Fußballbloggerlesungen

Sie: “Wo warst du gestern Abend?”
Ich: “Bei einer Fußballlesung.”
Sie: “Einer Fußballlesung?”
Ich: “Naja, einer Lesung über Fußball halt.”
Sie: “Eine Lesung über Fußball? Was liest man denn da? Ergebnisse?”
Ich: “Nein, Texte über Fußball.”
Sie: “Ach so, aus einem Buch?”
Ich: “Nein, aber so ähnlich. Aus einem Blog.”
Sie: “Blog?”
Ich: “Ja, der Autor schreibt Texte und stellt sie ins Internet. So wie ich auch.”
Sie: “Ja ja, ich weiß schon was ein Blog ist. Ich wusste nur nicht, dass man damit eine Lesung machen kann.”
Ich: “Wenn man gut ist und genügend Texte hat schon.”
Sie: “Kommt der denn aus Bremen?”
Ich: “Nein, aus Duisburg.”
Sie: “Ach so, und er macht jetzt eine Deutschlandtour?”
Ich: “Ja, so etwas in der Art.”
Sie: “Was es heutzutage alles gibt.”
Ich: “Tja.”
Sie: “Und reicht das, also lebt der davon?”
Ich: “Nein, er hat auch noch einen richtigen Job.”
Sie: “Ah ja. Warum gehst du nicht mal auf Lesetour?”
Ich: “Meine Texte sind ja mehr so Spielberichte und Analysen, das lässt sich schlecht vorlesen.”
Sie: “Und was schreibt er?”
Ich: “Geschichten rund um den Fußball.”
Sie: “Aha.”
Ich: “Also nicht wirklich rund um den Fußball. Es geht schon um Fußball, aber ohne wirklich um Fußball zu gehen.”
Sie: “Hä?”
Ich: “Das Thema ist meistens eines aus dem Bereich Fußball, aber aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet, als man es so gewohnt ist.”
Sie: “Hm.”
Ich: “Oder ein Thema, dass sonst in den Medien nicht aufgegriffen wird.”
Sie: “Was denn zum Beispiel?”
Ich: “Also ein Text handelt vom Fußballgott, der in Wirklichkeit eine Kuh ist.”
Sie: “Aha, und weiter?”
Ich: “Die Kuh läuft im Fußballhimmel über ein Feld und bestimmt die Abschlusstabelle der Bundesliga dadurch, wo sie ihre Fladen fallenlässt.”
Sie: “Das ist aber schon ein bisschen albern.”
Ich: “Ja, so wie ich das jetzt erzählt habe schon. Aber der Text ist in Wirklichkeit viel besser.”
Sie: “Also ist das so eine Art Comedy, ja?”
Ich: “Nein.”
Sie: “Hm, dann verstehe ich das glaube ich nicht so richtig.”
Ich: “Die Texte sind schon teilweise komisch, aber Comedy ist es nicht.”
Sie: “Und was gehen da für Leute hin?”
Ich: “So Leute wie ich.”
Sie: “Also sind das alles Fußballfans?”
Ich: “Nicht alle, aber viele.”
Sie: “Aha.”
Ich: “Die Texte sind aber auch was für Leute, die sich nicht so für Fußball interessieren. Und manche Fußballfans würde das gar nicht interessieren.”
Sie: “Das ist aber schon ein bisschen blöd.”
Ich: “Warum?”
Sie: “Naja, wenn es irgendwie um Fußball geht und dann auch wieder nicht und die Texte irgendwie für Fußballfans sind und dann auch wieder nicht, für wen ist es denn dann?”
Ich: “Tja…”
Sie: “Wenn nicht mal du genau weißt, was da für Leute hingehen.”
Ich: “Also so meinte ich das eigentlich gar…”
Sie: “Da kann man dann ja auch nicht erwarten, dass da die Leute in Scharen kommen.”
Ich: “Tun sie ja auch nicht. Das war in einer kleinen Kneipe im Viertel.”
Sie: “Ach.”
Ich: “Das ist natürlich ein Nischenthema, aber es war schon recht gut besucht. Also für die Größe der Kneipe.”
Sie: “Kneipe? Und ich dachte, dass war eine richtig große Veranstaltung.”
Ich: “Wie kommst du denn darauf?”
Sie: “Naja, wenn du da so ein Bohei drum machst.”
Ich: “Ich? Ich hab doch nur…”
Sie: “Also was waren das denn nun für Leute da?”
Ich: “Fußballnerds.”
Sie: “Du bist komisch.”
Ich: “Tja.”
Sie: “Tja.”

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