Kein Abschied von Thomas Schaaf

“I don’t know why you say goodbye, I say hello.”

- Paul McCartney

Zu Beginn eine Klarstellung: Ich stimme inhaltlich mit vielen der Punkte überein, die der geschätzte Kollege Johan Petersen im oben verlinkten Blogeintrag als Gründe für einen angeblich benötigten Trainerwechsel anbringt. Ich komme dabei allerdings zu einem völlig anderen Schluss: Wir brauchen keinen neuen Trainer. Nicht jetzt und auch nicht in unmittelbarer Zukunft.

Ich sage das jedoch nicht aus einer Nibelungentreue heraus, sondern weil es meine Überzeugung ist, die ich auch begründen möchte.

Johans Argumente

Bevor ich beginne, fass ich kurz Johans Argumente zusammen: Werders Passspiel habe sich in den letzten anderthalb Jahren verschlechtert, sei langsamer und technisch schlechter geworden. Es gäbe zu wenig Automatismen und es würden zu häufig lange Bälle gespielt. Werder stagniere spielerisch, technisch und taktisch, weil die flexible Spielweise aus den Jahren der Raute im 4-2-3-1 nicht funktioniere. Der “Kreisel” schwäche das Team sogar. Dazu würden die spielerischen Trends der letzten Monate (einer der Sechser geht aggressiv mit nach vorne, Pressing in der gegnerischen Hälfte, schnelle Seitenwechsel) bei Werder nicht umgesetzt. Mesut Özil habe diese Fehlentwicklung lange überdeckt, doch seit seinem Weggang sei der Trend offensichtlich. Schaaf sei daran gescheitert, aus einem starken Kader eine funktionierende Mannschaft aufzubauen. Er habe das Team einige Male völlig falsch eingestellt und sei inzwischen auch bei seinen Umstellungen während des Spiels unglücklich – anders als etwa Louis van Gaal. Ein Beispiel für Schaafs Schwäche sei das Festhalten an Torsten Frings, der nicht mehr in die Startelf einer ambitionierten Bundesligamannschaft gehöre. Andere Mannschaften hätten sich weiterentwickelt, während Werder stagniere, was den großen Unterschied zu Mannschaften wie Mainz oder Dortmund erkläre.

Aus all diesen Dingen folgert Johann, dass Werder jetzt einen neuen Trainer brauche.

Langfristige Erfolge

Thomas Schaaf ist seit nunmehr 11 1/2 Jahren Werdertrainer. In dieser Zeit machte er aus einer spielerisch unterdurchschnittlichen Mannschaft eine der aufregendsten Fußballattraktionen des Landes. In dieser Zeit machte er aus einer grauen Maus einen der erfolgreichsten Fußballvereine der Bundesliga – nicht im Alleingang, aber in Zusammenarbeit mit Klaus Allofs. Mit alten Verdiensten ist es so eine Sache. Sie können den Blick auf die aktuelle Situation verklären und einen notwendigen Schnitt verhindern. Eine Betrachtung der aktuellen Situation sollte trotzdem im Kontext der (zumindest) letzten paar Jahre erfolgen. Nicht aus Fairness dem Trainer gegenüber, sondern aus Eigeninteresse des Vereins.

Werder ist mit seiner langfristigen Ausrichtung in den letzten 10 Jahren sehr gut gefahren und konnte so andere Vereine trotz schlechterer Ressourcen hinter sich lassen. Nicht nur sporadisch, sondern dauerhaft. Wir bekommen es in der Bundesliga immer wieder vorgeführt, wie gut eine auf kurzfristige Erfolge ausgerichtete Denkweise bei Personalentscheidungen funktioniert. Ein Umdenken in dieser Hinsicht wäre für Werder ein großer Rückschritt und ein Verlust eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

Es wird in den Medien häufig behauptet, Thomas Schaaf sei bei Werder per se unantastbar. Das ist falsch und war auch noch nie richtig. Thomas Schaaf hat diesen Status nur deshalb inne, weil er mit seinem Verein langfristig erfolgreich war und ist. Welcher andere Bundesligatrainer kann das von sich behaupten? Klopp ist auf gutem Wege dorthin, aber kann er Dortmund in den nächsten fünf Jahren auch in der Spitze etablieren? Im Sommer 2003, kurz vor der Double-Saison also, stand Schaaf von Seiten der Fans unter Beschuss, weil er die Mannschaft angeblich nicht mehr weiterentwickle und trotz guter Ansätze keine entscheidende Verbesserung erreiche.

Ein Trainerwechsel wäre nur dann gerechtfertigt, wenn er langfristig, also über diese Saison hinaus, die Erfolgsaussichten von Werder Bremen verbessern würde.

Die Risiken des Neubeginns

Einer Trainerdiskussion folgt zwangsläufig die Frage nach einer Alternative. Wer soll Thomas Schaaf beerben? Dieser Frage geht Johan am Ende seines Beitrags nur kurz nach: Einen neuen Dutt oder Tuchel, einen jungen Klopp müsse Werder entdecken. Ein junger Trainer also, ein Unbekannter, der bei Werder richtig durchstartet. Man könnte auch sagen: Ein neuer Thomas Schaaf. Dabei frage ich mich: Kann der alte Thomas Schaaf auch der neue Thomas Schaaf sein? Thomas Schaaf ist nun 49 Jahre alt. Er ist kein junger Hund mehr, aber er ist noch längst nicht so alt, dass man ihm eine Neuerfindung seiner Trainerpersönlichkeit nicht mehr zutrauen sollte.

