Don’t mention the Nordderby

Hamburger SV – Werder Bremen 4:0

Ich kann und will gar nicht viel schreiben. In Hamburg traf ein zutiefst verunsicherter HSV auf ein noch tiefer verunsichertes Werder Bremen, das sich wieder einmal zum Aufbaugegner missbrauchen ließ. Auch im dritten Auswärtsspiel der Rückrunde zeigte Werder eine katastrophale Leistung und brachte sich mit hanebüchenen Fehlern selbst ins Hintertreffen. Das Schlimmste ist aus Werdersicht nicht einmal die Höhe der Niederlage gegen den größten Rivalen. Das Schlimmste ist die Leichtigkeit, mit der der HSV Werder am Ende aus dem Stadion schoss, obwohl er 75 Minuten lang unterdurchschnittlich gespielt hat. Zuhause ist Werder eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft. Auswärts hat man sich anscheinend schon aufgegeben. In dieser Kombination wird das nicht reichen, um den Abstieg zu verhindern.

Offensiv läuft inzwischen überhaupt nichts mehr zusammen. Hunt steht seit Wochen neben sich, Marin gibt den Einzelkämpfer und ohne Pizarro fehlt dem Angriff jegliche Torgefahr. In der Defensive schafft man es ab und an einigermaßen kompakt und sicher zu stehen, nur um dann mit absurden individuellen Fehlern die Gegner zum Toreschießen regelrecht einzuladen. Personelle Alternativen gibt es trotzdem kaum. Mindestens die halbe Mannschaft hat momentan nichts in der Startelf eines Bundesligateams verloren, doch es drängt sich niemand auf, der ihren Platz einnehmen könnte. Was bleibt ist allgemeine Ratlosigkeit bei Fans, Spielern und zunehmend auch bei der sportlichen Führung.

Wie kann Werder den Abstieg noch verhindern? Eure Ideen bitte in den Kommentaren!

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    36 Gedanken zu „Don’t mention the Nordderby

    1. Ich bin kein Bremen-Fan, aber als Österreicher hat man ja eine gewisse mit der Staatsbürgerschaft mitgelieferte Grundsympathie für diesen Verein. Daher leide ich diese Saison mit.

      Ich hab mehr und mehr Probleme mit Marin. Erstens stimmt die Leistung nicht. (Gut, bei wem stimmt die schon?) Zweitens, und das ist höchst heikel, wenn’s denn stimmt, hab ich schon die gesamte Saison den Eindruck, er passt zu gewissen Spielern nicht, selbst wenn die großartig postiert sind. Ab zu den Amateuren, wenn’s denn stimmt.

    2. Ich setze große (zu große?) Hoffnungen in Wesley, nimmt man noch Borowski hinzu, so hat man schon mal 2 Spieler im Mittelfeld, die auch mal in der Defensive Löcher stopfen können und für offensive Impulse gut sind. Marin ist irgendwie wie ein Appendix im Moment, schon dabei, aber zu nix Nutze, Hunt ist zu sehr außer Form. Beide auf die Bank.
      Frings muss nach dieser Saison pensioniert werden, dennoch denke ich dass er uns im Abstiegskampf noch was zu geben hat, insbesondere wenn man wieder so etwas wie größere mannschaftliche Konsistenz hinbekommt.
      Ich denke, ein Teil des Problems des gestrigen Spiel ist auf den Ausfall Pizarros zurückführen, weil Arnautovic (von seiner Form mal abgesehen) einfach kein Stürmer ist, zumindest keiner der vorne den Alleinunterhalter gibt. Diese Position wird ihm einfach nicht gerecht, da kann er nur scheiße bei aussehen und dass Schaaf ihn da trotzdem hingestellt hat ist schon irgendwie selten dämlich. Dann muss er ihn halt ins rechte Mittelfeld tun und Avdic oder Wagner nach vorne stellen.
      Ich hab gestern irgendwie keinen neuen Tiefpunkt gesehen, man hatte wieder eine Phase, wo die Mannschaftsteile ineinander griffen und man sich ein Übergewicht erarbeitet hat, leider hat man wie immer in den letzten Spielen in dieser Phase kein Tor geschossen, sondern eins kassiert und damit wars dann erstmal vorbei mit der Herrlichkeit. Normalerweise waren das immer die ersten 15 bis 20 Minuten, gestern dann mal Minute 30 bis 42. Naja, und dass man sich dann solche Fehler in der Abwehr erlaubt ist irgendwie symptomatisch, aber wie gesagt jetzt auch nichts, was man übergeneralisieren sollte.
      Was ich im Übrigen allerdings irgendwie nicht verstehe ist die Positionierung von Fritz im Mittelfeld. Wieso diese Unwägbarkeit der ungewohnten Position? Soll er den Av machen und Schmidt meinetwegen auf links oder gar nicht spielen. Ich hoffe, dass dies nur mit der dünnen Personaldecke zu erklären ist und mit der Rückkehr von Borowski und Wesley ad acta gelegt wird.
      Fazit: einmal mehr ein Scheißspiel, aber hey, das kennen wir doch jetzt schon. Mit Glück läuft das Spiel am Anfang etwas anders, dann gibts auch kein 0:4 und evtl. einen Sieg, weil Hamburg dann selbst auseinander fällt. Das ist halt momentan einfach die Situation, dass jeder Rückschlag potenziell (für das weitere Spiel) fatal ist und dann gar nichts mehr geht. Nach wie vor heisst es hoffen und bangen, genauso wie es auch bei einem anderen Ergebnis nicht anders ausgesehen hätte. Ich denke, dass wir im Kreis der für den Abstieg in Frage kommenden Mannschaften durchaus nicht konkurrenzlos schlecht sind, und das ist doch auch schonmal was :)

    3. Seufz… recht hast du, was soll einem da noch groß einfallen?
      Werders Auswärtsbilanz diese spricht für sich, weshalb ich im Normalfall auch keine große Hoffnung in Auswärtsspiele stecke. Diesmal allerdings, hatte ich ein besseres Gefühl. Das liegt zum Einen daran, dass Hamburg tierisch verunsichert sein sollte (was sie auch waren) und zum Anderen, dass Spiele gegen den HSV eigentlich eine ganz eigene Kategorie darstellen, weshalb man da zwischen Heim/Auswärts nicht unterscheiden sollte… dachte ich zumindest..
      Nach dem Spiel war ich einfach fassungslos.. Hamburg war grottenschlecht aber Werder war unverständlicherweise noch schlechter.
      0:4 gegen den HSV zu verlieren ist an sich schon inakzeptabel, aber 0:4 gegen diesen(!) HSV zu verlieren, das ist einfach nurnoch peinlich..
      Lösungsvorschläge hab ich keine, man kann nur hoffen, das irgendwie ein Ruck durch die Mannschaft geht, wobei ich nach all den schlechten Auswärtsspielen und dann wieder halbwegs akzeptablen Ansätzen auch da die Hoffnung aufgegeben hab…
      Daher kann man nur versuchen, die restlichen Heimspiele gegen schwache Gegner (oder die, die es sein sollten) zu gewinnen, endlich Hunt aus der Startformation zu nehmen (der verunsichert die Offensive zusätzlich) und darauf zu hoffen, das Pizarro fit bleibt, Wesley zurück kommt und Werder irgendwie doch noch zu gut für die 2. Liga ist..

    4. Also mir hat Fritz im DM bislang eigentlich ganz gut gefallen. Wenn dazu Schmidt als RV spielt und nicht Pasanen hält sich der Verlust auf der Position auch in Grenzen. Wenn alle fit sind dürfte Fritz wieder nach rechts rücken, aber momentan gibt es wirklich wenig alternativen im zentralen Mittelfeld. Wen haben wir denn außer Frings und Bargfrede? Wenn Schaaf einen dritten MF in der Zentrale braucht, nimmt er eben Fritz.

      Ich hoffe auch auf Wesley und Borowski, allein schon um Druck und Verantwortung von Hunts Schultern zu nehmen. Kann man eigentlich nur hoffen, dass sich das positiv auf die gesamte Mannschaft auswirkt.

      “Das ist halt momentan einfach die Situation, dass jeder Rückschlag potenziell (für das weitere Spiel) fatal ist und dann gar nichts mehr geht.” <– Das zieht sich jetzt schon durch einen Großteil der Saison so hin, vor allem eben auswärts. Bei den individuellen Fehlern, die sich Werder leistet, wird es so sehr schwierig zu punkten.

    5. Was würde ich für eine abstiegsverhindernde Idee geben… aber inzwischen frage ich mich, wo eigentlich die Punkte herkommen sollen.

      Leverkusen (H): Nope.

      Freiburg (A): Freiburg spielt eine gute Saison, außerdem auswärts – 0 Punkte.

      Gladbach (H): Das muss ein Sieg sein.

      Nürnberg (A): Siehe Freiburg.

      Stuttgart (H): Der VfB scheint, man glaubt es kaum, noch desolater zu sein als Werder. 3 Punkte.

      Frankfurt (A): Die Eintracht spielt eine grottige Rückrunde, aber a) tut sich Werder gegen Frankfurt traditionell schwer, b) ist es auswärts und c) wird auch Frankfurt irgendwann mal wieder was zeigen – und wer eignet sich besser als Aufbaugegner als der SVW? Mit Glück 1 Punkt.

      Schalke (H): Die schlingern auch nicht so dolle durch die Saison, trotzdem können sie was. 0 Punkte.

      Pauli (A): Die müssten schlagbar sein. Andererseits straft Werder grundsätzlich in dieser Saison jeden Konjunktiv lügen. 1 Punkt.

      Wolfsburg (H): Ein Kellerduell-typisches 0:0? 1 Punkt.

      Dortmund (H): Wenn die schon Meister sein sollten und zuviel gefeiert haben, dann… aber nö, ich fürchte das wird nix. 0 Punkte.

      1. FCK (A): Lautern weiß, wie Abstiegskampf geht. Und auswärts. 0 Punkte.

      Das sind nach meiner Einschätzung 9 Punkte, also unterm Strich 33 Punkte. Weia. Das kann reichen, wird aber sauknapp.

