DFB-Pokal Viertelfinale: Wer braucht Petric, wenn er Petri hat?

Wolfsburg – Werder 2:5.

Was für ein Auftakt, was für ein Ende. Werder hat mit 5:2 bei der bislang besten Rückrundenmannschaft der Bundesliga gewonnen und sich für das Pokalhalbfinale qualifiziert. In einem sehr offensiv geführten Spiel nutzte Werder seine Chancen wesentlich besser als zuletzt und ließ sich wie schon gegen Milan und Bayern von Negativerlebnissen nicht zurückwerfen. Vor ein paar Wochen sah das noch ganz anders aus, was ich als Zeichen mangelnder Führung auf dem Platz auslegte. Die Leistungen der letzten drei Spiele (und des Hinspiels gegen Milan) kamen natürlich vor allem durch ein mannschaftlich geschlossenes Auftreten zustande. Doch ein Spieler stach dabei besonders heraus, in dem er Verantwortung übernahm und die Einstellung vorlebte, die letztendlich entscheidend für die guten Ergebnisse war: Diego.

Wie oft war er in der Winterpause kritisiert worden (da will ich mich gar nicht ausnehmen). Die Zahl der Fans, die ihn im Januar für einen Sack voller Geld dankend abgegeben hätten, war nicht klein. Er wurde abfällig als Diva und Popstar bezeichnet, der Werder nicht mehr weiterhelfen könne und durch sein Verhalten neben dem Platz sowieso nur seinen Abgang provozieren wolle. Diese Kritik scheint sich Diego zu Herzen genommen zu haben. Neben dem auch durch sein Fehlen begünstigten, verpatzten Rückrundenstart war das wohl der Auslöser für seinen erkennbaren Motivationsschub. Seit seiner Rückkehr kämpft er wieder um jeden Ball, zaubert vorne, schlägt tolle Pässe, hilft auch defensiv aus. So kann man die eine oder andere Pirouette zuviel leicht verschmerzen (vor allem, wenn er im Anschluss so ein großartiges Tor schießt, wie gegen Wolfsburg).

Es gibt noch einen weiteren Spieler, der in den genannten Spielen einen großen Unterschied gemacht hat. Einen Spieler, der nach einer guten Saison 07/08 schon wieder in der Versenkung verschwunden war. Der es trotz Formschwäche bei Clemens Fritz und den anhaltenden Problemen auf der linken Abwehrseite nur noch selten in die Mannschaft schaffte. Die Rede ist natürlich von Petri Pasanen. In der letzten Saison war er die Bestbesetzung für die schwache linke Abwehrseite. Als gelernter Innenverteidiger sorgte er dort für Stabilität. Seine beschränkten Fähigkeiten im Offensivspiel konnte man verschmerzen, galt er doch als Übergangslösung, bis die eigentlichen Linksverteidiger Wome, Tosic und Boenisch wieder fit sind bzw. ihre Form wiederfinden (oder zumindest ihr Förmchen).

Warum es in dieser Saison, in der die Abwehr keineswegs stabiler ist, nicht so recht laufen wollte, lässt sich schwer sagen. Zu Beginn der Saison, als Schaaf auf die vielen Gegentore reagierte, indem er vier gelernte Innenverteidiger in die Abwehrkette stellte, zeigte Pasanen ungewohnte Schwächen. Er verlor mehr Zweikämpfe, als man es von ihm gewohnt war. Plötzlich war er nicht mehr der Notnagel, der im Problemfall auf jeder Position der Viererkette aushelfen konnte und sich deshalb wenig Sorgen um seine Einsatzzeiten machen musste. Erst 11 Spiele hat Pasenen in dieser Bundesligasaison für Werder bestritten. Nach den letzten Auftritten dürften jedoch noch einige hinzu kommen.

Während Naldo und inzwischen leider auch Per Mertesacker gelegentlich wackeln, hat Pasanen zu seinen alten Stärken zurückgefunden: Durch gutes Stellungsspiel, Zweikampfstärke und eine gehörige Portion Coolness verstärkt er die Werderabwehr und ist wieder da, wenn er gebraucht wird. Als Naldo sich gestern in der zweiten Halbzeit bei einem hohen Ball verschätzte und Pasanen mit einer kompromisslosen Grätsche reparierte, konnte man sehen, was diesen Spieler wertvoll macht. Wie auch gegen die Bayern, wo er nach Naldos roter Karte in die Innenverteidigung rückte und ein tolles Spiel ablieferte.

Im nächsten Spiel gegen Hoffenheim wird Clemens Fritz ausfallen, so dass Petri seinen Platz in der Startelf sicher haben dürfte. Doch auch wenn alle Spieler an Bord sind, ist er endlich wieder eine gute Alternative, wenn nicht sogar erste Wahl.

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