Wie defensiv wird es auf Schalke?

Zum Abschluss der Hinrunde geht es gegen Schalke 04 und damit hat Werder die letzte Chance, doch noch gegen einen direkten Konkurrenten zu punkten. Mit einem Unentschieden könnte nach den letzten Auswärtsspielen wohl jeder im Verein gut leben. Mit dann 30 Punkten hätte man das Soll sicherlich erfüllt. Schon jetzt ist es die punktemäßig beste Hinrunde seit vier Jahren.

Aus Zwei mach Drei

Werders Personalsituation ist weiterhin angespannt. Zwar kommt mit Marko Marin ein Verletzter zurück und auch die angeschlagenen Naldo, Wolf und Ignjovski wurden rechtzeitig wieder fit, doch im Mittelfeld drückt der Schuh. Selbst wenn Marin schon bereit ist für die Startelf, hat man mit Fritz und Ignjovski zwei Spieler für drei Positionen. Einer von beiden muss wohl oder übel Sokratis als Rechtsverteidiger ersetzen (vermutlich Iggy). Wahrscheinlich wird Trinks dann links auf der Halbposition im Mittelfeld spielen, wo er mir gegen Wolfsburg nicht so gut gefallen hat. Er hat zwar die nötige Ruhe am Ball, aber in puncto Präsenz und Zweikampfstärke fehlt ihm noch etwas.

Die Alternativen hießen Wesley oder Trybull, kämen aber beide äußerst überraschend, da ersterer ein Risiko ist und zudem seit langem keinen nennenswerten Einsatz mehr hatte und letzterer noch unerfahren in der Bundesliga ist. Beide dürften daher auf der Bank sitzen. Offensiv sieht es dagegen richtig gut aus. Pizarro ist fit, Rosenberg strotzt plötzlich vor Selbstvertrauen und Arnautovic ist trotz seiner Slapsticknummer gegen Wolfsburg sowohl für den Angriff als auch für die 10er-Position ein starker Backup. Spannender als die Aufstellung ist daher die Frage nach der Taktik.

Duell der Rauten

Schalke ist ohne Farfan eine andere Mannschaft. Nach seiner Verletzung lahmte das Flügelspiel und die beiden Stürmer Raul und Huntelaar verhungerten im Zentrum. Zuletzt hat Stevens sein System jedoch auf ein 4-4-2 mit Raute umgestellt, wobei mit Jurado und Holtby zwei kreative Leute auf den Halbpositionen spielen. Raul ist kein Spielmacher, fühlt sich aber derzeit sichtlich wohler, weil er sich nicht ständig nach hinten fallen lassen muss, um Anschluss ans Spiel zu finden, was ihm nicht mehr wirklich liegt. Mit Pukki hat er einen laufstarken Spieler vor sich und kann seine Übersicht und Technik ausspielen. Huntelaar ist vorne eiskalt, wenn er mit Bällen gefüttert wird, was zuletzt wieder ganz gut gelang.

Wie kann Werder gegen diese Mannschaft bestehen? Im letzten “Rautenduell” gegen Mainz siegte Werder, wenn auch knapp und etwas glücklich. Schalke ist spielerisch keine Übermannschaft, hat sich unter Stevens in dieser Hinsicht nicht sonderlich weiterentwickelt. Schaut man sich Schalkes Konterstärke und Werders -schwäche an, spricht vieles für eine eher abwartende und vorsichtige Herangehensweise. Bevor man wie in Gladbach spielfreudig ins offene Messer rennt, wird Schaaf seine Mannschaft eher tief stehen lassen, dem Gegner die Initiative überlassen und im Mittelfeld die Räume eng machen. Gegen Bayern hat dies letztlich nicht funktioniert und man wurde zu weit hinten rein gedrängt. Gegen Schalke könnte es jedoch Erfolg bringen (so wie 2010, als man mit einer defensiven Taktik 2:0 auf Schalke gewann und dann im Pokalfinale gegen die Bayern mit ähnlicher Ausrichtung unterging).

Probleme mit Kontern und starken Gegnern

Eines der großen Probleme bei Werders Auswärtsspielen ist das Umschalten. Zu Saisonbeginn (Leverkusen, Hoffenheim) sah das noch gut aus, doch zuletzt tat man sich sehr schwer nach der Balleroberung im gefährlichen Bereich schnell nach vorne zu spielen. Wenn der Gegner nicht gerade so freundlich mithilft, wie Wolfsburg am letzten Samstag, strahlen Werders Konter zu wenig Torgefahr aus. Auf der anderen Seite macht Werder unabhängig von der Grundausrichtung zu viele Fehler im taktischen Defensivverhalten, die es kaum einmal ermöglichen, der Heimmannschaft das Spiel lange bei 0:0 aufzuzwingen. Dann würden Gegner und Publikum irgendwann unruhig werden, was wiederum zu mehr Fehlern und mehr Platz zum Kontern führen könnte.

Nach dem Spiel werden wir wissen, ob Werder in dieser Hinrunde nur Best of the Rest war oder tatsächlich auch gegen einen Großen etwas Zählbares holen kann. Wobei Schalke ähnliche Charakteristika aufzeigte, wie die Grün-Weißen: Ein überragender Torjäger im Team, spielerisch teils mit großen Problemen, gegen die Spitzenmannschaften überfordert (Bayern, BVB) und dennoch viele Siege und gute Platzierungen.

Somit genau der richtige Gegner zum Abschluss eines Jahres, das für Werder vor allem ein Kampf gegen sich selbst war, gegen die eigenen Probleme und dann schließlich erst gegen den Abstieg und für den Anschluss an die Bundesligaspitze.

 

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    Ein Gedanke zu „Wie defensiv wird es auf Schalke?

    1. … auf jeden Fall wurde es ncht defensiv genug! Peinliche Leistung. Herzlichen Glückwunsch Tim Wiese! :-(

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