Fluch beendet – Werder in Belek Tag 8

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Am heutigen Tag wurde trotz aller widrigen Umstände endlich wieder gewonnen. Und das in der Türkei, in einem „Auswärtsspiel“. Da das Vormittagstraining keine besonderen Erkenntnisse brachte und nur die zuhause gebliebenen Spieler länger trainierten, möchte ich diesen Eintrag ganz dem Test gegen Alkmaar widmen.

Im Vorfeld des Spiels ging es in der Planung drunter und drüber. Gestern wurde der Anpfiff des Spiels auf Bitten von Alkmaar erst eine Viertelstunde und kurze Zeit später um eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Heute dann die nächste Hiobsbotschaft, der Platz in Antalya war durch die starken Regenfälle der letzten Tage unbespielbar geworden. Doch – und das ist das schöne hier in Belek – fand sich dank unzähliger Stadien schnell Ersatz. Das Spiel fand direkt hier in Belek auf dem Trainingsplatz des Calisto Hotels statt. Jener Platz, der von Alkmaar zum Training genutzt wird. Es sollte also doch ein „Auswärtsspiel“ werden.

Trainer Schaaf gab einigen Akteuren eine Pause, so dass neben Düker, Wagner und Wesley auch Marin, Trinks, Wolf, Rosenberg und Wiese nicht im Kader standen. Gespielt wurde im bekannten 4-4-2 mit Raute und Spielmacher Ekici. In die Startaufstellung wechselten im Vergleich zum letzten Testspiel am Montag gegen Anderlecht nur Mielitz und Arnautovic, sonst änderte sich nichts.

Aufstellung

Mielitz
Fritz – Prödl – Sokratis – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Arnautovic – Pizarro

Bank: Vander, Silvestre, Kroos, Boenisch, Thy, Füllkrug

Spielbericht

Die ersten 15 Minuten gehörten klar dem holländischen Tabellenführer, der sehr körperbetont zur Sache ging. Vor allem Ekici hatte mit dieser Spielweise so seine Probleme. Echte Chancen erspiele sich der AZ zu dieser Zeit allerdings nicht. Das Spielgeschehen wendete sich aber, als Pizarro in der 19. Minute Ekici auf dem rechten Flügel in abseitsverdächtiger Position freispielte und dieser bis zur Grundlinie durchgehen konnte. In der Mitte startet Arnautovic, konnte den guten Pass des Deutschtürken allerdings nicht im Tor unterbringen.

Marko Arnautovic

Es war nicht der Tag des Marko Arnautovic / Bild www.andreasgumz.com

Diese Aktion war die Initialzündung für einige weitere Torversuche. In der 21. Minute setzte Pizarro die Innenverteidigung unter Druck, gewann den Ball und scheiterte dann freistehend vor dem gut reagierenden Keeper. Auch der Nachschuss von Ekci wurde vom Torwart pariert. Eine solche Möglichkeit lässt sich der Peruaner normalerwiese nicht nehmen. 26 Minuten waren gespielt, als es das erste Mal lichterloh in der Werderabwehr brannte. Martens setzte sich in der Mitte durch, übersah jedoch einen startenden Mitspieler. Sein zu eigensinniger Schuss verfehlte das Tor deutlich. Nach gut einer halben Stunde übernahm Alkmaar wieder das Zepter, ohne jedoch klare Torchancen herauszuspielen.

Mit tatkräftiger Unterstützung des Schiedsrichters gingen die Holländer in der 41. Minute in Führung. Er hatte überraschend auf den Punkt gezeigt, als US-Stürmerstar Altidore nach einem Zweikampf mit Sokratis im Strafraum zu Fall kam. Elm verwandelte den fälligen Strafstoß in den linken Winkel. Mielitz war trotz richtig antizipierter Ecke chancenlos. Die nächste Hiobsbotschaft folgte auf dem Fuß, als Bargfrede in der 42. Minute mit einer Beckenprellung ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Felix Kroos ins Spiel und übernahm die Position von Trybull, der auf die 6 rückte. Doch die richtige Antwort gab Werder sofort auf dem Platz. Fritz spielt Pizarro auf der rechten Seite frei, der zog nach innen und scheiterte erneut am Torwart. Den Abpraller schob Ekici mit viel Übersicht aus gut 12 Metern ins kurze Eck ein. Mit einem 1:1 ging es in die Pause.

