Friede, Freude, Eierkuchen im Werderland

Was da wohl als nächstes kommt? Als Torsten Frings vor zwei Tagen bekannt gab, dass er in Bremen bleibt und obendrein noch seinen Vertrag bis 2011 verlängert hat, wurde mir nach der anfänglichen Freude etwas mulmig. Die Nachricht schien mir einfach zu schön um wahr zu sein. Gerade noch der Sieg gegen Berlin. Die zumindest nicht ganz aussichtslose Situation im Kampf um die Meisterschaft. Jetzt also ein weiterer Grund zum Jubeln. Doch moment, war da nicht was? Folgte nicht auf jeden Werder-Höhenflug bisher umgehend ein Nackenschlag? Musste jetzt nicht fast zwangsläufig in den nächsten Tagen etwas ganz schlimmes passieren, quasi als Ausgleich?

Noch kurz vorher hatte ich wieder irgendwo gelesen, dass Lutschers Wechsel nach Turin nur noch Formsache sei. Ähnlich wie bei Miro hatte ich mich schon langsam damit abgefunden, dass Frings gehen würde. Einen Wechsel nach Italien hätte ihm wohl keiner wirklich übel genommen: Bestes Alter noch einmal einen Sprung zu wagen. Vielleicht die letzte (richtig große) Möglichkeit seiner Karriere. Und dann das:

"Ich habe mich blenden lassen. Ich muss nicht für
einen guten Namen ins Ausland wechseln. Ich kann mir diesen Namen auch
bei Werder erarbeiten. Ich dachte ich müsste noch einmal das Trikot
eines Topklubs tragen, aber mir wurde bewusst, dass ich schon das Trikot eines Superklubs trage.
Man hat hier alles, was man braucht. Werder ist für mich mehr als ein
Fußballverein. Ich hänge sehr an Werder und hätte ein richtig
schlechtes Gefühl gehabt, wenn ich gegangen wäre. Jeder weiß hier, wie
ich bin. Jeder akzeptiert mich hier so. Das war für meine Leistung
immer wichtig. Warum sollte ich das aufs Spiel setzen? Es gibt wichtigere Dinge als das Ego zu befriedigen und mehr Geld zu verdienen. Hier in Bremen haben wir unsere Freunde."

Das geht natürlich runter wie Öl! Wenn an dieser
Aussage – die fast schon nach Vereinstreue à la Uwe Seeler klingt –
auch nur ein bisschen was wahres dran ist, dann könnte dieses Statement
zur Legendenbildung dienen. Irgendwann einmal. Ein Denkmal, gleich
neben dem von König Otto I. und – wenn es eines traurigen Tages, in
ferner, ferner Zukunft dazu kommt, dass er das Traineramt niederlegt –
Thomas Schaaf. Darunter oben zitierte Worte, in Stein gemeißelt. Ein bisschen
Sozialromantik in Zeiten der Globalisierung.

Klose bleibt, Diego bleibt, Frings bleibt. Sollte es Werder
tatsächlich gelingen, die wichtigsten Spieler über das Saisonende
hinaus beisammen zu halten? Vielleicht erwischt es dann jemanden, mit
dem überhaupt keiner rechnet. Naldo zum Beispiel: Naldo ist wichtig
fürs Team, jung, talentiert und auf dem besten Weg ein absoluter
Weltklassespieler zu werden. Den muss doch irgend jemand wollen! Bevor
die noch unbestimmte Angst sich aber einen Geheimplan der Bayern oder
Barcelonas zurecht spinnen konnte, wurde mit der Nachricht Naldo habe
seinen Vertrag so eben bis 2012 verlängert auch schon wieder alles über
den Haufen geworfen. Die Freude von vorgestern schlug gestern in
Euphorie um. Heute dann wieder die üblichen Ängste. Wie soll ich bloß
die nächsten beiden Tage bis zum Spiel gegen Frankfurt überstehen? Sämtliche Horrorszenarien bahnen sich ihren Weg durch meine Synapsen:
Wahrscheinlich verlieren wir und Schalke wird schon Samstag Meister, Frings
reißt sich das Kreuzband, Klose geht doch zu den Bayern, wir verpatzen
die Champions League Quali und Diego bekommt daraufhin schreckliches
Heimweh und will zurück nach Brasilien. Und wenn das alles auch nicht passiert, dann
fällt uns am Montag der Himmel auf den Kopf!

Warum muss ich eigentlich ausgerechnet jetzt so negativ denken?

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