Endlich Klassenerhalt

Werder Bremen – Borussia Dortmund 2:0

Der Klassenerhalt ist perfekt. Wie erwartet hätte dazu auch ein Punkt gegen den Deutschen Meister gereicht, doch Werder machte durch die Tore von Silvestre und Pizarro alles klar und kann nun endlich die Vorbereitungen für die neue Saison konkretisieren.

Bremer Entschlossenheit gegen Dortmunder Sektlaune

Es wäre unfair den Borussen eine unprofessionelle Einstellung vorzuwerfen, doch es war der Mannschaft von Jürgen Klopp anzumerken, dass es für sie nicht mehr um viel ging. Der Dortmunder Tempofußball lässt sich ohne absolute Konzentration und Laufbereitschaft nicht spielen. Nach Silvestres frühem Führungstreffer hatte man nur selten das Gefühl, dass die Dortmunder mit aller Macht auf den Ausgleich drängten.

An dieser Stelle möchte ich dem BVB zur Meisterschaft gratulieren. Über die gesamte Saison hinweg hat Dortmund den besten Fußball gespielt und wird deshalb völlig zurecht am kommenden Samstag die Meisterschale erhalten. Der BVB hat in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht, ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt gehabt und mit Jürgen Klopp auf einen Trainer gesetzt, der nun allen Zweiflern bewiesen hat, dass er seine Vorstellungen vom modernen Fußball auch auf höchstem Niveau umsetzen kann. Dortmund spielt schnellen, schnörkellosen Fußball, der auch ästhetisch anspruchsvoll ist. Die Ballsicherheit der jungen Mannschaft ist sicher ein entscheidender Faktor für den großen Erfolg.

Ein anderer ist die Zusammenstellung der Mannschaft: Sahin, der Ballverteiler (für mich Spieler der Saison). Bender, das Powerhouse im Mittelfeld. Hummels mit seinen Qualitäten im Spielaufbau. Kagawa und Götze mit ihrem intelligenten Spiel zwischen den Linien. Torjäger Barrios. Dazu die vor Energie strotzenden Großkreutz, Kuba, Piszceck und Schmelzer auf den Außenbahnen (die ungemein von Sahin, Kagawa und Götze profitiert haben). Einziger Schwachpunkt ist für mich Torhüter Weidenfeller, der zwar eine gute Saison gespielt hat, aber (ähnlich wie Wiese) Probleme beim Mitspielen hat. In der neuen Saison wartet die nächste große Herausforderung auf den BVB: Die Etablierung in der Spitze. Wie kommt die junge Mannschaft mit Abgängen (Sahin), Meisterschaftskater und der Doppelbelastung durch die Champions League zurecht? Ich bin sehr gespannt.

Abstiegskrimi verkommt zum lauen Sommerkick

Damit aber genug der Lobhudelei und zurück zum Spiel. Werder machte in der Anfangsphase viel Druck und spielte sich über Marin, der im Rücken des BVB-Mittelfelds zunächst viel Platz fand, einige Male vielversprechend vors Dortmunder Tor. Die Führung kam durch eine Standardsituation unter Mithilfe von Weidenfeller zustande, der Silvestres Ecke schwach klärte und beim Schuss des Franzosen durch viele Beine dann kaum noch eine Chance hatte. Werder drängte zunächst auf das zweite Tor, unterstützt durch einige Unsicherheiten in der Dortmunder Abwehr, und hatte durch Marin und Fritz gute Chancen. Nach einer Viertelstunde stellten die Bremer die Offensivbemühungen jedoch weitgehend ein und ließen Dortmund mehr Zeit am Ball. Hier mag eine Portion Kalkül mit dabei gewesen sein, dass es die Dortmunder nicht allzu ernst mit einer Aufholjagd meinen würden, aber Werders Umschalten nach Ballgewinn wies in dieser Phase gravierende Mängel auf. Das Mittelfeld wurde häufig überbrückt, doch die langen Bälle auf Wagner und Pizarro fanden nur selten das Ziel und der BVB konnte sich die Bälle problemlos zurückholen.