    6. Salü aus dem Südwesten des Landes,
      wie in fast jedem der Posts wird auch bei mir der Name Wesley eine entscheidende Rolle bei der Beantwortung der Frage spielen, wie es wieder aufwärts gehen kann. Wesley und Borowski. Ich hoffe, dass mit der Herinnahme dieser beiden (Rauten)spieler wieder auf ein System mit zwei Spitzen umgestellt und an Sicherheit und Torgefährlichkeit gewonnen werden kann. Da Hunt und Marin und Arnautovic(zumindest als erste Spitze) zur Zeit schlicht überfordert sind, würde ich die Mannschaft – wenn möglich – folgendermaßen sortieren. Mittelfeld in Rautenformation mit Frings als DM und Boro als OM.
      Wiese – Fritz, Merte, Prödl, Silvestre – Frings, Bargfrede, Wesley, Borowski – Pizarro, Avdic
      Bei folgenden Positionen würde ich Tagesform/TRainingsleistungen entscheiden lassen: Silvestre vs. Schmitt, Boro vs. Trinks, Avdic vs. Arnautovic (dann Pizarro ganz nach vorne schieben und Arni als zweite, hängende Spitze stellen).
      Beten muss man, dass sich weder einer der IV noch Wesley, noch Frings, noch Fritz, noch Pizarro verletzt, da sie zur Zeit nicht zu ersetzen sind. Vor allem ohne Pizza fehlt der Mannschaft (und mir) der Glaube auch nur ein Tor erzielen zu können.
      Also, ein stabiles System bauen und gegen stärkere Mannschaften über schnelle Konter, bei schwächeren über die kontrollierte Offensive zum Erfolg kommen. Und vor allem: Individuelle Fehler abstellen, Konzentration hochhalten und einfache Bälle spielen. Heimspiele gewinnen und auswärts die Null halten. Noch Floskeln gefällig?
      Nein, jetzt noch meine Wahrheit: Nur über Trainingsarbeit führt der Weg raus aus dem Tal. An Thomas Schaaf festhalten!

    7. Fritz bringt auch im DM eine gute Leistung, jedoch scheinen mir die, nenn es Reibungsverluste, zu groß. Die Abstimmung mit Frings ist nicht soo super, auch ist Schmidt nicht offensivstark genug. Was ist mit F. Kroos oder Trinks? Natürlich wird Schaaf seine Gründe haben, ich hoffe halt wie gesagt nur, dass es bald niht mehr notwendig ist.
      Und natürlich wird es schwierig zu punkten. Sehr schwierig sogar, aber wie schon gesagt, das ist einfach die Situation, mit der man sich nun abfinden muss. Die Leistung gestern ist im Lichte dieser Situation ketzerisch gesagt einfach nur ganz normal, bzw. ich habe schon schlechteres gesehen. Es läuft auf ein sehr knappes Rennen gegen den Abstieg hinaus und wer von der Leistung gestern negativ überrascht ist hat imho zu hohe Erwartungen gehabt. Natürlich gibt es auch Gründe, die nicht mit dem Komplex ‘ungewohnter Abstiegskampf’ oder ‘persönliche Form’ erklärt werden können, aber darum kann man sich kümmern, wenn der Abstieg abgewendet ist, bis dahin muss man über jeden Punkt froh sein.

    8. Ich bin noch immer relativ sprachlos nach der gestrigen Nicht-Leistung. Es ist sehr bitter, wenn auch erfahrene Leistungsträger wie Merte sich solche Komplettaussetzer leisten. In einer solchen Situation bricht einer Mannschaft das 0:2 und vor allem die Art und Weise das Genick. Wie von den meisten schon angemerkt ist es beschämend, dass die Mannschaft sich von diesem HSV so abschlachten lässt. Und es ist beschämend, dass man nicht unbedingt das Gefühl hatte, dass es irgendeinen so wirklich juckt. 0:3? Naja, kann man nischt machen. 0:4? Joa, gibt halt so Tage. Ich meine, man muss ja nicht gleich einen Gegenspieler wegtreten, um ein Zeichen zu setzen, aber diese Leblosigkeit ist einfach nur beängstigend.

      Ich hänge meine Hoffnungen nicht an Rückkehrer wie Wesley. Erstens wird er noch nicht bei 100% sein, er wird noch zwei, drei Spiele brauchen, um wieder Vollgas geben zu können. Und dann kommt er in eine Mannschaft, die völlig dysfunktional ist. Er kann nicht alle Probleme lösen, er alleine wird die Defensive nicht stabilisieren können und gleichzeitig das Offensivspiel wiederbeleben können. Ich befürchte, sein Einfluss wird nicht ausreichen, um die Mannschaft wiederzubeleben.

      Obwohl ich auch gegen Panikhandlungen in der Winterpause war, zeigt sich, dass man sehenden Auges die offensichtlichen Schwachstellen im Kader ignoriert hat. Weder im Sturm, im Mittelfeld noch in der Defensive hat man etwas zum Stopfen der Löcher getan. Stattdessen regiert das Prinzip Hoffnung. Hoffen darauf, dass die Verletzten schon wiederkommen und die Formschwachen irgendwann aus ihrem Tief kommen. Und nun gucken wir alle zusammen dumm aus der Wäsche. Ja, mei, der Naldo kommt so schnell nicht wieder, Boenisch auch nicht und Pizarro entpuppt sich überraschenderweise doch nicht als Mr. Unbreakable. Achja, Hunt, Marin und Arno haben dann auch komischerweise nicht einfach nach der Winterpause den Hebel umgelegt und spielen jeden Gegner an die Wand. Ich kenne die finanziellen Verhältnisse nicht und will mir auch kein Urteil erlauben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass da gar nichts möglich gewesen sein soll. Ach, was rege ich mich denn noch auf. ;)

    9. Konsequent wäre es wohl nun eben jene Spieler runter zunehmen, die abysmale Leistungen gezeigt haben und sich als Risikofaktor erwiesen haben. Sei es, um ihnen eine Denkpause zu gönnen oder auch um Schwachstellen endlich mal nicht mit Vertrauen (was ja ganz wohlfeil ist unter normalen Umständen und da wohl auch meistens geklappt hat, aber eben nicht im Abstiegskampf, wo jeder Fehler bestraft wird) zu reparieren und eher einem emotionalen Kinderpflästerchen auf einer weiterhin klaffenden Wunde gleichkäme, sondern mit wirklichen Einschnitten. Das hieße aber, die halbe Mannschaft auswechseln – was bekanntermaßen aufgrund des Mangels an Optionen unmöglich ist.

      Dennoch wären meine Vorschläge dahingehend, die bestehende (Un-) Ordnung aufzureißen und nicht funktionierende Elemente zu entfernen, da sie sich, ausgehend von den Ergebnissen der bisherigen Saison, als dauerhaft instabil und anfällig erwiesen haben. Dies alles sind Gedankenspiele, die auch noch mehr Chaos und Animositäten produzieren könnten – aber nicht zwangsläufig müssen, wie heute Abend eindrucksvoll bei Borussia Mönchengladbach zu sehen war. Die haben ihre Innenverteidigung mit Stranzl sowie die Doppelsechs mit Nordveidt (der zu gefallen wusste in seinem Stellungsspiel) und Neustädter komplett renoviert haben. Ihnen gelang es sogar, dass Spiel gegen zugegebenermaßen selbstgefällige Schlacker (verhangen in CL Träumen) zu drehen — eine Eigenschaft, die im Abstiegskampf durchaus von Bedeutung ist und die Werder nun so gar nicht mehr auszeichnet. Eben jene Reißleine darf Schaaf gerne ziehen.

      Das Problem – der bestehende Kader gibt dies nur bedingt her. Ich verstehe Allofs durchaus, dass er nicht in der Wintertransferpause nur weitere Verschlimmbersserungen betreiben wollte, schön und gut, doch bei den eklatanten Defiziten hätte er schon vorher, im Sommer reagieren dürfen, da sich die Problematik in den Testspielen meiner Meinung nach bereits abzuzeichnen schien. Somit könnte der Sparkurs Werder letztlich teuer zu stehen kommen. Renommee (neo-deutsch “Standing”), ein vielleicht merkurischer Wert, aber vor allem die Souveränität sind den handelnden Protagonisten dabei schön längst abhanden gekommen.

      Dennoch gibt es Alternativen. Und man sollte sie wagen – auch in Anbetracht der Lage das sowohl Gladbach als auch Stuttgart durchaus in der Lage sind, Tore wirklich spielerisch zu produzieren – nicht eben jene “Freakgoals”, auf die Werder trauriger Weise mittlerweile angewiesen zu sein scheint.

      Here we go…(die Slashes markieren Alternativen, der erstgenannte zunächst bevorzugt)

      ——–Mielitz
      Fritz – Jesus/Per – Prödl – Schmidt
      ——–Frings/Barg
      Barg/Trinks– — Borowski/Kroos
      ——–Wesley ———
      Arnautovic
      ———–Pizarro

      Fritz hat mir im DM (wobei er der Offensivere von den Dreien war) sehr gut gefallen, er war der Einzige, der es ins letzte Drittel schaffte und so etwas wie Angriff zustande brachte. Bargfrede strahlt null Torgefahr aus und immer wenn er sich vorne einschaltete wünschte man sich einen Sechser mit mehr Spielintelligenz im Passspiel oder eben auch im Abschluss. Frings würde ich gerne raus nehmen – sein Stellungsspiel ist bekanntermaßen schlecht und er setzt auch wenige Impulse zum Spielaufbau etc. pp. Was sich noch schlimmer auswirkt – ihm gelingt es nicht, der Abwehrkette wirklich aus der Bredouille zu helfen. Zu spät…. Etc. Und die Fehlpässe im Spielaufbau… etc. Somit wären – wie wohl ursprünglich auch mal angedacht von KATS – Barg (DM) und Wesley (OM) meine Alternativen. Den Stefanovic würde ich mal ins kalte Wasser werfen und als Spielmacher im 4-2-3-1 spielen lassen. Vielleicht kommt da ja was Gescheites bei rum.

      Letztlich ist dies alles nur halbgare Flickschusterei und sollte – wovon ich noch immer ausgehe – Werder der Knoten platzen und sie in der Liga verbleiben, sollten viele Positionen neu bedacht werden, bzw. zur Disposition stehen.

      Arnautovic war halt verschenkt als einzige Spitze und alle Spieler, die lustlos spielen, haben sich den Startplatz nicht verdient und sollten – bis auf weiteres – nicht mehr in der Startaufstellung erscheinen.
      Noch ein Letztes, das “lustlos” halte ich – wieder ein Gemeinplatz – für das Produkt einer falschen Kader-Zusammenstellung (kein Spielgestalter f. 4-2-3-1, oder in der Raute für die Halbpositionen und den Def. Sechser etc.). Man sieht Spieler, denen entscheidende Mitspieler fehlen, um ihre Fähigkeiten einbringen zu können, Spieler, die nicht in der Lage sind mit dem bestehenden Kader zu harmonisieren.

