Mesut Özil – Das Bremer Missverständnis

Um keinen anderen Spieler wird in dieser Sommerpause im Umfeld von Werder Bremen so viel diskutiert, wie um Mesut Özil. Nach einer starken WM, bei der er nach Ansicht vieler Experten zu den besten Spielern gehörte, scheinen seine Tage bei Werder gezählt. Die Reaktionen der Fans auf die seit Monaten andauernden Gerüchte reichen von Unverständnis über Empörung bis hin zu blankem Hass. Vereinzelt gibt es jedoch auch Verständnis für den Nationalspieler, dessen Vertrag bei Werder noch bis 2011 läuft. Für mich zeigt sich in den Diskussionen eine Reihe von Missverständnissen über den Spieler Mesut Özil:

1. Özil ist gar nicht so gut, wie er gemacht wird.

Es gibt zwei Dinge, an denen die angebliche Überbewertung des Spielers Özil festgemacht wird:

“In wichtigen Spielen taucht Özil unter!”

Gern genannte Beispiele sind das UEFA-Cup Finale 2009, das Pokalfinale 2010 und das WM-Halbfinale gegen Spanien. In diesen Spielen kam Özil nicht so zur Geltung, wie man es von einem Weltklassespieler erwarten würde. Ganz davon abgesehen, dass kaum ein Spieler (inkl. Weltfußballer Messi) ohne Leistungsschwankungen auskommt, kann dieses Argument nicht völlig von der Hand gewiesen werden. Allerdings zeigen einige andere Beispiele, dass es sich hierbei wohl eher um normale Leistungsschwankungen eines jungen Spielers handelt, als um ein generelles Problem mit der großen Fußballbühne. Nach dem enttäuschenden UEFA-Cup Finale im letzten Jahr schoss Özil das Siegtor im Pokalfinale und war beim Finale der U21-EM der Man of the Match. In der abgelaufenen Saison bot er im vorentscheidenden Spiel um den 3. Platz gegen Schalke eine herausragende Leistung und auch auf der vermeintlich größten Bühne, bei der Weltmeisterschaft, präsentierte er sich von seiner besten Seite. An diesen letzten Halbsatz schließt sich das zweite Argument an:

“Özils Leistung bei der WM wird überbewertet!”

Gerade vor ein paar Tagen erst wieder gehört: Özil habe pro Spiel nur 2-3 gute Szenen gehabt und sich ansonsten versteckt. Dieses Argument beruht meiner Ansicht nach auf einem Missverständnis. Özil spielt auf der Spielmacherposition und wird deshalb als “echter 10er” angesehen. Özils Spielweise unterscheidet sich jedoch deutlich von der “klassischer” Spielmacher. Gerade für deutsche Verhältnisse – unser größtes Mysterium der letzten Jahre war die Frage, ob Michael Ballack nun 6er, 8er oder 10er ist – ist Özil ein höchst ungewöhnlicher Spieler. Er spielt sehr offensiv, meistens auf der Höhe eines zurückhängenden Stürmers, und holt sich nur wenige Bälle an der eigenen Mittellinie ab. Während bspw. Bastian Schweinsteiger aufblühte, als er nach hinten versetzt wurde und das Spiel endlich vor sich hatte, geht Özil den entgegengesetzten Weg. Er sucht in erster Linie nicht den Ball, sondern den freien Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners. Dadurch ist er für gegnerische Defensivabteilungen schwer zu greifen und schafft Räume für seine Mitspieler indem er Verteidiger aus der Viererkette lockt bzw. einen defensiven Mittelfeldspieler weit nach hinten zieht. Am Ball ist Özil gut, jedoch (noch) nicht auf allerhöchstem Niveau – ohne Ball ist er herausragend. Ähnlich wie Thomas Müller hat Özil ein extrem gutes Gefühl für Spielsituationen und Lücken, wobei Müller durch seine Torgefahr noch mehr auffällt. Bei der WM haben beide sehr voneinander profitiert, was vielleicht auch ein Grund für Özils mangelndes Durchsetzungsvermögen gegen Spaniens Sergio Busquets war.

