DFB-Pokal, 1. Runde: Viel zu tun

1. FC Saarbrücken – Werder Bremen 3:1 n.V.

Wie in den letzten beiden Jahren endet der DFB-Pokal auch in dieser Saison schon, bevor er begonnen hat. In Saarbrücken war Werder über weite Strecken des Spiels die schwächere Mannschaft und offenbarte gegen den Drittligisten große Mängel in der Defensive.

Neues System, schlechte Abstimmung

Alles wie gehabt also? Ja und nein. Werders Spielanlage hat sich deutlich geändert, was man bereits in den ersten Minuten des Spiels erkennen konnte. Vorrückende Außenverteidiger, abkippende Sechser, all das gab es unter Thomas Schaaf nicht (wohl aber am 34. Spieltag der letzten Saison). Der Spielaufbau lief neben den beiden Innenverteidigern wie erwartet über Makiadi, der dabei von Ekici und teilweise Hunt unterstützt wurde. Davor war bei Werder alles im Fluss, die Positionen wurden munter getauscht und durch Hunts freie Rolle war es teilweise schwer, ein konkretes System zu erkennen, das sich in Zahlen beschreiben lässt.

In der Anfangsphase des Spiels, als Saarbrücken sehr abwartend agierte und sich kaum einmal ein Spieler aus der eigenen Hälfte traute, hatte Werder große Probleme, den Ball aus der Zentrale wirklich ins Spiel zu bringen. Es war zwar Bewegung vorhanden, doch selten riss einer der Laufwege der Offensivspieler ein Loch in den engen Abwehrverbund der Gastgeber. Was zunächst nach handelsüblichen Anlaufschwierigkeiten im ersten Pflichtspiel der Saison aussah, entpuppte sich bald als Schwachpunkt, der das gesamte Spiel über nicht beseitigt werden konnte. Wesentlich schwerwiegender und letztlich spielentscheidend waren jedoch die Abstimmungsprobleme in der Bremer Hintermannschaft.

Altbekannte Defensivschwächen

Hatte man sich erhofft, dass hier zum Saisonauftakt bereits Verbesserungen sichtbar werden könnten, wurde man schwer enttäuscht. Allein die Anzahl an Situationen in denen sich Werders Spieler uneins darüber waren, wer einen bereits sicher geglaubten Ball klären soll und somit den Gegner wieder ins Spiel brachten, war erschreckend. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass diese Spieler zum ersten Mal zusammen auf einem Fußballplatz stünden. Dazu gesellten sich individuelle Fehler der Abwehrspieler, wie sie aus der Vorsaison noch bestens vertraut sind. Beides konnte (musste?) man zu Saisonbeginn vielleicht erwarten, doch in der Kombination war es schon erschreckend, wie schlecht Werder defensiv gespielt hat.

Nach etwa 20 Minuten hatte Saarbrückens Offensivabteilung Blut geleckt und griff nun konsequenter an, wenn sich die Situation dazu bot. So erreichte Saarbrücken schnell ein Chancenplus, ohne spielerische Glanzleistungen vollbringen zu müssen. Organisatorisch waren die Gastgeber – im Gegensatz zu Werder – ohnehin voll auf der Höhe. So gerieten sie bis zum Seitenwechsel nur selten in Bedrängnis und gingen kurz vor der Pause verdient in Führung.

Kurzes Zwischenhoch, bitteres Ende

Dutt reagierte in der Pause, brachte Arnautovic für Füllkrug und fortan lief es besser bei den Grünweißen. Die Angriffszüge wirkten konsequenter und führten häufiger zum Abschluss. Auch wenn Werder in keiner Phase des Spiels wirklich dominant war, kam diese Phase des Spiels den Vorstellungen von Trainer, Spielern und Fans wohl am nächsten. Nach dem Ausgleich schien es eines dieser Pokalspiele zu werden, in denen der Favorit lange strauchelt, sich dann aber letztlich doch durchsetzt. Die wacklige Defensive und der zielstrebige Gegner machten jedoch einen Strich durch diese Rechnung. Nachdem Mielitz in der Nachspielzeit mit einem Blitzreflex die Niederlage zunächst noch verhindern konnte, wurde die Verlängerung für Werder zum Debakel.