      Beste Beispiele hierfür wären Hunt und Marin. Was eben nicht bedeutet, ihnen die individuelle Qualität absprechen zu wollen, im Gegenteil, die haben sie zweifelsohne (mal mehr oder minder konstant), jedoch kommt sie SO nicht zum Zuge – bzw. gelingt ihnen immer weniger, oder noch schlimmer, lässt sie mit ihren leichtfertigen Ballverlusten zur Gefahr werden — was, alles zusammen genommen, letztlich die bleierne Mut- und Lustlosigkeit nur wieder zum Ausdruck bringt. Das sollte doch auch KA aufgefallen sein…

    10. Hallo,

      ich habe auch das spiel mit dem tabellenrechner auf kicker.de betrieben. da kann einem angst und bange werden! was ich besorgniserregend finde, dass schaaf es anscheinend aufgegeben hat, eine spielerische linie zu finden. es wird nur noch auf kampf und lange bälle gesetzt, was eher mal gegen einen “großen” gegner funktionieren dürfte. die direkten konkurrenten können das wohl besser.
      ich bin/war immer ein gegner unsinniger/zu früher trainerentlassungen. in werders fall darf man hoffen, dass schaaf bei ausbleibenden erfolg rechtzeitig selbst die reißleine zieht. der verein wird es zu spät tun und dann steigen wir ab. leider. ein neuer trainer wird nur sehr kurzfristig über “psychologisches” wirken erfolg bringen, dieses dürfte aber reichen, die klasse zu halten. ansonsten wird werder, so unglaublich es auch klingt jahre und viel glück bei den entscheidungen des aufsichtsrats benötigen, um mal wieder höhenluft zu schnuppern, bzw. ihrem ruf einer spitzenmannschaft gerecht zu werden.

    11. Gott sei Dank habe ich das Debakel am Samstag nur im Videotext verfolgen dürfen. Das, was ich gelesen habe und das, was ich gehört habe, zeigt, dass es die richtige Entscheidung war.

      Was ich der Mannschaft eintrichtern würde, sind die aktuellen Spiele von Köln und auch das gestrige Spiel von Gladbach. Die Mannschaften laufen, fighten, erspielen sich Chancen (!!) und zeigen Moral. All das, was man meistens von Werder nicht sieht. Die Mannschaft scheint sich in Schönheit ergeben zu müssen.

      Ich wünsche mir Konsequenzen. Konsequenzen in der Art, dass ein Hunt, ein Marin und ein Arnautovic mal auf der Bank hocken. Scheiß auf die Alternativen, nimmt man halt die Jungs aus der U23. Schlimmer kanns nicht werden.

    12. Moin, moin,

      es war schon grausam, was ich da am Samstagnachmittag im Volkspark von den Bremern sehen musste.

      Ein Truppe ohne Sturm, ein überfordertes Mittelfeld und eine – zumindest in der zweiten Halbzeit – wegschwimmende Abwehr. Vater des HSV-Erfolges ist m.E. der angehende Ex-Nationalverteigdiger Per Mertesacker. Einen Bock kann man als durchschittlicher Abwehrspieler vielleicht mal schießen (ein Innenverteidiger mit der Vita, den Erfolgen und den in ihn gesetzten Erwartungen eines Per Mertesacker darf sich allerdings auch nicht einen Bock gönnen). In einer Mannschaft von Spielern, die nicht einmal Zweitliganiveau erreichten ragte der Lange noch einmal nach unten heraus.

      Per ist für mich auch ein Sinnbild einer sich immer weiter selbst demontierenten Truppe (das Wort Mannschaft möchte ich hier mal nicht benutzen, da es doch in diesem Fall zu positive Assoziationen hervorrufen würde). Ich habe – auch als Hamburger – immer noch die Hoffnung, dass es die Bremer irgendwie schaffen werden. Konkurrenz belebt im Norden halt auch das Geschäft und bringt die notwendige Würze hinein. Und eine Mannschaft wie Werder, die so viel in den letzten Jahren für die 5-Jahres-Wertung getan hat, darf eigentlich nicht in Liga 2 abrutschen.

      Aber für die Erfolge der letzten Jahre kann man sich nichts mehr kaufen. Trainer und Manager haben in den vergangenen Spielzeiten auch ihr glückliches Händchen für gute (und günstige) Verstärkungen der Mannschaft verloren. Was mit Carlos Alberto begann hat sich bis Arnautovic fortgesetzt. Allenfalls Wesleys Rückkehr – der allerdings auch eine lange Verletzungspause hinter sich hat – kann vielleicht ein wenig Hoffnungsschimmer entfachen. Aber dazu ist oben ja auch schon einiges geschrieben worden…

      Ich kann nach den Eindrücken von Samstag jedenfalls keine Hoffnung sehen. Im Moment sammeln die Konkurrenten kräftig Punkte und Werder??? Werder war das mit Abstand schwächste Team, das ich in diere saison im Volkspark gesehen habe. Ich drücke euch aber trotzdem weiter die Daumen.

    13. Ich versteh nach wie vor nicht, wieso man von dieser Leistung negativ überrascht sein sollte. Köln war negativ überraschend, Hamburg war einfach nur normal schlecht.
      Bis zum selten dämlich verschuldeten 2:0 (individuelle Fehler können immer passieren, bzw. man kann sich nie vor ihnen schützen und sollte daraus keine generalisierenden Schlüsse ziehen) konnte man durchaus hoffen, dass man noch den Ausgleich schafft, wie man ihn etwa gegen Mainz oder Hannover geschafft hat, wo die Leistung in etwa genauso gut oder schlecht, der Spielverlauf und das Endergebnis nur glücklicher war. Dass nach dem 2:0 mehr oder weniger die Luft raus war und noch der ein oder andere Damm gebrochen ist ist zwar ärgerlich, aber nicht überraschend. Ich dachte mir danach auch, dass es das dann ja war mit einem Punkt heute, entsprechend will ich da der Mannschaft keinen Vorwurf machen.
      Bremen hat halt einfach das Problem, eigene Torchancen zu kreieren und fremde zu verhindern. Dieses Problem hatte man auch schon am Anfang der Saison, als noch nicht allzu viel auf Abstiegskampf hindeutete. Erinnert sich noch jemand an das Hinspiel gegen Freiburg? Das machte mich mit seiner Ideenlosigkeit schaudern, auch wenn es gewonnen wurde. Nun kommt halt der Komplex Abstiegsangst und dergleichen hinzu, sodass die Auswirkungen von Rückschlägen oder Schwächephasen ungleich dramatischer sind. Dementsprechend ist es aber auch nicht mit dem Erreichen des Klassenerhalts getan. Die Probleme sind so tiefgreifend, dass man wohl auch bei bisher günstigerem Saisonverlauf keine Leistung zeigen würde, wie man sie erwarten müsste.
      Will sagen: Abstiegskampf und Klatschen kriegen ist heute und morgen, Defizite und Missstände gabs auch gestern schon und wird es unabhängig vom Ausgang der Saison auch übermorgen noch geben, wenn nicht fundamentale Änderungen im Verein stattfinden. Und da sollte man sich auch nicht von abbringen lassen, wenn die restlichen Spiele alle gewonnen werden, weil dies dann wieder genauso tagesaktuell wäre wie das Jammern jetzt, aber nicht die gebotene übergeordnete Perspektive berücksichtigt.

    14. Das Problem liegt wohl schon darin, dass man überhaupt höhere Erwartungen an ein Spiel gegen den HSV hatte, als gegen andere Gegner. Liegt vielleicht auch daran, dass Werder in der Vergangenheit häufig besonders gute/kämpferische Leistungen gegen Hamburg gezeigt hat. Schlechter als die Spiele in Köln und Mainz war das am Samstag nicht.

      Die individuellen Fehler haben bei Werder Methode und das schon seit längerer Zeit. Natürlich kann man sie nicht verhindern, aber warum passieren Dortmund nicht in einem Spiel drei individuelle Fehler, die zu Gegentoren führen? Warum ist das Werder zwischen 2003 und 2007 praktisch nie passiert? In meinen Augen ist das schon eine Frage der Qualität, nicht nur der Spieler, die die Fehler begehen, sondern der gesamten Mannschaft, die diese Fehler nicht kompensieren kann (etwa Silvestre nach Mertesackers Querschläger vor dem 0:1) und Mitspieler in schwierige Situationen bringt (Mielitz Spieleröffnung und Schmidts kurzer Rückpass vor dem 0:2).

      Für mich zeigt sich immer mehr, dass die Abwehrprobleme der letzten Jahre gar nicht so viel mit der offensiven Spielweise zu tun hatten, sondern tief in der Mannschaft verankert sind. Jahrelang hat man die Anfälligkeit in der Defensive als Nebenprodukt des Spektakelfußballs in Kauf genommen und nun merkt man, dass man auch ohne Spektakelfußball nicht sicherer steht. Werder hat sich defensiv gar nicht groß verschlechtert, aber eben offensiv.

    15. Wobei es schon eine Phase gab, wo man das Gefühl hatte, dass ein bisschen an der Stellschraube ‘wie offensiv gehen wir zu Werke’ gedreht wurde in dem Sinne, dass man danach nicht mehr 4 sondern nur zwei Tore geschossen hat, aber dafür hinten ziemlich sicher stand. Insofern weiß ich nicht, was ich darüber denken soll. Ich für meinen Teil kann mir schon solch individuelle Aussetzer mit der Abstiegsangst erklären, wo vielleicht mal ein Zeichen gesetzt werden will, was dann aber wegen des größeren Druck oder Versagensangst nicht gelingt. Hinzu kommt, dass sowas unter normalen Umständen vielleicht mannschaftlich aufgefangen würde, was halt momentan einfach nicht möglich ist. Ich denke, der letztere Punkt ist entscheidender und auch bei besserer Form oder Tabellenstand immer noch vorhanden. Teaminterne Spannungen oder Hierarchieprobleme scheinen mir da mögliche Ursachen, und das ist auch einer dieser Missstände, der mich ziemlich stört und seit einer ganzen Weile nicht recht behoben ist. Hoffe, dass Frings Abgang und die anschließende Neusortierung in diesem Aspekt Besserung bringen.

    16. Ich frage mich ja schon seit längerer Zeit, wie eigentlich Frings Standing in der Mannschaft ist. Man bekommt da ja nur einen groben Einblick und es ist auch fraglich, wie glaubwürdig die Infos sind, die man aus dem Umfeld des Teams bekommt. Es wurde ja schon vor 2-3 Jahren gesagt, dass Frings nicht die beste Stellung bei den Kollegen hat und eigentlich nur über Leistung auf dem Platz führen kann. Neben dem Platz ist er wohl eher Einzelgänger. Beispiel: Nach dem Spiel gegen Hannover sind 10-12 Spieler zusammen Essen gegangen. Frings ging alleine (bzw. in Frauenbegleitung) in ein anderes Restaurant. Das muss natürlich überhaupt nichts heißen, aber es passt irgendwie zum Gesamteindruck.

      Ganz unabhängig davon wird es Zeit, dass sich die Hierarchien bei Werder neu ordnen. Wir brauchen wieder ein funktionierendes Mannschaftsgefüge, keinen neuen starken Mann.