2. Für Özils Entwicklung wären 1-2 weitere Jahre bei Werder am besten.

Als Mesut Özil von Schalke zu Werder wechselte, war er 19 Jahre alt und galt als einer der talentiertesten deutschen Mittelfeldspieler. In seinen inzwischen 2 1/2 Jahren an der Weser hat er sich weiterentwickelt, den Status des “Talents” spätestens in der abgelaufenen Saison überwunden und gehört mittlerweile zu den besten Mittelfeldspielern der Bundesliga. Seine Leistungen sind teilweise überragend, doch es fehlt noch an der Konstanz, die für die absolute Weltspitze nötig ist. Es gibt gute Argumente, die für einen Verbleib bei Werder für zumindest eine weitere Saison sprechen: Hier hat er ein ruhiges Umfeld und einen Trainer, der auf ihn baut. Dazu winkt in der kommenden Saison eine Champions League Teilnahme. Der Kader wäre bei Özils Verbleib ebenfalls stärker einzuschätzen. Bei einem Wechsel zu einem großen Verein hätte er stärkere Konkurrenz. Zudem würde der Druck um ein Vielfaches anwachsen. Allerdings ist es genau dieser Konkurrenzdruck, der Spieler auch weiterbringen kann. Wenn das Potential für die ganz großen Vereine reicht, wird kaum ein Spieler allzu lange für Werder zu halten sein. Die warnenden Beispiele der ehemaligen Werderspieler, die sich nach einem Wechsel nicht durchgesetzt haben, sind hier nur bedingt als Argument tauglich. Letztlich liegt es am Spieler selbst und an dessen Potential, sich auf höchstem Niveau zu beweisen. Vielleicht wird Özil daran scheitern, doch eine pauschale Aussage, dass er sich bei Werder besser weiterentwickeln kann, ist mehr Wunschdenken als erwiesene Tatsache.

Dazu kommen die Anfeindungen, die Özil schon jetzt entgegengebracht werden. Solange er keinen neuen Vertrag bei Werder unterzeichnet, wird er in der Fankurve kaum seinen schlechten Ruf verbessern können. Sollte Özil in ein Leistungsloch fallen, wie vor drei Jahren Miroslav Klose, würde er vermutlich starker Kritik ausgesetzt sein. Dies widerspricht den oben getroffenen Aussagen über das ruhige Umfeld bei Werder. Wenn die Leistung nicht stimmt, droht Özil bei Werder ein Spießrutenlauf, der seiner Entwicklung sicher nicht besser täte, als ein Platz auf der Bank des FC Barcelona.

3. Özil und sein Berater sind geldgeil

Diese Auffassung wurde geschürt durch die Kampagne, die von Özils ehemaligem Arbeitgeber nach einer erfolglosen Vertragsverlängerung betrieben wurde. Özil und sein Berater hätten absurde Forderungen gestellt, so der Grundtenor. Auch in diesem Jahr erweisen sich die Beiden als schwierige Verhandlungspartner. Der Hintergrund: Bei einer Vertragsverlängerung würden die zu erwartenden Transfererlöse bei einem Verkauf des Spielers steigen. Je geringer die Ablösesumme, desto größer die Chance auf ein hohes Handgeld für den Spieler. Bei einem ablösefreien Wechsel nach Vertragsende könnte Özil daher einen sehr hohen Betrag als Handgeld kassieren. Diese Spekulation auf einen höchstmöglichen Profit wird Özil und seinem Berater übel genommen. Sicherlich gibt es auch Spieler, die in dieser Situation anders handeln würden, doch grundsätzlich versuchen im Profifußball beide Vertragsparteien das bestmögliche für sich selbst herauszuholen. Allerdings zeigte gerade Özils Wechsel zu Werder, dass Geld nicht das alleinige Entscheidungkriterium für ihn ist. Das Argument der Fixiertheit auf den persönlichen Profit kann trotzdem nicht entkräftet werden.

