1. Spieltag: Ein Sieg zum Auftakt

Eintracht Braunschweig – Werder Bremen 0:1 (0:0)

Ein Spiel, ein Sieg, drei Punkte gegen die schlechte Stimmung und ein “zu Null” für den nervigen Blogger mit der bösen Gegentorstatistik. Das Spiel in Braunschweig war zäh und über weite Strecken eher unansehnlich. Werder zeigte sich in einigen Bereichen verbessert im Vergleich zum Spiel in Saarbrücken, brauchte aber dennoch eine Portion Glück, um beim Aufsteiger zu gewinnen.

Dutts große und kleine Änderungen – ein Weihnachtsbaum im August

Wer eine völlig umformierte Bremer Mannschaft erwartet hatte, sah sich erst einmal getäuscht. Personell gab es nur einen Wechsel, der jedoch einige Veränderungen nach sich zog: Der im Testspiel bei Rot-Weiß Essen überzeugende Kroos durfte für Füllkrug spielen. Kroos verstärkte das Bremer Mittelfeldzentrum und sicherte Makiadi vor der Viererkette ab. Er übernahm auch weite Strecken des Spielaufbaus, indem er sich zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen ließ – in Saarbrücken war dies noch Makiadis Aufgabe. Junuzovic komplettierte das Dreiermittelfeld, hatte dabei aber mehr Freiheiten nach vorne und sollte die Verbindung zum Angriff herstellen sowie für Überzahlsituationen sorgen. Die offensive Dreierreihe wurde ebenfalls umgestellt: Mehmet Ekici spielte auf der linken Seite, Aaron Hunt tauschte mit Petersen die Position und spielte rechts. Beide spielten jedoch weniger als Flügelstürmer als vielmehr Halbraumspieler hinter der einzigen Spitze, so dass eine sehr enge Variante des 4-3-3 entstand, die man auch als 4-3-2-1 bezeichnen kann.

Dieses Tannenbaumsystem sollte vor allem für defensive Stabilität sorgen sowie die Abstände zwischen den Spielern gering halten. Die Folge war ein sehr auf die Mitte konzentriertes Spiel, zumal die Gastgeber ähnlich ausgerichtet waren. Da Werders Außenverteidiger deutlich konservativer agierten als zuletzt und auch Augsburg Braunschweig sich nicht traute, großes Risiko auf den Außenbahnen zu gehen, neutralisierten sich beide Mannschaften lange Zeit. Das Spiel hatte nicht viele Torchancen zu bieten und war in der ersten Halbzeit geprägt von vielen Ballverlusten und vorsichtigen Offensivaktionen. Dennoch konnte Dutt mit der ersten Halbzeit ganz zufrieden sein, denn im Gegensatz zum Pokalspiel offenbarte Werder kaum defensive Schwächen, schaltete defensiv gut um und wirkte vor allem im Mittelfeld deutlich besser abgestimmt. In der Offensive kamen die beiden Halbstürmer Ekici und Hunt nicht wirklich in Schwung. Besonders Hunt wirkte zerfahren und ohne rechte Spielidee, während Ekici sich in seinen altbekannten Dribblings und verzögerten Abspielen verlor. Ein schnelles Umschaltspiel war folglich nicht möglich. Trotz einiger hoher Ballgewinne wurde Werder kaum torgefährlich. Die Planlosigkeit wurde einige Male deutlich, als Werder die linke Seite überlud und dann vom linken Flügel auf den langen Pfosten flankte, obwohl sich kein einziger Offensivspieler auf der rechten Spielfeldhälfte befand.

Nach der Pause: Braunschweig macht das Spiel, Werder das Tor

Die erste Halbzeit war alles andere als brillant, doch in Anbetracht der Umstände ein Teilerfolg für Werder. In der zweiten Halbzeit erhöhten beide Trainer nach und nach das Risiko. Werder hatte dabei den besseren Start und kam zu ein paar Torchancen, doch nach etwa zehn Minuten kippte das Spiel langsam zugunsten der Eintracht. Zwei Wechsel waren hierfür mitverantwortlich: Lieberknecht brachte Boland für Caligiuri, Dutt kurze Zeit später Elia für Ekici. Boland sorgte bei Braunschweig für mehr Offensivdruck aus dem Mittelfeld und unterstützte Reichel und Hochscheidt auf der linken Seite. Clemens Fritz war in der zweiten Halbzeit dadurch überwiegend defensiv gefordert, was noch mehr Breite aus Werders Spiel nahm. Reichels Fernschuss, den Mielitz gerade noch an die Latte lenken konnte, steht auch sinnbildlich für den Offensivschwung, den die Eintracht in den letzten 30 Minuten entfachte. Viele Chancen von ähnlichem Kaliber sprangen dabei jedoch nicht heraus.

