Normalerweise ist Kollege Johan Petersen vom Werder-Fußball-Blog für die grafische Aufarbeitung von Toren zuständig. Nachdem ich Werders katastrophale erste Halbzeit nun doch noch gesehen habe, versuche ich mich mal an einer Fehleranalyse anhand der drei ersten Gegentore, die viele Probleme aufzeigten, die Werder in der Defensive (nicht nur gestern gegen Hoffenheim) hatte.
Das 1:1
Ein Rechtsfuß als Linksverteidiger hat Vorteile, wenn sein Gegenspieler nach innen zieht. Ibisevic zeigte Pasanen vor dem 1:1 gleich zweimal, wie man einen rechtsfüßigen Linksverteidiger über außen umspielt. Die Szene ist sinnbildlich für Werders Probleme auf der linken Seite.
Ibisevic geht mit dem Ball an der Außenlinie entlang, verfolgt von Pasanen. Prödl rückt einige Meter raus, um Pasanen zu unterstützen.
Pasanen geht zweimal mit dem rechten Fuß zum Ball, macht dazu eine halbe Drehung in Richtung Grundlinie. Ibisevic geht beide Male mit einem einfachen Trick außen an Pasanen vorbei. Beim zweiten Mal zieht er anschließend in die Mitte und spielt einen scharfen, flachen Ball vors Tor.
In der Mitte gibt es ein Missverständnis zwischen Wiese und Fritz, der den Ball vor dem heranrauschenden Mlapa zurück vor den kurzen Pfosten spielt. Dort kommt Ba an den Ball und kann ihn ins leere Tor schieben. Prödl steht zu weit von ihm weg und kann nicht mehr eingreifen.
Das 2:1
Eine funktionierende Abseitsfalle ist ein gutes defensives Stilmittel. Eine nicht funktionierende Abseitsfalle ist defensiver Selbstmord. Gegen Sampdoria spielten Fritz, Mertesacker, Prödl und Pasanen sie nahezu perfekt. Gegen Hoffenheim steht Pasanen zwei Meter hinter der Kette während Mertesacker herausrückt und einen Fehlpass spielt. Eine haarsträubende Aktion, die Hoffenheim das zweite Tor auf dem Silbertablett serviert.
Ein Einwurf als Ausgangssituation. Compper (schwarzer Balken) wirft ein und Mertesacker (gelber Balken), der in dieser Situation näher an der Seitenauslinie steht als Außenverteidiger Fritz, antizipiert den Ball.
Statt beim freistehenden Bargfrede (rot) landet Mertesackers Pass erneut bei Compper, der sofort den Pass in die Tiefe auf den startenden Mlapa spielt. Prödl (blau) versucht auf eine Höhe mit Fritz (magenta) zu kommen, um Mlapa abseits zu stellen.
Pasanen (grün) merkt dies zu spät und hebt das Abseits auf. Mlapa kommt an den Ball und geht allein auf Wiese zu. Da Prödl in der Vorwärtsbewegung ist und sich erst drehen muss, kann er Mlapa nicht mehr rechtzeitig stellen. Werders Viererkette gibt bei einem gegnerischen Einwurf in der eigenen Hälfte ohne Not jegliche Formation auf. Hoffenheim nimmt mit einem einzigen Pass in die Tiefe acht (!) Bremer aus dem Spiel.
Das 3:1
Ein blitzsauberer Konter, der Mertesackers fehlenden Antritt gnadenlos offenlegt.
Frings (gelb) verliert als hinterster Mittelfeldspieler 30 Meter vor dem Hoffenheimer Tor den Ball im Zweikampf gegen Gustavo (schwarz). Bleiben über 50 Meter für Hoffenheim, die sich in der Rückwärtsbewegung befindende Abwehrkette auszuspielen.
Der Raum vor der Viererkette (weiße Fläche) ist komplett blank, das Bremer Mittelfeld nicht mehr existent. Die Hoffenheimer Stürmer positionieren sich gut, Ibisevic (rot) zieht in die Lücke zwischen Mertesacker und dem weit aufgerückten Fritz (magenta). Mlapa (blau) besetzt das Zentrum zwischen den Innenverteidigern und verhindert somit, dass Mertesacker sich voll auf Ibisevic konzentrieren kann.
Gustavo spielt den Pass außen an Mertesacker (grün) vorbei auf Ibisevic. Werders Innenverteidiger bleiben kurz stehen und spekulieren auf Abseits.
Der langsame Mertesacker hat keine Chance mehr, den Stürmer zu stellen. Auch Fritz kommt zu spät. Stark gekontert von den Hoffenheimern, die den Platz zwischen Werders Mittelfeld und Abwehr sowie das Risiko einer hoch stehenden Viererkette mit einem langsamen Innenverteidiger eiskalt ausgenutzt haben.







Super Sache. Vor allem das 3:1 war ein Rückfall in die Zeiten, in denen die gesamte Raute wild nach vorne rannte. Hier hätte die Kette vermutlich auf abseits spielen sollen.
Bilder gehen nicht
[...] will ich zu dem Spiel am Samstag aber auch nicht sagen, die Kollegen von den anderen Werder-Blogs haben sich ja auch so ihre Gedanken dazu [...]