Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe B

Die erste Überraschung gab es in Gruppe B, wo Dänemark die Niederlande schlagen konnte. Deutschland mühte sich danach zu einem 1:0 Arbeitssieg gegen Portugal.

Niederlande – Dänemark 0:1

Die Niederlande haben sich gleich zum Auftakt einen Patzer geleistet, der ihnen teuer zu stehen kommen kann. Dänemark zeigt eindrucksvoll, dass Trainer Olsen richtig gelegen hat, seiner Mannschaft auch in der schweren Gruppe B etwas zuzutrauen. Die Niederlande waren die bessere Mannschaft und hatten die besseren Chancen, doch taten sich sehr schwer echte Gefahr vor dem dänischen Tor zu erzeugen.

Es war ein Musterbeispiel dafür, wie unterlegene Mannschaften im Fußball zum Erfolg kommen können: So gut wie möglich stehen, die gefährlichen Spieler doppeln, Abschlüsse nur aus suboptimalen Positionen zulassen und selbst bei Ballgewinn schnell umschalten und die Räume nutzen, die der aufgerückte Gegner offen lässt. Ein bisschen “Matchglück” braucht man dazu auch und das hatten die Dänen. Auch mit den vorhandenen Chancen hätten die Niederlande das Spiel gewinnen können. Auffällig, wie häufig die niederländischen Stürmer ausrutschten. Van Marwijk muss sich fragen, ob eine Doppelsechs mit van Bommel und de Jong ausreicht. Spielerisch kommt sehr wenig von den beiden und man ist fast ausschließlich auf die Kreativität vier Offensivspieler angewiesen. Gegen Dänemark wäre van der Vaart wohl die bessere Wahl gewesen.

Dänemark überzeugte nicht nur defensiv, sondern zeigte auch große Stärken beim Kontern. Bendtner spielt sehr beweglich, weicht nach außen aus und schafft Räume für Eriksen und die nachrückenden Spieler. Das Team wirkt gut eingespielt, was sich auch in den nächsten beiden Partien bezahlt machen könnte. Das Weiterkommen ist ihnen durchaus zuzutrauen. Die Niederlande müssen Deutschland schlagen, um nicht schon nach zwei Spielen chancenlos aufs Weiterkommen zu sein.

Deutschland – Portugal 1:0

Soll man enttäuscht sein über das wenig inspirierende Spiel oder sich über den erarbeiteten Sieg freuen? Ich tendiere klar zu letzterem, weil ein Erfolgserlebnis zu Beginn für einen Leistungsschub sorgen kann. Es ist auch nicht so, dass Deutschland gegen Portugal schlecht gespielt hätte. Es fehlten nur ein paar Dinge im deutschen Spiel, die im Laufe des Turniers noch hinzukommen können.

Portugal zeigte, dass es hinzugelernt hat und die vertauschten Vorzeichen anerkannt hat. Während früher Deutschland den Portugiesen die Initiative überließ und selbst hauptsächlich Konterfußball spielte, richtete sich am Samstag Portugal gemütlich in der eigenen Hälfte ein. Deutschland hatte viel Ballbesitz, tat sich aber ungemein schwer, vor das gegnerische Tor zu kommen. Der Ball zirkulierte viel im Mittelfeld. Gefährlich wurde es nur, wenn man über die Flügel spielte und den Ball von dort in den Strafraum brachte. Özil wich häufig auf die Außenbahnen aus, um Velosos aufmerksamer Bewachung zu entgehen. Richtige Chancen blieben allerdings Mangelware. Insgesamt wirkte das Spiel zu pomadig und gerade im Angriffsdrittel fehlte das Tempo im deutschen Spiel.

Portugal freundete sich im Laufe des Spiels immer besser mit der ungewohnten Rolle an und sorgte mit gelegentlichen Kontern für Entlastung. Dabei spielten sie sich die besseren Torchancen heraus. Deutschland hatte Glück bei Pepes Lattenschuss und musste sich in der Schlussphase bei Neuer bedanken, der den Sieg festhielt. Hummels feierte endlich seinen Durchbruch im Nationaltrikot, während Lahm einen schwachen Tag erwischte. Schweinsteiger und Özil sind noch nicht bei einhundert Prozent. Gegen die Niederlande wird man eine deutliche Steigerung brauchen, gerade was die Geradlinigkeit und das schnelle Kombinationsspiel vor dem Strafraum angeht. Dabei könnte es ein Vorteil sein, dass der Gegner unbedingt gewinnen muss und wahrscheinlich mehr Räume zulässt als Portugal.

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