Europa League, 4. Spieltag: Dekadent

Werder Bremen – Austria Wien 2:0

Mit dem Taxi kurz vor dem Anpfiff in die VIP-Loge, kurz nach dem Abpfiff mit dem Taxi zurück nach Hause. So in etwa stellt man sich den Stadionbesuch eines begeisterten Fans vor. Nicht. Aber da sowohl meine Freundin als auch ich schon vor dem Spiel kränkelten, das Wetter in Bremen um diese Jahreszeit gegen die Genfer Konvention verstößt und eine Fahrt mit dem Auto zum Weserstadion unmöglich ist, blieb uns gestern keine andere Wahl. Außer natürlich zu Hause zu bleiben und die Karten verfallen zu lassen, aber das wäre noch eine Spur dekadenter gewesen.

Dekadent war auch das, was die Mannschaft gestern auf dem glitschigen Rasen ablieferten. Ich muss schon sagen: Ohne große Anstrengung ein 2:0 gegen eine bemitleidenswerte Wiener Austria zu holen – Respekt meine Herren! Wozu unnötige Kräfte vergeuden und ein Feuerwerk wie gegen Bilbao auf den Platz zaubern? Es geht doch auch so. Man nehme einen auswärtsschwachen Gegner, einen Torwart von internationaler Klasse, der die paar sehr guten Torchancen dieses Gegners entschärft, einen Linienrichter, der die Abseitsposition vor dem 1:0 übersieht, das alles gepaart mit dem Wissen um das eigene Können und einem nach drei Monaten ohne Niederlage aufgeblähten Sack, dessen Inhalt (frei nach Olli Kahn) zur Standardausstattung erfolgreicher Fußballmannschaften gehört, und – zack – steht man in der nächsten Runde.

Werder zeigte alle Symptome einer Diva, die sich zu fein ist, für den gewöhnlichen Pöbel zu spielen. Selten erreichte ein Spieler eine Laufgeschwindigkeit, die sich signifikant von meinem Joggingtempo im Bürgerpark unterscheidet, und wenn, dann war es nur der Ballführende Spieler, dessen Bewegungen auf erhöhten Pulsschlag hindeuteten. Böse Zungen behaupten Tim Borowskis einziger Sprint im Spiel sei der nach seinem Tor zur Eckfahne gewesen. Vielleicht waren es die Pfiffe der eigenen Fans, die das Team in der Ehre kränkten. In den letzten 10 Minuten zeigte es jedenfalls, wozu es fähig sein kann. Am Ende steht ein 2:0, über dessen Zustandekommen schon bald keiner mehr sprechen wird. Kann man so machen, gegen die kleinen Gegner, zu denen ich Austria bei allem Respekt zähle. Doch am Sonntag gegen Dortmund muss wieder mal ein Spiel über 90 Minuten mit voller Konzentration angegangen werden. Nicht, um die letztendlich bedeutungslose Serie zu retten, sondern um uns Fans ein paar Nerven und abgekaute Fingernägel zu sparen. Wir sind schließlich krank.

Nach Diktat mit heißem Tee zu Bett.

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    6 Gedanken zu „Europa League, 4. Spieltag: Dekadent

    1. Man, bist du dekadent ;)

      Scherz beiseite, war TimBo wirklich Abseits? Der TV-Kommentator konnte zwar nix anderes erzählen, bzw. wiederholte selbiges minütlich, mir kam es aber so vor als wäre es gar nicht TB, sondern MR gewesen, der im Abseits stand? Meine TB kam etwas mehr von hinten? Ich hab aber nach dem Spiel ausgemacht und so keine richtige Auflösung der Szene gesehen.

      Ansonsten hoffe ich auch, dass gegen den BVB mehr kommt. Im Endeffekt kann man Spiele so schon gewinnen, wobei der normale Weg ja eher ist das 2:0 vor der Pause zu machen und hintenraus zu halten. Egal, die Saison ist lang, vielleicht ist genau das was Werder 09/10 auszeichned: Kräfte an der richtigen Stelle sparen.

    2. Es standen Rosenberg UND Borowski im Abseits – vielleicht war genau hier das Glück, dass der Linienrichter nicht sehen konnte, dass auch Boro hinter Rosenberg Abseits stand.
      Egal. Hauptsache gewonnen.

      Mein Highlight gestern war übrigens die Aussage, dass Bargfrede “emissionsfrei Fussball spielt” – eine Perle…

    3. Mir war’s gestern einen Zacken zu divenhaft. Lieber von Beginn an ernst nehmen, früh die Tore machen und dann die Gänge herunterschalten. Aber das ist natürlich auch immer sehr leicht gesagt und viel schwerer getan.

      Schaafs Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hat er das allerdings ganz ähnlich gesehen. Die Laune war finsterer als das Wetter der letzten Tage. Und wenn das Wetter in Bremen so war wie in Berlin, wisst ihr was ich meine ;)

      Ansonsten stelle ich fest, dass ich mich so langsam an diesen unheimlichen Lauf gewöhne. So konnte mich auch der späte Ausgleich von Bilbao nicht überraschen. Nach Werders Führung hatte ich eigentlich nur noch auf die Durchsage gewartet. Gut so. Zwei Spiele (berechtigt) lockeres Austraben können in einer Saison, in der wohlmöglich wieder die meisten Partien aller Bundesliga-Clubs anstehen, nun wirklich nicht schaden.

      Also Schwamm drüber, über den Diva-Auftritt, und gute Besserung, Tobias!

      P.S. Ein Wort noch zu Hugos Rückkehr: Hugo hätte für mich auch ohne sein Tor schon das geschafft, was Rosi und auch Moreno zuletzt völlig abging: Torgefahr ausgestrahlt!

    4. So, heute geht’s schon wieder besser. Danke für die Genesungswünsche :)

      @Conti: Im Stadion hab ich es natürlich nicht gesehen, aber hinterher in der Zusammenfassung meine ich schon, dass man erkennen konnte, dass Boro im Abseits stand.

      @borttronic: Mein Highlight war eine Begegnung mit Dieter Eilts vor dem Herrenklo ;)

      @Arne: 10 Minuten nach seiner Einwechslung dachte ich noch Hugo wär noch nicht so weit. Da ist ihm fast alles missglückt. So kann man sich täuschen, ist danach richtig gut ins Spiel gekommen. Mit Hugo und Jensen hat man endlich wieder richtig gute Alternativen auf der Bank.

    5. alles klar, danke für die Infos. Dann hatten wir ja wohl wirklich GLück :)

      Ich fand Hugo auch gut, Rosi dagegen…

    6. Tja, das Köpfchen noch einmal aus der Schlinge gezogen. Ein Tor klar im Abseits. Bei dem einen Tackling von Fritz außerordentlich viel Glück gehabt, dass der Schiri keinen Elfer gibt. Aber das Schöne daran: wir sind eine Runde weiter und das zählt erstmal. :)

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