Interessant wird es jedoch, wenn es zur Profitorientierung der Kritiker selbst kommt. Die Forderung den Spieler jetzt schnell möglichst teuer zu verkaufen passt nicht unbedingt zur vorangegangenen Kritik an Özil. Die Tatsache, dass Spieler von vielen Fans als freibewegliches Handelsgut angesehen werden, wird dabei gerne ausgeblendet. Einerseits wünscht man sich eine tiefe Verbundenheit der Spieler zum eigenen Verein, andererseits würde man die meisten Spieler persönlich zum Flughafen bringen, wenn denn die Ablöse stimmt. Das Profigeschäft führt immer wieder zu solchen Widersprüchen zwischen materiellem Denken und romantischer Vereinstreue. Es ist legitim, Fußballspieler für diese Einstellung zu kritisieren, doch dann sollte es sich generell gegen die Zustände im Profifußball richten und nicht selektiv gegen einzelne Spieler. Marko Marin und Per Mertesacker sind schließlich auch nicht ganz ohne finanzielle Anreize nach Bremen gekommen.

4. Özil ist undankbar und hat einen schlechten Charakter

Ex-Werderspieler Diego verlängerte im Herbst 2007 seinem Wechsel seinen Vertrag bei Werder um weitere 12 Monate bis 2011. Dafür gab Werder dem Spieler ein Versprechen, ihn bei einem vernünftigen Angebot im Sommer 2009 gehen zu lassen. Die von vielen Werderfans als zu niedrig empfundene Ablösesumme ist auch Resultat dieser Vereinbarung. Mit Mesut Özil wurde dem Vernehmen nach ein ähnlicher Deal angestrebt: Eine Vertragsverlängerung mit deutlicher Gehaltsaufbesserung und der Aussicht auf einen problemlosen Wechsel bei entsprechenden Angeboten. Anders als Diego, dessen Vertrag ohnehin noch drei Jahre lief, ist Özil in einer ganz anderen Position. In einem Jahr kann er ablösefrei wechseln und das entgangene höhere Gehalt, das er bei einer Verlängerung bekäme, würde durch eine hohe Handgeldzahlung mehr als kompensiert. Verkauft ihn Werder dagegen schon in diesem Sommer, winkt bei einem anderen Verein schon jetzt ein höher dotierter Vertrag als er ihn bei Werder je bekommen könnte. Der Anreiz für eine Vertragsverlängerung ist also recht gering, wenn man nicht von einem langfristigen Verbleib bei Werder ausgeht.

Dennoch könnte Özil mit einer solchen Geste seinem Verein einen Gefallen tun, was bei Diegos Verlängerung sicherlich mit ausschlaggebend war. Dieses Vorgehen ist jedoch nicht alltäglich und kann nicht bei jedem Spieler vorausgesetzt werden. Werder hat sich in der Vergangenheit meistens sehr fair gegenüber den eigenen Spielern verhalten und auslaufende Verträge von verletzten (Kristian Lisztes) oder kranken Spielern (Ivan Klasnic) verlängert. Andererseits hat Mesut Özil öffentlich niemals gesagt, dass er seine Zukunft bei Werder sieht. Von daher wäre ein Verzicht auf einen neuen Vertrag konsequent und ehrlich. Zumal von Seiten vieler Fans auch das gegenteilige Verhalten bei Spielern kritisiert wird. Würde Özil Werder die Treue schwören und dann doch in einem Jahr wechseln, würde er als Verräter bezeichnet. In dieser Hinsicht kann man ihm nichts vorwerfen, denn er hat nie solche Äußerungen gemacht, auf die man ihn jetzt festnageln könnte. Interessant in dieser Hinsicht: Erfüllt ein Spieler seinen Vertrag ohne die von den Zuschauern gewünschte Leistung zu bringen, wird er ebenfalls schnell als Abzocker verschrien. Aus diesem Grund ist es auch absurd Klaus Allofs vorzuwerfen, er hätte Özils Vertrag schon vor über einem Jahr verlängern sollen. Werders momentane Probleme auf dem Transfermarkt kommen eher von Spielern, die der Verein abgeben will, aber aufgrund hoch dotierter Verträge nicht so einfach los wird.