    17. @wb_deep_play: Deine Aufstellung gefällt mir eigentlich ganz gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob Wesley der richtige Mann auf der 10 ist. Das ist so ein bisschen die Crux bei der Raute, dass man eigentlich einen starken 10er bräuchte, aber der einzige, der von den Anlagen her richtig auf die Position passt seit Monaten außer Form ist. Ich traue Wesley prinzipiell alles zu, aber im 4-2-3-1 hat er mir als 10er nicht so gut gefallen. Aber welche Alternativen gibt es schon? Borowski vielleicht, eventuell Jensen, wenn der noch mal fit wird. Kroos oder Trinks würde ich das noch nicht zumuten wollen und Stefanovic kann ich überhaupt nicht einschätzen.

      Hauptproblem: Es hat sich über die gesamte Saison keine wirkliche Mannschaft und auch kein System herauskristallisiert, das über mehr als 2-3 Spiele funktioniert hat.

    18. Die aufkommende Systemfrage ist wirklich spannend zu betrachten. Die letzte Zeit schien es ja eher so, als würde man dauerhaft auf ein 4-5-1/4-3-3 mit starken Flügelspielern (Arni/Marin) ausweichen wollen, wobei dafür nun offensichtlich der Spielmacher fehlt, der das ganze System zusammenhält.
      Das bewährte 4-4-2 bzw. 4-3-1-2/4-1-3-2 funktioniert ebenfalls nicht mehr, weil auch hierfür das passende Spielermaterial fehlt, zumindest, um ganz oben mitspielen zu können.
      Ich würde dennoch ebenfalls, wie z.B. wb_deep_play wieder auf 4-4-2 umstellen und Marin/Hunt/Arnautovic mal ne Pause gönnen, Marin vll. sogar wieder auf HS umstellen, wie zu Anfang letzter Saison.
      Von der Aufstellung her würd ich lediglich Borowski aus der Startelf nehmen, Wesley ins ZM rücken und evtl. Trinks die Chance geben, sich auf der 10er Position zu beweisen. Viel schlimmer als momentan kann es sowieso nicht werden…
      Seit ich heut morgen das Vorwort aus “Lebenslang grün-weiß” von Arnd Zeigler gelesen habe, bin ich sogar fast der Meinung, das ein Abstieg eine Art “reinigende Wirkung” haben könnte und der Anfang zu einer neuer Glanzzeit wird, selbstverständlich mit(!) Thomas Schaaf (und Klaus Allofs?)
      Man muss daher sehen was die Zukunft bringt, letztendlich gilt ja sowieso: “Man sucht sich keinen Verein aus. Der Verein wird einem gegeben”
      Die guten Zeiten werden wieder kommen und bis dahin halten wir uns einfach mit den Erinnerungen an sie über Wasser…

    19. Hallo Estadox, hallo Tobias!

      Die “causa” Frings scheint mir zentral. Aus Mangel an Informationen (=Interna) kann und will ich mir kein Urteil dazu erlauben, inwiefern seine Persönlichkeit damit zu tun haben könnte. Das Bild des einsamen Wolfs passt schon zu ihm und in einer funktionierenden Mannschaft mit gegenseitigem Vertrauen muss das ja kein Problem darstellen, wenn man mal keinen Bock auf Herrenabend hat.

      Glaubt man den Medien, dann war es der tiefenentspannte Frings, der den Mental-Coach vorgeschlagen hat. Das kann man sowohl als bonus (Kompetenz von außen, moderne Methodik, soft skills, etc) – als auch als malus deuten, wenn man den späten Zeitpunkt als Eingeständnis des eigenen kommunikativen Scheiterns begreifen will. Letztere Theorie favorisiert die Zeitung mit den Großbuchstaben – somit insinuativ und Teil ihrer üblichen Kampagne. Ich persönlich bin geneigt, es eher positiv zu deuten – harter Schale – weicher Kern.
      Inwiefern er nicht unumstritten ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Es fällt auf, das seine Präsenz auf dem Platz durchaus wichtig ist, z.B. wenn er trifft, was selten passiert, wie bei seinem last-minute Tor zum Rückrundenauftakt, ist die Mannschaft eine Einheit und ALLE jubeln mit ihm. Besonders bei gegnerischen Fouls und strittigen Schiedsrichterentscheidungen übernimmt er Verantwortung – manche nennen es meckern, aber nen Platzhirsch kann man da schon gebrauchen. Ob ein Fritz das so könnte… Im Hannover Spiel war hingegen war Per deutlich aktiver was Anweisungen und Organisation betraf – sehr ungewohnt – ich hatte es schon als Zeichen des Aufschwungs verbucht…

      Jedoch will ich mich nicht auf das dünne Eis fragwürdiger Charakter-Ferndiagnosen begeben, sondern versuchen rein spielerisch zu argumentieren. Auf Samstag bezogen fällt auf, dass Frings seine Rolle als Bindeglied zwischen den tiefstehenden Viererketten (4-1-4 – obwohl ein 4-3-3 /2-1 angedacht war) nur bedingt nachkam, bzw. nachhaltig scheiterte, die Ordnung zu halten. De fakto turnte Arnautovic oft alleine vorne rum, während der Rest sich hinten verbarrikadierte und keine Ideen hatte, wie man die Bälle nach vorn kriegt. Ein Sechser mit Übersicht und guter Balldistribution wäre da gewiss eine Hilfe! Einschlägige Namen fallen euch da gewiss ein. Oder anders ausgedrückt: entweder ein offensiv starker Sechser, der kreative Aufgaben übernimmt und den Spielaufbau strukturieren kann, den Pass in den Raum spielt oder aber ein klassischer Spielgestalter (“Zehner”), der eben jene Momente kreieren kann wären von Nöten.

      Frings kann dies nur in seltenen, lichten Momenten – schon gar nicht unter Druck oder im Bewusstsein einer angeschlagenen Viererkette im Rücken. Im Stadion am Samstag sah ich, wie er oft zu weit aufrückte, infolge dessen zu spät zurück kam, um z.B. Prödl (der sich meistens aus der Kette ziehen liess)/Per oder Silvestre zu Hilfe zu kommen — eigentlich irrlichterte Frings rum wie ne Flipperkugel, ohne Timing und war eher selten mit guter Antizipation gesegnet, um gegnerische Passwege und deren Spielaufbau erfolgreich zu stören. Nichts Neues unter der Sonne, ich weiß… Das hat er ja schon ne Weile so gemacht. In einer Mannschaft mit funktionierendem Angriff mag das zu kompensieren sein (wobei, die Probleme wurden ja spätestens mit der Diego Diskussion offensichtlich – als er versuchte von eigenen Defizite mit dem Verweis auf Diegos mangelndes Defensivverhalten abzulenken – das war zweifellos auch zu bemängeln, aber zugleich war es bereits zu einem Alibi geworden, um die eigenen Unzulänglichkeiten zu kaschieren). Jedoch mit dem Wegfall offensiver Power treten all die Mängel nur noch schonungsloser zu tage. So sehr ich Frings mag — einen ruhigeren Abschied in Raten – wie bei Baumann – wäre ihm angemessen gewesen. Abstiegskampf mit seinen Defiziten in der gegenwärtigen brenzligen Lage ist undankbar und seinen Verdiensten nicht würdig. Unter anderem Vorzeichen wäre all dies gewiss geräuschloser und in hanseatisch anständiger Manier verlaufen. So einen Abgang, der ihn auch noch desavouiert und zugleich über die Maßen fordert, hat er wahrlich nicht verdient.

      Ich würde also den Fehlerteufel auch im ZM sehen – noch immer ist nicht raus, wie das genau ohne Frings aussehen soll. Wesley und Bargfrede, der auch bedrohlich formschwankte, zusammen? Wesley war bei seinen CL Einsätzen extrem schnell zu Fuss, ich erinnere, wie er sprintend einen Angriff der Spurs (Bale?) in höchster Not beeindruckend unterband (Frings mit Lichtgeschwidigkeit aus dem MF überholend…) und permanent überall ausbesserte – eigentlich war er auf der linken Halbposition, dann kam irgendwann der Hunt für Barg und er war mit Frings die Doppelsechs – da fand ich ihn ziemlich klasse! Offensiv gut – nur nicht im Abschluss – bzw. fehlten noch die Automatismen (hielt den Ball zu lange) im Zusammenspiel mit den anderen. Könnte er den offensiven Sechser Part übernehmen?

      Und nun?

      Alles, was man so auf dem Platz sieht wirkt schäbig, desolat – nicht zu reden von den halbgaren Populismen, die von gewissen Fans mit Kurzzeitgedächtnis abseits des Platzes geäussert werden.

      Als Fan, der noch den Wechsel von Magath zu Schaaf mitbekommen hat, macht einen diese Situation ratlos und wütend zugleich ob der Kurzsichtigkeit der handelnden Protagonisten einerseits aber auch aufgrungd ihrer Verfahrenheit. Sollte nun, in einer jener seltsamen Wendungen des Schicksals, Schaafs Demission (?) und Werders Zukunft wieder an eben jenen Anfang zurück geführt werden, in dem Schaaf, einer seltsamen Ironie des Schicksals folgend, nun die undankbare Rolle des erfolglosen Magaths zukommen sollte?

      Oder kann er – hier nehme ich bezug auf Estadox Satz von der “reinigenden Wirkung” – das Scheitern als Chance (im Sinne Schlingensiefs!) begreifen und MIT dem Verein einen Neustart hinlegen. Letzteres würde ich mir wünschen – jedoch gilt es dann auch alte Zöpfe abzuschneiden – evt. auch von Schaafs Seite aus sich deutlicher zu positionieren, wenn es darum geht neue, bzw. fehlende Spieler zu fordern, um eine Formation auch erfolgreich besetzen zu können. Ein Manko in dieser Saison aus der Hölle.