Dazu kam nun auch noch Pech ins Spiel, als zunächst Arnautovic frei vor dem Tor verzog und kurz darauf ein abgefälschter Schuss den erneuten Rückstand bedeutete. Saarbrücken hatte in der Folge den deutlich längeren Atem, während Werder nicht mehr zusetzen konnte. In der Schlussphase setzte Werder auf frühe Flanken und einen aufrückenden Innenverteidiger Prödl, der für Kopfballstärke im Strafraum sorgen sollte. Saarbrücken hatte mit dieser Taktik keine große Mühe und konterte nach einer geklärten Flanke zum letztlich verdienten 3:1.

Lange Mängelliste

Eine Erstrundenniederlage gegen einen Drittligisten kann mal passieren. Wenn man bereits in den letzten beiden Jahren gegen Drittligisten aus dem Pokal ausgeschieden ist, sollte man jedoch erwarten, dass die Mannschaft alles daran setzt, ein weiteres Ergebnis dieser Art zu verhindern. Was jedoch schlimmer ist, ist die Art und Weise, wie die Niederlage zustande kam. Werder hat nicht verloren, weil man überheblich agierte oder den Gegner unterschätzte. Werder war an diesem Tag gegen einen (selbstverständlich hochmotivierten) Drittligisten die schlechtere Mannschaft. Offensiv fand man gegen einen gut organisierten Gegner trotz hoher Ballbesitzwerte zu wenige Mittel und defensiv leistete man sich ein erschreckendes Maß an individuellen wie kollektiven Aussetzern.

Man sollte nach nur einem Pflichtspiel nicht den Stab über der Mannschaft brechen. In den letzten beiden Jahren folgte dem Pokalaus jeweils ein guter Bundesligastart. Bis dahin ist es es jedoch noch ein weiter Weg und Werder hat heute nichts dafür getan, den Glauben daran zu stärken. Bis zum Spiel in Braunschweig bleibt nur eine Woche Zeit und die Mängelliste ist so lang, dass ich mich kaum noch auf den Bundesligaauftakt freuen mag.

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    8 Gedanken zu „DFB-Pokal, 1. Runde: Viel zu tun

    1. Hallo Tobias,

      ich kann dir bei deinen Ausführungen und Beobachtungen des gestrigen Spieles nur zustimmen. Mich hat besonders die Schwäche in der Defensive negativ überrascht, wo doch mit dem neuen Trainer Robin Dutt vielfach Aussagen von diesem kamen, dass die Offensive an und für sich nicht unbedingt das Problem sei (was vielleicht nicht so ganz unterstrichen werden kann), die Probleme doch vielmehr in der Abwehr liegen und danach laufend in den Medien darüber berichtet wurde, dass Dutt in den Trainingslagern nun besondere Konzentration auf die Besserung dieser Defizite legen würde. Gestern war davon nicht viel zu sehen, auch wenn er ein anderes System gespielt hat als Schaaf.
      Ich denke, dass dieses System, offensivere Außen- und stärkere Unterstützung der Innenverteidiger durch den Sechser, bei der momentanen Abwehr-Qualität in unseren Reihen nicht möglich ist, da wir dann einfach zu anfällig sind.

      Auf dass es gegen Braunschweig anders aussieht

      Kevin von BücherBall

      1. Hallo Kevin,

        bei einem System mit offensiven Außenverteidigern ist es wichtig, dass keine zu großen Abstände zwischen Innen- und Außenverteidigern entstehen. Im Zweifel müssen die zentralen Mittelfeldspieler die entstehenden Lücken absichern. Das macht z.B. Leverkusen sehr gut. Ganz allgemein denke ich aber schon, dass Werder das spielen kann, aber die Umstellung wird dauern. Unter Schaaf hat Werder das genau Gegenteil davon gespielt: Extrem tiefe Außenverteidiger und dafür relativ hohe Sechser im Spielaufbau. Wie anfällig die Mannschaft ist, hängt mMn eher davon ab, wie kompakt das Team trotz der Rotationen bleibt und wie schnell umgeschaltet werden kann. Also letztlich eine Frage der Abstimmung. Vielleicht sollte man das Ganze etwas softer angehen und dann nach und nach umstellen, aber das finde ich schwer zu beurteilen.