Alle genannten Gründe führen zu einem schlechten Gesamtbild des Spielers und des Menschen Mesut Özil. Zwar teilen keinesfalls alle Fans diese negative Meinung, doch die allgemeine Stimmung scheint bereits in diese Richtung gekippt zu sein. Ob sich diese Entwicklung im Fall eines Verbleibs in diesem Sommer noch rückgängig machen lässt, darf bezweifelt werden. Von daher stellt sich auch die Frage, inwiefern Spieler und Verein in der kommenden Saison noch voneinander profitieren können. Daher deutet vieles auf einen Abschied hin. Ein Abschied, der beim introvertierten und verschlossenen Özil weniger emotional ausfallen dürfte als bei Publikumslieblingen wie Diego oder Ailton, der jedoch trotzdem schmerzen würde. Denn eines scheint sicher: Özil wird seinen besten Fußball nicht im Werdertrikot gespielt haben.

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    23 Gedanken zu „Mesut Özil – Das Bremer Missverständnis

    1. Gerade der letzte satz ist pure spekulation.
      Zum beispiel auch das man ihn als Verräter bezeichneen würde wenn er jetzt verlängere und dann in 1 jahr ginge, weil jeder wüsste, er verlängert aber bekommt die Zusage beio nem guten angebit gehen zu dürfen. Daher ist der artikel nicht wirklich sachlich, sondern mehr auf Özil Seite.

      Özils Problem ist das er sich nicht ehrlich äußert – da ist das Problem, ein Spieler der im intergrund zockt und die Fans im dunkeln lässt forciert diese Diskussion und Reaktionen um ihn. Er sagte im Mai 2009 er würde gerne verlängern, aber tut es dann nicht, damit fing doch alles an. Wenn er offen sagen würde, ich möchte keinen neuen Vertrag bei Werder unterzeichnen, möchte aber meinen Vertrag erfüllen und werde diese Saison defintiv nicht wechseln. OK dann ist alles klar, Werder hat Planungssicherheit, die Diskussion hören auf und belasten Verein, Spieler und Umfeld nicht.

      Das rumgedruckse ist das Problem, Spieler die offen udn ehrlich sind – zB Borowski – und dann auf dem Platz zeigen das sie solange ihr vertrag läuft gute Leistungen zeigen (bei Boro in den letzten wochen seines Vertrages eindeutig der Fall) wird einem verdienten Spieler auch ein ablösefreier Wechsel nicht krumm genommen.

      Daher schluss mit rumgedruckse, sondern ehrlich sagen was Sache ist, und sich an seinen aussagen messen lassen, dann ist alles gut.

    2. Bisher gehörte ich zu denen die meinte für Özil wären ein bis zwei weitere Jahre bei Werder gut. Würde dies gern in: für Werder wäre es gut, wenn Özil noch ein bis zwei weitere Jahre bleiben würde. Leider sitzt Özil zurzeit am längeren Hebel.

      Aber irgendwie hat man das für alle Leistungsträger bei Werder gesagt als sie den Verein verließen.

    3. An sich eine gute Argumentation. Doch ehrlich gesagt, teile ich Deine Aussagen zu Punkt 2 nicht. Ich bin auch der Meinung, dass Özil in Bremen noch in Ruhe an seinen Defiziten arbeiten kann, wie bspw. der noch fehlenden Konstanz oder sich auch mal durch schwierige Phasen zu beißen. Özil ist noch sehr schnell gefrustet, wenn es nicht läuft, wie er das möchte.

      Hier in Bremen ist der Druck einfach noch geringer als bei allen bisher genannten Kandidaten für einen Wechsel. Sicherlich kann er auch dort den Schritt machen, nur hier hat er noch die Ruhe dafür. Diese Sichtweise ist nicht weniger Wunschdenken als die gegenteilige Annahme, er wird sich problemlos bei einem Top-Club durchsetzen. Es kann auch erstmal nur Wunschdenken bleiben, da ja keiner weiß, wie er sich entscheidet. Wenn er geht, lässt es sich eh nicht überprüfen.

