Pausenfüller (Teil 2)

Machen wir uns nichts vor. Celta de Vigo hat in dieser Saison eine Mannschaft, die auch in der Bundesliga um den Klassenerhalt spielen würde. Diese Mannschaft ist nicht nach Bremen gekommen, um das Spiel mit aller Macht zu gewinnen. Ihr Trainer hatte auf die Hälfte ihrer Stammspieler verzichtet (teils aufgrund von Verletzungen, teils zur Schonung für den Abstiegskampf). Die einzige Anweisung, die er seiner Mannschaft vor dem Spiel gegeben hat, dürfte folgende gewesen sein: Macht es ihnen so schwer wie möglich. Das ist nur eine Stufe über: Wenn wir schon verlieren, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt. Dementsprechend spielte die Mannschaft dann auch. "Räume eng machen" schien ihr einziges Rezept zu sein. Es wehte ein Hauch von Cottbus durch das Weserstadion.

Dabei sollte es doch eher ein Hauch von Barcelona sein, wenn es im UEFA Cup Achtelfinale gegen eine der besten spanischen Mannschaften der letzten Saison geht. Der Fünfjahreswertung zufolge hat Spanien die stärkste Liga Europas und damit wohl auch der Welt. Bloß sind für die Fünfjahreswertung normalerweise eher andere Mannschaften verantwortlich als Celta Vigo. Man kann es vielleicht ein wenig mit Eintracht Frankfurt vergleichen. Eigentlich ist man in der Liga keine Topmannschaft, aber trotzdem ist man halt durch eine gute Saison mal im UEFA Cup gelandet. Die Glanzzeiten von Vigo sind schon zu lange vorbei um – noch dazu in der personellen Verfassung – gegen Werder mit spielerischen Mitteln irgendetwas erreichen zu können.

Warum ich Vigo nun schon seit zwei Absätzen schlecht mache? Weil es
wichtig ist, sich einmal klar zu machen, gegen was für eine Mannschaft
Werder da gespielt hat. Ein Ein-Tore-Polster aus dem Hinspiel im
Rücken, konnte man in diesem Spiel wahrlich keine Meisterleistung
erwarten. Ein großer Teil der Fans sah das anders und Pfiff Werder zur
Halbzeit beim Stand von 0:0 für das unansehnliche Spiel aus. Da spielt
man Europapokal zuhause vor ausverkauftem Haus und lässt sich dann so
gehen? Hauptsache irgendwie weiterkommen statt den Zauberfußball zu
spielen, der in der Hinserie die ganze Liga verzauberte? Besteht die
Mannschaft nur aus einem charakterlosen Haufen Millionären, denen die
Fans egal sind?

Denken wir mal ein paar Wochen zurück. Nach den Spielen gegen
Schalke und Stuttgart lautete der Vorwurf, Werder wolle nur schön
spielen, habe aber kaum jemanden in den eigenen Reihen, der bereit sei
auch mal zu kämpfen. Man muss halt auch mal Spiele gewinnen ohne den Gegner an die Wand zu spielen, wenn man Meister werden will!
Dieser Satz ist sicherlich richtig und passt vor allem gut zur momentanen
Situation. Wer Meister und UEFA Cup Sieger werden will, der muss sich
die Kräfte noch mehr einsparen. Gerade in einer Zeit in der es
spielerisch nicht so läuft, kann man eine Mannschaft, die spielt wie
Celta Vigo, nicht mal eben so wegfegen. In der nächsten Runde wartet da
mit dem AZ Alkmaar schon ein anderes Kaliber. Für den Fan mit
Scheuklappen vielleicht ein leichter Gegner. Wer in den letzten Jahren
aber ab und zu auch Spiele ohne deutsche Beteiligung gesehen hat,
insbesondere im UEFA Cup, der wird vor Alkmaar mindestens genau so viel
Respekt haben wie vor Ajax Amsterdam. Sollten die Holländer Werder vor
größere Probleme stellen, bleibt nur zu hoffen, dass die
Stimmung nicht ebenso umschlägt wie gegen die Spanier.

Zum Abschluss bleibt noch Zeit, kurz über die Personalsituation der
Bremer nachzudenken. Besonders zwei Personalien geistern seit geraumer
Zeit durch die Gazetten. Eine davon ist selbstverständlich Miroslav
Klose. Eigentlich war jedem halbwegs realistisch denkenden Fan schon
seit der WM klar, dass Miro den Verein im Sommer verlassen wird. Sein
Vertrag ist bis 2008 datiert. Bei einem Wechsel bekäme Werder also
gutes Geld. Für einen (dann) neunundzwanzigjährigen Weltklassestürmer
wäre ein Transfer ins Ausland sicher die beste Entscheidung. Somit
wartet man seit letztem Dezember eigentlich täglich auf die Meldung
"Klose wechselt zu (Name eines europäischen Topclubs)". Es kommen zwar
in regelmäßigen Abständen Meldungen mit Spekulationen über einen Wechsel
Kloses, doch insgesamt blieb es eher ruhig. Die Verhandlungen über eine
Vertragsverlängerung Kloses scheinen tatsächlich ernst gemeint zu sein.
Zum einen liegt es sicherlich daran, dass Werder diesmal richtig in die
Vollen geht und Klose eine Gehaltserhöhung von 1,4 Millionen Euro pro
Jahr anbietet. Zum anderen kommen nur eine Hand voll Vereine für einen
Wechsel in Frage, wie Klose immer wieder betont hat. Gut möglich also,
dass ein Wechsel nach dieser Saison nicht zustande kommt. Ich hoffe
jedenfalls weiter auf das Beste.

Bei Torsten Frings, der anderen Personalie, sieht die Sache etwas
anders aus. Zwar ließ er zwischenzeitlich verlauten, Werder sei der
beste Verein für ihn und wechseln würde er höchstens noch einmal zum
Karriereende nach Aachen. Wohin sollte er in Deutschland auch wechseln?
Nach den eher negativen Erfahrungen in Dortmund und dem Fiasko in
München hat er wahrlich genug Erfahrung in der Bundesliga gesammelt.
Aus sportlichen Gründen scheidet ein Wechsel innerhalb Deutschlands aus
und finanziell wäre wohl nur durch Gazprom-Millionen eine Steigerung
möglich. Als es jetzt allerdings etwas konkreter um einen Wechsel ins
Ausland ging, änderte sich die Situation plötzlich. Das nämlich sei
schon immer sein Traum gewesen, ließ er sich kürzlich entlocken.
Möglich, dass durch vorgegaukeltes Interesse nur die Bezüge beim
aktuellen Arbeitgeber aufgestockt werden sollen. Wahrscheinlicher ist
aber, dass unsere Nummer 22 mit dem wallenden Haupthaat Gefallen an
Namen wie Real oder Juventus findet. Wer kann ihm das schon verdenken?
Ob es aber eine kluge Entscheidung für seine weitere Karriere wäre, das
kann man wohl erst rückblickend Beurteilen. Auch hier besteht aber noch
große Hoffnung, dass er die richtige Entscheidung trifft.

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