HSV-Bashing (2): Dementi!

Wie macht man sich als Verein interessant für potentielle Neuzugänge? Mit einem Stilmittel dessen Wirkung schon im Film Wag The Dog eindrucksvoll gezeigt wurde: Dementieren!

Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Um vom eigentlichen Thema abzulenken, stellt ein eingeweihter Journalist bei einer Pressekonferenz eine Frage zu einem willkürlich ausgedachten Thema, z.B. "Es gibt ja Spekulationen über ein Interesse an der Verpflichtung von Jean-Alain Boumsong. Ist da was dran?" Als Antwort wird von den Verantwortlichen sofort dementiert ("Wir sind nicht interessiert"). Dadurch wird das Interesse der anderen Journalisten geweckt und – weil man ja eigentlich keine Informationen hat – das Gerücht über schwammige Headlines verbreitet ("HSV angeblich an Boumsong interessiert. Beiersdorfer wiegelt ab"). Und wenn eine Zeitung/Sendung/Website erstmal so eine exklusive Neuigkeit hat, dann muss der Rest selbstverständlich nachziehen. Dieses Ablenkungsmanöver kann ein Verein dann nutzen, um ungestört einen anderen Spieler zu verpflichten und nebenbei wird der eigene Name in den Medien auch oft im Zusammenhang mit den Namen großer Spieler genannt, was wiederum das Interesse anderer großer Spieler wecken könnte (der HSV ist hier natürlich – zugegeben – ausnahmsweise kein gutes Beispiel).

Gerade im Zusammenhang mit dem HSV gab es aber in letzter Zeit viele solcher Ablenkungsmanöver. Als Beispiele seien die Namen Kluivert, Baros, Saviola und seit heute eben auch Boumsong genannt. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie ernst es den Hamburgern mit der Verpflichtung der oben genannten Spieler war/ist, aber den Namen des Vereins haben die zugehörigen Spekulationen oft in die Medien gebracht (freiwillig oder unfreiwillig sei mal dahingestellt).

Ein wahrer Meister des Dementierens ist Uli Höneß. Er benutzt es meistens abwechselnd mit dem eigentlich gegensätzlichen Bekräftigen. Durch diese Verwirrungstaktik und seine "Was-interessiert-mich-mein-dummes-Gewäsch-von-Gestern"-Einstellung nach bestem kaiserlichen Vorbild, lassen sich Bayerns Konkurrenten oft genug (grundlos) beunruhigen. Kleine gezielte Störfeuer in Richtung Bremen waren nach dem erfolgreichen Saisonstart dann auch zu erwarten. Interessant ist allerdings, dass Höneß auf die Frage, ob er bedauere, Klose nicht 2004 nach München geholt zu haben, folgendes sagt:

"Wir waren der Meinung, dass wir mit unseren Stürmern gut besetzt
sind. Und wenn ich
daran denke, welche Probleme er am Anfang in Bremen hatte. Das wäre bei
uns eine Katastrophe gewesen."

Diese Probleme, die etwa zwei Monate (inklusive Saisonvorbereitung) dauerten, wären bei Bayern also eine Katastrophe gewesen. Das sollte Uli vielleicht mal den Herren Santa Cruz, Deisler, Demichelis, Karimi,Dos Santos und selbst Sagnol sagen. Aber die haben natürlich von Anfang an Topleistungen bei den Bayern abgeliefert…

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