Der U-UEFA Cup (8): Froschsuppe

Werder – Espanyol 1:2

Meine Werderwoche begann gut. Sehr gut sogar. Trotz der beiden herben Enttäuschungen der letzten Woche machte sich seit Montag ein Gefühl bei mir breit, dass alles gut wird. Ein neues Wunder – warum eigentlich nicht? Meisterschaft – wird auch noch! Ich hatte sogar einen Traum, in dem Werder am 33. Spieltag die Tabellenführung übernahm. Alles noch möglich, also warum trübsal blasen?

Am Mittwoch dann eine Pressekonferenz mit Willi Lemke und Frank Baumann. Es ging nicht um Werder, nicht um Fußball, sondern um ein Projekt an der Uni Bremen, an dem ich teilgenommen habe. Der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke in Funktion als Bildungssenator und Schirmherr des Projekts. Der Kapitän Frank Baumann als Plakatmotiv für den Martinsclub. Da sitzen sie nun plötzlich vor einem und der Spieler, dem man gerade noch im Fernsehen zugejubelt hat schaut bei seiner Ansprache nervös auf den Boden, wie ein kleiner Schuljunge. Das ganze wirkt sehr unwirklich und für eine kurze Zeit überlege ich, ob ich mir nach der Veranstaltung ein Autogramm holen soll. Ich lasse es bleiben. Erkenntnisse hinterher? Frank Baumann interessiert sich für Marketing, bildet sich neben der Fußballerkarriere darin ein bisschen weiter und fährt einen Audi. Nicht so spannend, wie ein Geheimtreffen zwischen Klose und den Bayern, aber dafür erfreulicher.

Gestern nach der Uni die nächste grünweiße Begegnung: Tim Borowski
beim Lauftraining auf der Finnbahn. Mit Physiotherapeut im Schlepptau.
Für eine kurze Zeit überlege ich, ob ich im Sprint an ihm vorbeiziehen
oder ihm zumindest irgendwas zurufen soll. Ich lasse es bleiben. Später
im Interview beim Premiere erwähnt der Moderator, dass Tim Borowski am
Nachmittag eine Laufeinheit absolviert hat. Ich fühle mich als Insider.

Den restlichen Abend verbringe ich damit, mir eine jugendfreie
Beschimpfung für Monsieur Layec zu überlegen (mir fällt keine ein) und den Frust mit einer
Mischung aus Pils, Weizen, Rotwein und Tequila runterzuspülen (gelingt
nicht ansatzweise). Eines ist wirklich bitter: hätte Werder gewonnen,
hätte man über den Schiri schimpfen können ohne als schlechter
Verlierer dazustehen. Haben sie nicht, also stehe ich nun als
schlechter Verlierer da. Immer noch besser, als einen Schiri mit solch
einer Leistung davon kommen zu lassen. Es wurden schon für weitaus
weniger Betrugsvorwürfe ausgesprochen… Immerhin hat es der
"Unparteiische" verstanden, nicht die großen, schlimmen
Fehlentscheidungen zu treffen, sondern Werder nur bei den sogenannten Ermessensentscheidungen
konsequent bis zu Barcelonas Führung zu benachteiligen. Dass am Ende
sogar die Herren bei Premiere einen Ellenbogencheck Kloses erkannt
haben, zeugt von völliger Ahnungslosigkeit. Was ein Stürmer in solchen
Spielen einstecken muss, konnte man gut an Hugo Almeida ablesen.
Niemand hätte sich drüber beschwert, hätte der Schiri auf beiden Seiten
die gleichen Maßstäbe angelegt. Und warum eine dumme Schwalbe eher
gelbwürdig ist, als permanentes Zeitspiel oder Nachtreten, das soll mir
auch mal jemand erklären. Von mir aus auch auf Französisch.

Das Wunder blieb also aus. Unter anderen Umständen hätte man damit
gut leben können. Ich freue mich trotzdem aufs Finale. 22 Spieler, die
bei jedem Körperkontakt einen Kreuzbandriss simulieren und im nächsten
Moment dem Gegenspieler von hinten ans Bein treten (vorausgesetzt der
Schiri guckt nicht). Diese Spanier haben uns wirklich was voraus!
Eigentlich Schade, dass Valencia nicht mehr mitmischt. Aber immerhin
spielt bei Sevilla ja Christian
"Der-hat-mir-(nicht)-an-den-Piephahn-gefasst" Poulsen.

Artikel teilen