Saisonvorschau – Der Kader

Nach den Gedanken zum System nun eine Einschätzung zu Werders Bundesligakader und meinen Erwartungen an die Spieler.

Tor:

Raphael Wolf #1 - Geht nach seiner starken Rückrunde als klare Nummer 1 in die Saison. Es hat mich beeindruckt, wie er trotz fehlender Bundesligaerfahrung zu Werke ging. Wolf ist kein Torwart, der große Phantasie weckt, was die Zukunft angeht, doch seine Unauffälligkeit war in der letzten Saison auch seine Stärke: Er ist ein ruhiger Torwart ohne große Schwächen, auch wenn seine Ballverteilung noch nicht gut ist. Anders als der talentiertere Mielitz hat er keine größeren Leistungsschwankungen und macht somit auch weniger große Fehler. Unterm Strich war das die beste Halbserie eines Werdertorwarts seit vier Jahren und die gilt es nun in der neuen Saison zu bestätigen.

Richard Strebinger #30 – Ins zweite Glied aufgerückt, könnte Strebinger in der kommenden Saison seine ersten Spuren in der Bundesliga hinterlassen. Seine Situation ist dennoch etwas unvorteilhaft: Spielzeit dürfte er nur bei einer Verletzung oder Sperre von Wolf erhalten. Ansonsten kann er sich nur noch im Training und nicht mehr in den Spielen der U23 empfehlen. Von hinten rückt ihm mit Husic ein großes Talent auf die Pelle. Ist Strebinger nur Platzhalter, bis Husic weit genug ist, in den Bundesligakader aufzurücken? Dafür ist er eigentlich zu gut und mit 21 hat er noch seine gesamte Torwartkarriere vor sich. Gut möglich daher, dass er den Abstand auf Wolf in dieser Saison verkürzt und 2015 selbst einen Angriff auf die Position im Bundesligator startet.

Raif Husic #40 – Bislang Eichins Königstransfer in diesem Sommer – zumindest was die Ablösesumme von stattlichen 100.000 Euro angeht (an dieser Stelle bitte beliebigen Fluch gegen Klaus Allofs einfügen). Keine Frage, Husic gehört zu den größten Torwarttalenten seines Jahrgangs, hat bislang alle DFB-Juniorenteams durchlaufen und kurz nach seinem 18. Geburtstag den Sprung in die Startelf von Bayerns Regionalligateam geschafft (ein Torwart, der weiß, wie man gegen Illertissen die Null hält). Schwer vorstellbar, dass Husic sich in den nächsten Jahren gemütlich in der Regionalliga einrichtet und darauf wartet, dass irgendwann einer der Torhüter vor ihm geht. Husic wurde ganz sicher für die Bundesliga geholt und dürfte nach einem Jahr der Akklimatisierung in der U23 am Bundesligakader anklopfen.

Abwehr:

Sebastian Prödl #15 - Vor einem Jahr für viele überraschend zum Abwehrchef ausgerufen, haben Dutt und vor allem Prödl selbst dem Taten folgen lassen. In Dutts System konnte Prödl viele seiner Schwächen ablegen und erspielte sich so viel Sicherheit, dass er in der Rückrunde Werders bester Abwehrspieler wurde. Eigentlich ist er aus Werders Abwehr derzeit nicht wegzudenken, doch es ist nicht unmöglich, dass er am Ende der Transferperiode kein Werderaner mehr ist. Das wäre schade, könnte jedoch angesichts seiner Vertragssituation und Werders knapper Kassen für beide Seiten sinnvoll sein. Mit Gálvez hat Werder den Konkurrenzkampf in der Abwehr erhöht und könnte den Abgang etwas besser kompensieren als vor einem Jahr. Es wäre dennoch sehr schade, Prödl nun, nachdem er endlich bei Werder überzeugt hat, gleich wieder zu verlieren. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass er bleibt und noch ein weiteres Jahr Zeit hat, sich mit guten Leistungen für einen neuen Vertrag zu empfehlen – bei welchem Verein auch immer.

