Durchhalteparolen

Fortuna Düsseldorf – Werder Bremen 2:2

Wie schon gegen Augsburg und Fürth verpasste es Werder ein weiteres Mal, sich durch einen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten etwas Luft zu verschaffen. Fünf Punkte Vorsprung verbleiben nach dem 29. Spieltag noch auf den Relegationsplatz.

Frühe Gegentore, alte Problemzonen

Bevor man alle Namen auf der Bremer Verletztenliste aussprechen konnte, stand es auch schon 1:0 für die Gastgeber. Wie so oft in den letzten Wochen musste Werder also einem Rückstand hinterherlaufen. Auch in der zweiten Halbzeit fing sich das Team einen frühen Gegentreffer. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Werder gegen die eher defensiv eingestellte Fortuna ein Plus an Ballbesitz, Pässen und Torschüssen verbuchen konnte.  Da ich nur Auszüge aus dem Spiel gesehen habe, überlasse ich die Einschätzung der kompletten 90 Minuten anderen. Die Entstehung der Gegentore zeigte jedoch einmal mehr die Defizite bei den Grünweißen auf. Vor dem 1:0 landete der zweite Ball trotz defensiv besetzter Doppelsechs bei Kruse, der sich im Loch vor der Bremer Viererkette schnell drehte und einen perfekten Pass spielte. Zum Zeitpunkt, als Prödl den hohen Ball klärte, war ein 20 mal 20 Meter großer Bereich vor der Abwehr unbesetzt. Vor dem 0:2 schaltete Werder nach einem Einwurf schlecht um, weshalb auch hier der zweite Ball beim Gegner landete. Im Gegensatz zu Werders offensiver Dreierreihe setzte Lambertz gut nach, erlief sich den Abpraller und leitet eden Angriff ein. Lukimya löste sich aus der Kette, um zu reparieren, verlor jedoch den Zweikampf. Pavlovic musste einrücken, was Reisinger auf der rechten Angriffsseite viel Platz gab, den Düsseldorf letztlich zum entscheidenden Pass nutzte. Die Mängel (Löcher im zentralen defensiven Mittelfeld und in den Halbräumen, teils mangelhaftes defensives Umschalten) sind seit langer Zeit bekannt, wurden aber auch im April noch immer nicht repariert.

Auf der anderen Seite kam man – wie schon gegen Freiburg – durch die individuelle Klasse von Kevin de Bruyne, der einen Konter über seine linke Seite mustergültig alleine ausspielte und dann Junuzovic bediente, zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Das 2:2 war dem Vernehmen nach am Ende nicht unverdient, aber der Treffer zum Endstand entsprang eher dem Zufall, bzw. Latkas technischen Mängeln.

Ruhige Hand im Abstiegskampf?

Nach dem Spiel gab man sich bei Werder größte Mühe, die Leistung gegen Düsseldorf und das Ergebnis als Erfolg zu verkaufen: Die “tolle Moral” wurde gelobt, das Unentschieden als “wichtiger Erfolg” im Abstiegskampf gewertet. Mit dem Auftreten der Mannschaft nach den beiden frühen Rückständen zeigte sich Werders sportliche Führung ebenso zufrieden, wie mit dem Punkt in Düsseldorf. Thomas Eichin ließ sich sogar zur Aussage hinreißen, dass die Mannschaft “voll konzentriert” gewesen sei – angesichts der Gegentore direkt nach An- und Wiederanpfiff ein durchaus gewagtes Statement.

Als Außenstehender kann man nur raten, ob die betont positive Wertung des Spiels nun ein Versuch ist, die Stimmung im Abstiegskampf nicht weiter kippen zu lassen, oder ob sie eher ein Zeichen dafür ist, dass man den Ernst der Lage noch immer nicht vollständig erkannt hat. Es könnte auch eine Mischung aus beidem sein. Die ersatzgeschwächte Mannschaft mit kernigen Aussagen noch weiter zu verunsichern, wäre kontraproduktiv. Hinter den Durchhalteparolen steckt aber auch eine gewisse Resignation der sportlichen Führung. Die Saison soll irgendwie zu Ende gebracht werden, solange wie möglich mit ruhiger Hand. Darüber, ob dies auch im Falle eines weiteren Absturzes so bliebe, kann derzeit nur spekuliert werden. Bei einer Niederlage gegen Wolfsburg am nächsten Wochenende wäre die Situation ebenso prekär, wie 1999 vor Thomas Schaafs Amtsantritt (minus die Pokalfinalteilnahme). Ansonsten wird man wohl erst nach dem 34. Spieltag erfahren, in welche Richtung der Weg ab dem Sommer gehen wird: Schaaf-Abgang und/oder “Umbruch 2.0″ der Mannschaft?

Angesichts des relativ leichten Restprogramms mit drei Heimspielen und der ebenfalls nur spärlich punktenden Konkurrenz ist die Ausgangslage im Abstiegskampf eigentlich auch weiterhin gut. Nach dem achten sieglosen Spiel in Folge darf jedoch auch das Risiko nicht unterschätzt werden. Immerhin Augsburg spielt eine gute Rückrunde und darf so trotz der miserablen Hinserie noch auf den Klassenerhalt hoffen. Das Momentum ist in jedem Fall nicht auf Bremer Seite und es ist höchst fraglich, ob man daran noch einmal etwas ändern kann, falls Augsburg richtig in Schlagdistanz kommt. Man möchte sich nicht ausmalen, was passiert, wenn Werder mit weniger als 3 Punkten Vorsprung am letzten Spieltag ins Auswärtsspiel in Nürnberg geht, während Augsburg zuhause die bereits abgestiegenen Fürther empfängt.

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    Ein Gedanke zu „Durchhalteparolen

    1. Man muss festhalten, daß Werder ohne de Bruyne wohl noch schlechter dastehen würde. Er ist fähig ein Spiel mit einem Pass zu entscheiden. Man merkt es auch, wenn er mal einen schlechten Tag hat. Dann geht bei Werder nicht viel.
      Insgesamt muss ich sagen, eine Enttäuschende leistung gegen D’dorf. Auch wenn es Abstiegskampf ist und Werder mittendrin – wie die Gegentore gefangen wurden ist schon erschreckend.
      Ich hoffe auf einen Sieg am Sonnabend, ich finde, der ist mal wieder fällig. Habe ein paar Freunde zu Besuch, und ich möchte keine mitleidigen Blicke bekommen…

      Forza SVW!!! Lebenslang-Grün-Weiß!!!

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