Meine EM: Griechenland kämpft um seinen Ruf

Griechenland hat meine Sympathien alleine schon wegen Werders Ein-Mann-Abwehrbollwerk Sokratis. Gemeinsam mit Avraam könnte er ein waschechtes Abräumerduo in der Innenverteidigung bilden. Mit Papadopoulos hätte man auch noch einen moderneren Typus des Innenverteidigers zur Auswahl. Da alle drei auch auf anderen Positionen spielen können, muss Trainer Santos vielleicht gar keinen von ihnen auf die Bank setzen. Mit Torosidis hat man außerdem noch einen Rechtsverteidiger gehobener Klasse im Kader, nach dem sich (nicht nur) die Bremer Fans die Finger lecken.

Griechenland 2012: Offensiver als viele denken

Dennoch sollte man die Vorstellung von den ultra-defensiven Griechen acht Jahre nach dem Triumph in Portugal endgültig zu den Akten legen. Griechenland hat sich in den letzten zwei Jahren neu erfunden und spielt in der Mehrzahl der Fälle vorwärtsorientierten Fußball. Am deutlichsten wurde dies im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Kroatien, das man mit 2:0 gewann. Dabei läuft das Team wie auch schon in den letzten Rehhagel-Jahren meistens in einem 4-3-3 auf. Die beiden offensiven Mittelfeldpositionen werden meist von den erfahrenen Karagounis und Katsouranis besetzt. Es kann sich eben nicht jede Nation leisten, die Helden des letzten Jahrzehnts auszusortieren. Dahinter agiert in der Regel ein eher konservativer, tiefer Sechser. Auch wenn Griechenland damit taktisch nicht zu den aufregendsten Teams im Feld gehört, schafft man so ein ziemlich ausgeglichenes Mittelfeld und entfacht durchaus auch Kreativität im Spiel nach vorne.

Eher ungewöhnlich ist, dass die Griechen im Dreiersturm häufig auf drei echte Stürmer setzen. Die beiden Außenstürmer (vermutlich Samaras und Salpingidis) spielen dabei jedoch sehr engagiert mit nach hinten und erfüllen ihre Rolle auf dem Flügel sehr diszipliniert. Am ehesten ist das System vielleicht mit dem Inter Mailands 2009/10 zu vergleichen, wo sich Eto’o und Pandev rechts und links des Mittelstürmers Milito voll in den Dienst der Mannschaft stellten. (Eine weitere Parallele ist, dass auch Inter vor allem für die Defensivkünste in der Schlussphase der Champions League berühmt wurde, obwohl man über die Saison meistens viel offensiver agierte.)

Was ist den Griechen zuzutrauen? Die Leistungen in der Qualifikation machen sie zu einem leichten Favoriten in dieser Gruppe, auch wenn die Testspiele zuletzt eher mittelmäßig waren. Da die vier Teams leistungsmäßig so dicht beieinander liegen, werden am Ende wohl Nuancen über das Weiterkommen entscheiden. Danach wird es aber sehr schwer, da man im Viertelfinale auf ein Team aus der starken Gruppe B treffen würde.

Meine Prognose: Für die großen Gegner fehlt es den Griechen meiner Meinung nach an Klasse, aber das hat sie 2004 auch nicht aufgehalten. Realistisch wäre das Erreichen des Viertelfinales.

Griechenlands Gruppengegner:

Polen
Russland
Tschechien

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