      Von KA erhoffe ich mir, dass er seine Fehler diesbezüglich deutlicher eingesteht, bzw. offensiver und unverblümter darüber spricht, wenn es Pläne bezgl. Spielerverpfllichtungen gegeben haben sollte, die sich, aus welchen Gründen auch immer, zerschlagen haben. Zur Zeit wirkt er immer ein wenig wie Verblendeter, wenn er dem Kader “Potenzial” zu einem erfolgreichen Spiel attestiert, bzw, was noch schwerer wiegt, zu Saisonbeginn meinte, mit den vorhandenen Spielern die CL Gruppenphase nur annähernd meistern zu können. Es wirkte schon damals wie Harakiri auf mich. Es ist ja auch kein Problem zuzugeben, dass es Fehler gegeben hat in der Planung. Transfers nicht geklappt haben oder Hoffnungen sich zerschlagen haben. Nur so muss er es sich nun gefallen lassen, dass man die Rechnung aufmacht, ob evt. ein früheres Handeln nicht unter dem Strich doch mehr Geld in die Kassen gespült hätte, als die Ausgaben für einen Spielgestalter und einen gescheiten LV vor Saisonbeginn gekostet hätten. Mit den Geldern aus der EL oder RD16 der CL hätte man durchaus planen können und sich mit einer offensiveren Politik einigen Ärger ersparen können… Gar nicht zu reden von den Nerven…

      Ach so, Estadox, das ganz oben mitspielen habe ich schon lange abgeschrieben – ich suchte eher ein safes/stabiles line up, dass funktioniert, auch ohne offensiv zu glänzen, dem es aber gelingt, den Ball im Spielaufbau zu halten und – im sehr wahrscheinlichen Fall des Ballverlusts – auch wieder zurück zu erobern – mit deutlicher Zweikampfbereitschaft und Einsatz. Ein team das Konter auspielen kann, wenn der 4-2-3-1 Zauber nicht mehr funtkioniert. Mit Bargfrede (oder Trinks) / Kroos auf den Halbpositionen und Wesley dazwischen (wahlweise auch Boro – wobei… da ist wohl zu sehr der Wunsch Vater des Gedankens – ich sehe noch immer den alten, fitten Boro…) sind immerhin flinke sowohl als auch geschickte(re) Vertreter am Werk. Nachteil: sie wären überhaupt nicht eingespielt… Auch der Frings wäre dann wieder im Spiel — den würde ich ja auch gerne draußen lassen….Niemeyer wäre jetzt schon sehr willkommen…

      Habt ihr da Vorschläge? Wie löst man das? (Eigentlich finde ja auch diese Aufstellungsbesserwisserei nervig…)

      PS: Und, ja, auch ich habe kein Problem mit Werder im Fahrstuhl ne Etage tiefer zu fahren. Solange besagte Probleme offen konzidiert werden und eine neue Mannschaft aufgebaut wird, die nicht dem üblichen Spielerroulette gehorcht und den Verein auf eine Spekulationsmasse zusammenschrumpft. Jetzt, wo HSV zu Chelsea-Süd mutiert ;) – eben jenem Verein, der einem sofort einfällt , wenn man an erfolgreiche englische Nachwuchsarbeit denkt!

    20. Wenn dann Chelsea-Nord, oder? Berlin liegt doch schon nördlicher als London. Und in der Nachwuchsarbeit hat sich da (angeblich mit der Arbeit von Arnesen) wie man hört sehr viel positives entwickelt, was langsam auch beginnt Ertrag abzuwerfen.
      Ich frage mich, wie eine weitere Zusammenarbeit mit Schaaf aussehen soll. Ich will ihm nicht alle Schuld zuschieben, aber es fällt mir wirklich schwer, ein Szenario zu erdenken, in dem er mit Recht über den Sommer hinaus noch bei Bremen arbeitet. Das einzige, was mir einfiele, was aber so nie passieren würde, wäre ein kompletter Austausch der Männer hinter dem Cheftrainer. Es fehlt in diesem Verein einfach an neuen Denkimpulsen. Was hat sich in den letzten vier Jahren hier verbessert? Was dagegen ist schlechter geworden? Inwieweit wurde Potenzial ausgeschöpft?
      Es gibt sicher sehr sehr vieles, an dem mn sich im Rückblick erfreuen kann, aber sowohl der momentane Zustand, der imho nur sehr begrenzt ein Ausrutscher nach unten ist (wenn, dann maximal in den Ergebnissen, nicht etwa vom spielerischen Vermögen), als auch die zeitliche Entwicklung der Mannschaft stellen dem Verein ein in Teilen durchschnittliches, in Teilen fast schon erbärmliches Zeugnis aus. Für ein ‘Weiter so’ mit Schaaf sehe ich da keinen Spielraum.
      Saison zu Ende bringen, hoffen, gucken, wer dann von den Spielern abspringt, und dann einen Neuanfang mit neuem Personal wagen.

    21. @wb_deep_play
      Die Sache mit Frings seh ich ähnlich tragisch, bei all dem Einsatz und Willen (insbesondere letzte Rückrunde) den er für Werder gezeigt hat und mit dem er Werder oftmals geholfen hat, hätte er sich wirklich ein schöneres Karriereende verdient gehabt (ähnlich wie Ballack). Wie das mit der Mannschaftsstimmung aussieht, kann man natürlich nur mutmaßen und das unterlasse ich persönlich lieber, da es einfach viel zu schwer auszurechnen ist.
      Fakt ist nunmal, das die Mannschaft letztes Jahr in der Rückrunde das Musterbeispiel für Geschlossenheit und Zusammenhalt sowie mentale Stärke war und mittlerweile kein bisschen davon übrig geblieben ist.
      Das ist meiner Meinung nach auch der Hauptgrund für Werders Krise, denn Potenzial für (kurzzeitige) spielerische Glanztaten sehe ich bei manchen Spielern nach wie vor vorhanden, wenn es denn generell läuft.
      Was das “oben mitspielen” angeht, meinte ich das nicht auf diese Saison, das wäre vollkommen utopisch, sondern im Allgemeinen.
      Es fehlt einfach (mMn) das Spielermaterial um irgendein System (4-4-2/4-5-1) adequat zu besetzen. Das ist zum Einen einer vielleicht kurzsichtigen/fehlerhaften Transferpolitik zu verschulden (bezüglich Allofs Verhalten stimme ich dir zu 100% zu!) und zum Anderen mit Sicherheit auch den Ausfällen zahlreicher Leistungsträger, wodurch viele Rotationen stattfinden mussten, obwohl manche Spieler (Wesley?) vielleicht für andere Positionen (10?) gedacht waren…
      Genau aus diesem Grund, sehe ich die Frage der Aufstellung fast genau wie du, da man in der momentanen Situation wirklich auf Geschlossenheit/Kompaktheit setzen sollte und nicht auf namhafte Spieler/theoretisch starke Spieler.
      Wenn man bedenkt, dass Werder früher für exzellente Nachwuchsarbeit bekannt war, so wäre doch jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich auf die Wurzeln zu besinnen und den “jungen Wilden” eine Chance zu geben. Vielleicht hängen die sich ja auch wieder rein…
      Meine Aufstellung wäre daher:
      Avdic (Pizarro)
      Pizarro (Arni)
      Trinks
      (Hunt/Marin)
      Wesley Bargfrede
      (Borowski/Kroos) (Kroos/Fritz)
      Frings
      (Bargfrede/Jensen)
      Schmidt (Silvestre) Fritz (Schmidt)
      Prödl Merte
      (Samuel)
      Mielitz (Wiese)
      Was Schaaf anbelangt, so steh ich nach wie vor hinter ihm, auch wenn ich längst nicht alle seine Entscheidungen (insbesondere bei der Aufstellung) nachvollziehen kann.
      Das liegt allerdings auch zum Großteil an der Angst vor einer Periode voller Konzeptlosigkeit, sowie der Frage, wer es denn besser machen sollte (Vorschläge?)

    22. @Andre

      Wie wär es mit Chelsea-Ost dann…

      Was Arnesen betrifft, hier ein interessanter Artikel, der seine Erfolge bzgl. Nachwuchs auf ein Normalmaß runterschraubt.
      http://www.sueddeutsche.de/sport/hamburger-sv-arnesen-wird-sportdirektor-vom-hofe-des-russen-1.1062579

      Ironie der Geschichte, Pizarro war angeblich seine letzte Amtshandlung…

      Mit den Denkimpulsen gebe ich dir recht, da hätte man gewiss frischen Wind reinlassen müssen (nicht nur Kugel im Fitnessbereich) – vor allem bei der U23. Auch um die Durchlässigkeit zwischen erster Mannschaft und Jugend zu gewähren und neuen Input zu bekommen. Aber auch da bewege ich mich auf dem dünnen Eis, denn genauen Einblick haben weder ich – und so vermute ich einmal – noch du. Aber vom Auftreten und den erbrachten Leistungen her lässt sich dies dennoch vermuten.

      Was die Aufstellungsphilosophie betrifft – Schaafs Kernkompetenz – möchte ich dir insofern widersprechen, als er es doch war, der von der Raute zu 4-2-3-1 wechselte, bzw. fliessende Formationen einsetzte – natürlich dank des vorhandenen “Spielermaterials”.

      Somit erhoffe ich mir, dass er dieses auch baldigst wieder bekommen wird – denn erfolgreich spielen kann auch er. Da brauch ich keinen neuen Coach. Ich nehme, wie du siehst, Schaaf ein wenig aus der Schusslinie und halte das gegenwärtige Dilemma – das sich durchaus ankündigte ( Überalterung, Mangel an Alternativen, am “oberen Limit” spielen, etc.) und durch Özil’s viel beschworene “Kreativität” eben nur übertüncht wurde – für die Folge eines ausgesessenen Kaderproblems einerseits, unterfüttert mit einer gewissen Zögerlichkeit (oder nenn es auch Verbundenheit) gegenüber altgedienten Recken, die auch aufgrund der letzten Saison (Stichwort “Schlussspurt”) sich wieder relevant gemacht haben, aber bei einer gründlichen Betrachtung bei Lichte schon länger durchaus fragwürdig erschienen. Diese beiden Komponenten zusammen nun haben in dieser Saison fatale Folgen. Schuld daran hat auch Schaaf, gewiß, dennoch traue ich es ihm zu, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen – denn den “Karren”, den haben wir auch erst dank seiner Leistungen. Das vergessen leider viele allzu schnell.

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schaaf all dies nicht erkannt haben sollte und hoffentlich nun – wenn auch mit Verzögerung – reagiert. Inwieweit KA nun der “schwarze Peter” zugespielt werden sollte in seiner Rolle als Transferverantwortlicher, ist auch schwer zu entscheiden. Hat er nicht gehandelt, weil er nichts passendes gefunden hat? Oder hat er wirklich geglaubt, mit dem Kader weiter erfolgreich spielen zu können? Letzteres erscheint mir zu blauäugig – und bar jeder Vorstellung.

      Mein größtes Problem jedoch ist es, dass ich den Verein mag (bzw. er mich), auch eben weil er sich dem elendigen personellen Rotationskarussell geschickt entziehen konnte. Auch wenn diese Strategie in dieser Saison nach unten ausschlägt, in der Tabelle gab es schon genügend Ausschläge in die Gegenrichtung, um auch dieses Jahr verkraften zu können. Ideal wäre es in meinen Augen, einen jungen Co-Trainer ins Team zu nehmen, der gegebenenfalls für die Stabübergabe in Frage käme und eben nächste Saison einen (wenn auch zu späten) Neustart zu wagen, ohne irgendwelche Ragnick’s, Dutts, Tuchels, oder gar Mayer’s etc. refelxhaft ins Boot zu holen, die spätestens nach 2 Jahren wieder verschwinden.

      Was ist Bremens Stolz passiert?

