Eine Tracht Prügel in Frankfurt

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 4:1

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Spielen kommt Werder mit 1:4 unter die Räder. Die Niederlage ist ärgerlich und unnötig, weil Werder in einem schwachen Spiel lange Zeit die etwas bessere Mannschaft war.

Schwache erste Halbzeit, Werder näher an der Führung

Zlatko Junuzovic kehrte nach seiner Sperre zurück ins Team, aber ansonsten blieb alles beim alten bei Werders Aufstellung. Ignjovski musste trotz starken Spiels zurück auf die Bank, während Kapitän Fritz wieder als Hunt-Vertreter ran durfte. Das Spiel war von Anfang an geprägt von großer Vorsicht und eher risikoscheuen Angriffen. Beide Teams sind defensiv nicht sattelfest und wussten von der Offensivstärke des jeweils anderen, so dass sich niemand die Blöße geben wollte, dem Gegner Raum für Konter zu geben. Es entwickelte sich ein eher langsames Spiel mit vielen Fouls, die den zähen Spielfluss noch weiter zerstückelten.

Eintracht Frankfurt investierte als Heimmannschaft etwas mehr in das Spiel und versuchte eine Art kontrollierte Offensive, die jedoch nur selten gefährlich vors Bremer Tor kam. Werder beschränkte sich zunächst aufs Kontern und machte dabei viel richtig. Fritz agierte wie gegen Hoffenheim ein Stück defensiver als De Bruyne und ließ sich häufig neben Junuzovic fallen, was es Frankfurt erschwerte, durch die Mitte zu kombinieren. Auch Inuis Läufe vom linken Flügel ins Zentrum konnten so leichter unterbunden werden. Das schnelle Umschalten nach Ballgewinn funktionierte gut, der letzte Pass kam jedoch häufig nicht an. Dennoch war Werder der Führung etwas näher als die Eintracht und erspielte sich die besseren Chancen.

Zweite Halbzeit: Werder spielt Nikolaus

Das änderte sich nach der Pause, als Frankfurt das vielleicht simpelste Kopfballtor dieser Saison erzielte. Prödl verschätzte sich bei einer Flanke von Oczipka völlig und so konnte Meier zwischen den Bremer Innenverteidigern ohne jede Bedrängnis aus fünf Metern einköpfen. Werder konterte auf ähnliche Art und Weise, mit einem Kopfballtor von Petersen, der sich ebenfalls gegen zwei Verteidiger durchsetzte und die Flanke von Arnautovic verwertete. Hier kann man zur Entschuldigung der Abwehrspieler wenigstens noch sagen, dass sie sich in der Rückwärtsbewegung befanden und die Flanke nicht so leicht zu antizipieren war, wie die Flanke von Oczipka.

In der Folge blieb Werder die eigentlich gefährlichere Mannschaft, hatte aber in der Offensive zunehmend damit zu kämpfen, dass die Angriffe nicht optimal zu Ende gespielt wurden. De Bruyne und Arnautovic übersahen bspw. beide den jeweils besser postierten Mitspieler und schlossen selbst ab. In der Defensive stellte man sich abermals selbst ein Bein und ermöglichte Frankfurt so den letztlich entscheidende Doppelschlag. Schweglers Tor war ein Sonntagsschuss, den Mielitz spät sieht und der für ihn kaum erreichbar ist. Allerdings lässt Werder ihm beim Torschuss viel Platz, ob so ein Tor unter Druck möglich gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Das 1:3 war ein Bewerbungsvideo für Pleiten, Pech und Pannen. Junuzovic verliert den Ball im eigenen Spieldrittel im 1 gegen 1, Prödl geht eher alibimäßig in den Zweikampf an der Außenbahn und in der Mitte rutscht Schmitz weg, so dass Aigner locker einschieben kann.