Wenn man einen langjährigen Trainer ersetzt, geht man immer ein großes Risiko ein. Die Strukturen des Vereins sind über die Jahre mit Thomas Schaaf gewachsen, aber auch in ihm verwachsen. Wer Thomas Schaaf – noch dazu mitten in der Saison – entfernt, entfernt damit auch ein Stück unserer Wurzeln und einen Teil von Werder Bremens Fundament. Thomas Schaaf ist in Bremen mehr als nur Fußballtrainer. Er hat die Identität des Vereins über Jahrzehnte mitgeprägt und dabei Spuren auch außerhalb des Trainingsplatzes hinterlassen. Sein Status ist ähnlich einzuschätzen, wie der von Otto Rehhagel vor 15 Jahren, wobei jener sich deutlich mehr Feinde gemacht hat während seiner Zeit in Bremen. Die Probleme, die Werder nach Ende der Amtszeit von König Otto hatte, sollten noch nicht in Vergessenheit geraten sein. Werder brauchte Jahre, um sich davon richtig zu erholen. Schaafs Nachfolger wird ein überaus schweres Erbe anzutreten haben. Er wird sich nicht nur an dessen sportlichen Erfolgen messen lassen müssen, sondern auch an seinem Status als Identifikationsfigur.

Bevor Werder sein eigenes Fundament zum wanken bringt, sollte man sich gut überlegen, ob das Bauwerk eine Generalüberholung wirklich benötigt, oder ob es nicht mit gezielten punktuellen Ausbesserungen getan ist (und nein, wir brauchen dazu keinen Raumausstatter). Eine Demission Schaafs stellt fast zwangsläufig auch die Frage nach der Zukunft von Klaus Allofs. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass Allofs sein Schicksal von dieser Personalie abhängig macht, aber er würde sicherlich stürmischeren Zeiten entgegenblicken, erst recht wenn Schaafs Nachfolger nicht einschlägt.

Die Werderkrankheit

Seit Thomas Schaafs ersten Erfolgen hat er jedes Jahr erneut mit den gleichen Problemen zu tun: Die besten Spieler werden von der Konkurrenz weggekauft und müssen ersetzt werden: Pizarro (2001), Frings und Rost (2002), Ailton und Krstajic (2004), Ernst und Ismael (2005), Micoud (2006), Klose (2007), Borowski (2008), Diego (2009), Özil (2010). All diese Abgänge konnte Werder in irgendeiner Weise kompensieren, mal mehr, mal weniger problemlos. Klaus Allofs versorgte Schaaf mit den Rohstoffen, um seine Mannschaft immer wieder neu zusammenzusetzen. Hier ist er auch ein “Opfer” seines Arbeitgebers: Werders wirtschaftliche Voraussetzungen haben sich trotz deutlicher Zuwächse nicht so entwickelt, dass man unabhängig von Transfereinnahmen wäre. Anders gesagt: Wären die Bayern Werder Bremen, hätten sie im Sommer Schweinsteiger und Müller verkauft (und Robben im letzten Jahr gar nicht erst bekommen).

Es ist für Vereine von Werders Standing normal, die großen Stars nicht lange halten zu können. Werder und Schaaf haben diese Stars immer wieder ausgebildet, weitergebildet, groß gemacht. Ein Hauptgrund war dabei der Ansatz, einen Spieler nie durch einen anderen ersetzen zu wollen, sondern jeden Spieler mit seinen individuellen Stärken und Schwächen anzunehmen und ins Team zu integrieren. Diese Arbeit gehört zu den schwierigsten, die es im Trainergeschäft gibt, zumal Werder über die Jahre gehobene Ansprüche entwickelte und sich unter den besten 20 Mannschaften Europas etablierte. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, musste Schaaf immer wieder Kompromisse eingehen, sich neu orientieren. Johan hat Schaafs Umstellungen in dieser Saison mit einem Puzzle verglichen.

Die Wahrheit ist: Thomas Schaaf hat jedes Jahr ein neues Puzzle zu bewältigen. Häufig hatte er daraus bereits ein stimmiges Bild zusammengesetzt, bevor andere die Puzzleteile überhaupt erkannt haben. In diesem Jahr ist das anders. Wir haben Herbst und Schaaf puzzelt noch. Wir sehen die Einzelteile und fragen uns, was am Ende überhaupt dabei herauskommen soll. Mal passt es hier nicht, mal dort nicht und wir fragen uns, ob der alte Puzzlemeister das Puzzeln verlernt hat. Vor ziemlich genau einem Jahr puzzelte Louis van Gaal an den Bayern herum und brachte dabei viele eigene Fans auf die Palme. Nicht wenige erklärten seine Arbeit im letzten November für gescheitert.

Hat Schaaf wirklich sein Mojo verloren oder hat er es in dieser Saison einfach nur mit einem besonders schweren Puzzle zu tun?

Wühlen unter der Oberfläche

Wenn man sich Johans Argumentationskette durchliest und jegliche Sentimentalität ablegt, kommt man fast nicht drumherum zu denken: Er könnte recht haben. Die meisten seiner Argumente lassen sich nur schwer widerlegen. Es ist die Kombination dieser Argumente, die mir etwas zu fatalistisch erscheint. In den letzten 18 Monaten, die Johan als Zeitraum für die Negativentwicklungen anführt, hat Werder in Diego und Özil gleich zweimal den zentralen Spieler seines Offensivspiels verloren. Während die “Ära Micoud” vier Jahre dauerte und die “Ära Diego” immerhin drei Jahre, ging die “Ära Özil” zu Ende, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Es wäre vermessen zu verlangen, dass Werder diese Abgänge völlig problemlos wegstecken müsse. Es muss jedoch ein Weg zu erkennen sein, ein Plan, eine Idee. Das vermisse ich in diesen Tagen und das ist auch mein Hauptkritikpunkt an Schaaf. Hat er noch keine Idee? Konnte er sie bloß noch nicht verdeutlichen? Hat sie sich im Laufe des ersten Saisondrittels geändert? Ich habe aber in dieser Hinsicht noch Geduld mit unserem Trainer. Ich gewähre ihm einen Vertrauensvorschuss, weil er mich in der Vergangenheit oft genug überzeugt hat.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Werder nicht nur in einer punktuellen Krise steckt, sondern auch strukturelle Probleme hat. Es ist in den vergangenen Monaten nicht gelungen, diese Probleme zu lösen. Ganz im Gegenteil haben sie sich augenscheinlich sogar verschlimmert. Doch wie groß ist der Abstand zur Bundesligaspitze wirklich? Und wie groß ist daran der Anteil kurzfristiger Effekte? Ist Mainz beispielsweise wirklich besser als Werder, so dass man sicher sein kann, dass Tuchels Team am Ende der Saison auch vor uns steht? Oder besteht der Unterschied nur in der aktuellen Form? Blicken wir einmal zwei Jahre zurück: Hoffenheim dominierte die Liga mit erfrischendem und taktisch ausgereiftem Offensivfußball und stand zur Winterpause mit neun Punkten Vorsprung vor dem Tabellenneunten Werder Bremen auf Platz Eins. Hat sich Hoffenheim seit dem in der Bundesligaspitze etabliert oder eine eindeutige spielerische Identität aufgebaut? Nein. Hat Wolfsburg nach der Meisterschaft vor 1 1/2 Jahren seine Zugehörigkeit zur Bundesligaspitze nachhaltig unter Beweis gestellt? Trotz Luxuskader: Nein. Haben Stuttgart, der HSV oder Schalke sich von Werder abgesetzt? Ebenfalls nein. Ich möchte Dortmund und Mainz weder ihre momentanen Erfolge noch ihren tollen Fußball in Abrede stellen, doch wie nachhaltig sind die Entwicklungen dort? Was passiert in Mainz im Sommer, wenn ihnen Holtby und Schürrle weggekauft werden? Kann Tuchel dann mit neuen Spielern ähnliche Erfolge feiern? Möglicherweise, doch als gesicherte Erkenntnis kann man dies vom heutigen Standpunkt aus nicht ansehen.

