Meine Saisonvorschau 09/10 (Teil 2)

Nach meiner Einschätzung des Werderkaders folgen heute meine Erwartungen an die neue Saison (inklusive meiner Abschlusstabelle, bei der ich schon traditionell hoffnungslos daneben liege).

Entwicklung der Bundesliga

Im internationalen Vergleich steht die Bundesliga so gut da, wie schon lange nicht mehr. Zwar ist der Abstand auf die europäischen Spitzenclubs nicht geringer geworden, doch insgesamt gibt es wieder mehr Bundesligamannschaften, die gehobenes internationales Niveau haben. In der letzten Saison konnte man eine deutliche Zweiteilung der Liga erkennen, mit Werder auf Platz 10 als Bruchstelle. Dadurch war es oben wie unten spannend, echte Überraschungen durch Underdogs bleiben jedoch aus. Wolfsburgs Meisterschaft schien vor einem Jahr nicht völlig utopisch, fast alle hatten sie zumindest für die Plätze 3-5 auf der Rechnung. Im Fall Hoffenheim überraschte nur der frühe Zeitpunkt, nicht die Etablierung in der Spitze selbst. Erleben wir also eine Spaltung der Bundesliga?

Es sieht danach aus, und das ist auch gut so! Da es – anders als in England, Spanien und Italien – nur eine Mannschaft gibt, die seit vielen Jahren national und international immer ganz oben dabei ist, tun sich die zweiten und dritten Kräfte im Land schwer. Wird nun der Kreis der Spitzenmannschaften erweitert, wird es naturgemäß schwieriger, sich gegen diese durchzusetzen. Mal ganz ökonomisch gedacht: Mehr Wettbewerb führt zu einem besseren Ergebnis. Der FC Bayern sah sich zum zweiten Mal in drei Jahren gezwungen, seinen Kader für viel Geld zu verstärken. Es reicht nicht mehr, die besten Leute der Konkurrenz weg zu kaufen, wenn diese, wie Wolfsburg oder Hoffenheim, finanziell in der gleichen Liga spielt. Davon wird man auch international profitieren. Einen deutschen Champions League Sieger sehe ich in den nächsten Jahren trotzdem nicht.

Meine Prognose

Der Meisterschaftskampf dürfte in dieser Saison wieder etwas langweiliger werden. Es ist zwar nicht sonderlich sexy auf einen Meister Bayern München am 31. Spieltag zu tippen, aber der Rekordmeister hat sich wirklich gut verstärkt und mit Louis Van Gaal einen hervorragenden Trainer, den ich noch aus seiner Zeit bei Ajax Amsterdam Mitte der 90er sehr schätze. Damals fügte er den Bayern im Europapokal eine empfindliche Niederlage zu und gewann schließlich mit einer sehr jungen Mannschaft die Champions League. Der Start könnte noch etwas holprig werden, doch auf lange Sicht wird sich die Klasse der Bayern wohl durchsetzen.

Dahinter wird es einen knappen und spannenden Kampf um die Champions- und Europa League Plätze geben. Vorbei sind die Zeiten als Werder und Schalke den 2. und 3. Platz unter sich ausmachten. Insgesamt 8 Kandidaten scheinen sich auf ähnlichem Niveau zu bewegen: Wolfsburg, Hoffenheim, HSV, Schalke, Dortmund, Stuttgart, Leverkusen und auch Werder. Ob eine dieser Mannschaften den Bayern einen spannenden Meisterkampf liefern können, vermag ich nicht zu beurteilen. Dahinter dürfte es allemal knapp werden.

Rechnen muss man sicher mit den Neureichen aus Wolfsburg und Hoffenheim, die die Bundesliga letzte Saison kräftig durcheinander gewirbelt haben. Beim VfL Wolfsburg wurde der Meisterkader zusammen gehalten und sogar punktuell verstärkt. Den unglaublichen Lauf der letzten Rückrunde wird man nicht wiederholen können. Dennoch ist Wolfsburg wieder ein Kandidat für die Spitzenplätze. 1899 Hoffenheim spielte nach begeisternder Hinrunde eine schwache Rückserie. In der neuen Saison werden sie sich davon erholt haben und wieder häufiger ihr Gesicht aus 2008 präsentieren. Der Kader ist qualitativ besser als vor einem Jahr und die Erfahrungen der letzten Saison helfen Hoffenheim, sich weit oben zu platzieren.

