Meine EM: Tschechien ist kein Schwergewicht mehr

Vorbei die Jahre, in denen die Tschechen zum (mindestens erweiterten) Favoritenkreis bei großen Turnieren gehörten. 2004 begeisterten sie noch mit tollem Fußball, bügelten die Deutschen mit ihrer B-Elf aus dem Turnier und schienen unaufhaltsam zu sein – nur um dann im Halbfinale an Rehhagels totaler Defensive zu scheitern. Richtige Starspieler, wie man sie ihn der Vergangenheit in Nedved oder Poborsky hatte, sind nicht mehr vorhanden im Kader, auch wenn mit Peter Cech, Milan Baros und Tomas Rosicky noch drei Namen verblieben sind, die an die großen Zeiten erinnern. Im Jahr 2012 gibt Tschechien dennoch nicht das Bild einer Mannschaft ab, die sich erneuert hat und vor neuen Erfolgen steht.

Personell nicht mehr erstklassig

Dass man in der Qualifikation hinter Titelverteidiger Spanien landete, ist kein Indiz für mangelnde Klasse. Dass man die schwachen Schotten erst am letzten Spieltag noch überholen konnte und mit Montenegro ein eher glückliches Los in den Play-Offs erwischte, darf einen aber schon an den Qualitäten der Tschechen zweifeln lassen. In die ausgeglichene Gruppe A geht die Tschechische Republik daher als leichter Außenseiter. Die Rolle wird dem Team von Michal Bilek entgegen kommen. Ihre Chance besteht vor allem darin, dass sie von ihren Gegnern unterschätzt werden könnten.

Das Dreiermittelfeld mit dem in der Vorbereitung verletzten Rosicky an der Spitze ist das Prunkstück des Teams und ist in der Lage mit den anderen Gegnern der Gruppe mitzuhalten. Über die Flügel entwickeln die Tschechen jedoch zu wenig Gefahr und so erscheint es wenig wahrscheinlich, dass sie in einem ihre EM-Spiele dem Gegner spielerisch überlegen sein könnten. Gegen den Ball arbeiten sie gut und diszipliniert. Derbe Klatschen sind daher eher nicht zu befürchten, auch wenn mich die Viererkette in den Spielen, die ich von Tschechien gesehen habe, nicht richtig überzeugt hat.

Vielleicht entpuppt es sich als Vorteil, dass man erst am letzten Spieltag auf Polen trifft, die (vorausgesetzt sie sind vor dem Spiel noch nicht sicher qualifiziert) an ihren eigenen Nerven scheitern könnten. Die Chancen auf ein tschechisches Weiterkommen sind ansonsten jedoch eher gering, ich würde sogar sagen am niedrigsten von allen Teams der Gruppe A.

Meine Prognose: Tschechien scheidet als Letzter in der Gruppe A aus.

Tschechiens Gruppengegner:

Polen
Griechenland
Russland

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