Hinrunde

Wenn man die letzten Beiträge von Ende August hier liest, könnte man den Eindruck bekommen, dieses Blog sei nicht Up-To-Date. Das wollen wir mal ganz schnell ändern: Also, nach geglücktem Start kam der Werder-Motor im September ordentlich ins Stocken. Es wurde sechs Spiele in Folge nicht gewonnen, darunter das peinliche Pokal-Aus gegen Pirmasens, bis zu jenem inzwischen schon sagenumwobenen Heimspiel gegen Barcelona, in dem man den amtierenden Champions League Sieger, die Übermannschaft des letzten Jahres, um ein Haar besiegt hätte. Danach lief es einige Zeit lang wie von selbst und jeder Gegner – inklusive Bayern – wurde aus dem Stadion geschossen.

Bevor sich Werder aber in der Tabelle absetzen konnte, gab es leider
wieder einige Rückschläge: Unentschieden gegen Cottbus und Aachen,
Niederlage gegen Dortmund. Rechtzeitig zur Entscheidung in der
Champions League war Werder aber wieder voll da und schlug zuhause den
FC Chelsea. Für Barcelona reichte es nicht ganz, so dass trotz einer
Beachtlichen Leistung und 10 Punkten in der „Todesgruppe“ nur Platz 3
drin war. Immerhin bleibt Werder im internationalen Geschäft. In der
Bundesliga durfte man nach einigen weiteren Glanzlichter durch ein hart
erkämpftes (um nicht zu sagen glückliches – ja Uli, man darf so etwas
ruhig mal zugeben, wenn es denn so ist!) 2:1 gegen Wolfsburg die
Herbstmeisterschaft feiern, Punktgleich mit Schalke.

Das erstaunlichste an der Hinrunde ist aus Werdersicht aber, dass man
trotz der tollen Ergebnisse noch das Gefühl hat, dass es besser hätte
laufen können. In Barcelona hat man sich durch 30 schwache Minuten
unter Wert verkauft. Man stelle sich vor was sonst möglich gewesen
wäre! In der Liga konnte man Bayern und Schalke trotz deutlich
stärkerer Leistungen nicht wirklich distanzieren. Damit sind wir wieder
beim Thema Erwartungen. Durch die beeindruckende Spielweise der
Mannschaft sind diese sogar noch einmal gestiegen, obwohl Werder schon
vor der Saison Meisterschaftsfavorit war. Jetzt gilt Werder sogar als
Favorit auf den UEFA-Cup Sieg!

Was sich nach leichter Kritik anhört, ist eigentlich ein
Riesenkompliment: Dass man trotz der tollen Hinrunde noch das Gefühl
hatte, dass sogar mehr drin gewesen wäre, das lag einzig und allein an
den größtenteils überragenden Leistungen der Mannschaft. Jahresmeister
2006, davon kann man sich nichts kaufen, hört man immer wieder. Die
vielen tollen Spiele des letzten Jahres hingegen kann man mit Geld gar
nicht aufwiegen! Und endlich hatte ich auch mal Glück und konnte ein
Champions League Spiel live sehen. Gegen den FC Barcelona. Wenn das
neue Jahr aus Werder Sicht ähnlich gut wird, gibt es am Ende bestimmt
wieder was zu feiern. Und wenn nicht feiern wir uns halt selbst.

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