Ebenso würde ich nicht ausschließen wollen, dass in Bremen längst ein Umbruch im Gange ist, dessen Ausgang noch ungewiss ist. Vielleicht ergibt sich aus dem Puzzle noch ein stimmiges Bild. Häufig erkennt man dies als unbeteiligter Betrachter erst spät, obwohl schon viele Teile richtig liegen. Was fehlt beispielsweise einem Marko Arnautovic noch dazu, ein richtig guter Stürmer zu sein? Hätte er gegen die Bayern und Nürnberg zwei bis drei seiner Chancen genutzt, hätte Werder die beiden Spiele vermutlich gewonnen und von Arnautovic hätte man gesagt, er habe seinen Durchbruch geschafft.

Letztlich sind die entscheidenden Fragen: Hat Thomas Schaaf die Sache noch im Griff? Kann er Werders Spiel noch in die richtige Richtung lenken? Kann er den Spielern seine Vorstellungen vermitteln? Wenn die Antwort nein lautet, brauchen wir tatsächlich einen Wechsel. Lautet sie ja, sollte man ihm die Zeit geben, die er dafür benötigt.

Die Lichtblicke

Normalerweise sucht man nach Anzeichen dafür, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht. Ich möchte heute das Gegenteil tun und nach Anzeichen suchen, die für Thomas Schaaf sprechen. Anzeichen jenseits der oben geäußerten Bedenken.

Lichtblick 1: Der Saisonauftakt. Sehen wir das Glas ausnahmsweise mal halbvoll. Werder hat im letzten Testspiel in der Sommerpause mit 1:5 gegen Fulham verloren und dabei zwei völlig unterschiedliche Gesichter gezeigt. Die erste Halbzeit war richtig gut und Werder spielte (mit Raute) guten Fußball. Die zweite Halbzeit war katastrophal und Werder ging (im 4-2-3-1) gnadenlos unter. Schaaf hielt zum Saisonstart deshalb an der Raute und den damals formstarken Borowski, Bargfrede und Hunt fest. Werder besiegte Sampdoria im ersten Spiel der Saison auf überzeugende Art und Weise, was vermutlich auch dem Trainer die falschen Signale sendete. Es schien aus damaliger Sicht völlig richtig, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Lichtblick 2: Bayern. Das Pokalspiel war der vorläufige Höhepunkt einer positiven Entwicklung im Monat Oktober. Innerhalb von drei Spielen steigerte sich Werder vom Trauerspiel gegen Freiburg zu einer starken Leistung beim Doublesieger der letzten Saison. Schaaf hat in diesem Spiel taktisch vieles richtig gemacht und erst in der Schlussphase mit seinen Wechseln das spielerische Element seiner Mannschaft untergraben. Nach Punkten führte er gegen Meister van Gaal, doch dann verpasste ihm Schweinsteiger den K.O.

Lichtblick 3: Twente. Parallelen zum Spiel gegen Valencia waren zu erkennen. Vorne wie hinten eine offene Angelegenheit. Wodurch unterschied sich das Werder der letzten drei Spiele vom Werder vor zwei oder drei Jahren? Mit besserer Chancenverwertung hätte man alle drei Spiele gewinnen können, die Mannschaft hätte Selbstvertrauen getankt und könnte die nächsten Schritte auf dem Weg zu alter spielerischen Klasse gehen. Vieles ist im Fußball abhängig von Erfolgen. Erfolg beflügelt, Misserfolg lähmt. Gegen Twente auszuscheiden ist bitter, aber nicht bitterer als gegen die Glasgow Rangers oder Espanyol Barcelona. Werder dürfte zum ersten Mal seit sieben Jahren in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr international vertreten sein. Für die Bundesligasaison könnte dies ein Vorteil sein. Eine Aufholjagd in der Rückrunde halte ich nicht für unwahrscheinlich.

Fazit

Ich würde nicht ausschließen, dass dies Thomas Schaafs letzte Saison bei Werder ist. Nach dem Spiel gegen Nürnberg hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass er möglicherweise am Ende seines Weges in Bremen angekommen ist. Darauf wetten würde ich allerdings nicht. Schaaf ist niemand, der schnell aufgibt. Er ist trotz seiner Sturheit auch nicht zu verbohrt, seine eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und Dinge zu ändern. Vor vier Jahren äußerte er sich beispielsweise noch sehr abfällig über das 4-2-3-1-System, das er inzwischen selbst anwendet. Man sollte ihm die Gelegenheit geben, es uns allen noch einmal zu beweisen. Uns zu zeigen, dass er noch einmal eine Mannschaft formen kann, die mehr ist, als nur die Summe ihrer Teile. Zumindest diese Saison sollte man ihm noch Zeit und Vertrauen schenken. Wenn er bis dahin die Mannschaft nicht wieder in die Spur bekommt, kann man über seinen Abgang nachdenken. Ich denke aber, dass er dann von selbst gehen würde.