Am Ende zu harmlos

Danach war das Spiel gelaufen. Werder war nicht in der Lage, das Offensivspiel so umzustellen, um gegen eine nun etwas defensivere Eintracht klare Torchancen herauszuspielen. Es fehlte eine klare Linie im Spiel, die Passstafetten vor dem gegnerischen Strafraum wirkten beliebig, so als wartete man darauf, das irgendjemand anders eine geniale Idee hat. Schaaf brachte seine üblichen Wechsel, packte am Ende mit Akpala für Fritz noch die Brechstange aus. Wie so oft in dieser Saison blieb dies jedoch wirkungslos.

Dennoch war es nicht so, dass Frankfurt keine Chancen mehr zugelassen hätte. Es war jedoch wenig Zwingendes dabei und auch Kevin Trapp schenkte im Gegensatz zu den Bremer Nikoläusen nichts her. Am Ende setzte die Eintracht dann noch einen Konter, den Inui abschloss, doch da war das Spiel schon längst entschieden. Das Ergebnis fiel sicher zu hoch aus, doch schon allein wegen den Fehlern beim 0:1 und beim 1:3 kann sich Werder nicht über die Niederlage beklagen. Frankfurt spielte in der zweiten Hälfte konzentrierter und nutzte die Bremer Fehler gut aus. Nach dem Doppelschlag zum 3:1 konnte man das Spiel gegen einen immer kopfloser wirkenden Gegner kontrollieren.

Wie schon in vielen Auswärtsspielen dieser Saison funktionierte Werders Taktik solange gut, wie der Gegner nicht führte und das Spiel machen musste. Es fehlt jedoch der Plan B, mit dem man nach Rückständen auch dann zurückkommen kann, wenn der Gegner das Spiel nicht mehr selbst macht. Leider schafft es Werder auch mit einer Kontertaktik und ansonsten eher defensiven Spielweise kaum einmal die Null zu halten. Somit geht das Jahr 2012 zu Ende, ohne dass Werder zwei Spiele am Stück gewonnen hat.

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    3 Gedanken zu „Eine Tracht Prügel in Frankfurt

    1. Wie Wattpetterohnewatt zuvor, möchte mich ebenfalls einfach nur mal für Deine Analysen und Kommentare bedanken. Auch ich bin ein regelmäßiger Leser Deines Blogs:

      Gerade wo nun Johan Petersen sich eine (natürliche verständliche) Auszeit genommen hat, ist Dein Blog so ziemlich die einzige fundierte Informationsquelle über Werder. Natürlich analysiert auch spielverlagerung.de relativ viele Werder Spiele, aber deren ‘Abstand zum Verein’ erscheint mir doch größer.

      Auch mir fehlt die Kompetenz, irgendwelche fachkundigen Kommentare abzugeben. Obendrein lebe ich in den USA (bin aber in Bremen aufgewachsen… ) und bekomme derzeit fast niemals Werder-Spiele zu sehen. Im Übrigen erstaunt es mich aber immer wieder, wieviel Ihr Exeperten aus den üblichen Fernsehbildern, die doch nur ganz selten das ganze Spielfeld zeigen, ‘herauslesen’ könnt.

      Also, bitte weiter so und – so viel wie es Dir Deine (freie) Zeit erlaubt – über Werder (und natürlich auch andere Themen) schreiben!

    2. @Uncle Jack: Auch dir vielen Dank für deinen Kommentar! Es ist wirklich schade, dass Johan derzeit nicht regelmäßig bloggt. Hoffentlich ändert sich das nächstes Jahr wieder.

      Was die Fernsehbilder angeht: Im Stadion sieht man natürlich besser, wenn man einigermaßen gute Plätze hat. Das “Herauslesen” kommt irgendwie mit der Zeit, kann gar nicht genau sagen woran das liegt. Eine so detaillierte Analyse wie Spielverlagerung könnte ich aber nicht machen, schon gar nicht ohne das Spiel noch ein zweites Mal anzuschauen. Dafür bin ich dann doch zu sehr Fan und zu wenig Taktikexperte bzw. Analyst.

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