In der Halbzeit wechselte Alkmaar das komplette Team aus, so dass sich die Bremer elf neuen Spielern gegenüber sahen. Werder kam wach aus der Kabine und erarbeitete sich wenigen Minuten nach Wiederanpfiff einen Eckball. Schmitz brachte diesen auf den lange Pfosten, wo Prödl zum Kopfball hochstieg und zur Führung traf. Der Ball war direkt unter der Latte eingeschlagen, keine Chance für den AZ-Keeper. In der 53. Minute wurde Arnautovic auf dem rechten Flügel geschickt, seine Flanke aus vollem Lauf verfehlte Pizarro aber leider um wenige Zentimeter. 63 Minuten waren gespielt, als Werder doppelt wechselte. Für Fritz kam Boenisch nach einem Jahr und neun Monaten zu seinem Comeback. Für Schmitz betrat Nachwuchsmann Hartherz das Spielfeld. Werder ließ sich nun etwas hinten hineindrängen, ohne dass aber echte Torchancen entstanden.

Tom Trybull

Tom Trybull und Schlussmann Mielitz: Garanten für den Sieg / Bild www.andreasgumz.com

In der 71. Minute durften auch die restlichen Feldspieler von der Bank aufstehen. Für Pizarro, Anautovic und Torschütze Prödl, kamen Thy, Füllkrug und Silvestre. Die erste Aktion der Sturmfraktion „Jugend forscht“ war gleich sehr sehenswert. Füllkrug hatte sich im Zusammenspiel mit Thy in der Mitte durchgesetzt und konnte nur noch mit einem Foul knapp außerhalb des Sechzehners gestoppt werden. Den fälligen Freistoß schoss Silvestre allerdings in den Beleker Abendhimmel. In der 80. Minute gab es erneut einen Freistoß aus gefährlicher Position, etwa 22 Meter zentral vor dem Tor der Holländer. Ekici verfehlte mit einem guten Schuss nur um Zentimeter das Tor. Auf der Gegenseite fiel in der 82. Minute aus dem Nichts fast der Ausgleich. Silvestre spielte einen Katastrophenpass quer vor dem eigenen Sechzehner in die Füße von Boymans, der mutterseelenallein auf Mielitz zulief. Der Werder-Keeper wartete lange und fischte dann den Schuss aus dem unteren Eck. Eine Riesentat!

Werder hatte in der Offensive nun viel Platz und nutzte das auch konsequent aus. Thy und Füllkrug spielten einige gefällige Kombinationen und kamen noch zu einer Reihe (86. Füllkrug, 88. Kroos, 91. und 92. Thy) guter Möglichkeiten. Im Abschluss fehlte leider die nötige Genauigkeit, um den Sack endlich zuzumachen. Es ist unklar, welche Motivation der türkische Schiedsrichter hatte, um handgestoppte 9 Minuten und 58 Sekunden nachspielen zu lassen, aber es brannte trotz dreier lächerlicher Freistöße in guter Position für den AZ nichts mehr an. Werder gewann verdient mit 2:1 und brach den „Fluch von Belek“.

Schaaf an der Seitenlinie

Diskussionen an der Seitenlinie über 10 Minuten Nachspielzeit / Bild www.andreasgumz.com

Analyse

Insgesamt war das Tempo der Partie und der Einsatz der Akteure – für ein Testspiel wohlgemerkt – sehr hoch. Werder begann etwas verhalten, bekam aber mit der Spieldauer den Gegner besser in den Griff. Die Abstimmung in der Defensive klappte heute schon sehr gut, Prödl führte die Abwehrreihe mit klaren Kommandos. Allerdings waren Chancen vor allem in Halbzeit eins doch eher Mangelware. Das körperbetonte Spiel der Holländer war für Ekici eine Nummer zu reboust, häufig wurde der Spielgestalter mit Fouls gestoppt. Im zweiten Durchgang bot die Hintermannschaft des AZ deutlich mehr Räume, die Füllkrug und Thy aber nicht in Zählbares umsetzen konnten.