      Natürlich ist die Sichtweise auch davon geprägt, dass ich Özil lieber noch ein, zwei Jahre in Bremen sehen möchte und blendet die anderen Faktoren (vor allem die finanziellen aus). Was mich interessieren würde: was wünscht Du Dir als Werder-Fan?

    4. @Thomas:
      Herr Allofs sagte mal so schön: “Werder ist größer als jeder Spieler”

      und damit hat er vollkommen recht! Hier zählt das Kollektiv! Man hat es immer wieder geschafft den Abgang des Superstars zu kompensieren.

      Bzgl. der Verhandlungen und der momentanen Situation sehe ich nicht Özil, sondern seinen Berater als den Hauptschuldigen.

    5. @Mattlok: Jede Aussage über die Zukunft ist Spekulation. Aber ich halte es eben für sehr wahrscheinlich, deshalb habe ich auch geschrieben “scheint sicher”.

      “Özils Problem ist das er sich nicht ehrlich äußert – da ist das Problem, ein Spieler der im intergrund zockt und die Fans im dunkeln lässt forciert diese Diskussion und Reaktionen um ihn. Er sagte im Mai 2009 er würde gerne verlängern, aber tut es dann nicht, damit fing doch alles an.”

      Vertragsverlängerungen finden immer im Hintergrund statt. Möchtest du, dass die in Zukunft alle öffentlich ausgetragen werden? Und bloß weil ein Spieler grundsätzlich einen Vertrag verlängern möchte heißt das noch nicht, dass man sich auch einigen kann. Ob man daran Werder oder Özil die Schuld gibt, ist eine subjektive Wertung. Man könnte es ja auch umdrehen und sagen, dass Werder zu geizig ist und deshalb kein Vertrag zustande gekommen ist.

      “Spieler die offen udn ehrlich sind – zB Borowski – und dann auf dem Platz zeigen das sie solange ihr vertrag läuft gute Leistungen zeigen (bei Boro in den letzten wochen seines Vertrages eindeutig der Fall) wird einem verdienten Spieler auch ein ablösefreier Wechsel nicht krumm genommen.”

      Boro wurde gerade in seiner letzten Saison vor dem Wechsel zu Bayern extrem hart kritisiert und auch ausgepfiffen. Der Tenor war damals eher: Zum Glück haben wir dem keinen neuen hochdotierten Vertrag gegeben. Die Anerkennung kam erst, als er in den letzten Wochen der Saison wieder in Topform war. Und heute? Würde die Hälfe der Fans ihn liebend gerne sofort wieder abgeben.

      “Daher schluss mit rumgedruckse, sondern ehrlich sagen was Sache ist, und sich an seinen aussagen messen lassen, dann ist alles gut.”

      Hat er ja nun vor ein paar Tagen gemacht und werden die Diskussionen nun weniger? Wohl kaum.

      @Stephen: So wirklich widersprichst du mir ja gar nicht. Natürlich sind beide Szenarien Wunschdenken, aber genau das ist für mich der springende Punkt: Özil muss sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Es gibt für beide Alternativen gute Argumente. Es wird aber von vielen so getan, als sei Werder der einzige Verein, bei dem sich ein Spieler weiterentwickeln kann und der einzige mögliche Grund für einen Wechsel wäre das Geld. Aus Sicht eines Spielers (ohne emotionale Bindung zu Werder) ist die sportliche Alternative bei den genannten Vereinen aber nun mal besser und gerade Barcelona und Arsenal sind ja auch dafür bekannt, junge Spieler gut weiter zu entwickeln.

    6. @Stephen: Als Werderfan wünsche ich mir, dass Özil noch lange bei uns bleibt, zumindest aber ein weiteres Jahr. Da muss Allofs halt abwägen, was für Werder besser ist: Eine hohe Ablöse oder noch 1 Jahr Özil und keine Ablöse. Das “Barcelona-Modell” mit einem Kauf in diesem Sommer und einer einjährigen Leihe an Werder fände ich ich gut, wenn denn etwas dran ist.

    7. Guter Blog, dem ich in den meisten Punkten zustimme.

      Auch ich sehe es so, dass Özil ein weiteres Jahr in Bremen nicht sonderlich voranbringt und mir schwirrt schon ein Szenario ála Klose 2007 vor Augen.

