Mein (fast) geplatzter Traum von Glasgow

Heute ist es endlich soweit. Das Halbfinale bei Espanyol Barcelona steht an. Werder hat die Chance, zum ersten Mal seit 1992 wieder ein europäisches Endspiel zu erreichen. Grund genug sich den Finaltermin schon mal rot anzumarkern. Darüber hinaus bin ich allerdings eher vorsichtig. Bevor das Spiel nächste Woche nicht abgepfiffen ist, werde ich meine Finalparty jedenfalls nicht planen. Drüber nachgedacht habe ich hingegen, ob ich mich im Falle der Fälle um ein Finalticket bemühen sollte oder nicht. Ein Flug nach Glasgow sollte nicht die Welt kosten und schlafen kann ich, wenn ich wieder hier bin. In den letzten Tagen wurde der Gedanke immer konkreter. Hier mal ein bisschen nach Flügen geguckt, dort ein bisschen über das Stadion in Glasgow gelesen. Und natürlich nach dem Vergabeprozedere der Finaltickets umgehört. Schließlich noch kurz den Kontostand überprüft und beschlossen, es einfach mal zu versuchen.

Nun ist es ja so, dass das Finale an einem Mittwoch stattfinden wird, also für normale Menschen einem Arbeitstag. Da ich aber kein normaler Mensch bin, sondern Student, sollte das für mich auch kein Problem sein. Sollte. Eigentlich kenne ich alle Prüfungstermine lange Zeit vorher. Doch leider hatte einer meiner Professoren (ein Bayer, ausgerechnet!) die geniale Idee einen Teil einer Klausur, die für Juli geplant ist, vorzuziehen. Welchen Tag er sich dafür ausgesucht hat könnt ihr euch wohl denken. Während andere Leute aus meinem Kurs sich wehement beschwerten, sie hätten am selben Tag schon eine andere Klausur, starrte ich nur wie gelähmt auf den Eintrag "UEFA-Cup Finale" in meinem Kalender. Eine Klausur kippen wegen eines Fußballspiels? Das hätte ja nicht mal während der WM geklappt, zumindest nicht in Deutschland.

Letztendlich wurde der Termin (wegen der anderen Klausur) glücklicherweise doch um eine Woche verschoben – auf den Tag des Champions League Finals. Das passt mir zwar auch überhaupt nicht, da ich am Tag vorher schon eine Klausur schreibe, doch beschwert habe ich mich natürlich nicht. Lieber die Aussicht auf ein noch nicht erreichtes Finale als auf eine bessere Note. Und außerdem: so hat das Ausscheiden aus der Champions League gegen den FC Barcelona doch auch wieder was gutes. Womit wir wieder beim Stichwort des heutigen Abends wären. Barcelona also ausnahmsweise als gutes Omen.

Nach der Vorlesung fragte mich mein Professor (erwähnte ich bereits, dass er Bayer ist?), um welche Uhrzeit eigentlich das Champions League Finale sei. Er lebe schließlich seit über 30 Jahren in Brasilien und da wäre es völlig unmöglich eine Prüfung gleichzeitig zu einem wichtigen Fußballspiel anzusetzen. So sind sie halt, die Brasilianer! Was macht eigentlich Ailton?

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