Die Fahne auf der Brust

Es ist mal wieder Länderspielpause und da man in dieser Zeit nichts besseres zu tun hat, hört man halt einfach mal Hamit Altintop zu, der Mesut Özils Entscheidung für Deutschland zu spielen kritisiert:

“Ich bin ein toleranter Mensch und respektiere Mesuts Weg, aber unterstützen kann ich ihn nicht. Fußball ist manchmal eine Herzensangelegenheit, aber viel öfter einfach Business. Als deutscher Nationalspieler hat Mesut mehr Lobby, einen höheren Marktwert, er verdient mehr Geld, hätte er sich für die Türkei entschieden, hätte er keine WM gespielt und wäre jetzt nicht bei Real Madrid. So einfach ist das.“

Genau! So einfach ist das. Ein in dritter Generation in Deutschland lebender Nachfahre türkischer Einwanderer ist schließlich immer noch ein Türke. Und der Türke hat in der deutschen Nationalmannschaft nichts zu suchen. Die Wahl des Landes habe nach Altintops Ansicht auch nichts mit Integration zu tun. Woher denn auch? Warum sollte man schließlich für das Land seiner Geburt spielen, das Land in dem man aufgewachsen ist, das Land für dessen Jugendmannschaften gespielt hat? Es sollte viel mehr eine Herzensangelegenheit sein, für das Land seiner Ahnen zu spielen, in dem man nie gelebt hat, das man nur aus dem Urlaub und von Verwandtenbesuchen kennt.

Andersherum wird selbstverständlich kein Schuh draus: Dass man zu einem renommierten Verein wechselt, etwa dem FC Bayern München, um seinen Marktwert und seine Stellung im Heimatland zu erhöhen:

“Ich finde, dass es einem von vornherein klar sein muss, für wen man spielt – egal, ob man eine Einladung bekommt, egal, ob die Perspektiven besser oder schlechter sind. Es geht hier nicht um einen Vereinswechsel, diese Tendenz gefällt mir gar nicht. Es geht um die Fahne auf der Brust.”

Sagt Altintop, der auch im Juniorenbereich stets für die Türkei gespielt hat. Demnach hätte Özil aber doch alles richtig gemacht, denn er spielte seit der U19 ausschließlich für Deutschland. Nun bin ich verwirrt. Zur Sicherheit werde ich von nun an das Land meiner Väter unterstützen: Den Freistaat Bayern. Dessen Fahne trägt Hamit Altintop Woche für Woche auf der Brust. Ich fordere den Spieler daher auf, seinen eigenen Worten Taten folgen zu lassen, und sich einen neuen Verein zu suchen. Den alten Saupreiß Mark van Bommel darf er dabei gerne mitnehmen und das Feierbiest gleich noch dazu.

Nun müssen die Bremer nur noch zusehen, wie sie den griesgrämigen Badenser und den rheinländischen Geizkragen wieder los werden.

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    4 Gedanken zu „Die Fahne auf der Brust

    1. haha, genau die gleichen Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich diese Interviewpassagen von Herrn Altintop gelesen habe.

      Deine Antithese “grießgrämiger Badenser” solltest du aber noch raus nehmen. Nachher glaubt das noch jemand. Und zudem ist Badenser eine Beleidung, weshalb ich den Begriff, “Badener” oder “Gottes liebste Kinder” bevorzugen würde… ;-)

    2. Wie steht es heute in SZ? Wir haben ja auch nicht gepfiffen, sobald Sahin oder Altintop am Ball war. Wobei es um ersteren wirklich schade ist.

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