      In Bremen lastet mittlerweile zuviel Verantwortung und Erwartungen auf seinen Schultern. Bei jeder Niederlage oder schlechtem Spiel wird sich sofort auf Özil gestürzt, auch verbunden mit seiner Vertragssituation. Daher bin ich eindeutig dafür, Özil jetzt schon zu einem großen Verein wie Real, ManU oder Barca gehen zu lassen. Für seine persönliche Entwicklung ist es besser, auch wenn er nicht die gleiche Spielzeit wie bei Werder bekommt. Und Schaaf ist sicherlich ein sehr guter Trainer, aber Fergie, Mourinho oder Guardiola haben auch schon gezeigt, dass sie junge Spieler formen können.

      Daher auf Wiedersehen Özil und Ruhe in Bremen!

    8. Guter Artikel!
      Ob ein Wechsel für Özil besser wäre ist momentan doch nur Spekulation. Bei Werder bekommt er Spielzeit und Verantwortung, was beides für einen jungen Spieler sehr wichtig ist.
      Bei einem Wechsel zu Real oder Barca werden diese Faktoren weniger, aber durch höheren Konkurrenzdruck und bessere Mitspieler kann er auch viel lernen. Allerdings könnte es auch sein dass nur sehr wenig spielt, was auch nicht gut ist für die Entwicklung.
      Ich fände es am besten wenn er noch eine Saison bei Werder bleibt und dann wechselt. Aber er muss selbst entscheiden was er will und für sich glaubt was em besten ist. Außenstehende können dass nur schlecht beurteilen.

    9. Mal wieder ein spitzen Artikel. Ich wünschte mir, dass die Sportmedien auch nur ein einziges Mal mit der Personalie Özil so ruhig und gelassen umgehen, wie Tobias. Schon damals beim Wechsel zu Bremen war das Tohuwabohu kaum auszuhalten.

      Zum Thema: Auffällig viele Werder-Fans plädieren als “beste Lösung”, dass Özil noch (mindestens) ein Jahr bei Werder bleiben sollte, bevor er dann gegen Ablösesumme (oder im Rahmen eines Leihgeschäfts, s. Barcelona-Gerücht) wechselt. Die meisten vergessen aber, dass Özils Recht genau das ist: noch ein Jahr bei Werder zu spielen. Danach kann er immer noch entscheiden und zudem noch fett Handgeld kassieren. That`s Profifußball. Ich sage “leider” und auch “danke Bosmann”. Bremen ist wohl im Endeffekt der Leidtragende, Özil der Gewinner des Machtkampfes. Das Problem ist nur, dass sich Vereine wie Werder eben genau diese Entwicklung auf Dauer nicht leisten können.
      Im übrigen plädiere ich auch für die Barca-Lösung. Ein “Bremer Jung” Topstar in Barcelona? Geil!

    10. Ich kann eigentlich nur jden Satz des Artikels unterschreiben, dennoch: bloße weg mit Özil!
      Das ist nicht so gemein gemeint, wie es vielleicht klingen mag, ich denke nur, dass die Chancen, dass Werder in dieser Konstellation nochmal von Özil profitiert marginal sind.
      Jeder kleinste Fehler, jedes Kopf hängen lassen, jeder abgebrochene Sprint wird ihm von den Fans angelastet werden. Außerdem wird sich eine mediale Aufmerksamketi auf seine Befindlichkeiten stürzen, die es bei Bremen sonst nicht gibt. Das wird auch dazu führen, dass sich andere Spieler hinter dieser Sache verstecken können und ein evtl. mannschaftliches Versagen nur zu einem Versagen von Özil umgedeutet wird.
      In der jetzigen Konstellation und auch wenn er nochmal ein Jahr auf Leihbasis käme muss Özil nahezu jedes Spiel Topleistungen bringen, ansonsten gehts hier glaube ich in einem Maße rund, dass die Krise vorprogrammiert ist.
      Ich glaube, der Wechsel kommt für Özil zu früh, aber aus der Werderperspektive ist er nun imho alternativlos geworden. Schade, aber besser ein Ende mit Schrecken und so…

    11. also ich bin deffinitiv kein Özil Fan!!!