Luca Caldirola #3 - Ein solcher Spieler kann nur Publikumsliebling sein. Kam zu Werder und hat von Beginn an auf und außerhalb des Spielfelds überzeugt. Seine taktischen Fähigkeiten und sein Spielverständnis waren für Werder ungemein wichtig. Er ergänzt sich sowohl mit Prödl als auch mit Garcia sehr gut, hat ein tolles Stellungsspiel und macht für sein Alter erstaunlich wenige Fehler. Größtes Manko war (neben der mangelnden Schnelligkeit) in der vergangenen Saison noch die Spieleröffnung, die er meistens Prödl überließ, obwohl sie doch zu seinen Stärken gehören sollte. In diesem Bereich muss er sich in der kommenden Saison noch steigern, erst recht wenn Werder wieder kombinationsstärker werden will. Ansonsten ist er auf dem Weg, ein sehr kompletter Innenverteidiger zu werden.

Alejandro Gálvez #4 - Wie kann Werder solch einen Spieler ablösefrei verpflichten? Das war die erste Frage, die sich mir im Winter stellte, als durchsickerte, dass der Transfer nur noch Formsache sei. Gálvez ist ein Verteidiger, der nahezu alles beherrscht, was ein Defensivspieler können muss: Gutes Stellungsspiel, gepaart mit großer Zweikampf- und Kopfballstärke, guter Grundtechnik, starkem Passspiel und einer super Übersicht. Wenn man eine Schwäche sucht, dann am ehesten sein manchmal etwas zu hartes Einsteigen, das ihm zu viele gelbe Karten einbringt. Er hat sich aber trotzdem ganz gut im Griff und wandelt nur selten an der Schwelle zum Platzverweis. Seine Verpflichtung macht es Dutt schwer, einen der drei Innenverteidiger draußen zu lassen – und öffnet taktisch ganz neue Möglichkeiten, etwa ein 3-5-2 oder eine Raute mit Galvez als tiefem Sechser. Wenn Gálvez bei Werder das abruft, was er in Spanien gezeigt hat, werden wir viel Freude mit ihm haben.

Assani Lukimya #5 - Er ist der Leidtragende der Gálvez-Verpflichtung. Anders als erwartet steht er jedoch nicht kurz vor dem Absprung, sondern nimmt die verschärfte Konkurrenzsituation an. Sollte Gálvez tatsächlich im Mittelfeld auflaufen (wonach es aussieht), wäre Lukimya nicht weiter von einem Einsatz entfernt als in der letzten Saison. Gleiches gilt für eine mögliche Umstellung auf eine Dreierkette. Lukimya selbst konnte im letzten halben Jahr seinen Status als Fehlerteufel ein wenig ablegen und zeigte einige wirklich starke Leistungen. Fußballerisch bleibt er beschränkt, doch wenn er sich auf seine Stärken besinnt, die im direkten Spiel gegen den Mann liegen, ist er allemal ein adäquater Ersatzmann für die Viererkette.

Oliver Hüsing #25 - Was kann man dem 21-Jährigen Nachwuchsmann zutrauen, der nun fest in den Profikader aufrückt? Nominell ist er Innenverteidiger Nummer 5 und somit weit von Bundesligaeinsätzen entfernt. Er dürfte daher überwiegend in der U23 auflaufen. Doch im Fußball kann es auch sehr schnell gehen, Hüsing wäre letzte Saison bestimmt schon Thema für den Spieltagskader gewesen, hätte ihn nicht ein Mittelfußbruch den Großteil der Hinrunde gekostet. Hüsing ist zudem taktisch flexibel einsetzbar und könnte im Notfall auch auf den nicht gerade üppig besetzten Außenbahnen zum Einsatz kommen. Mit Gálvez im Mittelfeld wäre er auch nicht weit von einem regelmäßigen Kaderplatz entfernt.

Clemens Fritz #8 - Der Kapitän geht wohl in seine letzte Saison, auch wenn schon wieder über eine Fortsetzung seines Vertrags über 2015 hinaus diskutiert wird. Für viele Fans ein Horrorszenario. Im Trainerteam und dem Vernehmen nach auch in der Mannschaft ist Fritz jedoch weiterhin hoch angesehen. Seine Rolle als Integrationsfigur und Bindeglied zwischen Trainer und Spielern stehen öffentlich weniger zur Diskussion als seine Leistungen auf dem Platz, wo Fritz schon seit längerem nicht mehr so überzeugt, dass man ihn als Führungsspieler bezeichnen könnte. Spielt wie gewohnt eine starke Saisonvorbereitung. In den letzten beiden Jahren zeigte die Leistungskurve nach ein paar Spieltagen dann jedoch nach unten. Am Ball hat Fritz immer noch seine Stärken, defensiv ist er der Schwachpunkt der Bremer Viererkette. Umso wichtiger für Werder, dass man in dieser Saison den Übergang schafft und Luca Zander oder Marnon Busch als Nachfolger aufbaut.