      Wieso sollte man die Idee eines anderen Weges so schnell aufgeben? Gerade aus Anti-Trends erwächst eine Kraft, die den anderen Vereinen, die mit mittleren Budgets agieren, auf längere Sicht (und das ist meine Herangehensweise) abgeht. Natürlich darf dies nicht nicht Halsstarrigkeit ausarten, aber die Gefahr sehe ich nicht. Die letzten Ergebnisse sollten auch KATS umgestimmt haben, etwas vehementer an den Stellschrauben zu drehen und Nibelungentreue nicht absolut zu setzen.

      Aber ich bin mir durchaus bewusst, dass nicht (mehr) viele so denken wie ich.

    23. Korrektur
      *ohne irgendwelche Rangnicks, (…) Mayers
      *reflexhaft
      *Was ist mit Bremens Stolz passiert?

    24. Ich bin momentan etwas zwiegespalten, was Schaafs Zukunft bei Werder angeht. Einerseits hat der Mann so viel für Werder geleistet, dass man es fast nicht wagt, ihn ernsthaft in Frage zu stellen. Andererseits fällt es mir zunehmend schwer daran zu glauben, dass er einen Neuanfang bei Werder schafft. Jeder andere Trainer bei jedem anderen Bundesligaverein wäre nach den Leistungen dieser Saison schon entlassen worden. Entscheidend ist für mich allerdings nicht, dass es nun diese erfolglose Phase gibt, die man hoffentlich im Mai mit dem knappen Klassenerhalt übersteht, sondern die Frage, ob Schaaf noch einmal diese Energie aufbringen kann. Bundesligatrainer ist so schon ein stressiger Job, aber eine Saison wie diese kann einen Menschen ganz schön aufzehren. Schaaf wirkt auf mich auch wie ein Mensch, der reflektiert und sich Gedanken über seine eigenen Fehler macht. Nach außen wirkt er zwar extrem stur und dickköpfig, aber ich glaube nicht, dass er wirklich so ist. Das ist mehr seinem Leitbild als Trainer geschuldet und wenn man sich erfolgreiche Trainer von Wenger über Ferguson bis zu Mourinho anschaut, dann ist er damit bei weitem nicht allein.

      Es wäre schon ein bisschen Ironie der Geschichte, wenn DER Trainer, der in Deutschland in den letzten zehn Jahren für modernen Angriffsfußball stand, es nicht schaffen sollte, seinem Team wieder modernen Angriffsfußball beizubringen. Schaaf hat vor 5 Jahren gesagt, dass er kein Freund des 4-2-3-1 ist, dass er es für ein defensives und negatives System hält. Trotzdem ist er vor zwei Jahren von seiner Idealvorstellung der Raute abgerückt, hat das System umgestellt und das zunächst auch mit Erfolg. Eine neue spielerische Identität hat die Mannschaft aber noch immer nicht gefunden. Ohne Özil scheint es nicht so zu funktionieren, wie er es sich vorstellt.

      Schaaf wirkt auf mich wie ein Bastler, der experimentiert und experimentiert und sich jeden Tag aufs neue sagt, dass er kurz vor dem Durchbruch steht. Als Außenstehender fällt es mir sehr schwer zu beurteilen, woran es denn nun eigentlich hapert. Sind es die falschen Spieler oder die falsche Zusammensetzung oder die richtige Zusammensetzung mit der falschen Ausrichtung? Wo sind die richtigen Stellschrauben, an denen man drehen müsste? Je länger diese Phase dauert, desto konfuser wirkt das Ganze. Erinnert euch mal an die ersten Monate von van Gaal bei den Bayern. Das wirkte ähnlich konfus, aber am Ende kam ein absolut stimmiges Ergebnis heraus, das ohne diese Experimentierphase wohl gar nicht möglich gewesen wäre.

      Die Frage ist nur, wie lange so eine Phase dauern kann, bevor nach und nach alle (Fans, Spieler, Verantwortliche) den Glauben verlieren, dass noch etwas Gutes am Ende herauskommt. Die Mannschaft scheint mir nicht nur durch die Ergebnisse verunsichert (die ja erst später kamen), sondern vor allem durch diese ständigen Umstellungen und Veränderungen. Werder stand über die Jahre immer für eine bestimmte Art Fußball zu spielen, für eine Vereinsphilosophie, die für jeden Beteiligten klar nachvollziehbar war. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben und ich mag nicht beurteilen, in wie weit Schaaf einer nachhaltigen Lösung auf der Spur ist oder nur noch aus Verzweiflung an allem schraubt und auf eine wundersame Erlösung hofft. Gerade Spielern wie Hunt, Marin oder Arnautovic scheint eine klare Linie zu fehlen, an der sie sich orientieren können.

      Ich bin mir jedoch sicher, dass kein Mensch diese Phase noch viel länger durchhalten kann. Entweder findet Schaaf bald, wonach er gesucht hat oder er besinnt sich auf die alten Stärken seines ehemaligen Erfolgssystems. Ansonsten wird er dem Druck irgendwann nachgeben (müssen) und ich hätte auch sehr viel Verständnis dafür, wenn er nach dieser langen Zeit als Werdertrainer den Neuanfang lieber jemand anderem überlassen würde. Ich wünsche es mir wirklich sehr, dass es eine zweite Blüte mit Schaaf und Allofs geben wird, doch mein Glaube daran ist, nun ja, nennen wir es erschüttert.

    25. Ein Schlüssesproblem, dass sich schon durch die ganze Saison zieht, ist der fehlende Wille, oder die fehlende Fähigkeit im offensiven Mittelfeld zu kombinieren. Dabei meine ich vor allem Marin und Hunt. Gegen den HSV war wieder mehrfach zu sehen, dass statt eine möglichen Anspielstation zu wählen, der Ball gehalten wird, bis es zu spät ist und ein gegnerischer Spieler den Gegenangriff einleiten kann.
      Liegt es an persöhnlichen Problemen zwischen den Spielern? Gönnt man dem anderen den Erfolg nicht? Vertraut man dem anderen nicht, weil man einen Ballverlust von ihm erwartet, oder traut man sich selbst nicht zu einen Pass zu spielen, der ankommt?
      Ich denke ne Mischung aus Punkt 2 und 3 wird es zumindest sein. Wenn ich die Berichte vom heutigen Training richtig verstanden habe, setzt Schaaf auch genau da, nämlich bei basalen Passübungen an. Hoffentlich fruchtet es!

    26. @wb_deep_play: Du schreibst, dass du dir nicht vorstellen kannst, dass Schaaf ‘all dies nicht erkannt haben soll’. Ich sage, er hat seit Jahren so einiges nicht erkannt. Bei allen Erfolgen hat man ihm gewissermaßen immer wieder ins Endjahreszeugnis schreiben müssen, dass er an bestimmten Dingen mal arbeiten müsste. Standardsituation. Abstimmung Offensive-Defensive. Variabilität des Angriffsspiels. In all diesen Punkten ist Bremen über die Jahre nicht besser, teils sogar deutlichst schlechter geworden, und da hab ich noch gar nicht von Aufbauspiel und Fehlpässen gesprochen, worüber man aber eigentlich auch mal reden müsste. Dass es dabei immer noch zu objektiv guten Tabellenplatzierungen gereicht hat will ich nicht klein reden, wenn man aber die Kompentenz des Trainers Schaaf beurteilen möchte, dann muss man dies gegenüber den zuvor angeführten Kritikpunkten imho eher zurückstellen.
      Seit mindestens drei Jahren steuert Bremen in eine meiner Meinung nach desaströse Richtung (unterbrochen wurde dieses Gefühl nur von der zwischenzeitlichen Umstellung auf 4231, was aber nicht dauerhaft fruchten konnte). Desaströs nicht im Sinne, dass es eine total schlechte Mannschaft wäre, aber bei Fortschreibung dieser Entwicklung wird am Ende eine desaströse Mannschaft stehen. Die ersten Anzeichen sehen wir momentan in aller Deutlichkeit, wo es nicht mehr in ausreichendem Maße gelingt, Offensivgefahr aufzubauen, es gab sie aber schon vorher. Die Abwehrschwächen bleiben, und das bei nominell überdurchschnittlichem Personal. Entsprechend gestalten sich die Ergebnisse und entsprechend ist der Tabellenstand.
      Mir fehlt einfach ein Anzeichen, und das sehe ich quasi gleich wie Tobias, dass auf Besserung hindeutet. Wieso gibt es seit drei Jahren quasi kein Flügelspiel? Wieso werden Standardsituation abseits vom Hoffen auf einen Pferdefuss wie Naldo, mit dem Diletantismus einer Kreisligamannschaft ausgeführt, die regelmäßigen Gegentore danach inbegriffen? Es hat quasi nur des Abgangs von Özil bedurft, der nicht sofort kompensiert werden konnte, um das gesamte Mannschaftsgefüge zum Einsturz zu bringen. Angesichts dessen muss ich fragen, was das über den Cheftrainer aussagt. Wir reden ja nicht davon, dass wir wohl auf Platz 9 landen werden, sondern diese Mannschaft fängt soviele Gegentore wie fast keine andere und schießt dazu auch noch sehr wenig, kann kaum Torchancen produzieren und ist oftmals so leicht zu überrumpeln, dass man jedwedem Gegner zu jedem Zeitpunkt ein sofortiges Tor zutraut.
      Weder will ich Schaaf die alleinige Schuld zuschieben, noch ihn als generell schlechten Trainer hinstellen, aber das, was er letztens noch abgeliefert hat spricht nicht für ihn. Sicher, Verletzte, nicht voll aufgegangene Transfers, mangelnde Alternativen im Kader auf einigen Positionen. Aber dem entgegen stehen andere Pfunde, mit denen man eigentlich wuchern könnte. Jahrelange Kontinuiät, personell und spielphilosophisch. Überdurchschnittliche finanzielle Rahmenbedingungen. Gewachsene Erfahrung innerhalb der Mannschaft. Ruhige Medienlandschaft und gutmütige Fans. Die negativen Punkte tauchen so auch bei vielen anderen Mannschaften auf, die positiven eher nicht.
      Angesichts dessen ist der Zustand der Mannschaft einfach nur unter allem Erwartbaren, weswegen ich keine Hoffnung habe, dass man unter unveränderten Rahmenbedingungen weiterarbeiten kann. Das heisst nicht zwangsläufig, dass Schaaf gehen muss, dies wäre aber die ‘einfachste’ Variante. Alternativen dazu wären eine massive Kaderneuzusammenstellung, die vielleicht dazu führt, dass Schaaf in der Traingsarbeit bei Null anfängt und dann wieder seine Ideen besser umsetzen kann. Ähnlich wäre es wahrscheinlich bei einem Abstieg, der an sich schon eine Zäsur wäre, die ein ‘Weiter so’ verbietet. Meine allzu große Befürchtung ist jedoch, dass man die Klasse hält, sich Spieler wie Wiese und Mertesacker nochmal zum Bleiben überreden lassen, weil man ja sicher nicht nochmal so eine Seuchensaison erleben wird, und im kommenden Jahr wieder nur an den kleinen Schrauben gedreht und die Mannschaft weiter verschlimmbessert wird, in der Illusion, dass ja eigentlich alles vorhanden ist, was es für den Erfolg braucht. Sollte es so kommen sehe ich schlicht eine weitere Saison im maximal Mittelmaß, die dann endgültig das Schicksal Schaafs und dieser gewachsenen Strukturen besiegelt und die Weichen für die darauf folgenden Jahre zum Schlechteren stellt. Und nicht zuletzt die Reputation des Trainers und des Vereins unnötig weiter beschädigt.

