Gladbach mal ganz anders

Bundesliga, 9. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Werder Bremen 1:4

So gewinnt man also in Gladbach. Ein schönes Gefühl, nach all den Pleiten in den letzten Jahren. Das Ergebnis ist dem Spielverlauf nach ziemlich glücklich, denn Gladbach war über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner. Dennoch bleibt unterm Strich ein Spiel, aus dem man viele positive Dinge mitnehmen kann. Am Dienstag wird man eine weitere Leistungssteigerung brauchen, da sollte man sich von Bayerns Ergebnissen nicht täuschen lassen.

Mehr Struktur, weniger Kontrolle

Was am Mittwoch gegen Twente mit Wesley auf der linken Seite funktionierte, funktioniert gestern auch mit Marin. Werder unterließ die ständigen Rotationen und hatte in Hunt und Marin zwei Flügelspieler, die zwar gerne mal in die Mitte zogen, insgesamt jedoch diszipliniert ihre Position hielten. Das flache Vierermittelfeld scheint vorerst Schaafs Antwort auf die Frage nach dem zentralen Spielmacher zu sein. Auch wenn ich Hunt nach wie vor für fähig halte, diese Position auszufüllen, erweist es sich momentan als praktikable Lösung.

Im Vergleich zum doch recht dürftigen Sieg gegen Freiburg überzeugte Werders Ordnung auf dem Feld. Dennoch gelang es bis zum 1:4 nicht, das Spiel nachhaltig unter Kontrolle zu bekommen. Nachdem sich Gladbach in der Anfangsphase damit begnügte, die Passwege der Innenverteidiger auf die zentralen Mittelfeldspieler zuzustellen und uns dabei über die Außen zu Angriffen einlud, wurden sie nach 20 Minuten mutiger und erspielten sich eine Viertelstunde lang fast im Minutentakt Torchancen. Werder machte gar nicht so viel falsch, doch trotzdem hatte man häufig im entscheidenden Moment das Nachsehen und konnte die Gladbacher Torschüsse nicht verhindern. In Mielitz hatte Werder jedoch – wie schon gegen Twente – einen hervorragenden Torhüter, dessen aktuelle Form fast schon etwas unheimlich ist. So gut hat Wiese in dieser Saison bislang selten gehalten.

Pizarro erneut die entscheidende Figur

Erneut war es die Aufteilung im Angriff, die Werder einen Vorteil verschaffte. Pizarro mag durch seine tiefere Position etwas an Torgefahr einbüßen, doch seine spielerische Klasse hilft unserem Mittelfeld momentan entscheidend weiter. Weder am Dienstag noch gestern war er individuell herausragend, aber seine Arbeit fürs Team ist nicht zu unterschätzen. Gladbachs Standard 4-4-2 ermöglichte es Pizarro zudem, etwas häufiger mit in die Spitze zu gehen als gegen Twente (wo er eine Überzahl deren Dreiermittelfelds verhindern musste). Das Tor war am Ende die Belohnung für seinen guten Auftritt.

Wirklich zufrieden kann man aus Bremer Sicht allerdings nur mit dem Ergebnis sein. Die Chancen, die man den Gastgebern über weite Strecken des Spiels gewährte, führen im Normalfall zu mehr als nur einem Gegentor. Über ein Unentschieden hätte man sich bei etwas anderem Spielverlauf ehrlich gesagt auch nicht beschweren können. Am Ende war Gladbach jedoch nicht mehr in der Lage, trotz bitterem Rückstands weiterhin den Druck das Tempo aufrecht zu erhalten. Das 3:0 erwies sich als Knackpunkt des Spiels, nachdem wenige Sekunden zuvor Gladbach die größte Chance des Spiels ausgelassen hatte.

Fehlersuche vor der Pokalrevanche

Das Spiel gegen Freiburg mag viele falsche Signale gesendet haben, doch das Team scheint begriffen zu haben, dass die Leistung keinesfalls in Ordnung war und hat weiter an sich gearbeitet. Auch Thomas Schaaf wirkt nun wieder glücklicher in seinen Entscheidungen, auch wenn der Verzicht auf einen Spielmacher sicher ein leichtes Magengrummeln bei ihm verursacht. Nun muss man weiter an den richtigen Stellschrauben drehen, um die Fehler aus dem Gladbachspiel abzustellen. Immerhin sind es nun nicht mehr die grundlegenden Dinge, die bei Werder nicht stimmen. Feinjustierung ist angesagt. Das Spiel am Dienstag gegen die Bayern wird zeigen, wie weit Werder damit schon ist.

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