Luca-Milan Zander #19 – Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird Zander durch eine Verletzung beim Angriff auf den Profikader gestoppt. Eigentlich sollte er innerhalb der nächsten sechs Monate soweit sein, dass er sich den Stammplatz hinten rechts sichern könnte. Seine Bewegungsabläufe sind schon sehr schick und er scheint weitaus mehr zu sein, als eines der vielen Talente, die einzig wegen ihrer Jugend ins Team gewünscht werden. Problem scheint vor allem die Physis zu sein, die für ihn bislang zum Stolperstein wurde. Hat seine Position als Backup hinter Fritz dadurch erstmal an Marnon Busch verloren, ist aber der talentiertere der Beiden.

Marnon Busch #38 - Gegen Chelsea spielte er sich zum ersten Mal ins Rampenlicht. Mit seiner Schnelligkeit ist Busch ein Spieler, der sofort ins Auge fällt. Kann dadurch auch die eine oder andere Schwäche im Stellungsspiel ausgleichen, was langfristig aber kein Vorteil ist. Physisch für einen Spieler seines Alters schon sehr weit. Leider sehr “einfüßig”, ansonsten aber ein Spieler mit guten Anlagen, der Fritz in dieser Saison Druck machen kann.

Santiago Garcia #2 - Die Linksverteidigerposition ist die einzige, die rein formell nicht doppelt besetzt ist (Caldirola dürfte hier wohl der Ersatzmann sein, wenn Garcia verletzt ist). Garcia spielt also ohne wirkliche Konkurrenz, wenngleich auch der abgewanderte Lukas Schmitz letzte Saison nur ein inadäquater Ersatz und keine Konkurrenz war. Garcias Leistungen stimmen jedenfalls und an seiner Disziplin hat er ebenfalls gearbeitet. Nach seiner ärgerlichen Sperre letzten Winter kassierte er nur noch zwei gelbe Karten. Knüpft er an diese Leistungen an, wird es auch in der kommenden Saison kein Gerede mehr über Werders Probleme bei der Verpflichtung von Linksverteidigern geben.

Mittelfeld:

Philipp Bargfrede #44 - Hat sich in der letzten Saison nach seiner Verletzung als Stamm-Sechser in der Raute etabliert. Setzte damit das fort, was er vor drei Jahren schon einmal geschafft hatte, bis ihm eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung machte. Nun geht er erneut verletzt in die Saison, weshalb es schwierig ist, seine Rolle zu bewerten. Früher oder später wird er sich zurück in die Startelf kämpfen, wenn er fit ist und bleibt. Ist nicht der ganz große Stratege, aber dennoch ein sehr brauchbarer Sechser, auch in einer Raute. Könnte auch auf der rechten Halbposition spielen, falls Gálvez sich als Sechser festspielt. In einer Doppelsechs sowieso. Bei ihm alles nur eine Frage der Fitness.

Felix Kroos #18 - Der Vertrag mit ihm wurde verlängert und er hat in der letzten Saison angedeutet, dass er ein guter Ballverteiler vor der Abwehr sein kann. Das heißt aber auch: Er ist es noch nicht. Kroos muss weiter an seinem Passspiel und seiner Übersicht feilen, denn er hat alle Anlagen dazu. Körperlich muss er noch etwas robuster werden und vor allem seinen Körper cleverer einsetzen. Im Zweikampfverhalten stellt er sich noch zu ungeschickt an, begeht zu viele unnötige Fouls. Das hängt auch mit seinem Stellungsspiel zusammen. Wenn er dazulernt, kann er in ein bis zwei Jahren mit 50% weniger Zweikämpfen auskommen und dennoch mehr Bälle erobern. Wird regelmäßig seine Chancen bekommen.

