Junges Team gegen alten Lieblingsgegner

Es geht mal wieder gegen Freiburg, den erklärten Lieblingsgegner der letzten Jahre. Die rein punktemäßig makellose Bilanz kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Werder in den letzten Spielen gegen Freiburg nicht sonderlich gut aussah. Ein Selbstläufer ist dieses Duell schon lange nicht mehr.

Vom Trainingsspiel zur Härteprüfung

Sieben Spiele in Folge hat Werder gegen den SC Freiburg gewonnen und dabei 30:6 Tore geschossen. Rein von den Zahlen her scheint die Partie gegen den Tabellenletzten eine klare Sache zu sein. Klare Sachen gibt es bei Werder aber schon länger nicht mehr. War das 6:0 im Herbst 2009 noch eine Sternstunde des vermeintlichen neuen Bremer Offensivfußballs mit dem Dreigestirn Özil, Hunt und Marin, ging es in den letzten Spielen schon deutlich knapper zu. In Erinnerung blieb dabei besonders das Heimspiel aus der letzten Saison, das Werder zwar gewinnen konnte, das allerdings gleichzeitig die spielerische Armut des Teams unterstrich. Auch das 5:3 aus der Hinrunde war nicht gerade souverän erspielt. Man gewann letztlich durch einen späten Elfmeter von Hunt und ein Kontertor von Wesley.

Bei allen Problemen, die die Breisgauer ob ihrer Tabellenposition haben, sollte man sie spielerisch nicht unterschätzen. Auch nach dem Weggang von Robin Dutt versteht sich die Mannschaft auf gepflegtes Pressing und schönen Fußball. Doch auch in den Jahren zuvor war Freiburgs Fußball meist schön anzusehen, wobei es Werder glänzend verstand, daraus Kapital zu schlagen. Nun ist man selbst spielerisch nicht mehr auf dem Niveau der 00er Jahre und kann auch bei einem Abstiegskandidaten nicht mehr automatisch die Favoritenrolle für sich beanspruchen.

Wer setzt die spielerischen Impulse?

Hoffnung auf eine positive Entwicklung im spielerischem Bereich machte zuletzt der Auftritt des mit Nachwuchsspielern gespickten Teams gegen Bayer Leverkusen. Endlich wurden die lange vermissten Anzeichen auf Besserung ersichtlich. Neuzugang Affolter zeigte neben dem überragenden Sokratis starke Anlagen in der Spieleröffnung, Florian Hartherz spielte eine mutige Partie als Linksverteidiger und Tom Trybull wirkte in seinem zweiten Bundesligaspiel schon wie ein alter Hase. Gepaart mit einer defensiveren Grundausrichtung, die dem jungen Team Sicherheit verlieh, konnte man Leverkusen lange Zeit den Schneid abkaufen. Das Umschaltspiel, das bei dieser Ausrichtung noch wichtiger wird, funktionierte jedoch nur eine Halbzeit lang gut.

Gerade deshalb ist der Ruf nach einem Spielmacher, der Werders Angriffsspiel befeuern soll, auch weiterhin nicht zu überhören, was den Druck auf Mehmet Ekici erhöht, der bei allem Bemühen noch immer Probleme hat, sich mit seiner Rolle als 10er anzufreunden. Die eher defensiv ausgerichtete Raute erfordert noch mehr Genauigkeit im Spiel nach vorne, da man dort nur selten in Überzahl gerät. In Freiburg dürfte es nun wieder ein Stück offensiver werden. Neuzugang Zlatko Junuzovic soll von Anfang an ran und Ekici ein Stück von der Last befreien und die Lücke schließen, die der Ausfall von Aaron Hunt in Werders Mittelfeld gerissen hat. Die Rolle des gesperrten Bargfrede übernimmt voraussichtlich Ignjovski – Trybull scheint man sie noch nicht zumuten zu wollen.

Ruhige Testrunde oder Wettrennen?

Wie viele Rückschlüsse lassen sich aus einem Spiel gegen den – durch die Abgänge von Cisse und Bastians sowie diverse Verletzungen dezimierten – Tabellenletzten ziehen? Für Werder geht es derzeit in erster Linie um Sicherheit und Fortschritte in der Spielanlage. Eine überzeugende Leistung in Freiburg wäre ein weiterer Schritt dorthin. Drei Punkte kann man nach Hannovers Sieg in Berlin auch gut brauchen. Nur wenn man die Pflichtaufgaben so zuverlässig löst wie in der Hinrunde, kann man im Fahrwasser der Top 4 eine ruhige Testrunde schwimmen. Ansonsten droht ein Wettrennen um Platz 6, bei dem am Ende kurzfristige Ergebnisse vor langfristige Entwicklung gehen – wie so oft in den letzten Jahren.

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    Ein Gedanke zu „Junges Team gegen alten Lieblingsgegner

    1. Wie immer: starker Artikel, mit dem ich mal wieder zu 100% konform gehe.

      Auf Junuzovic bin ich gespannt, ist ja schon ein echter Hoffnungsträger bei vielen Fans geworden, ohne auch nur eine Minute gespielt zu haben…

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