Am Ende ist es trotz aller Argumente eine Glaubensfrage: Ist Schaaf noch der richtige Mann?

“I say yes, you say no, you say why, and I say I don’t know.”

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    22 Gedanken zu „Kein Abschied von Thomas Schaaf

    1. Hallo, wie immer ein sehr guter Beitrag.

      Ich denke das du vor allem mit deinem Fazit sehr richtig liegst.

      Gruß Frank (Twitter:fraschs25)

    2. Das muss ich jetzt erstmal etwas sacken lassen…

      Ein großes Kompliment an Dich Tobias und natürlich auch an Johan. Ihr investiert sehr viel Zeit, Arbeit und Gedankengut in solche Blogeinträge und in die Analysen, von dieser Kompetenz und der Leidenschaft könnten sich viele “Fachjournalisten” eine Scheibe abschneiden.

      Bitte weiter so!

      Grüße aus Delmenhorst

      Christian

    3. Dann will ich hier auch mal antworten.
      Zum einen muss man anerkennen, dass Bremen vor einigen Jahren noch mit einfach gutem Fußball begeistert hat. Mittlerweile sind es eher die Schwankungen an die der neutrale Beobachter bei Werder denkt und nicht der gute Fußball.

      Eines muss ich klar sagen, ein Trainer kann durchaus lange bei einem Verein sein und auch immer wieder mehr oder weniger einen Neuaufbau durchführen. Ich denke da an Alex Ferguson der bei United alle 5 Jahre sein Team umbauen muss und dabei auch das Spiel weiter-/umentwickelt. Aber Bremen ist nicht Manchester, daher soll der Vergleich hier auch enden.

      Schaaf puzzelt in jeder Saison und in dieser Saison scheint das Puzzel schwer zu sein. Ich hab zum Teil den Eindruck Schaaf fehlen ein paar Teile oder er hat hier und da ein verblichenes Teil, er muss das eine oder andere Teil noch selbst zuschneiden usw. vielleicht hat er auch noch nicht im Kopf wie das Bild im Detail aussehen soll.

      Mal Konkret: Welches System will Schaaf spielen? Ist dafür der Kader richtig zusammengestellt? Bremen hat zum Beispiel keinen offensiven Spieler für die linke Seite, sei es ein offensiver Außenverteidiger oder ein linker Mittelfeldspieler, der mal eine Flanke von der Grundlinie schlagen kann.
      Ein 4-2-3-1 kann man so eigentlich nicht spielen. Und die Halbpositionen für die Raute sind auch nicht richtig besetzt. Marin geht einfach die Spielintelligenz ab (und er wird wohl nicht genug lernen um mehr als ein Dribbler zu sein), andere sind einfach nicht in Form.

      Es geht mir nicht um Schuld oder Verantwortung sondern um die Verdeutlichung, das es für Schaaf schwer ist das unfertige Puzzle zumindest im Kopf vor sich zu sehen.

      Bremens Erfolg hat natürlich auch Ansprüche erzeugt, bei den Fans und im Verein. Man ist schon fast an die CL Teilnahme gewöhnt (oder zumindest an die EL) und geht mit anderen Ansprüchen und einem anderen Selbstverständnis in die Saison. Soetwas kostet auch Geld, und Bremen ist nicht München oder Mailand. Verglichen mit anderen Bundesligastädten ist Bremen ein schwieriges Pflaster, dafür hat Werder immer viel aus ihren Möglichkeiten gemacht (ohne sich an den Abgrund zu begeben).

      Für Bremen wird es immer schwer sein (bzw. noch schwerer werden) sich in der Leistungsspitze zu halten. Sei es in der CL die Gruppenhase zu überstehen (vor Jahren hätte man die Spurs und Twente noch besiegt aber die werden einfach besser) oder in der Bundesliga immer die Top 3 zu erreichen. Anderen Vereinen fällt es auch schwer und ob Mainz eine Doppelbelastung gut überstehen würde ist fraglich. Von den Top-Vereinen der Liga sehen Schalke und Stuttgart ganz schwach aus, aber Leverkusen zeigt zum Teil sehr schwachen Fußball, Hamburg oder Wolfsburg schwanken in ihren Leistungen in jeder Saison. Bremen hat sicher nicht soviel mehr Geld zu Verfügung wie der Preisverfall im Fußball es vermuten lässt.

      Bremen mag zwar als Nr.2 in Deutschland gelten, aber die Bayern sind weit voraus geeilt. Trotz Champions League kann man von Werder nicht erwarten die Bayern anzugreifen (Bremen ist nicht München), es wird immer ein Abwehren der Verfolger bleiben.

      Ich kann den Bremern nur wünschen ihre Puzzel zumindest im Kopf zu lösen und dann die Umsetzung im Kader und auf dem Platz anzugehen. Für Schaaf hoffe ich, das es entweder mit ihm geht oder er selbst erkennt: es wird Zeit zu gehen.

    4. Schöner Kommentar, passt perfekt zu Johans Blogeintrag.

      Und natürlich hast du auch recht, wenn du an Hoffenheim vor 2 Jahren erinnerst. Nur stand Bremen damals eben auf Rang 9, nicht auf Rang 13 wie derzeit. Und selbst damals konnte sich Werder nur über den DFB-Pokal international qualifizieren (Liga: Rang 10), eine Möglichkeit, die diesmal wegfällt, dem Lospech sei dank.
      Ich habe die Befürchtung, dass das Puzzle für Schaaf oder wen auch immer noch schwerer werden wird, wenn Bremen in der kommenden Saison nicht international dabei ist und die Leistungsträger den Verein verlassen.

    5. Leider gibt es seit rund 1 1/2 Jahren ein stetiges Absinken der Leistung von Werder. Noch immer sind sie für mitreissende Spiele gut. Sie gehören zu recht zu den beliebtesten Mannschaften der Bundesliga. Aber trotzdem ist das Niveau stetig abgesunken.

