DFB Pokal, 1. Runde: Survival of the Fattest

Eintracht Braunschweig – Werder 0:1

Werder U23 – 1.FC Köln 4:2 n.V.

Charles Darwin hat in der Evolutionstheorie ausführlich den natürlichen Ausleseprozess beschrieben, durch den die am besten an ihre Umwelt angepassten Lebewesen fortbestehen, während die anderen nach und nach aussterben. Ähnlich ist es bei Pokalwettbewerben im Fußball. Nicht unbedingt die beste Mannschaft gewinnt, sondern die, die sich am besten an ihre Umwelt (hier: ihren Gegner) anpassen kann. So lange man immer einen Tick besser als der jeweilige Gegner ist, erreicht man die nächste Runde. Richtig stark spielen muss man nur gegen starke Gegner. Die Bayern haben schon oft bewiesen, dass diese Taktik auch in der Liga funktioniert.

Es gibt also noch Hoffnung für Werder, nach der mit "durchwachsen" noch nett beschriebenen Leistung in Braunschweig gestern. Ein Tor in der 90. Minute reichte, um das Spiel mit Glück und etwas Geschick zu gewinnen und einen schlechten Saisonauftakt zu verhindern. Um mehr konnte es nach der problematischen Vorbereitung und der Verletztenmisere auch nicht gehen. Von einem Survival of the Fittest kann man bei diesem Spiel aber nun eigentlich nicht sprechen. Die Braunschweiger waren in vielen Bereichen überlegen und müssen es für einen schlechten Scherz der Natur halten, dass sie in diesem Spiel ausgeschieden sind. Was auch immer sich Mutter Natur dabei gedacht hat, Werder in die zweite Pokalrunde einziehen zu lassen – es ist eine merkwürdige Art ausgleichender Gerechtigkeit. Gegen einen Frings mit gesundem Kreuzband würde ich trotzdem gerne tauschen!

Auch in der Wirtschaftssprache hat das Survival of the Fittest
eine Bedeutung, nämlich bei der Erklärung dafür, warum einige
Unternehmen am Markt erfolgreich sind, während andere sich nicht
durchsetzen können und wieder von Markt verschwinden. Allerdings
spricht man in Anbetracht schnell wachsender internationaler
Riesenkonzerne wie Wal-Mart oder McDonald’s auch vom Survival of the Fattest,
also dem Überleben der Dicksten/Größten. Durch ihre Größe und die damit
verbundenen Vorteile (Marktmacht, niedrigere Produktionskosten, etc.),
kann mit diesen dicken Fischen einfach niemand konkurrieren. Unnötig
auch hier auf die Bayern zu verweisen. Gestern waren wir der dicke
Fisch. Daran konnten auch die vielbeschworenen eigenen Gesetze des
Pokals nichts ändern.

Unserer zweiten Mannschaft haben diese Gesetze dafür heute gegen den
1.FC Köln geholfen. Nach einem 0:2 Rückstand konnte das Team von Thomas
Wolter (das mir erstaunlich prominent besetzt vorkam – wahrscheinlich
weil die Spieler in der Vorbereitung so oft in der ersten Mannschaft
aushelfen mussten) noch zum 2:2 ausgleichen und setzte sich dann
schließlich in der Verlängerung mit 4:2 durch. Dazu fällt mir ein: Das
Wort Fit hat gerade im Sport ja auch noch eine andere
Bedeutung, die in diesem Spiel wohl den Ausschlag gegeben hat. In der
Verlängerung hatte Werder die besseren Kraft- und Konditionsreserven,
während Köln abbaute. Also stimmt das mit dem Survival of the Fittest am Ende wohl doch.

Artikel teilen