Pausenclown

Werder – Bayern 1:4

Letzte Nacht ist mir im Traum Miro Klose erschienen. Er schwebte über meinem Bett und trug ein leuchtend rotes Gewand. "18", sagte er. "Was? Deine Nummer?" fragte ich. "Nein", antwortete er, hämisch grinsend, "euer Tabellenplatz nächste Saison!"

Ein Spiel gegen die Bayern ist immer etwas besonderes – selbst im Ligapokal. Eine 1:4 Klatsche gegen den großen Konkurrenten aus dem Süden ist daher nicht ganz einfach zu verdauen. Dabei begann eigentlich alles perfekt. Eine ersatzgeschwächte, vom Trainingslager müde Werdermannschaft dominiert das Münchner Starensemble. Leider nur eine Viertelstunde lang. Dann kam alles, wie man es befürchten musste. Die Bayern spielen groß auf, Werder offenbart Schwächen in der Abwehr und hält sich im Mittelfeld aus allem raus. Normalerweise ein Grund zum Ärgern, aber was soll’s, ist ja nur Vorbereitung. Auch der Schiedsrichter, der sich partout weigerte, dem ein oder anderen Bayernspieler für die Revanchefouls an Andreasen gelb zu geben, taugte nicht für langandauernden Ärger.Der Premiere-Kommentator ließ sich vom Münchner Ballzauber wie erwartet anstecken und "übersah" vor lauter Begeisterung ein kleines elfmeterwürdiges Foul im Bayern-Strafraum. Selbst das konnte mich nur kurzzeitig zum Fluchen bringen.

Sehr unterhaltsam war dann die Halbzeitshow, mit der kleinen
Auseinandersetzung zwischen Moralprediger Höneß und Klaus Allofs. Ich
fühlte mich kurz in die Ära Lemke zurückversetzt. Einer von beiden
hatte noch vor wenigen Tagen angekündigt, sich zukünftig "noch mehr"
zurückzuhalten. Angesichts der schreienden Ungerechtigkeit (Pfiffe
gegen einen Bayernspieler) musste er dann aber doch von seinem
Versprechen abrücken und vor laufender Kamera beweisen, dass er vom
Bremer Umfeld noch weniger Ahnung hat, als von kritischer
Selbstreflektion. Man kann nun wirklich viele Gründe für die Bremer
Klose-Feindlichkeit anführen – ein Aufstacheln seitens des Vereins
gehört definitiv nicht dazu!

Während der dahinplätschernden zweiten Halbzeit verflüchtigten sich
aber alle negativen Emotionen und der Verstand hämmerte mir ein: "Ist
nur Ligapokal! Vorbereitung! Mannschaft nicht komplett! Nur Ligapokal!"
Gewirkt hat es. Auch ein Tor von Klose hätte ich nur noch achselzuckend
zur Kenntnis genommen. Mit dem Abpfiff war das Spiel schon so gut wie
vergessen und die Vorfreude auf die Revanche beim ersten Heimspiel der
neuen Saison um so größer. Doch ganz so schnell wie ich dachte, war ich
dann anscheinend doch nicht drüber weg, sonst hätte ich kaum diese
Erscheinung im Traum gehabt.

"Es ist alles gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe", frohlockte
der schwebende Miro. "Jetzt lüfte ich das Geheimnis: Die bösen Gerüchte
über mich habe ich selbst gestreut um meinen Wechsel zu beschleunigen!
Auch den Bild-Reporter habe ich zum Hannoveraner Flughafen bestellt.
Ganz schön schlau, wie?" Ich wollte ihm zurufen, dass mich das alles
nicht mehr interessiere, doch er redete einfach weiter: "Es ist eine
Riesen-Sauerei, dass ich jetzt von den Fans ausgepfiffen werde und die
Spieler schlecht über mich reden!" Wie? Moment! Jetzt wurde es mir
schlagartig klar: "Du bist gar nicht Miro Klose, du bist Uli Höneß!"
rief ich ihm zu. Schwarzer Rauch stieg auf und es roch nach Schwefel
und Weißwürsten. Ich wachte schweißgebadet auf. Was für ein unsinniger
Traum: Uli Höneß kann doch gar nicht fliegen.

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