Defensiv standen die Bremer weitgehend sicher und Dortmund kombinierte sich nur selten durchs Mittelfeld vors Bremer Tor. Zwei starke vertikale Pässe durch die Schnittstellen der Bremer Innenverteidigung führten zu den beiden gefährlichsten Szenen der Borussia vor der Pause. Dazwischen gab es viel Leerlauf, mit dem Werder dank der Führung gut leben konnte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig an diesem Bild. Die Großchance für Barrios kam eher zufällig zustande und auf der anderen Seite war es Pizarros individuelle Klasse, die das Spiel für Werder entschied. Aus Werdersicht mag man sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr über spielerische oder taktische Defizite der eigenen Mannschaft ärgern. Wichtig ist der nun endgültig feststehende Klassenerhalt durch diesen Sieg gegen am Ende zu passive Dortmunder, die gegen einen tief stehenden Gegner zu wenig taten, um noch einmal ins Spiel zurück zu kommen. In der Nachspielzeit bekam der BVB noch einen glasklaren Elfmeter verweigert, doch das interessierte schon fünf Minuten später niemanden mehr.

Schwache Gesten statt harter Entscheidungen?

Vor dem Spiel wurden mit Petri Pasanen und Daniel Jensen zwei Spieler geehrt, die jeweils sieben Jahre lang bei Werder gespielt haben und im Sommer den Verein verlassen werden. Torsten Frings war nicht unter den Geehrten. Es ist zu befürchten, dass er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Ich schreibe bewusst „befürchten“, auch wenn es mir wehtut. Ich habe großen Respekt vor dem Fußballer Torsten Frings und bin ihm sehr dankbar für alles, was er für Werder geleistet hat. Ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass man mit (und schon gar nicht um) Frings noch einmal eine große Mannschaft aufbauen kann. Dazu ist er nicht mehr gut genug, dazu ist sein Status im Team zu verfestigt, dazu ist er zu wenig Lenker aus dem Hintergrund. Er hat in der Schlussphase der Saison noch einmal seinen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet, aber seine Schwächen waren auch in den letzten Wochen nicht mehr zu übersehen. Es wäre ein guter Zeitpunkt aufzuhören. Mir scheint es jedoch, dass man bei Werder die großen Einschnitte weiterhin scheut, wenn sie nicht durch externe Gegebenheiten (Verletzungen, hohe Transfererlöse) unvermeidbar werden. Die wäre kein gutes Zeichen für die neue Saison.

Als schlechtes Zeichen habe ich auch die Nichtberücksichtigung Daniel Jensens in den Kader empfunden. Es wäre ein Platz auf der Bank freigewesen und auch wenn Jensen nach Schaafs Dafürhalten nicht richtig fit ist, hätte man ihn zum Abschied wenigstens eine Berufung in den Kader schenken können. Gegen eine Einwechslung in der 90. Minute hätte bei entsprechendem Spielstand auch nichts gesprochen. Petri Pasanen durfte dagegen 90 Minuten durchspielen und zeigte eine gute Leistung in der Innenverteidigung. Ihm hätte ich in der letzten Minute ebenfalls den Applaus einer Auswechslung gegönnt. Diese Gesten mögen nicht wichtig sein für den Verein, aber sie wären ein schönes Signal an die Spieler und an die Fans gewesen. Vielleicht darf Jensen wenigstens am letzten Spieltag in Kaiserslautern noch einmal für Werder auflaufen. Zu gönnen wäre es ihm in jedem Fall.

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    3 Gedanken zu „Endlich Klassenerhalt

    1. Erst mal: Willkommen zurück!
      Sehr gut, dass du wieder fit zu sein scheinst.
      Der Artikel ist von gewohnter Qualität, also sehr gut.
      Gibt eigentlich keinen Punkt, in dem ich nicht mit dir übereinstimme. Insbesondere die Entscheidung gegen Jensen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, das ist einfach schade. Eine Berufung in den Kader schadet niemandem und wäre für ihn (wie man jetzt auch sieht) ein absolutes Hochgefühl gewesen. Stattdessen ist Jensen jetzt traurig und enttäuscht, das hat er so nicht verdient. Ich hoffe daher auch inständig, dass Schaaf ihn am Samstag nochmal ranlässt, allein schon deshalb, damit er sich für andere Vereine empfehlen kann.

