Schreibblockade

Da hab ich vor einigen Tagen noch vollmundig angekündigt das Blog auch in der kommenden Saison weiterzuführen und nun das: Schreibblockade. Bekomme keine zwei halbwegs vernünftigen Sätze aneinander. Vielleicht liegt es daran, dass der aktuelle Blogeintrag ein kleines Jubiläum darstellt (100. Beitrag des Jahres). Torschusspanik in der Sommerpause? Wäre als Überschrift gar nicht mal so ungeeignet gewesen. Es heißt doch, dass es hilfreich sei, im Fall einer Schreibblockade einfach über die Blockade selbst zu schreiben, als eine Art Selbsttherapie. Mal sehen, ob es hilft.

Eigentlich wollte ich mich ja endlich einem der Themen annehmen, die mir seit Wochen durch den Kopf gehen. Ein Saisonfazit zum Beispiel. Doch was soll ich noch schreiben, was nicht schon (hier oder woanders) geschrieben wurde? Werders Saison lässt sich ohnehin nur schwer auf einen Nenner bringen. Noch überstrahlt der Pokalsieg den 10. Platz in der Liga etwas. Die Erleichterung über die Qualifikation für die Europaliga und die Freude über den ersten richtigen Titel seit fünf Jahren sind groß. Man muss Pokalwettbewerbe und Liga deshalb wohl völlig getrennt voneinander bewerten. Erstere sorgten für ein würdiges Ende einer für Werder tollen Ära, letztere zeigten, dass sich einige Dinge ändern müssen, um auch in Zukunft zur nationalen Spitze zu gehören.

Ich hätte auch eine launige Einzelbewertung vornehmen können. Vielleicht sogar einen vereinsinternen Honigstein vergeben? Wirklich spannend wär das aber nicht, mal abgesehen von der Gefahr, sich an der Vorlage die Finger zu verbrennen. Gibt's bei den Fragen nach dem Spieler der Saison (Diego) oder dem Aufsteiger der Saison (Özil) überhaupt Diskussionsbedarf? Spannend wäre höchstens die Frage nach der Enttäuschung der Saison gewesen. Rosenberg? Tosic? Fritz? Oder mal ganz kontrovers: Torsten Frings? Dann bleiben ja noch die beiden großen Abgänge: Diego und Baumann. Sie beide haben einen durchdachten und ausgewogenen Abschieds-Post verdient. Ein halbgarer Abgesang wäre wirklich fehl am Platz.

Was gäbe es sonst noch? Für eine Vorschau auf die neue Saison ist es zu früh und Transfergerüchte überlasse ich lieber anderen. Ein Blick über den Tellerrand zum Confed-Cup in Südafrika könnte sicher nicht schaden. Die Fußballstudie 2009 von Sportfive böte sicher genügend Stoff. Werder wurde erneut zur sympathischsten Mannschaft der Bundesliga gewählt. Letztlich ist es für Werder aber viel interessanter, wie viele Fans der Verein hat. Hohe Sympathiewerte bei den Fans andere Mannschaften sind schön und gut, helfen aber nur dann weiter, wenn sie auch zur (Achtung, Marketingdeutsch!) Generierung neuer Fans beitragen. Ich habe mal die Fußballstudie 2007 hervorgekramt, die ich noch im Schrank stehen hatte und verglichen: Die Sympathiewerte sind in etwa gleich geblieben (2007: 56%, 2009: 54%), bei der Anzahl der Fans ist allerdings ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen (2007: 5,7 Mio., 2009: 4,2 Mio.). Muss einem das Sorgen bereiten? Nein, denn prozentual hat sich fast nichts verändert. 2007 war (vermutlich als Spätfolge der WM) die der Studie zugrunde gelegte Gesamtzahl der "Fußballinteressierten" einfach wesentlich höher. Auch wenn Werder in dieser Saison eher selten sonderlich sympathisch aufgetreten ist, hängt die Anzahl der Fans wohl hauptsächlich mit dem Erfolg der letzten paar Jahre zusammen, wobei attraktiver Fußball sicher auch vorteilhaft ist.

Die 2007er Studie wartet noch mit einigen Kuriositäten auf, die sich gut als Throw-Away Facts eignen würden (bei Interesse bitte melden, Herr Rethy!). So war Bayern München der einzige deutsche Verein, der bei Frauen bekannter war als bei Männern. Ob das daran lag, dass Mehmet Scholl damals noch aktiv war? Werders Sympathiewerte waren bei Fußballfans mit hohem Bildungsniveau höher als bei denen mit mittlerem oder geringem Bildungsniveau. Das war noch bevor der "Akademikerverein" 1899 Hoffenheim auf der deutschen Fußballlandkarte erschien. Bei den dahinter platzierten Vereinen Schalke und Bayern war es andersherum. Allerdings viel zu dünn, um sich daraus einen Beleg für die Gültigkeit bestimmter Vorurteile zu stricken. Nur 8% aller Fans nutzten das Internet als Quelle für Fußballinformationen, Blogs wurden Einzelnen gar nicht abgefragt. Da würde mich der Vergleich mit der aktuellen Studie dann ja doch interessieren.

So, nun habe ich einen Blogeintrag gefüllt mit Dingen, über die ich nicht schreiben kann oder will. Das ist vielleicht paradox, hat aber immerhin die Schreibblockade gelöst. Hoffentlich hält es eine Weile an damit ich nicht noch mehr Beiträge dieser Art schreiben muss.

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