      Jetzt kann man ins Detail gehen (wo ist ein neuer Micoud, Diego oder Herzog etc.). Aber die Frage ist tatsächlich, hat Schaaf noch alles unter Kontrolle? Hat er noch die Power und Motivation, nacdem er viele Erfolge mit Werder gefeiert hat?

      Und ich meine: Ja

      Werder sollte einfach wieder an frühere Zeiten anknüpfen und sich auf sich selber konzentrieren, was ihn immer sark gemacht hat: Angriffslustig, teilweise wild, unberechenbar, contra Bayern geben.

      Das wird bald wieder, mit Schaaf!

      LG, Jan

    6. @Fuzzel: Vielen Dank für das Lob! Im Gegensatz zu Fachjournalisten haben wir natürlich den Vorteil, dass es weder Redakteure noch Deadlines gibt. Mir persönlich ist es auch egal, ob nun 10, 100 oder 1000 Leute den Eintrag lesen, solange ich das schreiben kann, was mich interessiert und bewegt. Wenn ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen müsste, würde ich auch kürzen und pointieren ;-)

      @hwk: Du hast Werders Situation sehr schön zusammengefasst. Da kann ich eigentlich nur zustimmend nicken. Vor zwei Wochen dachte ich noch, Schaaf hätte seine Formation endlich gefunden und auch die 8-9 Stammspieler dafür. Heute bin ich wieder etwas ratlos.

      @0rkrist: Mir ging es eigentlich auch mehr um die allgemeine Entwicklung kurzfristig gehypter Vereine, als um konkrete Punktabstände. Mainz landet meiner Meinung nach am Ende nicht unter den Top 3 und Werder würde ich in dieser Hinsicht noch nicht abschreiben, gerade wenn man sich nach so langer Zeit mal wieder voll auf die Liga konzentrieren kann.

      @Sportwissenschaft: Das mit den 1 1/2 Jahren sehe ich nicht so. Ich sehe ein Absinken ab etwa 2007. 2006 war meiner Meinung nach der leistungsmäßige Höhepunkt und nach Micouds Abschied entwickelte sich die Spielkultur langsam zurück. Vor einem Jahr fand ich Werder aber stärker als vor zwei Jahren. Grundsätzlich stimme ich dir zu, aber den Zeitraum sehe ich anders.

      Ich glaube ehrlich gesagt, dass die Probleme in dieser Saison durch Unstimmigkeiten in der Mannschaft kommen. Einige Aktionen von Schaaf, z.B. manche personellen und taktischen Änderungen während des Spiels, kommen mir wie verzweifelte Versuche vor, die Spieler wachzurütteln. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Schaaf plötzlich taktisch so unbedarft geworden ist. Irgendwas stimmt da nicht und der Trainer wirkt momentan schwer enttäuscht von seiner Mannschaft. Letztlich bleibt es aber seine Aufgabe, das wieder hinzubiegen und um diese Aufgabe beneide ich ihn nicht.

    7. Vielen Dank für deinen – wie immer – sehr differenzierten Beitrag. Da er mir aus dem Herzen spricht, wollte ich dies auch in meinem (allerersten) Kommentar zum Ausdruck bringen!

      Das Bild des Puzzles fasst die Siutation sehr gut und leider scheinen wirklich entscheidende Teile zu fehlen, bzw. die vorgesehene passten plötzlich nicht hinein.
      Dennoch fand ich es gut, dass TS ein 4-2-3-1 mit Hunt als Spielmacher immerhin mal versucht hat. Auch er gebührt das Vertrauen, zumindest in diese Rolle hineinwachsen zu dürfen. Aber unter den gegenwärtigen Umständen gewiss der ungünstigste aller Momente für solche Experimente.
      TS ist es jedoch durchaus zu zu trauen, dieses Puzzle zu lösen, evt. wird es bedeuten, auf neue Transfers zu warten oder, um der Kohärenz eines Systems willen, einige Spieler (Marin) zunächst zu opfern.
      Einige Puzzleteile sind ihm schlichtweg auch genommen worden, durch Verletzungen etwas was seine eher ‘experimentellen’ Aufstellungen reflektieren. Auch Frings als RV wäre nicht besser gewesen, btw. Somit ist es nicht nur eine Suchbewegung, sondern parallel auch eine Verschärfung der Bedingungen, gilt es doch ein Puzzle mit Obstakeln zu lösen, die es zu überwinden gilt, während einem zugleich die Alternativen genommen werden. Sehr gemein und vertrackt. Und manchmal waren die Obstakel einfach zu viele. Auch ein Tuchel oder Klopp würden dies nicht schaffen.

      Eines jedoch fällt bei den eilfertigen TS Kritikern duch die Bank auf: ihr Blick richtet sich gerne auf die momentan erfolgreichen Mannschaften, um daraus abzuleiten, TS habe sein “mojo” verloren, wohingegen bei den anderen alles besser sei.
      Besser meint dann immer zwangsläufig schneller und jünger. Und man ist gewollt, deren kurzfrisitge Erfolge schon als dauerhaft werten zu wollen. Ein Denkfehler, wie ich meine. Das greift zu kurz, denn auch deren Erfolge sind zwar einem längerfristigen (durchaus bewundernswerten) Konzept geschuldet, aber haben sich bisher nicht über einen längeren Zeitraum an der Spitze behaupten können.

      Im Falle von Klopp scheint zur Zeit auch ein EL aus zu Buche zu schlagen, trotz beeindruckender Spielweise. Mir ist da ein wenig zu viel Trendhopping und versteckter Neid dabei. Beides schlechte Ratgeber um einen Verein erfolgreich zu leiten. Dann fallen halt gerne so Namen wie Tuchel oder Dutt, ohne zu bedenken, dass sie mit weniger Druck arbeiten, als TS, der ja nun gewisse Ansprüche bei einigen “Fans” geweckt zu haben scheint. Dieselben, die übrigens zu vergessen scheinen, wem sie diese Ansprüche überhaupt erst zu verdanken haben.

      Außerdem haben Tuchel und Klopp zur Zeit weniger Verletzungspech.