Bei Werder änderten sich durch den Wechsel zwei Dinge: Die Offensivreihe blieb nun weiter vorne, was zu einem größeren Abstand zwischen Mittelfeld und Angriff sorgte. Es ergab sich eine 7 – 3 Aufteilung zwischen Defensive und Offensive, die durch Junuzovics Aufrücken teilweise zu einer 6 – 4 Aufteilung wurde. Während die Kompaktheit dadurch immer mehr verloren ging, entstand das Siegtor letztlich genau aus einer solchen Situation. Der zweite Effekt des Wechsels kam durch den Wegfall von Ekicis Ballbehauptung. Man kann Ekici kein gutes Spiel bescheinigen und durch das lange Halten des Balls nahm er häufiger den Schwung aus Werders Angriffen, doch sein Spiel hatte auch einen stabilisierenden Effekt. Werder spielte nun direkter, hatte dabei jedoch eine hohe Fehlpassquote und so gelang es nur selten, den Ball in der gegnerischen Hälfte zu halten. Zudem passte die Staffelung in der Offensivreihe häufig nicht. Bei langen Bällen in die Spitze orientierten sich alle Stürmer nach vorne. So wurde z.B. Petersen bei der Ballannahme nicht nach hinten abgesichert und es ergaben sich keine Möglichkeiten, den Ball nach hinten abzulegen. Drei oder vier Mal verlor Werder so den Ballbesitz und gab Braunschweig in der Folge die Chance zu schnellen Gegenangriffen.

Mit der Einwechslung von Yildirim für Kroos erhöhte Dutt noch einmal das Risiko, das nur eine Minute später belohnt wurde, als Junuzovic einen langen Ball von Prödl in den Lauf bekam, der die gesamte Braunschweiger Mannschaft überraschte. Nach dem Tor wechselten beide Trainer noch einmal taktisch: Lieberknecht bracht mit Oehrl eine zweite Spitze, Dutt mit Lukimya einen weiteren Verteidiger, der jedoch im Mittelfeld eingesetzt wurde, was die eine oder andere negative Erinnerung an das Spiel letzte Saison gegen Hoffenheim weckte. Fast wäre Braunschweig für die mutige zweite Hälfte noch belohnt worden, doch Caldirola klärte in der letzten Minute auf der Linie.

Vorsichtiger Optimismus

Wer zum Bundesligaauftakt eine 180-Grad-Wende zum Pokalspiel erwartete, wurde am Samstag erneut enttäuscht. Werder spielte insgesamt gesehen eher schwach und gewann am Ende glücklich gegen ein Team, das viele für das schwächste der Liga halten. Andererseits wird auch Werder derzeit von vielen zu den Abstiegskandidaten gezählt und es gab zuletzt wenig Anlass, sonderlich optimistisch in die ersten Saisonspiele zu gehen. Von daher lohnt es sich, die positiven Aspekte des Spiels hervorzuheben, die im Vergleich zur letzten Woche offensichtlich wurden: Werder zeigte sich über weite Strecken des Spiels stabilisiert und ließ wenige Torchancen zu. Die Innenverteidiger und das zentrale Dreiermittelfeld dürfen sich als Gewinner des Spiels sehen. Wer erwartete, dass Braunschweig mit der Aufstiegseuphorie im Rücken eine Angriffswelle nach der anderen fahren würde, sah sich getäuscht. In der aktuellen Situation war es angemessen, das Risiko mit einem massiv aufs Zentrum fokussierten System und einer vorsichtigen Spielweise zu minimieren.

Nach einem halben Jahr ohne Pflichtspielsieg nimmt man, was man bekommt. Mein Eindruck ist, dass man den Sieg im Verein und im Umfeld richtig einzuschätzen weiß. Es war in erster Linie ein Sieg für die Moral, aus dem das Team Sicherheit und Selbstvertrauen schöpfen kann. In Euphorie wird indessen niemand verfallen, dafür waren die Defizite und Baustellen für die nächsten Monate zu offensichtlich. Das Spiel lieferte jedoch eine Vorlage dafür, wie man in den nächsten Wochen dennoch Punkte holen kann: Mit den drei Zutaten “Kampf”, “Sicherheit zuerst” und “Glück”.

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