Nach Allofs

Na gut, jetzt komme ich nicht mehr drum herum, mich zu Allofs Abschied zu äußern. Dabei habe ich zum Abgang selbst gar nicht so viel zu sagen. Ich will mich hier nicht mit Stilfragen auseinander setzen, denn das haben andere schon getan. Nach einem Rückblick auf die Allofs-Ära ist mir mitten in der laufenden Saison auch nicht. Mich interessiert eigentlich nur, wie es jetzt für Werder weitergeht.

Allofs ist – trotz aller Kritik, der er sich in den letzten Jahren ausgesetzt sah – einer der Top-Manager der Liga und es greift viel zu kurz, ihn auf sein (angeblich) über die Jahre verloren gegangenes Händchen bei der Verpflichtung neuer Spieler zu reduzieren. Allofs hat unter finanziell schwierigen Bedingungen einen Verein, der sich selbst schon als graue Maus empfand, über Jahre hinweg in der Bundesligaspitze etabliert. Ihm saß dabei stets ein Aufsichtsrat im Nacken, der penibel auf die Ausgabenseite geachtet hat und Veränderungen eher kritisch gegenüber stand (man denke bspw. an den Klose-Transfer). Finanziell ist Werder mit den eigenen Möglichkeiten immer mehr ans Limit gegangen. Als die Erfolge ausblieben, bestand Allofs Aufgabe zum einen in der Konsolidierung, um die Kaderkosten an die reduzierten Einnahmen anzupassen. Zum anderen bestand sie jedoch auch darin, weiter eine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenzustellen. Als feststand, dass Werder auch in dieser Saison auf internationale Einnahmen verzichten muss, leitete Allofs den nötigen Umbruch ein, senkte die Gehaltskosten und verjüngte den Kader.

Im Nachhinein kann man Allofs späte Jahre durchaus kritisch sehen, denn die fehlenden Erfolge und ausbleibende Einnahmen fallen als Sportdirektor und Vorsitzender der Geschäftsführung in Personalunion ganz klar in seine Verantwortung. Egal, ob man den Niedergang nun mit dem Trainer, den Spielern oder schlechten Transfers begründet,all dies hatte letztlich Allofs zu verantworten. Dennoch sollte man die Schwierigkeit seiner Aufgabe nicht unterschätzen. Für manch andere Vereine endete im letzten Jahrzehnt die Phase des großen Erfolgs mit einem Knall, der sie an den Rand des Zusammenbruchs brachte (Kaiserslautern, Borussia Dortmund). Allofs hinterlässt hingegen trotz der sportlichen Talfahrt einen finanziell weitgehend gesunden Verein. Der 13-Millionen-Verlust des letzten Geschäftsjahrs konnte dank einer hohen Eigenkapitalquote relativ gut aufgefangen werden. Ob im kommenden Sommer weitere Einsparungen am Kader vorgenommen werden müssen, hängt vor allem vom sportlichen Abschneiden in dieser Saison ab.

Allofs Nachfolger wird es nicht nur deshalb schwer haben, weil er sich an den Erfolgen der Allofs-Ära messen lassen muss. Er wird es auch deshalb schwer haben, weil er einen sich im Umbruch befindenden Verein übernimmt, der strukturell nicht mit den großen Fischen der Liga mithalten kann, aber dennoch den Anspruch hat, an die erfolgreiche Zeit anzuknüpfen. Mittelfristig dürfte dabei für Werder kein Weg daran vorbeiführen, bei der Gewinnung von Sponsoren und sonstigen Geldgebern neue Wege zu gehen. Allofs selbst hat dies in jüngerer Vergangenheit schon häufiger angekündigt. Die größte Schwierigkeit könnte hierbei darin liegen, den eigenen Aufsichtsrat davon zu überzeugen.

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger gestaltet sich auch deshalb als schwierig, weil es gleich zwei Positionen zu besetzen gibt. Es gilt als wahrscheinlich, dass der neue Sportdirektor nicht gleichzeitig die Leitung der Geschäftsführung übernehmen wird. Somit bleibt die Möglichkeit, dem eher öffentlichkeitsscheuen Klaus Filbry den Vorsitz zu übergeben (Klaus Fischer kommt wegen seiner Doppelfunktion als Vereinspräsident nicht in Frage) oder die Geschäftsführung (wie bis 2009 der Fall) wieder auf vier Mitglieder zu erweitern. Der in den letzten Tagen am häufigsten genannte Name ist Dietmar Beiersdorfer, aber auch Aufsichtsratsmitglied Marco Bode sowie Chefscout Frank Baumann und Rune Bratseth werden gehandelt. Fraglich ist, ob auch namhafte externe Manager ohne “Stallgeruch” in Frage kommen. Nicht zuletzt ist es für den letzten verbliebenen starken Mann bei Werder, Willi Lemke, auch eine politische Entscheidung, um seine eigene Machtposition weiter zu stärken.

Den Zeitpunkt des Wechsels sehe ich nicht so kritisch, wie viele andere. Für einen Wechsel im Management gibt es keinen idealen Zeitpunkt. Wer auch immer Allofs Nachfolger werden, ihre Aufgabenstellung ist klar. Viel Eingewöhnungszeit gibt es angesichts der oben beschriebenen Situation ebenfalls nicht. Das wäre auch bei einem Wechsel im Winter oder zum Saisonende so gewesen. In jedem Fall bleibt der neuen Vereinsführung genügend Zeit, die kommende Saison vorzubereiten.