      Was ich mir erhoffen würde, wäre eine bessere Nachwuchsarbeit. Es ist ein wenig Vermessen aus der Distanz dies urteilen zu wollen, aber die Tatsache das WBII keinen nur im Ansatz adäquaten Ersatz aufweisen kann, wenn Boenisch krank wird, scheint mir Bände zu sprechen. Hier scheint es wirklich Verbesserungen zu bedürfen. Ein halbwegs fähiger LAV Ersatz (der feuchte Traum aller!) aus der II wäre doch wohl im Rahmen des möglichen… Und eine Entscheidung, bzw. Transfers in Hinblick auf die Systemfrage stehen nun wohl aus. Aber dies können KATS durchaus erkennen und lösen.

      1. Hallo deep_play, danke für deinen Kommentar!
        Was die Jugendarbeit angeht gebe ich dir recht, auch wenn es schwierig ist, das aus der Distanz zu beurteilen. Die Erfolge sind jedenfalls äußerst gering, es schafft kaum ein Spieler den Sprung in die erste Mannschaft. Was den Linksverteidiger angeht stimmt das so allerdings nicht ganz: Mit Timo Perthel hätte es eine Alternative gegeben, die wohl auch eine Zeit lang ernsthaft als Backup für Boenisch in Betracht gezogen wurde. Dann wurde er aber doch nach Graz ausgeliehen und dafür Silvestre verpflichtet. Die Leihe hätte man wohl nicht gemacht, wenn man gewusst hätte, dass sich Boenisch verletzt.

        Gab es eigentlich je einen Spieler, den Werder verliehen hat und der sich nach seiner Rückkehr in Bremen durchgesetzt hat?

    8. Ich bin geschockt. Für mich ist Werder im letzten Jahrzent eine der TOP3 der Bundesliga. Aber diese Saison läufts garnicht rund bei Euch.
      Das an Schaaf festzumachen ist – wie ich denke und Dir zustimme – nicht der richtige Weg.
      Wie oft dachte ich, daß die Abgänge der Leistungsträger nicht zu verkraften wären. Und schwupps, zog Allofs einen neuen unbekannten Weltklassespieler aus dem Hut.
      So blöd es klingt, aber man kann nicht immer ein Sahnenäschen haben.
      Schaaf macht nur das Beste draus. Sich aber 6-0 abschlachten lassen, das ist eine Einstellungssache der Herren Millionaros.
      Aber Kopf hoch, Werder kommt da wieder raus.

      Gruß aus Lautern.

    9. Hallo Tobias,

      es erweckt eher den Eindruck, als ob die jungen Spieler sich erst woanders freispielen müssten: siehe Harnik/Düsseldorf oder Diekmeier und in geringerem Maße zählt wohl auch Oehrl dazu, aber Niemeyer wäre wohl auch zu nennen, obwohl er nicht aus WB’s Nachwuchs ist.

      Perthel hatte ich unterschlagen, wegen eben der von dir genannten Gründe, bzw. ungünstigen Verkettung der Umstände.

      Seit gestern nun ist scheinbar vollends alles aus dem Ruder geraten und der Mangel an Nachwuchs rächt sich bitterlich, wenn Stammspieler verletzt sind. Leon Balogun hat sich ganz wacker geschlagen, bedenkt man, dass er in eine bereits verunsicherte, instabile Kette geworfen worden ist. Letztlich haben alle, und das ist das eigentlich erschreckende, schon vor Frings verschossenem Elfer, fahrig gewirkt. Ein Fehlpassfestival, das in der Offensive (Pizarro!/Hunt! Marin!) seinen Anfang nahm und dessen Auswirkungen wieder einmal die Defensive zu spüren bekam. Die standen, wie alle Spieler, unter enormem Druck.

      Mein (subjektiver) Eindruck – so lange vorne keine vernünftigen Kombinationen und kontrollierter Spielaufbau aus dem MF mehr möglich scheinen, durch zu leicht vergebene Bälle im Zweikampf, aber auch durch die noch immer nicht stimmige Mischung des offensiven Mittelfelds (System/Positionen/Spieler), werden diese ungelösten Probleme das Team weiter verfolgen. Zwar wird eine wieder genesene Abwehr hoffentlich die defensiven Probleme lindern, jedoch wird das wohl noch eine Weile dauern. Die Frage ist ob die Geduld dazu reicht?

      Vorne jedoch fehlt entweder ein Spielmacher, um, sofern man will, 4-2-3-1 zu spielen. Marin benötigt einen spielintelligenten Mitspieler an seiner Seite, der Kombinationen und one-twoing erlaubt, um letztlich auch Pizarro wieder zu seinem recht kommen zu lassen. Vertikales Spiel halt. Einen Mitspieler, den auch Hunt trotz anderweitiger Selbsteinschätzung, benötigt, wie nun in der ‘experimentellen’ Phase deutlich (man kann auch sagen: erschreckend offensichtlich) wurde.

      Und auch ein Pizarro hat im MF mit Dribblings! nichts zu suchen. Wobei, er versucht halt verzweifelt die Bälle sich selbst aufzulegen und zugleich defensiv zu arbeiten, das ist Multitasking am Rande des Irrsinns! So bleibt er als hängende Spitze mMn verschenkt. Dann Wesley und Bargfrede oder meinetwegen auch Frings als Doppelsechs. Aber auch hier braucht es einen defensiv sicheren Spieler, der Wesley die nötigen Freiheiten erlaubt, bzw. absichert.

      Gleiches Spielchen wenn wir Raute spielen. Jedoch dann würde Marin rausfallen, denn auf den Halbpositionen ist er verfehlt. Und Arnautovic? Wo hat er dich bisher am meisten überzeugt?

      Viel an der gegenwärtigen Situation ist den Umständen geschuldet, die man zum Teil selbst herbeigeführt hat, leider in der Absicht es gut zu meinen (Treue zu Frings/Boenisch oder die Causa Borowski) und es hätte ja durchaus auch aufgehen können. Dazu kommt eben auch höhere Gewalt, wie die Verletzten und den unglücklichen Silvestre Einkauf, dessen Ausmaße so nicht absehbar waren. Fehler gab es auch bei Schaafs Bäumchenwechseldich-Spielchen, z.B. Wagner als zweite Spitze und Almeida auf der Bank gegen Stuttgart? Das verstehe ich so nicht. Auch mit wehenden Fahnen blind nach vorne zu rennen war eher ein Ausdruck von Verzweiflung, nicht von überzeugendem Offensivspiel.

