Europa League, 3. Spieltag: Schluckauf, bitte!

Austria Wien – Werder Bremen 2:2

In Wien hat Werder schmerzhaft zu spüren bekommen, wie schmal der Grat zwischen Abgeklärtheit und Nachlässigkeit sein kann. Durch Pizarros Doppelpack führte man nicht unverdient mit 2:0 bevor sich die Wiener zusammenrauften und Werder in den letzten 20 Minuten gehörig unter Druck setzten. Die starke Schlussoffensive der Österreicher brachte ihnen ein Unentschieden, mit dem Werder unterm Strich zwar besser leben kann, als der Gastgeber, das sich jedoch wie eine Niederlage anfühlt.

Lange Zeit sah es aus, als hätte Werder alles im Griff. Hinten nicht viel zugelassen, vorne mit Pizarro einen abgezockten Stürmer, der die Fehler der Wiener Hintermannschaft ausnutzt. Da war es sogar zu verschmerzen, dass Marin, Özil und Hunt vor dem Tor etwas sehr leichtfertig ihre Chancen liegen ließen. Am Ende sollte es sich jedoch bitter rächen. Die zuletzt hochgelobte Defensivabteilung leistete sich vor dem 1:2 einen kollektiven Aussetzer und ließ Sulimani völlig unbedrängt aus 20 Metern aufs Tor schießen. Danach sah man das, was man aus vergangenen Spielzeiten und auch dem Spiel in Funchal gewohnt war: Ein verunsichertes, wackliges Werder, das große Probleme hatte, die wütenden Angriffe der Hausherren abzuwehren. Kurz vor Schluss bekam man die Quittung in Form des 2:2-Ausgleichtreffers.

Was nimmt man aus diesem Spiel mit? Ein Unentschieden bei einem heimstarken Gegner ist so schlecht nicht. Nach wie vor hat Werder eine sehr gute Ausgangsposition, um in die nächste Runde einzuziehen. Sollte es nichts werden mit dem Gruppensieg, wird man bei der Auslosung der Zwischenrunde aber auch an dieses Spiel zurückdenken. Als Zuschauer bleibt man ein wenig desillusioniert zurück. Zu schön, ja erleichternd, war die Vorstellung, dass Werder plötzlich über ein Bollwerk in der Abwehr verfüge. Nun ist es jedoch schon eine Handvoll Spiele, in denen Werders Defensivabteilung große Fragen aufwirft. Auffällig: Fast alle davon in den Pokalwettbewerben (Aktobe, Funchal, St. Pauli und nun Austria Wien), nur eines in der Liga (Frankfurt). Die größte Frage dabei: Waren das nur kurze Rückfälle in alte Zeiten? Eine Art Schluckauf, der bald wieder vorbei geht? Oder ist andersherum die momentane Stärke nur eine vorübergehende Phase? Sind die 14 Spiele ohne Niederlage eher einer Verkettung glücklicher Umstände zu verdanken, als der eigenen Qualität?

Werder muss aus diesem Spiel lernen. Lernen, dass man nur bei voller Konzentration über 90 Minuten zu Null spielen kann. Lernen, dass man Spiel für Spiel diese Konzentration aufrecht erhalten muss. Das von Klaus Allofs ausgegebene Motto “Gelassenheit vor dem Spiel, volle Konzentration im Spiel” erwies sich nicht zum ersten Mal als Drahtseilakt, der Werder nicht so richtig gelingen will. Zieht man daraus die richtigen Schlüsse, wird in ein paar Wochen sicher niemand mehr von diesem Spiel sprechen.

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