Im Norden nichts Neues (bitte!)

Wann immer in den letzten Tagen eine neue Meldung über Werder Bremen zu hören / lesen war, verhieß sie nichts gutes. Es scheint fast so, als läge ein Fluch über der noch jungen Saison der Grünweißen. Die positivste Überraschung war noch der falsch diagnostizierte Kreuzbandriss von Torsten Frings, der sich glücklicherweise "nur" als leichte Knieverletzung herausstellte. Ansonsten folgte eine Verletzungsmeldung nachder anderen. Sogar das für heute Abend geplante Testspiel gegen Mainz musste wegen der zahlreichen Ausfälle abgesagt werden. Steht die neue Saison also wirklich unter solch einem schlechten Stern?

Nun, manchmal muss man erst mit der Nase darauf gestoßen werden. Zur Not auch von einem Bayern-Fan. Vor ein paar Tagen wurde der Schriftsteller Jan Weiler auf der Internetseite der 11 Freunde in einem Interview um seinen Ausblick auf die neue Saison gebeten. Dabei machte er eine bemerkenswerte Aussage:

Frage: [Wer wird] am meisten überraschen?

Antwort: Das kann ich ja nicht wissen, sonst würde es mich ja nicht überraschen. Es konnte auch keiner im Kaffeesatz lesen, dass Nürnberg in der letzten Saison so stark sein würde. Bremen wurde vor der Spielzeit 87/88 abgeschrieben und als Verlierer der Saison betitelt. Am Ende wurden sie Meister.

Kurz in Arnd Zeiglers Standardwerk nachgeschlagen und bemerkt: es gibt tatsächlich eine Reihe Parallelen zwischen der Meistersaison vor 20 Jahren und der Situation heute. Werder hatte in den 80ern einige erfolgreiche Jahre gehabt, die Meisterschaft aber immer knapp verpasst. 1986/87 spielte Werder dann eine eher enttäuschende Saison und es schien, als könnte die beste Zeit vorbei sein. Mit Rudi Völler verließ der wohl beste deutsche Stürmer vor der Saison den Verein (im Gegensatz zu Klose schaffte er es sogar bis ins echte Ausland). Der als Ersatz verpflichtete Kalle Riedle galt zu Beginn der Saison als überteuertes Talent (in diesem Sinne: Willkommen bei Werder, Boubacar Sanogo!). Zusätzlich hinterließen die Abgänge von Bruno Pezzey und Dieter Burdenski eine große Lücke in der Hintermannschaft. Man erwartete, dass die Bremer ein Abwehrproblem bekommen würden. Werder wurde in den Medien als ein Team dargestellt, das seinen Zenit überschritten und es dabei verpasst hat, den Titel zu gewinnen.

Das Resultat war eine überlegen gewonnene Meisterschaft. Die Abwehr war besser als je zuvor (die nur 22 Gegentore sind bis heute Bundesligarekord) und im Sturm sorgte Riedle mit 18 Toren für die nötige Treffsicherheit. Nun wäre es vielleicht etwas viel verlangt, von der heutigen Werder-Mannschaft ähnliches zu erwarten. Aber es ist doch gut zu wissen, dass große Dinge passieren können, auch wenn die Situation nicht rosig erscheinen mag. Und mit etwas Glück kann ich vielleicht in einem Jahr an dieser Stelle auch eine Analogie zwischen den Bayern der Saison 07/08 und der Bremer Millionenelf 1971/72 herstellen…

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