Schalke 04 ist mit Felix Magath einiges zuzutrauen. Der ganz große Wurf dürfte aber noch nicht gelingen, dafür halte ich den Kader für zu schwach. Mehr als ein 5. Platz wäre für mich eine Überraschung. Wie jedes Jahr wird auch der Hamburger SV hoch gehandelt. Nach dem Theater in der sportlichen Führung und dem unsäglichen Machtkampf zwischen Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer habe ich jedoch weiterhin Zweifel, ob in Hamburg alle an einem Strang ziehen. Der Kader verspricht wieder viel, die Qualität ist da. Doch kann der in Leverkusen gescheiterte Labbadia daraus eine Meistermannschaft formen? Zwischen Platz 2 und 9 ist für die Hamburger vieles drin. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Entscheidung darüber am 34. Spieltag im Bremer Weserstadion fiele.

Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart halte ich aus unterschiedlichen Gründen für die schwächeren der genannten Teams. Bei Leverkusen ist mir noch immer Schleierhaft, warum man das eigene Potential nie über eine ganze Saison hinweg ausschöpft. Im Ernstfall stellt man sich selbst oft ein Bein in den Weg. Ich sehe auch nicht, wie sich dies in Zukunft ändern soll. Schönen Fußball wird es in Leverkusen bestimmt geben, aber keinen greifbaren Erfolg. Dortmund macht unter Klopp vieles besser als in der Vergangenheit und es fehlt nicht viel, um ein ernsthafter Titelkandidat zu werden. So ganz reicht es meiner Meinung nach aber noch nicht. Bei Trainer Klopp könnten sich in diesem Jahr erste Abnutzungseffekte zeigen, die er zwar in den Griff bekommen wird, die jedoch ein besseres Abschneiden verhindern. Stuttgart hat weiterhin eine starke Mannschaft, die ohne Gomez allerdings nur die Hälfte wert ist. Der Transfererlös wurde in Hleb und Pogrebniak sinnvoll investiert. Die Lücke, die Gomez hinterlässt, erscheint mir aber zu groß.

Hertha BSC sehe ich in dieser Saison nur im (gesicherten) Mittelfeld. Die Mannschaft ist schwer zu spielen, was ein Verdienst von Trainer Favre ist. Offensiv fehlt aber die Klasse. Wichniarek ist kein Voronin. Dahinter beginnt auch schon der Abstiegskampf. Köln und Nürnberg scheinen mir am ehesten die Klasse zu besitzen, in die Phalanx der letztjährigen Top 10 einzudringen. Für Hannover 96 wird es dagegen nicht zum Klassenerhalt reichen. Wenn dort nicht endlich das Ruder herumgerissen wird, ist die Mannschaft 2010 einfach mal dran. Mitabsteiger werden Mainz und Mönchengladbach sein. Freiburg, Frankfurt und Bochum heißen folglich die glücklichen Mannschaften, die sich in letzter Sekunde vor der Relegation retten können.

Und was ist mit Werder?

Es wird mal wieder eine typische Werder-Saison. Gute Hinrunde, Krise zu Beginn der Rückrunde, Aufholjagd im letzten Drittel und am letzten Spieltag werden die Positionen mit dem HSV getauscht. Werder wird Dritter und landet in der Champions League Qualifikation.

Vieles scheint möglich in diesem Jahr – nach oben wie nach unten. In Werders Kader steckt viel Talent, bei einem guten Beginn könnte man schnell einen Lauf bekommen. Zweifel an der Konstanz einiger Spieler sind aber angebracht. Diese hat Werder in den letzten 1 1/2 Jahren vermissen lassen. Man wird schon am oberen Limit spielen müssen, um meinen Tipp in Erfüllung gehen zu lassen. Mit der falschen Einstellung kann man schnell wieder ins Mittelfeld durchgereicht werden. Zum ersten Mal seit 2004 wird Werder von vielen Fußballinteressierten zum Favoritenkreis auf die Meisterschaft gezählt. In der Vergangenheit war dies häufig nicht die schlechteste Ausgangsposition.

Meine Abschlusstabelle

  1. Bayern München
  2. 1899 Hoffenheim
  3. Werder Bremen
  4. Hamburger SV
  5. VfL Wolfsburg
  6. Schalke 04
  7. VfB Stuttgart
  8. Borussia Dortmund
  9. Bayer Leverkusen
  10. 1. FC Köln
  11. Hertha BSC
  12. 1. FC Nürnberg
  13. SC Freiburg
  14. VfL Bochum
  15. Eintracht Frankfurt
  16. Borussia Mönchengladbach
  17. Mainz 05
  18. Hannover 96
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