    2. Ich glaube schon, dass die Spieler die Qualität haben, das System auch umzusetzen, Momentan fehlen die Automatismen in der Defensive. Die hochstehenden Außenverteidiger und den Sechser, der dann einrückt, haben ja geklappt (wenn Makiadi die Idee schnell wieder verliert, in der Vorwärtsbewegung der Mannschaft noch in der eigenen Hälfte zu dribbeln – kann er ja mal Luki fragen, was dann passiert).
      Was ich erschreckender fand, war die völlige Ideenlosigkeit in der Offensive. Die ursprüngliche Rotation war in der zweiten Halbzeit nach etwa 60 Minuten verschwunden und es gab kaum noch Bewegung. Entsprechend fanden sich vorne kaum Anspielstationen.

      So war es nur schrecklich, es kann und muss nur besser werden.

      1. Ich glaube das lag auch am Spielverlauf, dass Werder die Rotation etwas eingestellt hat. Die Spielweise kostet Kraft und Nerven, erst recht wenn sie nicht funktioniert. Ich hatte auch gehofft, dass nach dem Ausgleich wieder mehr Bewegung ins Spiel kommt, aber mein Eindruck war eher, dass die Spieler mit zunehmender Spieldauer immer mehr das Konzept und den Glauben verloren haben und das Offensivsystem nach und nach kollabiert ist. Ich bin gespannt, ob sie das gegen Braunschweig besser umsetzen können.

    3. Zudem ist die Bank nicht zwingend. Wenn die erste 11 mal nicht kann oder will, ist da m.e. keiner in Sicht, der helfen könnte. Bei Spielern wie Kroos, Trybull, Lukimya, den Stevanovics und Akpala vermisse ich (vor allem bei Kroos) den Nachweis, dass sie auf dem erforderlichen Niveau leisten. Dazu noch die Spieler, denen ich zwar noch Zeit zubilligen will (Pavlovic, Bargfrede, Ignjovski) die ihre Qualifikation bisher aber auch Schuldig blieben. Zudem überzeugen mich auch Ekici, Prödl, Elia, Arnatovic nicht. Zudem: An wem kann sich die Mannschaft aufrichten, wenn es nicht läuft? Es gibt weder DEN genialen Regisseur vergangener Tage (Özil, Diego, Micoud), was auch taktisch gewollt ist, noch die kämpfende, strukturierende Identifikationsfigur (Frings und vor allem Baumann waren solche Beispiele). Baustellen über Baustellen, da kann ich dem Schreiber bezüglich der ellenlangen Mängelliste nur Zustimmen und möchte sie aber auch um eine Personalliste erweitert wissen. Mir scheint der Kader unausgewogen. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, ich olle Unke.

      1. Ich glaube man muss sich von dem Gedanken lösen, dass sich die Mannschaft an einem oder zwei Spielern aufrichten. So ticken gerade die jungen Spieler nicht mehr. Wir wären 2011 ja auch mit Frings fast abgestiegen und Soktratis war auch ein Kampfschwein, das mit gutem Beispiel voran gegangen ist. Was den Regisseur angeht würde ich sogar behaupten, dass die lange Suche nach einem Nachfolger auf der Zehnerposition zu einem guten Teil mit an der Entwicklung der letzten Jahre Schuld ist.

        Umso wichtiger ist es, dass das Team als ganzes funktioniert, dass jeder seine Aufgaben kennt und bereit ist, sich voll für den Erfolg der Mannschaft reinzuhauen.

        Was deine Liste angeht stimme ich dir nur in Teilen zu: Kroos hat letzte Rückrunde sehr ordentlich gespielt. Trybull wäre ein Kandidat für einen Stammplatz, wenn er mal wieder ein paar Monate am Stück fit wäre. Das gleiche würde ich auch über Bargfrede sagen, aber bei ihm reiht sich seit Ende 2011 eine Verletzung an die nächste. Aber alles in allem hast du natürlich recht, der Kader ist nicht optimal zusammengestellt. Leider haben wir nicht das Geld, um viel daran zu ändern, deshalb bin ich sehr gespannt, wie sich die Nachwuchsspieler in den nächsten 9 Monaten entwickeln und ob hier der eine oder andere ins Team vorstoßen kann. Wo Yildirim und Aycicek wohl jetzt stünden, wenn sie nicht jeweils 18 Monate (mehr oder weniger) am Stück ausgefallen wären? Mal sehen, vielleicht erweist es sich die ganze Situation derzeit am Ende als heilsam.

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