Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe D

Frankreich und England neutralisierten sich mit ihren gegensätzlichen Spielanlagen. Der Ukraine gelang gegen Schweden ein beeindruckendes Comeback.

Frankreich – England 1:1

Das erste Spiel bei dieser EM, das ich nicht live gesehen habe. Was ich hinterher in Zusammenfassungen gesehen und in Spielberichten gelesen habe, war nicht sehr erbaulich. Beide Teams in ihrer Ausrichtung in etwa so wie erwartet. Das Ergebnis ist auch wenig überraschend, wobei ich den Franzosen nach den letzten Testspielen doch etwas mehr offensive Durchschlagskraft zugetraut hätte. Am Ende rannte man vergeblich an gegen eine englische Mannschaft, die von Hodgson in der kurzen Vorbereitungszeit offenbar gut eingestellt wurde. Mal sehen ob man sich gegen die anderen beiden Gegner auch in einer Außenseiterrolle gefällt oder dort offensiver zu Werke geht.

Ukraine – Schweden 2:1

Es ist ein schmaler Grat zwischen abwartendem und passivem Fußball. Für letzteren bestand in diesem Spiel eigentlich kein Anlass, denn keine der Mannschaften ist der anderen so überlegen, dass man sich verstecken müsste. Es war verständlich, dass Schweden den vor dem Turnier strauchelnden Ukrainern in Kiew die Initiative überlassen würden. Statt ihnen dabei nach und nach den Schneid abzukaufen und so noch nervöser zu machen, ließ man sie zu lange auf mittelmäßigem Niveau gewähren, bis sie immer besser zu ihrem Spiel fanden.

Bei Schweden gefiel mir die Raum- oder vielmehr Aufgabenaufteilung in der Offensive nicht. Rosenberg machte das, was er auch bei Werder machte: Diagonale Läufe hinter die Viererkette. Die hierfür benötigten Vertikalpässe durch die Schnittstellen blieben jedoch aus. Ibrahimovic spielte wie erwartet deutlich hinter ihm, ließ sich dabei aber so tief fallen, dass große Lücken im Zentrum entstanden. Über die Flügel kamen zu wenig Vorstöße und das Spiel wirkte insgesamt wenig ausgewogen. Die einzige Spielidee der Sechser bestand offensichtlich darin, den Ball zu Ibrahimovic zu spielen. Dennoch ging Schweden etwas glücklich in Führung.

Die Ukraine überzeugte nicht nur durch ihren Kampfgeist, mit dem sie das Spiel nach dem Rückgang drehten. Auch spielerisch war die Leistung besser als erwartet. Mit Shevchenko und Voronin setzte Trainer Blochin vorne auf die alte Brigade, was man ihm bei einer Niederlage sicher vorgeworfen hätte. Doch gerade die beiden rissen nach dem Rückstand das Spiel an sich. Ein Doppelpack von Sheva zum Auftakt der Heim-EM war nach den Verletzungsproblemen und nachlassenden Leistungen der jüngeren Vergangenheit fast zu schön um wahr zu sein. Die Ukraine feierte also einen Auftakt nach Maß und drehte das Spiel gegen eine schwedische Mannschaft, die sich den Vorwurf gefallen lassen muss, über weite Strecken des Spiels gegen einen schlagbaren Gegner zu passiv gewesen zu sein. Die Ukraine hat nun eine realistische Chance aufs Weiterkommen, während sich Schweden keine großen Hoffnungen machen sollte, den Patzer noch auszubügeln.

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