      Es war schon ein sehr fragiles, kränkelndes Kartenhäuschen Werder, und leider ist es am Sonntag vollends in sich zusammen gesackt. Arnautovic benötigt halt noch ein Jahr im Schatten eines Profis, wie einst Diego oder Özil. Nur, wenn es kein funktionierendes Sytem gibt, irrlichtert er wie die anderen über den Platz und die Vorbildfunktion und das anleiten, die Entwicklung finden nicht statt. Und eine hohe Frustrationstoleranz scheint er halt noch nicht zu besitzen…

      Vielleicht hat man sich diese Saison einfach zu viel zugemutet? Und es wäre kein Problem, das zu zu geben und zu korrigieren. Mit Schaaf, NATÜRLICH !
      Im Gegenteil, diese Offenheit könnte befreiend wirken und neue Ideen freisetzten. Den vielzitierten “Schnitt”. Mit der Überlastung meine ich weniger das int. Geschäft, eher die Gewagtheit einen Özil quasi mit dem bestehenden Kader plus einem anzulernenden Problemkind kombinieren zu wollen, dem leider keine Zeit zur Eingewöhnung gegeben werden konnte. Er wird einfach in ein kriselndes System geworfen, so kann es nichts werden.
      Auch der Wagner Einkauf (statt evt. Harnik zu halten) oder eines anderen offensiven MF erscheint mir gewagt und kann nur durchgehen, als Versuch ein Back up für Almeida zu finden.

      KA zögern in der Einkaufspolitik finde ich generell richtig und Flops gehören halt immer dazu. Seine Trefferquote war immer sehr gut. Bisher habe ich es so interpretiert, dass er noch abwartet, einerseits ob es sich irgendwie doch ausbügelt. Also wider erwarten die Puzzleteile an ihren Platz fallen. Andererseits auch um den bestehenden Kader zu schützen und Spielzeiten zu garantieren – sich den hop-oder-top Mechanismen der Branche in Ansätzen zu entziehen. Nun jedoch wird er wohl zwangsläufig handeln müssen…

      Natürlich gehören zu einem Transfer immer zwei Parteien, die sich finden. Und ohne jetzt zu neidisch auf die anderen blicken zu wollen, stellt sich schon die Frage, warum die Scouting-Abteilung nicht die U19/21 Spiele im Sommer näher verfolgt hat, ohne auf die Idee zu kommen einen Götze oder Sigurdsson oder einen Buchtmann oder Leitner oder evt. auch einen Rudy oder andere int. Talente zu verpflichten…
      Immerhin hat man Boenisch so bei der U21 EM “gefunden”, der damals noch vor Schmelzer rangierte, der ihn aufgrund seiner Verletzung nur vertrat.
      Meinte man mit Arnautovic einen Spielmacher zu verpflichten? Oder gar jemanden für die Halbposition in der Raute??

      Schwer wird es in der Winterpause noch auf dem Transfermarkt aktiv zu werden, um sich sinnvoll zu verstärken. Schwer auch Ruhe zu bewahren in Anbetracht der Medien, die sich nur allzu dankbar auf Werder stürzen, um die letzte und somit verhassteste Bastion der Kontinuität endlich genüsslich rasieren zu können (weil sie Jahre lang nur wenig Angriffsfläche dazu bekamen) und darüber hinaus (und das wiegt am Schwersten) die eigenen Nerven zur Zeit arg angefressen sind.

      Entschuldige den langen Beitrag, er sei einer gewissen Affinität geschuldet, darauf basierend, dass ich deine Sichtweise auf die Spiele und Vereinsdinge generell sehr schätze – immer sehr gelassen und sachlich argumentierend, ohne etwaige Fehler oder Probleme zu unterschlagen (=Vereinsbrille), auch ohne gedankliche Kurzschlüsse zu verzapfen oder in branchenübliches Hyperventilieren zu verfallen.

      1. @deep_play: Arnautovic hat mich eigentlich schon im Angriff am meisten überzeugt, allerdings ist er als alleinige Spitze etwas verschenkt. Wenn wir 4-2-3-1 spielen, würde ich ihn lieber auf der Außenbahn sehen. Gegen die Bayern auf der linken Seite fand ich ihn ziemlich gut. Ich glaube nicht, dass er von Schaaf ernsthaft für das Mittelfeld vorgesehen war, schon gar nicht in der Raute.

    10. Hi,Tatsache ist doch aber auch,daß Spieler wie Merte,Fritz,
      Bargfrede,Jensen….einfach nicht die Klasse haben!
      Die Jungs sind auf und ausserhalb des Platzes einfach zu nett,als das man ihre Leistung kritisch hinterfragt.
      und Das mit der Chancen-Verwertung kann ich auch nich mehr
      hören und sehen,dann muss man den Ball eifach mal draufhauen,und nicht den Ball ins Tor tragen.