Es war gut zu sehen, welche „Dinge“ (Zitat Schaaf) im Training geübt und nun im Testbetrieb umgesetzt wurden. Freistöße, Ecken, Defensivverhalten, Spieleröffnung. Alles Punkte, die langsam fruchten. Endlich konnte auch mal wieder ein Treffer nach einer Ecke erzielt werden, hier ist Werder seit langer Zeit sehr ungefährlich. Die Chancen für den AZ über das ganze Spiel gesehen waren wirklich übersichtlich, sodass getrost von einem verdienten Sieg gesprochen werden kann. Auch wenn der AZ Alkmaar zwei verschiedene Mannschaften auf den Platz schickte, war dies ein echter Härtetest und ein erkenntnisreiches Spiel.

Einzelbewertung

Mielitz – Note 2+
Sicher in allen Aktionen und löste viele Situationen spielerisch. Beruhigte auch ab und an das Spiel. Rettete den Sieg mit Riesentat gegen Boymans.

Fritz (bis 63.) – Note 3-
Hinten meist sicher, nach vorne mit einigen guten Pässen, aber ohne sich selbst einzuschalten. Wirkte in Halbzeit zwei platt und ging alsbald vom Feld.

Prödl (bis 71.) – Note 2+
Dirigierte die Abwehr und stand sehr sicher. Machte beim Kopfball alles richtig. Einmal zu weit weg vom Gegenspieler.

Sokratis – Note 1-
Zweikampfstark und kompromisslos im Spiel. Die Gegenspieler sahen kein Land gegen ihn. Leider „verschuldete“ er den Elfmeter zur AZ-Führung, der nicht in die Bewertung eingeht.

Schmitz (bis 63.) – Note 3+
Tolle Ecke zur Führung. Hinten nur einmal überlaufen. Bot sich immer wieder an, wurde aber selten in die Laufwege geschickt. Kam mit Kroos im linken Mittelfeld nicht gut klar.

Bargfrede (bis 42.) – Note 3-
Bis zu seiner Auswechslung unauffällig. Ohne große Fehler im Spielaufbau, aber oft zu weit weg vom Geschehen.

Ignjovski – Note 1-
Kämpfte, biss, rackerte! In Halbzeit zwei mit etwas mehr Platz noch auffälliger. Ging weite Wege und brachte sich immer wieder in das Spiel ein.

Trybull – Note 2-
Im linken Mittelfeld unauffällig, konnte der Aushilfskapitän auf der 6 sein wahres Potenzial zeigen. Sehr gut im direkten Passspiel. Mit nur kleinen Fehlern im Spielaufbau.

Ekici – Note 2
Gute Ideen, überlegter Abschluss zum Ausgleich. Konnte häufig nur mit Fouls gestoppt werden. Hielt ab und zu den Ball zu lang.

Arnautovic (bis 71.) – Note 4-
Viele Ballverluste und ungenaue Pässe. Vergab seine beste Möglichkeit und glänzte auch nur einmal mit toller Vorlage für Pizarro. Konnte seinen Körper nie richtig einsetzen.

Pizarro (bis 71.) – Note 3
Ging weite Wege aber glücklos im Abschluss. Erarbeitete sich Chancen selbst und leitete Angriffe mit ein.

Kroos (ab 42.) – Note 3-
Im linken Mittelfeld überfordert und zu weit weg im Defensivverhalten. Mit ein paar guten Pässen. Schade, dass sein sehenswerter Fernschuss das Ziel knapp verfehlte.

Boenisch (ab 63.) – Note 2-
Gutes Comeback vom „Bouncer“. Kochte hinten alles ab und war nur einmal unaufmerksam. Brachte sich häufig in die Offensive mit ein.

Hartherz (ab 63.) – Note 3
Brauchte 10 Minuten, um sich bei seinem Profidebut im Spiel zurechtzufinden. Blieb meist Zweikampfsieger und machte seine Seite zu. Traute sich auch gegen Ende auch nach vorn.

Füllkrug (ab 71.) – n. z. b.
War sofort im Spiel und kombinierte hervorragend mit Thy. Nutzte seine Chancen leider nicht eiskalt aus. Muss körperlich noch etwas zulegen.

Thy (ab 71.) n. z. b.
Deutete an, dass er großes Spielverständnis und Zug zum Tor hat. Lies aber wieder zu viele Möglichkeiten ungenutzt.

Silvestre (ab 71.) n. z. b.
Häufig zu weit weg vom Gegner. Verursachte beinahe den Ausgleich durch einen Fehlpass vor der Abwehr.

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