Zum Abschluss bleibt mir nur zu sagen: Danke Klaus Allofs für 13 überwiegend erfolgreiche Jahre! Ich hoffe die Lücke, die du hinterlässt, wird nicht so groß sein, wie ich befürchte.

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    2 Gedanken zu „Nach Allofs

    1. In der Debatte werden meiner Meinung nach zwei Dinge übersehen.

      Erstens ist Erfolg von Allofs bei Wolfsburg nicht vorprogrammiert. Denn ironischer Weise begann sein Misserfolg auf dem Transfermarkt dann, als er endlich tief in die Tasche greifen konnte. Das Ergebnis waren etwa 30 Millionen Euro, die er für quasi wertlose Spieler oder solche, die zumindest das gezahlte Geld nicht wert waren, ausgegeben hat.

      Aber diese Misserfolge mögen eher auf die Strukturen ab 2009 zurück zu führen sein (und die fehlende Weiterentwicklung der Mannschaft durch Schaaf hin zu modernen Spielertypen). Es wurde wohl zu viel für Allofs. Das Scouting soll ja zum Beispiel in einem ziemlich schlechten Zustand sein. Unbegreiflich, wie man den Japan-Trend verschlafen konnte. Daher hat Werder jetzt die wichtige Chance, sich strukturell wieder besser und breiter aufzustellen und auch mal wieder frisches Blut von aussen heran zu führen. Das wird höchste Eisenbahn.

      Unter dem Strich steht, wie von Dir wohl auch so gesehen, trotz dieser Fehlschläge natürlich eine einzigartige Erfolgsbilanz. Und Allofs ist ein kühler Kopf, ein Analytiker, der die richtigen Schlüsse gezogen hat und am Ende wieder auf handfestere Dinge auf dem Transfermarkt gesetzt hat. Die Abwicklung eines Champions-League-Kaders ist wahrlich keine einfache Angelegenheit, und ich finde die Bilanz des letzten Transfersommers inklusive der Weiterentwicklung der Mannschaft durch Schaaf mit dem neuen Spielsystem bisher nicht so schlecht. (Siehe zum Beispiel mein altes pet subject, Wiese vs Mielitz.)

      Den Zeitpunkt halte ich für optimal. Im Herbst liegen keine wichtigen Transfers oder Vertragsangelegenheiten an. So kann sich das neue Team erst einmal einarbeiten. Nach der Saison wäre es viel wahrscheinlicher, dass Schaaf gleich mitgegangen wäre, oder sonst irgendwie hingeschmissen hätte. Sollte es noch so kommen, müsste man den doppelten Verlust also nicht zum gleichen Zeitpunkt verdauen.

      Zweitens: das wahre Problem des Vereins ist meiner Meinung nach das zunehmende Alter von Lemke und Fischer. Ich will damit ihre Leistung nicht einschätzen, aber wenn die beiden aufhören, entsteht nach jetzigen Stand das eigentlich Vakuum im Verein. Ich bin gespannt, wie und ob sich Werder darauf personell und strukturell vorbereitet in den kommenden Jahren, und wer die beiden ersetzen könnte.

    2. Hallo Johan, danke für deinen Kommentar.

      Zu 1.) Vorprogrammiert ist Allofs Erfolg in Wolfsburg nun wirklich nicht. Ich finde aber auch nicht, dass man generell darauf schließen kann, dass Allofs nur mit beschränkten finanziellen Mitteln zurecht kommt. Selbst wenn man die von dir angeführten anderen Gründe außen vor lässt, besteht ja auch die Möglichkeit, dass Allofs aus seinen damaligen Fehlern gelernt hat und es in Wolfsburg besser macht. In Bremen sorgen 2-3 misslungene Transfers über 5 Mio Euro direkt für Probleme, in Wolfsburg wäre das wohl kein größeres Problem.

      Was das Scouting angeht stimme ich dir zu, da klang auch alles, was ich direkt aus dem Verein gehört habe besorgniserregend. Da werden die Jobs wohl teilweise nach Gefälligkeiten vergeben. Mal sehen wie sich das unter dem neuen Chefscout entwickelt.

      Derzeit sieht es ja stark nach Baumann als Sportdirektor aus. Dann bräuchte man aber auf jeden Fall einen gestandenen Manager für die GF, der auch ein entsprechendes Kontaktbuch mitbringt.

      Zu 2.) Fischer hat ja vor kurzem angekündigt, dass er in zwei Jahren aufhören will. Da kann man sich also schon mal drauf vorbereiten.

      Wenn man die Situation jetzt mal mit Mitte des letzten Jahrzehnts vergleicht ist das schon krass: Böhmert, Fischer, Lemke, Born (ohne das Fass jetzt wieder aufmachen zu wollen), Müller, Allofs. Davon sind noch zwei Leute da. Von daher dürftest du auf jeden Fall Recht damit haben. Bode ist meiner Meinung nach ein Hoffnungsträger im Aufsichtsrat, dem traue ich viel zu.

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