    27. @ Andre/ @ Tobias
      Im Prinzip sind wir beide (und auch Tobias) am gleichen Knackpunkt angelangt – die Frage scheint zu sein, ob Schaaf nach diesen Erfahrungen gewillt ist, drastische Konsequenzen zu ziehen — die er, sofern er gewollt hätte, bereits hätte ziehen müssen — oder aber wird weiter gemuckelt wie bisher und werden klare Einschnitte vermieden?

      Ich bin gewillt, ihm diese Erkenntnisleistung (und damit verbundene Umsetzung) zuzutrauen! Bei dir, Andre, klingt immer ein wenig mit, Schaaf sei eigentlich kein guter Trainer. Letztlich zählt (vorsicht! Allgemeinplatz) das Endergebnis – du hingegen scheinst den Weg dahin höher zu bewerten. Die Fehler sind nicht von der Hand zu weisen – aber andererseits weißt du auch, dass WB immer hart am finanziellen Limit gespielt hat und teure Transfers, die gerade in der Defensive nur von kurzer Dauer sind, weil exzellente Spieler begehrt sind, nicht stemmen kann und den Weg des Kompromisses, auch auf anderen Positionen, gewählt hat indem sie auf bewährte Spieler setzen, die nicht “state of the art” spielen, aber dennoch Bedeutendes geleistet haben in der Summer ihrer Teile.

      Nun ist wohl der Zeitpunkt gekommen, bzw. KATS scheinen von der Situation eher überrollt worden zu sein, an dem “bewährt” mittlerweile nicht mehr ausreicht in einer Mannschaft, die ihrer offensiven Kreativität beraubt wurde und von der nun mit einem Mal Dinge verlangt werden, die sie bereits vorher nicht ausgezeichnet haben (da wären: Spieleröffnung Per/ Frings ball distribution/ taktische Disziplin// Hunt lethal passes, Standards etc.). Bzw., um es noch härter zu sagen: der Fußball hat sich verändert (das hätte man bei WB durchaus wissen können) und nicht alle im Team haben diese Veränderungen mitmachen können, bzw. werden nun an ihre Leistungsgrenzen gewiesen. Oder reichen an sie überhaupt nicht mehr heran, weil das ganze Gefüge “out of joint” ist. Mittlerweile sind andere Spielertypen gefragt. Die haben wir nicht, wenn es darum geht modernen Offensivfußball zu spielen.

      Darauf muss nun reagiert werden. Wenn man den Anschluss daran nicht verlieren will (Will man das? Bzw., kann man es sich leisten, den Anschluss zu halten?) Oder aber man versucht die Hannover-Masche und bastelt sich ein Konter-Team zusammen, das spielerisch sehr begrenzt ist (und mir pers. einer Bankrotterklärung gleichkäme, da es alles, wofür Werder steht (oder eher: stand) beerdigen würde) aber durchaus effektiv agiert. Was uns auch abgeht.

      Ihr impliziert, dass die Mannschaft, gleich einem Puzzlespiel, nur in die passende Form gebracht werden muss, damit es klick macht. Nur z.Z. fehlen die passenden Teile, bzw. einige sind alt und abgegriffen, um im Bild zu bleiben. Mein Eindruck ist, dass Schaaf durchaus (verzweifelt?) experimentiert und eben versucht mit den Teilen ein halbwegs funktionierendes Ganzes zu basteln. Eine Sysiphos Arbeit! So wie es jetzt ist, kann es nicht passen, evt. wenn die Verletzten zurück sind ein 4-4-2. Somit haben die fatalen Auftritte auch diesem Problem geschuldet mittlerweile wissen auch die Spieler, dass sie keine Tore mehr schießen können – außer freakgoals. Oder meinst Du, es gäbe noch eine halbwegs erfolgreiche Formation ohne Wesley, Pizarro, Naldo?

      Verpasst hat man in meinen Augen, auf die scheinbar nicht abstellbaren Defizite zeitnah zu reagieren. Man hat es laufen lassen, gewiss. Auch der Mangel an “Puzzleteilchen” kreide ich dem Trainer an! Das es so nicht passt und mächtig knatscht im Gefüge, wird ihnen wohl nun auch klar sein. Hierzu hätte ich gerne mehr gehört von den beiden.

      Ich halte an Schaaf fest unter der Prämisse, dass er eben jene verdammt bitter gewonnen Erkenntnisse zum Ende einer mit Ach und Krach noch mit mit dem “versetzt” im Zeugnis abgeschlossenen Saison umsetzen will.
      Und es besser machen will. Und kann.

      Die Befürchtungen bzgl. Wiese und Mertesacker teile ich nicht ganz. Eher halte ich die Nichtleistungsträger Borowski, Pasanen und Jensen für Streichkandidaten. Marin und Hunt — tja, da wären wir wieder bei der Systemfrage und dem Flügelspiel, das ich übrigens schon gesehen hab, vor allem mit Hunt, Marin und Özil — dazu hat zonalmarking ausführlich und durchaus lobend bereits geschrieben. Auch da kommt Hunt z.B. sehr gut weg. Immer unter der Bedingung das er in Form ist und die richtigen Mitspieler hat.

      Mich interessiert generell die grundsätzliche Frage, gerade in der Leistungsdiagnostik und Bewertung von Spielern wie Mertesacker, ob der nun von einem auf den anderen Tag – einfach so – ganz schlecht werden kann — man ihm also plötzlich all das absprechen kann, was er ja oft zur Zufriedenheit bei WB zeigen konnte – zugegebenermaßen, durchsetzt von “Ausfällen”, die auch schon vor dieser Saison augenfällig waren. Oder ob es nicht auch andere Gründe für seinen Durchhänger gibt, abgesehen von der offensichtlichen schlechten Form.

      Wieso schreiben den jetzt einige plötzlich ab? Da habe ich noch keine schlüssige Erklärung für mich gefunden. Wieso wissen die, dass er nicht mehr in Form kommt? Oder haben vergessen, was er bereits für kniffelige Situationen erfolgreich gelöst hat? Dieses Kurzzeitgedächtnis stört mich. Klar ist Leistung eine schwankende Währung – aber Talent hat man- oder nicht! Alles, was ihn einst auszeichnete, ist plötzlich schon immer schlecht gewesen?

      Daran schließe sich die Frage an, ob ein jüngerer (=günstiger) Innenverteidiger mit ähnlich konstanten Leistungen einfach so zu bekommen wäre. Den suchen gewiss viele (Stuttgart, Gladbach, Wolfsburg, Bayern etc ….). Ich sage nicht, man sollte sich nicht auf die Suche machen…

      Viele Fans denken dann gleich insgeheim schon an einen Geromel oder Dante (idealerweise natürlich am liebsten einen Hummels) – aber wenn man sich andere Teams anschaut, auch da hakt es in der IV – selbst Bayern hat da größte Probleme. Deren 4er Kette gleicht ja auch einer Patchworkdecke aus dem Häkelclub!

      Außer man findet ein fähiges Talent kommt man aus der Nummer nur raus, indem man einen Haufen Geld ausgibt. Mertesacker, und das sollte man fairerweise auch mal erwähnen, leidet zur Zeit unter dem allgemeinen Druck, der bereits immense Ausmaße angenommen hat (auch in dieser Situation würde ich gerne mal einen Hummels spielen sehen, der ist ja jetzt auf einem “winner’s high”) und durch ein katastrophales DM nur erhöht wird. Frings hat da durchaus auch ne Aktie drin an den Gegentoren gegen den HSV und vielen davor. Auch die Ballverluste unseres “Angriffs” (wenn man das laue Lüftchen noch so nennen mag) machen es gewiss nicht einfacher.

      Vielleicht mögt ihr mir da ein wenig weiterhelfen? Ich finde es unschön, diese hämische Kritik an Mertesacker lesen zu müssen.

      Bzgl. Wiese stimme ich dir zu – den könnte man – sofern er wollte – wechseln lassen. Andereseits hat er sich immer sehr loyal gegenüber WB verhalten (ob man ihn als Typ mag oder nicht, sei mal dahin gestellt) und seine Leistungen erbracht. Jedoch, da stimme ich zu, würde man mit ihm stagnieren – Miele hingegen wäre ne Option auf die Zukunft, seine Abstöße sind ne Wucht.
      Genau jenes “surplus” über das bereits Bestehende würde mich überzeugen, auch Mertesacker gehen zu lassen – denn nur, wenn die Mannschaft sich mit seinem Abgang wirklich qualitativ steigern würde – und nicht verschlimmbessern – stünde ich seinem Transfer aufgeschlossen gegenüber.

      Nochmal auf Schaaf zurückkommend — ich finde die bisherige Leistung unter den bekannten Bedingungen durchaus beeindruckend sie rechtfertigt durchaus ein längerfristiges Vertrauen in Schaaf! Im Umkehrschluss würde es ja wohl heißen, man habe 11 Jahre mit einem mittelmäßigen Trainer überdurchschnittlich agiert. Einerseits nennst du es “desaströs” – andererseits sprechen die Ergebnisse gegen deine Einschätzung. “Desaströs” ist der Einbruch in dieser Saison und das Zusammenfallen ohne offensive Power. Aber das sollte bei den beiden ja auch mittlerweile angekommen sein. An den Mutmaßungen zu den internen Kommunikationswegen und Diskussionen mag ich mich nicht beteiligen. Aber das sie das abstellen wollen (wenn auch zu spät) sollte klar sein, um dann ein System wenigstens mit adäquaten Spielern (und vor allem: Leben) erfolgreich füllen zu können.

      Du stellst dir wohl eher so den Tuchel Typus – das ist ja gewiss in aller Munde und sehr in — jedoch Frage ich mich da (und habe auch noch keine abschließende Antwort gefunden) ob man jeden Trend (4231!! everyone!) mitmachen muss? Warten wir ab, wie schnell die Tuchels und Dutts sich weglocken lassen (Dutt ist ja bereits vergeben) und ob das dann von Dauer, aber vor allem Erfolg gekrönt ist, was sie machen. Das nun alle völlig hyper die BVB/Mainz Masche kopieren wollen, spräche doch dafür, es anders zu machen? Oder?

