Letzter Test mit wenig Aussagekraft

West Ham United – Werder Bremen 1:2 (1:2)

Werder bleibt in der Vorbereitung ungeschlagen und geht mit einer Serie von zehn Siegen und einem Unentschieden in die neue Saison. Gegen West Ham wurde das ersatzgeschwächte Team von Viktor Skripnik gut gefordert, auch wenn das Spiel insgesamt auf spielerisch und läuferisch überschauberem Niveau war.

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West Ham dominiert die Anfangsphase

Skripnik formierte sein Team so wie erwartet und stellte die Spieler auf, die – bis auf die eventuellen Rückkehrer Junuzovic und Bargfrede – auch beim Pokalspiel in Würzburg auf dem Platz stehen dürften. Bartels stürmte neben Ujah, unterstützt von einem etwas improvisierten Mittelfeld, in dem Kroos den Sechser gab, Fritz auf die linke Halbposition wechselte und Grillitsch die Rolle von Junuzovic einnehmen sollte. Maximilian Eggestein spielte hinter den Spitzen.

Der Europa League Teilnehmer aus London, der sich bereits mitten in der Saison befindet, lief in einem 4-2-3-1 und mit einer durchaus ernsthaften Startelf auf. Sturmspitze Sakho und sein Hintermann Zarate stellten Werders Defensive in der Anfangsphase vor einige Probleme, doch es war vor allem Außenstürmer Payet, den die Bremer nicht in den Griff bekamen.

Werder stand zunächst tief und agierte abwartend. Bis ca. 35 Meter vor dem Tor konnte West Ham recht problemlos den Raum im Zentrum kontrollieren und das Spiel von dort auf die Flügel leiten. Werder versuchte schnell zu doppeln und dabei kompakt zu verschieben, damit die Raute nicht zu sehr in die Breite gezogen wird. Das gab West Ham wiederum die Gelegenheit zu gefährlichen Seitenverlagerungen, wovon es zwar insgesamt wenige gab, eine jedoch zum Führungstreffer von Sakho reichte. Fritz und Garcia versuchten Payet auch hier zu doppeln, doch letztlich hatte der Franzose genug Zeit, eine präzise Flanke zwischen die Innenverteidiger zu schlagen. Die Führung war folgerichtig, da die Gastgeber in den ersten 20 Minuten die klar bessere Mannschaft waren.

Ujah dreht das Spiel, Neuzugänge überzeugen

Der Ausgleich fiel dennoch direkt im Anschluss, weil der schwache Adrian einen mittig platzierten Fernschuss von Ujah durchrutschen ließ. In der Folge fand sich Werder etwas besser zurecht, wurde defensiv stabiler und im Mittelfeld präsenter. Die insgesamt doch recht instabile und bindungslose Mittelfeldraute wusste zumindest phasenweise zu gefallen. Nun wurde auch deutlich, dass West Ham abgesehen von den individuell starken Payet, Zarate und Sakho eine spielerisch sehr durchschnittliche Mannschaft ist. Mit dem Bremer Pressing kamen sie überhaupt nicht zurecht und begannen zu bolzen, sobald Ujah, Bartels und Eggestein früh drauf schoben. Hohes Angriffspressing gab es dennoch nur wenig zu sehen, wie insgesamt das Spiel nicht das höchste Tempo hatte.

Auch spielerisch war die Partie nichts für Feinschmecker, es waren eher Einzelaktionen von Grillitsch, Ujah, Fritz und dem auffälligen Ulisses Garcia, die überzeugten. Letzterer war es auch, der mit einem Dribbling und einem guten Pass auf Ujah das 2:1 einleitete. Offensiv konnte er einige Akzente setzen und wirkt sehr komplett in seinem Spiel. Defensiv ist er zumindest in den Zweikämpfen deutlich stärker als Konkurrent Sternberg, den er abgehängt zu haben scheint. Ujah wiederum setzte sich im eins gegen eins sehenswert durch und schloss präzise ab. Auch er scheint ein richtiger Gewinn für Werder zu werden und passt sehr gut zum Bremer Stil. Auch der dritte Neuzugang lieferte eine überzeugende Partie ab. Felix Wiedwald hatte wenige richtig brenzlige Situationen im Tor zu überstehen, spielte aber gut mit, war sehr aufmerksam und antizipierte gut.

Grillitsch und Zander nutzen ihre Chance

Von den Nachwuchsleuten überzeugte mich Grillitsch mehr als Eggestein, der entweder einen schlechten Tag hatte oder noch nicht ganz bereit für höhere Aufgaben ist. Körperlich hat er auf dem Niveau noch Defizite und ist auch sonst wohl eher Durchlauferhitzer als Spielgestalter. Seine starke Technik blitzte jedoch immer wieder auf und besser eingebunden könnte er im Bremer Konterspiel ein wichtiger Faktor werden. Luca Zander wusste nach seiner Einwechslung ebenfalls zu Gefallen. Er macht für sein Alter erstaunlich wenige Fehler, spielt auf den ersten Blick unspektakulär, aber immer durchdacht und technisch sauber, womit er bei Werder schon heraussticht. Im Zusammenspiel mit Gebre Selassie könnte er im Pokal durchaus ein Kandidat für die Startelf sein, wo Fritz verletzt gesperrt fehlen wird.

In der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel weiter, West Ham wechselte munter durch, bei Werder kamen neben Zander noch Fröde und Manneh ins Spiel. Fröde machte seine Sache im defensiven Mittelfeld ganz gut, fiel im Vergleich zu Kroos nicht sonderlich ab. Manneh war seine Aufregung anzumerken. Viel gelang ihm nicht, auch wenn ihm ein Elfmeter verwehrt wurde. Ihn auf diesem Niveau zu testen ist absolut richtig, gerade weil eine Planstelle im Angriff noch offen ist und andere Offensivspieler wie Aycicek, Hajrovic, Lorenzen und Öztunali nicht überzeugen bzw. verletzt sind.

Die Ergebnisse der Vorbereitung gilt es wie immer mit viel Vorsicht zu genießen. Werder zeigte phasenweise tolle Offensivkombinationen wie gegen Sevilla und Salzburg, hielt die Gegentore in Grenzen und geht mit einer mehr oder weniger klaren ersten Elf in die Saison. Auf der anderen Seite werden die Defizite im Aufbau, im Positionsspiel, in der Ballrotation immer wieder deutlich. Gegen West Ham gab es eine Situation, in der Kroos als hinterster Mittelfeldspieler 25 Meter vor dem gegnerischen Tor mit vollem Risiko in einen Zweikampf geht und den Ball verliert. Solange man etwas Platz hat, der Gegner nicht 100% Tempo geht oder allgemein unterklassig ist, macht das nicht viel aus. Im Pokal gegen die aggressiven Würzburger wird es aber eine andere Nummer. Hier wird Werder mehr Eigeninitiative in der Spielgestaltung zeigen müssen und kann sich weniger auf Pressing und Umschaltspiel verlassen.

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