Cedrick Makiadi #6 - Ganz so verkorkst, wie häufig dargestellt, war seine Saison nicht. Die Rolle, die ihm zugedacht war, konnte er jedoch nicht erfüllen. Das lag auch daran, dass Makiadi zu oft in die Position des Ballverteilers gedrängt wurde, die ihm nicht liegt. Der Sprung von Freiburg, wo er in einem etablierten und perfekt eingespielten System in der Rolle als Box-to-Box-Spieler glänzen konnte, zu Werder, das sich in der Findungsphase befand, war für ein nicht leicht. Ein Führungsspieler war er daher nicht, könnte dies aber ein Jahr später noch werden. Seine Tendenz ging im letzten Saisondrittel klar aufwärts, als er Bargfrede hinter sich hatte. Muss sich aber weiter steigern, um seinen Platz im Team zu behaupten. Als Achter in der Raute gut aufgehoben.

Theodor Gebre Selassie #23 - War vor einem halben Jahr schon abgeschrieben. Als Außenverteidiger mit zu vielen Fehlern in der Defensive, insbesondere im Stellungsspiel. Eine Reihe weiter vorne lief es dann besser, zunächst als Einwechseloption im 4-2-3-1, dann als Stammkraft in der Raute. Nach vorne hat er viele gute Ideen und kann diese aus dem Mittelfeld besser einbringen. Defensiv auch dort nicht ganz sattelfest, obwohl er sich gut mit Clemens Fritz ergänzt. Ist ein Kandidat für die Startelf, zumindest aber für die ersten 14.

Julian von Haacke #26 - Ein weiterer Nachwuchsmann mit Verletzungsproblemen. Ein Kreuzbandriss stoppte von Haacke auf dem Weg in den Profikader und wird ihn noch mindestens bis zum Herbst aus dem Spiel nehmen. Ein Thema für die Profis wird er daher frühestens wieder zur Rückrunde, wenn er bis zum Wintertrainingslager wieder voll auf der Höhe ist. Wäre dann ein passsicherer Kandidat fürs defensive Mittelfeld oder die Halbpositionen der Raute.

Zlatko Junuzovic #16 - An ihm scheiden sich die Geister. Viele reduzieren ihn auf seine Lauf- und Kampfbereitschaft, doch er ist auch immer noch ein offensiv denkender und technisch starker Mittelfeldspieler. Als 10er in Werders Raute gefällt er mir dennoch nicht so richtig, dafür fehlt es ihm an Präsenz und Laufwegen im letzten Drittel. Als Sechser ist er mir wiederum zu ungestüm und verfügt über zu wenig Raumgefühl. Bleibt also eigentlich nur die ungeliebte Halbposition in der Raute, wo er einen verkappten Spielmacher geben kann, aber dessen Last nicht alleine auf seinen Schultern trägt – ein wenig wie Krisztian Lisztes ab 2002. Solange Obraniak auf der 10 nicht überzeugt, wird er aber auch immer ein Kandidat für die Position hinter den Spitzen bleiben.

Ludovic Obraniak #7 - Bislang war er eine Enttäuschung, doch sein Einstieg bei Werder war vom Zeitpunkt her alles andere als optimal. Wirklich beurteilen kann man ihn erst nach Ende seiner ersten richtigen Vorbereitung mit dem Team. Die Wasserstandsmeldungen lesen sich nicht unbedingt positiv. Er scheint weiterhin unzufrieden zu sein und dürfte auf einen Wechsel drängen, wenn er sich in den nächsten Monaten keinen Stammplatz erspielt. Muss dafür hart an sich arbeiten, denn eigentlich kann Werder auf seine technischen Qualitäten nicht verzichten. Im aktuellen System wäre er als 10er oder als offensiverer der beiden 8er denkbar. Für letztere Rolle müsste er noch mehr an seinem Defensivverhalten arbeiten. Kann immer noch ein großer Gewinn für Werder werden.

Fin Bartels #22 - Ein vielseitiger Spieler, der auf mehreren Positionen gut eingesetzt werden kann: Linksaußen, hängende Spitze, auch als 10er in einer Kontertaktik – auf der Halbposition der Raute hätte ich ihn allerdings nicht gesehen. Dort kam er jedoch gegen Bilbao und Chelsea zum Einsatz und machte seine Sache nicht schlecht, zeigte aber auch, dass es ihm dafür noch etwas an defensivem Geschick mangelt. Bislang sehe ich Bartels eher in der Rolle des flexiblen Ergänzungsspielers, doch er dürfte nicht nur bei Verletzungen von Kollegen zu regelmäßigen Einsätzen kommen.

