DFB-Pokal Achtelfinale: Teamgeist Reloaded

Borussia Dortmund – Werder Bremen 1:2

Wenn es jemals ein wichtiges Auftaktspiel zu Rückrundenbeginn gab, dann dieses. Mit einem Sieg könnte Werder für Aufbruchstimmung sorgen, die Quärelen der letzten Wochen und Monate erst mal beiseite schieben, auf dem Platz wieder zu einer Einheit werden. Kurz: Den Grundstein zu einer erfolgreicheren Rückrunde legen. Bei einer Niederlage würde es Häme in der Presse, Wut bei den Fans und vermutlich weitere Reibereien (aus dem Franz.: Ribery) in der Mannschaft geben.

Die Vorzeichen standen nicht gut. Werder hatte eine von den Ergebnissen her schwache Vorbereitung gespielt. Die Mannschaft schien noch nicht bereit für größere Aufgaben – wozu man ein Auswärtsspiel beim BVB dieser Tage zählen muss. Einen Tag vor dem Spiel kamen noch mehr Irritationen auf: Trotz der Ausleihgeschäfte mit Boubacar Sanogo und Said Husejinovic und Martin Harniks erneuter Verletzung soll kein neuer Angreifer verpflichtet werden. Damit hat Werder mit Pizarro, Almeida und Rosenberg bis auf weiteres nur drei Stürmer im Kader.

Dazu kommt Werders (mal wieder) nicht enden wollende Verletzungsmisere: Vander, Naldo, Prödl, Jensen, Hunt und Harnik fielen aus. Kapitän Baumann und Rosenberg saßen grippegeschwächt nur auf der Bank.

Eine Halbzeit lang schien es zu kommen, wie es kommen musste. Werder war in den entscheidenden Aktionen zu inkonsequent, ließ sich von der Spielweise des Gegners und der konfusen Spielführung des Schiedsrichters völlig aus dem Konzept bringen, hatte dazu noch Pech bei zwei nicht geahndeten, elfmeterwürdigen Situationen. In der Hinrunde hätte Werder solch ein Spiel auswärts nie im Leben gedreht. Zweifel und Skepsis waren also angebracht.

Doch Werder war an diesem Abend eine echte Mannschaft. Statt sich mit hängenden Köpfen in ihre Schicksal zu fügen, hielt sie weiter dagegen und drehte das Spiel. Kämpferisch trug jeder einzelne seinen Teil dazu bei. Frings war lauf- und zweikampffreudig wie lange nicht, Mertesacker machte in der Innenverteidigung ein Riesenspiel und Wiese hielt Werder in den entscheidenden Momenten im Spiel als Zidan mehrere Male frei durch war. 71% Ballbesitz, 63,5% gewonnene Zweikämpfe, 27:16 Torschüsse, 27:15 Flanken – Werder war eindeutig die dominierende Mannschaft. Dortmund führte nur in der Foulstatistik mit 28:11.

Zwei Spieler muss ich besonders herausheben: Diego ließ sich in der ersten Halbzeit noch viel zu oft auf Scharmützel mit Tinga & Co. ein, hielt die Bälle zu lange, um Fouls zu ziehen. Doch anders als zuletzt behielt er die Nerven, konzentrierte sich auf seine Stärken und konnte sich so in Halbzeit 2 deutlich steigern. Gegen Ende des Spiels war er der überragende Mann auf dem Platz. Der zweite Spieler ist Claudio Pizarro. Er hatte wirklich nicht viel zu lachen, doch er kämpfte bis zum Umfallen. Obwohl seine Aktionen selten von Erfolg gekrönt waren – meist hatte der bärenstarke Santana im letzten Moment noch ein Bein dazwischen – steckte er nicht auf. Am Ende belohnte er sich mit dem Siegtor selbst für seine Arbeit.

Natürlich ist nun noch nicht viel gewonnen. Die Mannschaft wird in den kommenden Wochen die Leistung bestätigen müssen. Sie hat sich jedoch ein Stück weit befreit und einen guten Grundstein für eine bessere Rückrunde gelegt.

Jetzt liegt es an ihr, mehr daraus zu machen!

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