    28. Ich glaube inzwischen, die Länge der Diskussionsbeiträge verunmöglicht eine befriedigende Kommunikation. Werd versuchen, mich kürzer zu fassen.
      – Mertesacker und Wiese: ich liiieeebe Mertesacker, habe keine Kritik an ihm persönlich geäußert, halte ihn für den besten Spieler im Kader und will nichts mehr, als dass er immer bei uns bleibt. Ehrlich. Was ich meinte, war, dass man evtl. seinen Vertrag verlängert, ihn dann aber wegen ausbleibender Europapokalpräsenz doch ziehen lassen muss, in der Zwischenzeit aber Ressourcen in ihn (und Wiese) investiert hat, die über die dann bestehenden Verhältnisse sind. Das wäre dann einfach sehr dumm gelaufen, dann lieber jetzt der Umbruch vergleichbar Almeida
      – ich messe Schaaf an dem abgerufenen Potenzial seiner Mannschaft und bin der Meinung, dass er da nicht allzu gut bei abschneidet, wenn man sich die letzten drei Jahre (vielleicht sogar länger) anschaut. Schön, dass es für CL-Teilnahmen gereicht hat, das ist mehr als Bremen in einer durchschnittlichen Saison erwarten kann. Not my point! Wann haben wir zuletzt, gemessen am Spielermaterial und an sonstigen Rahmenbedingungen, overperformed? 2005, mit der Meisterbürde? Klar haben wir letztes Jahr ne tolle (‘End’-)Rückrunde gespielt, aber die war nicht weniger ein Ausriss nach oben, wie die jetzige Phase einer nach unten ist. Im Schnitt war der Ertrag in meinen Augen nicht allzu gut, gemessen an dem was zur Verfügung stand. Und: es wird immer weniger, Substanz in der Mannschaft schwindet, mal gucken wer im Sommer alles gehen muss, weil die fetten Jahre vorbei sind.
      Und, um darauf noch kurz einzugehen, Slomka ist nicht der schlechtere Trainer, weil er reaktiven Fussball spielen lässt. Gemessen an dem, was man ihm hingestellt hat und was damit möglich schien, hat er mehr als das Optimum rausgeholt. Das kann man von Schaaf dieses Jahr nicht sagen, man konnte es letztes Jahr nur in Teilen und deswegen in der Endkonsequenz auch nicht sagen, ebenso davor. Ähnlich etwa, wenn Cottbus die Klasse hält – klar sieht das richtig scheiße aus, aber diese Leistung steht hinter der eines Schaaf, der mit der zweitbesten Mannschaft der Liga und bei wesentlich ruhigerem Arbeiten als anderswo Dritter wird sicher nicht zurück.
      Ergo: Schaaf raus, oder der Umbruch muss so ausfallen, dass er gar nicht anders kann, als bei Null anzufangen, nicht mehr an kleineren Dingen herumdoktern und dabei wesentliche Missstände außer Acht lassen.

    29. Ich fasse mich auch kurz: Ich bin etwas näher bei wb_deep_play was die Bewertung von Schaafs Leistung angeht. Die Verschlechterungen seit 2007 sehe ich vor allem auch als Ergebnis eines gestiegenen Niveaus der Bundesliga und des Fußballs allgemein, vor allem im taktischen Bereich. Das Herumdoktern hat auch damit zu tun, dass Schaaf sein “Baby” – die Werderraute – ein Stück weit aufgeben musste. Ich finde nicht, dass Werder vom Kader her die zweitbeste Mannschaft der Liga ist, weder jetzt noch letzte Saison. Die Spielstärke, die Werder lange ausgezeichnet hat, kam auch durch Schlüsselspieler wie Micoud zustande, aber Schaaf hat(te) den Löwenanteil daran. Insgesamt überwiegt das, was er über die Jahre bei Werder aufgebaut hat mMn bei weitem die spielerische Negativentwicklung der letzten Jahre und erst recht die derzeitige Krise. Dafür kann man sich allerdings wenig kaufen und das sollte auch nicht ausschlaggebend dafür sein, was in der nächsten Saison passiert. Alles weitere dazu ist ja schon gesagt.

      Mertesacker ist bei allen Schwächen in den letzten 12 Monaten immens wichtig für Werder, da sollte man nur verkaufen, wenn er unbedingt weg will und man Ersatz bekommt. Auch Wiese würde ich nicht zwangsläufig verkaufen, aber im Sommer einem offenen Wettkampf mit Mielitz um die Nummer 1 aussetzen.

    30. Einen offenen Kampf um die Nr. 1 wird es nie nie geben, da geht Wiese eher. Und ansonsten bin ich da insofern eher pragmatisch orientiert, als dass ich denke, dass jeder Spieler schon irgendwie ersetzt werden wird, Unruhe in Form von Diskussionen, ob jemand nun noch nächstes Jahr bei Werder spielen würde, wenn denn wieder nur Platz 9 rausspringt, finde ich aber doof und ablenkend. Dann lieber Ruhe und einen nominell schlechteren Spieler.
      Ich bezog mich mit dem zweitbesten Kader auch nicht auf die jetzige oder letzte Saison, wollte das vielmehr abstrakt in den Raum stellen, denn wenn man mal drüber nachdenkt, wo man mit dieser Mannschaft und den sie umgebenden Umständen so Jahr für Jahr hätte stehen können und müssen, dann ist es imho wirklich schon eine Weile her, dass die Ergebnisse uns positiv überrascht haben. Etwa der UEFA-Final-Einzug war mehr oder weniger folgerichtig, weil wir einfach die stärkste Mannschaft im Wettbewerb waren, die Niederlage dann unglücklich, das Ausscheiden gegen zuvor Glasgow und Espanyol aber jeweils schon wieder so dämlich, dass ich mich heute noch leicht darüber ärgern kann.
      Wie auch immer, die Hoffnung stirbt zuletzt und ich sehe es auch nicht als unmöglich an, dass man mit Schaaf wiedermal positiv überraschen kann, habe nur meine Zweifel und das schon derart lange (wenn auch mit Unterbrechungen), dass einfach eine Zäsur notwendig scheint. Vgl. hierzu etwa Andre (2009) ;)

      http://www.werderblog.net/2009/05/26/abenddaemmerung/

    31. PS: Möge der neue Trainer bitte eine neue medizinische Abteilung mitbringen.
      PPS: Um Missverständnisse zu vermeiden: ich schätze Schaaf sehr, würde nie ein Schlid mit ‘Schaaf raus’ durch die Gegend tragen oder sowas. Ich wünschte mir für ihn einen gemessen an seinen riesigen Verdiensten würdigen Abschied. Das obige ‘Schaaf raus’ ist somit nur eine Essenz meiner Haltung, keineswegs sollte er einfach gefeuert werden. Im Übrigen geht ein Teil meiner Haltung zu ihm auch darauf zurück, dass er immer mehr an seinem Denkmal kratzt, was einfach nicht sein müsste und irgendwie sehr schmerzlich ist, denn er hätte etwas besseres verdient, als mit dieser Mannschaft abzusteigen oder es knapp zu verhindern. Das schrieb ich auch in dem obigen Artikel vor zwei Jahren schon, sein standing ist seitdem nicht unbedingt besser geworden.

    32. Ich denke eben nicht, dass man die letzten Jahre großartig mehr hätte erreichen können oder müssen. Man muss auch dabei berücksichtigen, dass ab 2004 die Teilnahme an der CL und das Abschneiden unter den ersten Drei auch mehr oder weniger zur Selbstverständlichkeit für alle wurde. Teilweise finde ich schon erstaunlich, dass sich Bremen so lange dort oben halten konnte. Ohne Konzern im Rücken, ohne Investor, ohne groß Schulden zu machen und mit den doch recht überschaubaren Rahmenbedingungen rund um Bremen. Ich war bspw. schon positiv überrascht über die Mannschaft letzte Saison. Jaja, man hatte Glück, die anderen waren zu dämlich, etc. pp., aber letztlich ist man Dritter geworden. Vielleicht waren die vergangenen Jahre ein krasser Ausreißer nach oben, ein Leben über den Verhältnissen.

    33. @Stephen: da vermischen sich zwei Ebenen. Eine ist ‘was ist für einen Verein wie Bremen eine gute Saison’. Diesbezüglich waren eigentlich alle der letzten 7 sehr gut bis fantastisch, das stelle ich auch nicht in Abrede.
      Die andere Ebene ist ‘was ist für diese Mannschaft bei diesen Rahmenbedingungen in diesem Jahr bei diesen Gegnern eine gute Saison’. Diesbzüglich fällt das Urteil dann anders aus, weil man bspw. 2007 Meister werden müsste. Mir ist natürlich klar, dass niemals Potenzial voll ausgeschöpft wird, in keiner Mannschaft, aber ich habe den Eindruck, dass Bremen aus der lucky streak der letzten Jahre nicht soviel rausgeholt hat wie drin war. Dies schmerzt insofern umso mehr, als dass sie sich dem Ende entgegen zu neigen scheint und, sollte dem so sein, sicher einige Zeit vergehen wird, bis man mal wieder um einen Titel mitspielt. Dortmund, Hamburg, evtl. Schalke und Hoffenheim und Wolfsburg stehen mittelfristig sicher vor uns was die Rahmenbedingungen anbelangt, von Bayern ganz zu schweigen. Da muss dann schon sehr viel zusammenkommen, dass Bremen da mal was reißen kann.

    34. Wow, da sieht man mal wie viele Leute hier mitlesen und wie wenig es den Beiträgen von tobias normalerweise zuzufügen gibt.

    35. @Conti: Danke! Ich war mir schon bewusst, dass hier ein paar mehr Leute mitlesen als es Kommentare gibt ;-) Interessant aber, dass ein ziemlich “unfertiger” Artikel so viele Kommentare provoziert. Die meisten davon sind ja länger als der eigentliche Post…

    36. gerade weil die derzeitige lage so prekär ist sind einige bestimmt mehr “dabei” als sonst. na klar, wenn wir ne saison wie dortmund spielen sind das auch emotionen, ein eventueller abstieg weckt in mir zumindest auch ein riesiges interesse und mitteilungsbedürfnis. meine freundin kann mein werder gefasel schon nicht mehr hören. ich merke aber wie ich total mit werder leide, und das andererseits total blödsinnig finde. ich meine ein art “fanboy” zu sein. egal, ich hoffe einfach das werder die klasse hält und schaaf nächste saison (werder-brille!!!) eine solidere (platz 5-10) truppe auf den platz schickt. vielen dank übrigens für deinen blog. der wird mich hoffentlich durch die saison begleiten.

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