Meine Top 5 (7)

Nun gut, der Mann hat schon alles gesehen. Alles gewonnen. Alles erreicht, was man als Fußballkommentator erreichen kann. Es gibt wahrscheinlich nichts mehr, was Marcel Reif bei einem Fußballspiel noch überraschen könnte. Das merkt man seinen Kommentaren auch immer mehr an. Fußball ist doch eigentlich ganz einfach. In jedem Spiel passiert im Grunde so ziemlich das Gleiche. Die gleichen Spielzüge, Ballannahmen, Schussversuche. Mal klatscht ein Ball an Pfosten oder Latte. Ein gefühlvoller Pass hier, ein abgefälschtes Glückstor dort. Nur die Kombinationen dieser Ereignisse sind immer wieder neu.

Auch Marcel Reifs Kommentare funktionieren immer mehr nach demselben Muster. Man könnte vermutlich mit den einzelnen (Standard-)Sätzen Marcel Reifs durch neue Zusammensetzung jedes beliebige Fußballspiel kommentieren – was dazu führen könnte, dass er irgendwann durch eine Maschine ersetzt wird, die automatisch zu jeder Spielszene den passenden Satz auswählt. Oder vielleicht hat man das schon vor ein paar Jahren gemacht und keiner hat es gemerkt? Ein Anzeichen dafür ist der folgende Kommentar aus dem Spiel Stuttgart – Schalke am letzten Freitag: "Die Saison 2006/2007 endet mit einem Unentschieden." Wir lernen: auch Maschinen sind nicht perfekt! Heute gibt es daher eine Sonderausgabe meiner Top 5, zu Ehren des Frührentners Marcel Reif. Hier sind die

5 Grundelemente einer Fußballreportage nach Marcel Reif:

5. Beide Mannschaften investieren in das Spiel. Meistens investiert eine Mannschaft mehr als die andere, was aber noch lange nicht heißt, dass sie dann auch gewinnt. Wenn eine Mannschaft ein Gegentor kassiert, ist das aber in der Regel ein Anzeichen dafür, dass sie zu wenig investiert hat.

4. In jedem Spiel begeht irgendein Spieler ein lächerliches Foul. In vielen Fällen bekommt er dafür eine lächerliche gelbe Karte.

3. Eine der beiden Mannschaften hat eine bessere bzw. (man beachte die Formulierung!) reifere Spielanlage. Die wichtigste Aufgabe eines Kommentators in den ersten zehn Minuten des Spiels ist es, diese Mannschaft zu identifizieren. Im Zweifel sind es die Bayern.

2. Gute Spieler machen fast alles richtig während sehr gute Spieler alles richtig machen. Schlechte Spieler hingegen machen nicht – wie man schließen könnte – alles falsch, sondern finden nicht statt.

1. Es gewinnt meist die Mannschaft, die mehr investiert, weniger lächerliche Fouls begeht, die reifere Spielanlage hat und alles richtig macht. Manchmal aber auch nicht. In jedem Fall sollte der Verlierer in der zweiten Halbzeit gebührend niedergemacht werden. Zynismus darf dabei natürlich nicht fehlen. Und nicht vergessen, die eigene Meinung immer dem Spielstand anzupassen. Dadurch kann man geschickt das Analysieren des Spiels umgehen und steht immer auf der sicheren Seite.

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