Levent Aycicek #21 - Endlich ist er mal längere Zeit verletzungsfrei und kann seinen Sturm auf die Bundesliga beginnen. Bis dahin ist es aber trotz allem Talent noch ein weiter Weg, schon allein, weil man einen Spieler mit Ayciceks Verletzungshistorie nur schrittweise an den Profifußball heranführen sollte. Er hat quasi die gesamte A-Jugend verpasst und die Zweifel, dass sein Körper die Strapazen des Bundesligafußballs mitmacht, sind noch nicht ausgeräumt.  Verständlich daher, dass man ihn letzte Saison über die U23 aufgebaut hat. Macht sein Körper mit, wird sich seine Qualität durchsetzen. Dann ist er nicht nur Kandidat für den 18er-Kader sondern bis Ende der Saison auch für die Startelf. Ob als 10er, Außenspieler, hängende Spitze oder offensiver Achter wird sich zeigen.

Mehmet Ekici #10 - Er steht ganz oben auf der Liste mit Spielern, die Werder gerne verkaufen möchte. An einen Durchbruch Ekicis möchte nach drei enttäuschenden Jahren niemand mehr glauben und es wäre im Interesse beider Seiten, wenn eine Trennung bis zum 31.8. noch erfolgen sollte. Ansonsten wird er Werders teuerster Tribünengast.

Angriff:

Franco Di Santo #9 – Hat sich im Laufe der letzten Saison deutlich gesteigert. Durfte allerdings auch erst im Laufe der Rückrunde wirklich in der Spitze ran. Bringt vieles mit, was ein Stürmer haben sollte und kann als einziger aus dem derzeitigen Kader ganz vorne Bälle behaupten. Zu einem wirklich guten Mittelstürmer fehlt ihm noch ein wenig, doch wenn er die Entwicklung der letzten Rückrunde fortsetzt, kommt er dort bald hin. Dann wäre auch ein System mit nur einer Spitze wieder eine echte Alternative für Dutt.

Nils Petersen #24 - Bei kaum einem Spieler bin ich so zwiegespalten. Petersen hat durchaus seine Qualitäten im Torabschluss und ist aufgrund seiner Torgefahr für Werder nicht unwichtig. Gegen den Ball ist er gut, er setzt sich voll für das Team ein und ist ein äußerst positiver Typ. Doch ich kann mich mit seiner Spielweise weiterhin nicht anfreunden, er ist einfach kein moderner Stürmertyp. Mit dem Rücken zum Tor ist er schwach, er behauptet zu wenig Bälle, hat selten gute Laufwege und technisch ist er recht limitiert. Als alleinige Spitze daher unbrauchbar, aber auch in einem Angriffsduo nur in Kombination mit einem spielstarken Partner wirklich zu gebrauchen. Für eine klare Nummer 2 hinter Di Santo eigentlich zu teuer.

Davie Selke #27 - Ist durch die U19-EM momentan in aller Munde. Seine Leistung sollte man eher anhand der Saison in der Regionalliga beurteilen als anhand eines Turniers gegen Gleichaltrige. Dort muss man zu dem Schluss kommen, dass es für Selke noch nicht ganz reicht, um zum neuen Shooting Star der Profis zu werden. Dennoch hat Selke großes Potenzial, muss sein Spiel allerdings etwas umstellen, weniger auf physische Vorteile setzen, die er im Herrenfußball nicht mehr hat. Er geht viele Wege und erwischt dabei auch immer mal wieder den Richtigen. Etwas mehr Cleverness kann er sich dabei noch aneignen. Seine mangelnde Grundtechnik könnte zum Stolperstein werden, aber die muss er durch andere Qualitäten ausgleichen. Ein weiteres Jahr in der U23 mit Training bei den Profis wird ihm guttun und Aufschluss über seine tatsächliche Leistungsfähigkeit geben.

