DFB-Pokal, 1. Runde: Leichtigkeit

FC Union Berlin – Werder Bremen 0:5

Das nennt man wohl Auftakt nach Maß. Mit einem lockeren und verdienten Sieg zieht Werder in die zweite Runde des DFB-Pokals ein. Nach den letzten Testspielen konnte man nicht unbedingt damit rechnen, dass die Mannschaft gegen Union so ein leichtes Spiel haben würde. Dies lag natürlich nicht nur an Werders starker Leistung, sondern auch an einem enttäuschenden Auftritt des Zweitligaaufsteigers. Trotz eines fanatischen Publikums im Rücken, hatte Union Berlin nicht den Hauch einer Chance.

Daher sind auch die Schlüsse, die man aus dem Spiel ziehen könnte, mit Vorsicht zu genießen. Eines scheint jedoch schon jetzt deutlich: Werder verfügt wieder (bzw. trotz Diegos Abgang immer noch) über große Qualität im Mittelfeld. Dass Tim Borowski nach wenigen Wochen schon so dominant agiert, ist erstaunlich. Defensiv kompromisslos und mit gutem Auge im Spielaufbau war er die zentrale Figur in Werders Mittelfeld. Den Späteinsteigern Mesut Özil und Marko Marin war anzumerken, dass sie körperlich noch nicht auf dem Stand sind, den sie für die lange Saison benötigen. Hier wird es in ein paar Wochen hoffentlich noch eine Steigerung geben. Sehr positiv war allerdings die Raumaufteilung zwischen den beiden, die ständig unterwegs waren, Positionen getauscht haben und sich nur schwer auf eine Formation festnageln ließen. Classic Schaaf.

Im Sturm wusste vor allem Boubacar Sanogo zu gefallen. Er hat eine starke Vorbereitung gespielt und stand zu Recht in der Anfangsformation. Nach dem Spiel gestern dürfte er für den Bundesligaauftakt gesetzt sein. Er spielte wie zu seinen besten Zeiten im Herbst 2007, mit viel Einsatz und einem guten Gespür für die richtigen Laufwege. Hugo Almeida wirkte dagegen etwas blass (und nein, dass ist keine rassistische Bemerkung), hatte aber dennoch einige gute Aktionen. Marcelo Moreno durfte in der Schlussphase ran und zeigte endlich seine Qualitäten als Vollstrecker. Vier Stürmertore gegen einen Zweitligisten sind eine Ansage, sollten aber nicht über den Handlungsbedarf im Angriff hinwegtäuschen.

Die Abwehr stand – bis auf eine zehnminütige Auszeit um die 60. Minute herum – sicher und ließ den zaghaften Berliner Vorstößen kaum Raum zur Entfaltung. Clemens Fritz wirkt auf der rechten Seite um Lichtjahre besser drauf, als zu Beginn der letzten Saison. Pasanen spielte auf der anderen Seite solide, wie man ihn kennt. Er dürfte zunächst nur Platzhalter für Sebastian Boenisch sein, so lange dieser die nötige Fitness für sein kraftaufwändiges Spiel sammelt. Vielleicht wird er in Zukunft aber auch wieder zur ernsthaften Option für die Startelf, sollte Boenisch nicht den erhofften Leistungsschub bekommen.

Insgesamt war es ein Spiel, das Vorfreude auf die kommende Saison machte. Spätestens in zwei Wochen, nach dem Auswärtsspiel bei den Bayern, wird man den Leistungsstand etwas genauer einschätzen können. Bis dahin darf geträumt werden, warum auch nicht? Die letzte Saison, die mit einem klaren Auswärtssieg in Berlin begann, war schließlich 2003/2004.

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