Derbyzeit!

Da ich diese Woche leider keine Zeit hatte, selbst eine Vorschau aufs Nordderby zu schreiben (jedenfalls nicht hier), hat @Estadox diesen Job für mich übernommen. Hier ist sein Vorbericht:

Es ist wieder soweit, das Nordderby steht an. Der SV Werder Bremen gegen den Hamburger SV. Die Nummer 2 der ewigen Tabelle gegen die Nummer 3. Die Nummer 1 im Norden gegen die Nummer 2, oder auch: der Tabellendritte gegen den Tabellenletzten. Eigentlich eine klare Sache. Eigentlich.

Dass das Derby seine eigenen Gesetze hat, muss wohl nicht weiter erwähnt werden.
Dass der Klub mit der falschen Raute sich nicht kampflos ergeben wird, wie zuvor gegen Dortmund oder auch Bayern, dürfte ebenfalls selbstverständlich sein.
Die Vorzeichen vor diesem Derby mögen eine deutliche Sprache sprechen, die Aussagekraft dieser bleibt jedoch äußerst gering.

Die Vorgeschichte

Beide Vereine erlebten zuletzt eine Saison zum vergessen, wobei es für Werder sogar noch eine Spur schlimmer kam.

Der beste Nordklub kam nicht aus Hamburg oder aus Bremen, sondern aus Hannover, die im Jahr davor nur ganz knapp dem Abstieg entkommen konnten. Damit hatte niemand gerechnet. Beide Vereine, sowohl der HSV, als auch der SVW, mussten daraufhin etwas ändern. Infolgedessen kam es auf beiden Seiten zu erheblichen Einschnitten, personeller wie auch finanzieller Art.

Bei Werder gingen Topverdiener und Leistungsträger wie Frings und Mertesacker, beim HSV verließen unter anderem Ze Roberto, Van Nistelrooy und Elia den Klub; Ein neuer Sportdirektor kam in Person von Frank Arnesen natürlich auch hinzu. Ersetzt wurden die abwandernden Spieler nicht durch Hochkaräter, sondern in erster Linie durch Talente, die zum Teil schon etwas Erfahrung aufweisen konnten.

Der Saisonstart

Die eine Seite, Werder, ist mit dieser Transferpolitik ausgesprochen gut in die Saison gestartet, was so niemand erwartet hätte. Das lag weniger an herausragender individueller Klasse, als viel mehr an mannschaftlicher Geschlossenheit und einer in taktischer Hinsicht offenbar sehr fruchtsamen Vorbereitung: Das Passspiel ist wesentlich direkter und flüssiger, die Angriffe wirken überlegter und es ist endlich wieder ein Konzept zu erkennen.

Die andere Seite, Hamburg, war damit, sagen wir, eher weniger erfolgreich. Nach 4 Spieltagen steht bislang nur ein einziger Punkt zu Buche, der darüber hinaus noch äußerst schmeichelhaft zustande kam. Bei den Niederlagen machte Hamburg bislang stets eine unglückliche Figur: Gegen Dortmund und Bayern waren sie hoffnungslos unterlegen, gegen Köln immerhin dominanter und mutiger, letztlich aber defensiv zu anfällig, um etwas Zählbares mitzunehmen.

Die Personalsituation vor dem Spiel

Petric und Son waren bislang die Spieler, die auf Seiten der Hamburger wenigstens etwas Gefahr ausgestrahlt haben. Der eine davon, Son, fällt – ebenso wie ein gewisser Dennis Diekmeier – aus. Der Ersatz für den zu Juve abgewanderten Elia, Ivo Ilicevic, ist nach seiner Tätlichkeit gegen Tymoshchuk ebenfalls noch gesperrt. Dafür kehrt Paolo Guerrero, seines Zeichens aufstrebender Baseballstar und Vielflieger, nach einer starken Copa America ins Team zurück.

Bei Werder hingegen müssen „nur“ der verletzte Schmitz, der bislang durchweg ordentliche Vorstellungen als Linksverteidiger ablieferte, sowie der nach London abgewanderte Mertesacker ersetzt werden. Diese beiden Änderungen betreffen jedoch beide die Viererkette, die zuvor einen insgesamt relativ soliden Eindruck erwecken konnte. Um möglichst wenige Veränderungen vornehmen zu müssen, dürfte Schaaf wohl weiterhin auf Sokratis als Rechtsverteidiger setzen, Prödl als direkten Mertesacker-Ersatz in die Innenverteidigung stellen, sowie den jungen Serben und „quasi-Publikumsliebling“ Ignjovski als Linksverteidiger aufbieten. Was für Auswirkungen das auf die Defensive hat, bleibt abzuwarten.

Das Mittelfeld und der Sturm hingegen dürften unverändert bleiben: Arnautovic hat seinen Stammplatz durch das Tor gegen Hoffenheim sowie die guten Partien bei der Nationalmannschaft wohl verteidigt, Marin wird durch Ekici und Wesley noch nicht ernsthaft bedrängt und die bisher stark spielenden Hunt, Bargfrede und neu-Kapitän Fritz sind gesetzt, Pizarro sowieso.

Auf dem Papier dürfte sich damit insgesamt ein Vorteil für Werder ergeben, zumal auch Geburtstagskind Naldo in den Kader zurückkehrt, was dem Spiel eine weitere interessante Komponente hinzufügen könnten. Doch wir wissen natürlich alle: Was wirklich zählt, ist auf dem Platz (3 Euro ins Phrasenschwein)!

Fazit

Für mich steht fest: Es wird ein umkämpftes Spiel. So sehr ich mir auch einen Kantersieg und die damit verbundene Revanche für das Spiel, das niemals stattfand, wünsche, so wenig glaube ich daran. Die gesamte Mannschaft muss von Anfang bis Ende kämpfen, laufen und vor allem konzentriert spielen, damit der HSV niemals den Eindruck bekommt, sie könnten hier gewinnen, ansonsten wird es richtig schwer. Ich bin dennoch von einem Sieg überzeugt, denn alles Andere wäre eine herbe Enttäuschung.

Zum Abschluss wünsche ich mir noch, dass die Rivalitäten sich heute auf Fangesänge und das Geschehen auf dem Platz beschränken, Gewalt hilft niemandem weiter. In diesem Sinne: Frohes Derby!

PS: Vielen Dank an Tobias dafür, dass er mir die Möglichkeit gibt, meine Meinungen hier niederzuschreiben.

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