      Zu Frings: Was soll man da noch groß sagen? Bei Twitter haben wir insbesondere über Frings schon oft diskutiert und sind uns mehr als einig darüber, dass er Werders Spiel nicht mehr gut tut. Mittlerweile geht es sogar so weit, dass er bei Zeiten eine Belastung für seine Mitspieler darstellt. Die “guten Spiele”, die er in den letzten Wochen gezeigt haben soll, habe ich nicht gesehen. Eher ein katastrophales Stellungsspiel, eine grausame Rückwärtsbewegung und mangelndes Können im Spielaufbau. Alles Fähigkeiten, die ein defensiver Mittelfeldspieler mitbringen muss und die Werders Spiel absolut abgehen. Neben einem Spielmacher wie Ekici (der offenbar sehr weit oben auf der Liste steht) wäre daher ein moderner Sechser die wichtigste Personalie.
      Zu Gute halten muss man Frings, das er einfach von den Anlagen kein DM ist. Er war nie einer, er ist keiner und er wird auch nie einer sehen. Am besten aufgehoben ist Frings auf den Außenpositionen der Raute, wo er die letzten Spiele auch (inoffiziell) gespielt hat.
      Absichern mussten meistens Bargfrede oder Wesley, die gleichzeitig jedoch Marin unterstützen mussten und daher ein Laufpensum absolviert haben, das einfach atemberaubend ist.
      Zum Abschluss wünsche ich mir einfach einen entspannten Saisonausklang gegen Lautern, eine Reanimation der alten Fanfreundschaft und ein durch und durch schönes Fußballspiel. Mit einem gepflegten 5:6 Auswärtssieg nach typisch bremischer Art wäre ich sehr zufrieden ;)

    2. Interessanter und wichtiger Punkt, den du da ansprichst: Frings war eigentlich nie ein Sechser. Erst vom Stürmer zum Außenverteidiger, dann zum Mittelfeldspieler umgeschult. Bei Werder hatte er immer Baumann hinter sich, in der Nationalmannschaft war er am besten, als Klinsmann auf Doppelsechs umgestellt hat. Letzte Saison hat Bargfrede eine Menge rausgerissen an Frings Seite, aber in dieser Saison hat es nicht mehr funktioniert.

      Richtig gute Spiele habe ich von Frings auch nicht gesehen, aber sehr wohl Spiele, in denen er seine Qualitäten wieder ganz gut einbringen konnte – auch weil andere seine Schwächen kompensiert haben. Auf Dauer wird das aber nicht gut gehen. In einer anderen Rolle könnte ich ihn mir u.U. noch ein Jahr bei Werder vorstellen (ohne Binde + als Ergänzungsspieler), aber das ist völlig unrealistisch.

    3. Und genau da liegt auch das Problem. Mit Frings als erfahrenem Backup, der in den letzten 10-20 Minuten bei Rückstand die Mannschaft nochmal anpeitschen kann und aufgrund der Müdigkeit seiner Gegner nicht mehr ganz so schwer unter seiner nachlassenden Dynamik leidet könnte ich leben. Voraussetzungen: Kapitänsbinde an jemand anderen abgeben (Merte/Fritz/Naldo), endlich die Einsatzgarantie auflösen und das Gehalt um 60-70% reduzieren.
      Davon ist kein einziger Punkt realistisch.
      Bezüglich der Kompensation der Frings’schen Schwächen, hatte ich letztens eine recht ausführliche Diskussion, in der ich meine Meinung bezüglich Frings’ Leistungen und der Notwendigkeit eines modernen Sechsers fürs Werderspiel dargelegt habe. Der ist allerdings sehr lang. Im Kern ging es da um die gestiegene Abhängkeit von einem starken Zehner in den letzten Jahren, Frings’ Abhängikeit von einem dynamischen Nebenmann und der Ausrechenbarkeit von Werders Spiel.
      Alles bekannte Schwächen, die jedoch in den letzten Jahren nicht behoben wurden – nebst der LV-Position.

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