Martin Kobylanski #20 – Er ist schon einen Schritt weiter als Selke, daher ist es schade, dass er wohl verliehen werden soll. In der letzten Saison machte er einen riesigen Fortschritt, den ihm viele nicht zugetraut hätten. Ist technisch gut und hat vor allem einen starken Abschluss aus vielen Positionen, der ihn von den anderen Stürmern abhebt. Eine Saison in der zweiten Liga wäre für seine Entwicklung aber sicherlich besser, als weiter in der Regionalliga zu spielen. Solange mit Di Santo, Elia, Hajrovic und Petersen vier Stürmer vor ihm stehen, ist der Weg ins Profiteam zu lang, um dort regelmäßig eingesetzt zu werden.

Joseph Akpala #35 - Steht ebenfalls weit oben auf der Verkaufsliste. Ohne seine Verletzung wäre er wohl kaum noch bei Werder. Nimmt seine Situation sehr professionell an und kann sich hoffentlich noch bis Ende des Transferfensters für einen anderen Club empfehlen. Bei Werder spielt er keine Rolle mehr.

Eljero Elia #11 – War letzte Saison die Notlösung als hängende Spitze, weil Dutt keinen spielstarken Stürmer in den eigenen Reihen hatte. Zeigte dann einige ansprechende Leistungen und kann auch in der kommenden Saison ein Gewinn für Werder sein. Eine weitere Steigerung muss allerdings her, nicht nur um das eigene Preis-Leistungsverhältnis auszugleichen. Im Rautensystem ist sein Konkurrent um den zweiten Stürmerplatz Izet Hajrovic, den Werder sicher nicht für die Bank verpflichtet hat. Doch wenn Elia den Konkurrenzkampf annimmt, wonach es derzeit aussieht, dann hat er durchaus Chancen auf einen Stammplatz.

Izet Hajrovic #14 - Ein großer Coup von Thomas Eichin, den jungen Bosnier ablösefrei zu verpflichten. Um Hajrovics Stärken zu beschreiben, werden gerne Vergleiche mit Arjen Robben, Marco Reus und Kevin De Bruyne angestellt. Diese Namen wecken hohe Erwartungen, doch man wird ihn bei Werder realistischer einschätzen können. Unübersehbar ist seine große Stärke beim Dribbling von der Außenbahn in die Mitte und beim Torabschluss mit dem linken Fuß. Wie gut er diese Qualitäten einbringen kann, wird auch von seinen Mitspielern abhängen. Einen torgefährlichen Außenstürmer hatte Werder jedenfalls schon lange nicht mehr. Im Rautensystem wird sein Spiel ohne Ball auf der Position des zweiten Stürmers noch mehr gefordert sein als auf dem Flügel. Unter normalen Bedingungen für Werder eine große Bereicherung, sobald er seinen Fitnessrückstand aufgeholt hat.

Özkan Yildirim #17 - Ein gebrauchtes Jahr liegt hinter ihm, sein Körper spielt einfach nicht mit. Für mich wäre Yildirim ein klarer Kandidat für eine Leihe, denn ich sehe derzeit keinen Weg für ihn ins Team. Rückblickend betrachtet machen selbst seine Leistungen in der Rückrunde der Saison 2012/13 nicht wirklich große Hoffnung, dass er sich bald in der Bundesliga etabliert. Seiner Dribbelstärke und Schnelligkeit stehen taktische Defizite und Langsamkeit im Passspiel gegenüber. In ein Rautenmittelfeld passt er so nicht und um die Position als zweiter Stürmer streiten sich mindestens drei bessere Spieler als er.

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    6 Gedanken zu „Saisonvorschau – Der Kader

    1. Das hast Du sehr gut beschrieben! Diese Saison wird sich zeigen, ob man einen Schritt nach vorne macht, ob man im Kader (wie so oft angekündigt) den Jungen eine ECHTE Chance gibt, oder ob man die alten überbezahlten Looser der letzten 3 Jahre erneut durch schleift und auf einen 5. Frühling hofft. Ich hoffe, Dutt zeigt endlich Mut und lässt seinen Worten Taten folgen.

      1. Nur zu gerne würde ich wieder die Wunder von der Weser erleben wollen.

        Als Kind fand ich die Spiele wahnsinnig spannend und für mich gehört Bremen ins oberste Tabellendrittel. Drücke die Daumen, dass sie dieses Jahr nicht wieder gegen den Abstieg spielen müssen.

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