Quadratur der Raute

VfL Wolfsburg – Werder Bremen 1:2

Der erste ernsthaftere Test der noch jungen Saison ist geglückt: Werder gewinnt mit 2:1 beim Deutschen Meister VfL Wolfsburg den (inoffiziellen) Volkswagen Supercup. Das Spiel hatte nur wenig Aussagekraft, was das Kräfteverhältnis der beiden Mannschaften angeht. Noch stehen die Trainingsarbeit und die Komplettierung des Kaders im Vordergrund. Allerdings war schon zu erkennen, dass beide Trainer den Test durchaus nicht auf die leichte Schulter nahmen.

Ich habe versucht, während des Spiels verstärkt auf Werders neues System zu achten. Das Tempo des Spiels war nicht hoch genug, um dabei stichfeste Erkenntnisse zu gewinnen. Doch trotz des Testspielcharakters gibt es zwei Dinge, die mir aufgefallen sind:

1. Das Mittelfeld. Bei gegnerischem Ballbesitz formierte sich das Bremer Mittelfeld zu einer Viererkette (auch "flache Vier" genannt). Somit stand man in einem klassischen 4-4-2 System, das so von vielen Mannschaften auf der Welt gespielt wird. Bei eigenem Ballbesitz agierte man jedoch wie in der Vergangenheit sehr flexibel, tauschte munter Positionen und versuchte so, Lücken in die Defensive des Gegners zu reißen. Der große Unterschied zu früher ist dabei das Fehlen einer zentralen Anspielposition, wie Diego sie bis vor kurzem ausgefüllt hat. Die beiden offensiven Außen zogen immer wieder in die Mitte, so dass die Bezeichnung "Quadrat" für Werders Mittelfeldsystem nicht ganz abwägig ist. Ich frage mich jedoch, ob Werders Mittelfeld das Umschalten von frei formierter Offensive auf defensive Viererkette auch bei hohem Tempo schafft. Die taktische Disziplin offensiv gepolter Spieler wie Mesut Özil oder Marko Marin wird hier sicher stark gefordert sein.

2. Der Angriff. Gestern standen Marcelo Moreno und Boubacar Sanago in der Starformation. Moreno zeigte einige gute Ansätze. Technisch spielt er auf hohem Niveau, doch seine Abschlüsse waren noch etwas überhastet. Dies trifft bei Sanogo auf dessen gesamtes Spiel zu. Es war deutlich zu merken, dass er hoch motiviert ins Spiel ging und seine Kritiker von sich überzeugen wollte. Leider führte dies nur selten zu durchdachten Aktionen. Dennoch kann sich Sanogo mit dieser Einstellung (sofern er sie denn längere Zeit aufrecht erhalten kann) wieder zu einem Spieler entwickeln, der Werder weiterhelfen kann. Da in der kommenden Saison vermutlich kein Spieler zentral hinter den Spitzen agieren wird, sind die Stürmer noch mehr gefordert, sich häufig ins Mittelfeld zurückfallen zu lassen uns selbst Chancen mit einzuleiten. Sanogo und Hugo Almeida können dabei vor allem hohe Bälle verwerten und für ihre Mitspieler ablegen. Moreno macht auf mich den Eindruck, als könne er hier auch spielerisch Akzente setzen. Leider sehe ich diese Potential (abgesehen von – mit Abstrichen – Almeida) sonst bei keinem anderen der Kandidaten. Aus spielerischer Sicht wäre eine Rückkehr Pizarros deshalb umso wichtiger.

Langsam steigt bei mir endlich die Vorfreude auf die neue Saison.

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    4 Gedanken zu „Quadratur der Raute

    1. Zu 1. Also ich sah da mehr ein Trapez als ne flache 4. Und das wird es wohl auch eher werden. Es wird viel auf das Abwehrverhalten der beiden DM/ZMs ankommen und weniger auf das der Außen/OMs.
      2. Ich frag mich, was du in Rosenberg siehst? Reiner Konterstürmer? Wenn du sogar schon Almeida teilweise spielerische Akzente atestierst. Oder zählt er nicht weil er noch verletzt ist? ;-)
      Ansonsten stimm ich dir voll und ganz zu. :-)

    2. @probek: Danke. Hab’s bei Twitter schon gelesen. N24 ist eben ein ganz besonderer Sender.
      @BluesBrother: Seit wann stimmst du mir bei irgendwas zu? ;) Also bei Ballbesitz Wolfsburg standen häufig alle 4 auf einer Linie. Natürlich wird viel auf die beiden zentralen Spieler ankommen, aber das System bricht in sich zusammen, wenn nicht schnell genug umgeschaltet wird und die zentralen Spieler immer wieder außen aushelfen müssen.
      Rosenberg sehe ich im Moment noch am ehesten als Konterstürmer. Spielerisch kann er schon auch was, aber was ich in der letzten Rückrunde von ihm gesehen hab war so schwach, dass ich ihn im Moment lieber erstmal gar nicht dazu rechne.

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