      Aber was macht ihn zu einem unsympatischen, geldgierigen Typen, blos weil er bei einem Verein keinen neuen Vertrag unterschreibt????

    12. Sehr, sehr guter Beitrag, spricht mir aus der Seele. Die ganze Scheinheiligkeit der Anfeindungen gegenüber Özil wird hier sehr deutlich gemacht. Wirklich beruhigend, mal wieder ein sachlichen Text zu lesen, das war die letzten Tage im Werder-Forum nicht mehr schön…

      Schade, dass man jetzt schon hoffen muss, dass so ein großartiger Fußballer geht, weil die Anfeindungen, die er bei kleinsten Fehlern bekommen wird, beiden Seiten schaden werden.

    13. Das Problem ist doch eigentlich, dass einige große Vereine Özil gerne verpflichten würden, aber nicht zu den Konditionen, die sich ein Özil vorstellt. Wäre Özil für einen dieser Vereine DER Mann, hätte man sich längst geeinigt. Hier liegen die Selbsteinschätzung und die Einschätzungen der großen Vereine für eine Einigung zu weit auseinander. Als Werderfan sehe ich lieber einen Bargfrede auf dem Platz kämpfen, als Özil dabei zuzugucken, wie er auf die eine Situation wartet, mit der er sich in den Vordergrund spielen kann. Özil läßt mir einfach zu viele Gegenspieler an sich vorbeilaufen. Solange er das nicht abstellt und auch den Biss in der Rückwärtsbewegung zeigt, werden die großen Vereine ihm nicht das anbieten, was er sich vorstellt. Zumal er in deren Kader auch ordentlich Konkurrenz auf seiner Position hätte.

    14. Exzellenter Artikel!
      Darf ich den kopieren, leicht umschreiben und mit dem Austausch des Namens Özil durch Khedira dann bei mir Blog veröffentlichen?

      Zugegeben, Khediras Ruf hat bei den Fans weitaus weniger gelitten als Özils bei Euch, aber dennoch gibt es in den Diskussionen doch so einige Parallelen.

      Auf jeden Fall stimme ich Dir bei Punkt 2 zu. Ich denke, dass es für talentierte Spieler der Güteklasse Özil und Khedira momentan sicherlich nicht “zu früh” kommt, den Sprung in ein Topteam zu wagen. Beide haben ihre Qualitäten in der Champions League und auch auf WM-Ebene schon unter Beweis stellen können. Wenn es jetzt nicht klappt, dann werden auch zwei weitere Jahre in unseren Vereinen nicht den entscheidenden Unterschied machen.

    15. Sehr ausgewogener, sachlicher Artikel.
      Speziell Deine Aussagen zu Özils Spielweise sprechen mir aus dem Herzen. Nicht umsonst wurde seine Leistung bei der WM im Ausland höher bewertet als hierzulande, wo man als zentraler offensiver Mittelfeldspieler wahlweise “Dirigent” oder “Feldherr”, aber auf jeden Fall “Künstler” sein muss. Özils größtes Talent, sein Spiel ohne Ball, seine Spielintelligenz blieben in der Presse weithin unerwähnt. Und über Fanforen will ich lieber gar nicht reden.

    16. @keano: Vielleicht ist das auch historisch bedingt. In der DFB-Elf gab es eigentlich immer gute Spieler, die das Spiel von hinten raus gelenkt haben, wie Beckenbauer, Matthäus, Sammer, Hamann oder eben nun Schweinsteiger. Das liegt “uns” einfach mehr, als ein Spielertyp wie Özil, dessen Schwächen halt überhaupt nicht zu den deutschen Tugenden passen.

    17. Der einzige, für mich nicht nachvollziehbare Satz in dem Artikel ist ..

      “Allerdings zeigte gerade Özils Wechsel zu Werder, dass Geld nicht das alleinige Entscheidungkriterium für ihn ist.”

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