst
wenige Minuten vor Beginn des Spiels online. Während ich den ersten
Minuten der Radioübertragung auf Bremen 1 lauschte, beobachtete ich
hoffnungsfroh die Anzeige unter dem noch schwarzen Fenster, die über
den aktuellen Stand des Zwischenspeicherns informiert. Zu Beginn sah es
noch ganz gut aus, der Wert stieg langsam aber ständig. Bei 23 Prozent
war dann leider Schluss und es ging wieder bei 11 los. Das ganze
wiederholte sich während der ersten 45 Minuten geschätze 17 Mal. Zur
Halbzeit war der Bildschirm immer noch schwarz und die Anzeige stieg
ein letztes Mal auf 23 Prozent. Der Wert hielt sich einige Sekunden,
blinkte mehrmals auf und sank dann wieder auf 11 Prozent ab. Gefrustet
schaltete ich schließlich den Computer aus.

Nun ist es ja nicht so, dass Radioreportagen von Fußballspielen
langweilig wären. Im Gegenteil ist ein Spiel manchmal im Radio
spannender als im Fernsehen. Leider war die Liveübertragung auf Bremen
1 recht schwach. Die meisten Situationen wurden von so ausführlich und
dementsprechend langsam geschildert, das die Spannung schon verflogen
war, bevor sie richtig aufkommen konnte. Natürlich konnten die
Kommentatoren nichts dafür, dass das Spiel an sich wohl eher mäßig war,
doch wenn eine Flanke zehn Sekunden lang beschrieben wird, kann man
sich schon denken, dass daraus keine allzu torgefährliche Situation
mehr entstanden ist. Da erübrigt es sich dann fast noch nachzutragen,
dass die Stürmer die Flanke allesamt verpasst haben, während der Ball
schon wieder in der anderen Hälfte ist. Ich wurde das Gefühl nicht los,
als wäre der Kommentar immer ein paar Sekunden zu spät. Da ist man von
Radio Bremen doch besseres gewohnt.

Sollte das also alles gewesen sein? Ein mäßiges Spiel mit mäßigem
Kommentar und ohne Livebilder? Nein, denn 5 Minuten vor schluss
erzielte Hugo Almeida das Siegtor, das eine sehr gute Ausgangsposition
für das Rückspiel bedeutet. Moment mal, Hugo Almeida? Nummer 23?
Eingewechselt für Miro Klose, Nummer 11? Kurz vorher hatte ich mich
noch über diese beiden Zahlen geärgert; nun plötzlich bekam das ganze
eine völlig neue Bedeutung. Mein Computer als Wahrsager? Sollte ich vor
meiner nächsten Sportwette einen Streaming-Programm konsultieren? Nun
ja, vielleicht nicht ganz. Aber immerhin habe ich mich letztendlich
doch noch über den Livestream gefreut, auch wenn der Bildschirm schwarz
blieb.

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