    11. Pingback: Lost for words
    12. Danke Tobias, sehr guter Artikel. Tatsächlich denke ich auch, dass im Moment einfach zu viele ungünstige Faktoren aufeinander treffen, die wohl auch vorhandene strukturelle Schwächen aufdecken. Hier möchte ich auch, wie einige Kommentatoren vor mir, auf die aus meiner Sicht mangelnde Einbindung des U23 Nachwuchses als ein Beispiel hinweisen.
      Was ich aber auch aufgreifen möchte: Teilweise, in User-Kommentaren aber auch in der bezahlten Sportpresse, wird oft mit der mangelnden Qualität mancher Spieler argumentiert. Nun, das ist natürlich ein Ausdruck der gesteigerten Ansprüche, die sich aus den letzten Jahren ergaben. Es ist aber auch eine Verblendung oder besser: Ausblendung der realen Möglichkeiten, die Werder zur Verfügung stehen. Wenn zum Beispiel Thomas im Beitrag vor mir, Fritz und Merte die nötige Qualität abspricht, dann frage ich mich, wofür? Natürlich gewinnt man mit Fritz keine CL und Merte ist einfach zu steif, als dass er die Klasse eines, nun ja, Pique erreichen könnte. Aber darum kann es Werder doch nicht gehen (zumindest nicht in den nächsten Jahren). Der Kader, wie er hier steht, hat eindeutig die Qualität, die internationalen Plätze zu erreichen und vielleicht mit viel Glück sogar etwas mehr. Das ist der Maßstab, den Werder anlegen sollte und aufgrund fehlender Ölscheichs oder Spediteuren auch anlegen kann. Und wir als Werder Fans sollten uns vielleicht mit Demut an dem Erreichten erfreuen (da es wirklich außergewöhnlich viel gutes war), in dem Wissen, dass es auch mal nicht klappen kann! Ich schaue mir die Spiele gerade auch nicht all zu gerne an und ich denke, dass liegt bei mir vor allem an der verlorenen Leidensfähigkeit, die ein Köln-Fan seit 20 Jahren trainiert!
      Das ist natürlich keine fundierte Analyse. aber ein Teilaspekt, den ich mal ansprechen wollte.

      1. Ja, die Leidensfähigkeit ist wirklich nicht mehr besonders hoch. Ich denke, dass ist aber ein normaler Vorgang nach einer so langen erfolgreichen Zeit. Man denkt als Werderfan ja sowieso immer, dass man mehr leiden muss, als Fans anderer Mannschaften, weil unsere Mannschaft es sich selbst häufig schwer macht. Allerdings gibt es dafür ja auch häufig genug etwas zu feiern. Falls Werder tatsächlich eine längere Zeit erfolglos sein sollte, wird sich das schon wieder einpendeln.

        Was die U23 angeht bin ich mir nach wie vor nicht sicher, ob die Einbindung zu schlecht ist oder ob es den Spielern schlicht an Qualität fehlt. Letzteres würde gegen unsere Jugendarbeit sprechen und das wäre sicher ein Punkt, an dem man ansetzen sollte. Hilft uns zwar kurzfristig nicht weiter, aber langfristig könnte es einen großen Unterschied machen. Kann es sein, dass fast alle vielversprechenden Leute aus der U23 Stürmer bzw. Offensivleute sind?

    13. @ Tobias: Zumindest hört man von den defensiven U23 Spielern nicht all zu viel (schon gar nichts im Zusammenhang mit dem Wort “Perspektive” ;) )

      Ich möchte hier noch mal eine taktische Variante zur Diskussion stellen, wobei ich nicht gerade ein großer Experte der Details bin. Wenn man davon ausgeht, dass es sich nur um die Grundordnung handelt, von der man ausgeht, also die Ausrichtung, in die die Mannschaftsteile sich zurückfallen lassen, frage ich mich, was gegen ein 4-3-3 spricht.
      Stellt man sich das mal so vor:
      TW
      RV;IV;IV;LV (die Positionen sind ja einigermaßen klar verteilt, mit den bekannten Schwächen)
      dann im Mittelfeld z.B.:
      Wesley;Frings;Bargfrede (Jensen;Hunt) Vielleicht Wesley sogar in der Mitte als Spielgestalter, wenn er seine Dribblingexzesse abstellt.
      und im “Sturm”
      Almeida;Pizarro;Arnautovic (Marin, Hunt, Wagner als Alternative) Bisher war immer Almeida der zentrale Stürmer, was ja wahrscheinlich auch seine Berechtigung aufgrund seiner Ballbehauptung mit Rücken zum Tor hatte

      Wäre das nicht in der Grundordnung eine stabilere Angelegenheit, mit der Option im eigenen Ballbesitz mit 5 Offensivkräften präsent zu sein?

      Wie gesagt, ich kenne mich nicht mit taktischen Details aus und würde mich über Kommentare freuen

      1. Zunächst ist ein 4-3-3 wie es heute meistens gespielt wird, ja gar nicht so weit entfernt von einem 4-2-3-1. Die Frage ist eigentlich nur, ob man (wie Barcelona und Chelsea) mit einer Sechs oder mit zwei Sechsern spielt. Letzteres hat Werder in der Vorbereitung mehrfach getestet. Das Problem ist, dass wir mit Ausnahme von Arnautovic keine richtigen Flügelstürmer haben. Im Ligaspiel gegen die Bayern, als Wesley auf der 10 gespielt hat, kam das System einem 4-3-3 schon sehr nahe, weil Wesley etwas tiefer gespielt hat (worüber sich Louis van Gaal nach dem Spiel “beschwert” hat). Um vorne eine eher “schmale” Angriffsreihe zu spielen (wieder Beispiel Barcelona) fehlen uns schnelle und offensivstarke Außenverteidiger.

        Ob nun 4-3-3 oder 4-2-3-1, die Außenstürmer müssen heute viel Defensivarbeit leisten (was Marin bspw. kaum macht) und zwischen Mittelfeld und Angriff pendeln. Bei unserer Spielweise sehe ich da keine große Veränderung.

    14. Sicher, eine große Veränderung ist es nicht, da sich die beiden Aufstellungen ja schnell aus der jeweils anderen formieren können. Aber wenn jetzt Defensive angesagt ist, wie man von Schaaf hört, halte ich ein 4-3-3 von der Grundordnung für stabiler. Man hätte statt zwei defensiven Mittelfeldspielern bei einem 4-2-3-1, nun drei als erste Abwehrreihe bei gegnerischen Ballbesitz. Hinzu kommt, dass auch das Personal vorhanden ist: Frings, Bargfrede, Wesley, Jensen! Bei dieser Konstellation fällt die mangelnde Rückwärtsorientierung eines Marin nicht so sehr ins Gewicht, was vor allem bei einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung von Vorteil wäre. Ich glaube gegen Stuttgart haben wir ungefähr vier der sechs Tore dadurch bekommen, wodurch auch ein neugeborener, wieselflinker Silvestre ziemlich hilflos dar stünde.
      Naja, am Samstag werden wir sehen, was Schaaf aus dem Hut zaubert.

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