Sensation: Goliath besiegt David

Bundesliga, 8. Spieltag: Werder Bremen – SC Freiburg 2:1

Freiburg hatte nicht alle Steine auf der Schleuder. Zum Glück.

Wem der Vergleich mit David vs. Goliath angesichts der Tabellensituation vor dem Spiel unangemessen erscheint, sollte sich die letzten Spiele zwischen Werder und Freiburg kurz in Erinnerung rufen: 4:0, 6:0, 4:1, 6:0. Freiburg bekam an der Weser schon häufiger den Hintern versohlt. Noch häufiger jedoch im heimischen Stadion, wenn die Bremer zu Gast waren. Vor einem Jahr war das Duell der Höhe- und gleichzeitig Wendepunkt einer bis dahin hervorragenden Hinrunde. Diesmal war die Ausgangsposition eine andere:

Auf der einen Seite ein Team, das schönen Fußball spielt, gut harmoniert, eine gute Raumaufteilung hat und den Gegner schon früh durch Pressing unter Druck setzt. Auf der anderen Seite – Werder Bremen. In der Anfangsphase schienen sich die neuen Kräfteverhältnisse zu bestätigen. Freiburg trat mutig auf und ziegte durch die Struktur im eigenen Spiel Werders Schwächen deutlich auf. Werder ist trotz aller Probleme trotzdem noch ein Goliath, der den David Freiburg zerquetschen kann, wenn dieser nicht aufpasst. Freiburg war über 90 Minuten das Team mit der besseren Spielanlage, doch machte erstaunlich wenig daraus. Wann immer sich die Bremer anfällig zeigten, schossen die Freiburger nicht scharf. Letztlich kann sich daher kein Freiburger über das Ergebnis beschweren.

Werder spielte bis zur Einwechslung Pizarros ein 4-2-3-1 mit Almeida als einziger Spitze. Letztlich ist es fast schon egal, welche Formation Thomas Schaaf auswählt. Im Ergebnis entsteht zu häufig ein konfuser Haufen, der zwar für den Gegner schwer ausrechenbar ist, aber auch einen strukturierten Spielaufbau sowie eine stabile Defensive erschwert. Auch vor einem Jahr spielte Werder kein statisches System, doch die Rochaden wirkten in sich stimmiger und die beteiligten Spieler besser aufeinander eingestellt. Immerhin: Fortschritte waren zu erkennen, wenn auch keine Quantensprünge. Das defensive Mittelfeld machte einen ganz guten Eindruck und bei Mikael Silvestre sollte derzeit jede kleine Verbesserung hervorgehoben werden. Es ist noch ein weiter Weg, bis er eine Verstärkung für Werder wird, aber gegen Freiburg waren die Ansätze schon deutlicher zu erkennen als zuletzt. Beim Gegentor gab er dann wieder eine schlechte Figur ab. Ansonsten war das defensiv einigermaßen solide und ein paar Akzente nach vorne waren auch dabei.

Zum Glück ist Freiburg keine Spitzenmannschaft. Nach vorne war das alles sehr zaghaft, was Robin Dutts Spieler versuchten. Trotzdem hätte es am Ende fast zu einem Punkt gereicht. Der Stein aus Yanos Schleuder verfehlte Goliaths Kopf jedoch in letzter Sekunde. Allerdings hätte Werder bis zu jener Schlussminute schon höher führen und das Spiel entscheiden können. Die offensive Dreierreihe hinter Stoßstürmer Almeida harmonierte jedoch nicht so recht und Marko Marin traf (wie schon vor zwei Wochen in Leverkusen) zu häufig die falsche Entscheidung, wenn sich Gelegenheiten für ihn boten. Dazu fiel er mit einem wirklich hässlichen Foul auf, das Schiedsrichter Rafati unverständlicherweise nicht mit einer Karte ahndete. Über deren Farbe hätte man diskutieren können. Marin geht mit offener Sohle auf das Schienbein des Verteidigers. Zum Glück war die Geschwindigkeit nicht ganz so hoch, ansonsten wäre es ein potenzielles Knochenbrecherfoul gewesen. Ich hätte mich über einen Platzverweis nicht beschwert.

Für mich ist derzeit nicht ersichtlich, ob es einen wirklichen Aufwärtstrend bei Werder gibt, oder ob es letztlich nur die individuelle Klasse ist, die uns zuletzt vor weiteren Enttäuschungen bewahrt hat. Mit Frings, Fritz und Pizarro kamen drei schmerzlich vermisste Spieler ins Team zurück. Die Mannschaft sollte nun eine deutlichere Struktur bekommen, denn wir werden schon bald wieder auf Gegner treffen, die eine überlegene Raumaufteilung auch in entsprechende Ergebnisse ummünzen können. Letztlich brauchte es auch gegen Freiburg die Einwechslung eines fünften Offensivmanns vor dem nun einzigen 6er Frings, um das Spiel zu gewinnen. Hannover hatte einen ähnlichen Versuch noch vor wenigen Wochen gnadenlos bestraft. Am Samstag sind wir damit durchgekommen.

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    4 Gedanken zu „Sensation: Goliath besiegt David

    1. Ganz ehrlich weiß ich auch nicht, was mit der Mannschaft los ist.Qualität ist da, hoffentlich verletzt sich die Qualität jetzt erst mal nicht, damit dieses fragile Gebilde nicht schon wieder wackelt.

      Es scheint aber irgendwo nicht zu stimmen. vielleicht sollte Schaaf die Jungs mal zum Saufen schicken, dass sie sich mal ordentlich einen hinter die Binde kippen, sich dann die Meinung geigen, sich dann einen auf die Marmel klopfen und danach wieder ganz doll lieb haben.

    2. Gerade in der ersten Halbzeit fand ich es erschreckend, wie wenig Werder aus dem Spiel machte in Anbetracht der Tatsache, dass Freiburg in dieser Zeit teilweise nur 20-25% der Zweikämpfe gewann.

      Marin hatte ein paar gute Aktionen, aber auch haarsträubende Fehler dabei (das Foul, das verpasste Abspiel auf Arnautovic kurz vor Ende). Der Österreicher war in der ersten Hälfte schwach, wenn sich zwei Optionen boten, wählte er generell die falsche, Missverständnisse in Folge sozusagen. Zum Glück war er in der zweiten Hälfte besser mit seinen Teamkollegen synchronisiert.

      Sylvestre teilweise verbessert ja, aber mMn nicht auf dem Niveau, das er gegen die Bayern und gegen Tottenham hatte. Der Ballverlust vor dem Gegentor war natürlich ein Bärendienst, aber auch der Rest der Abwehr schaffte es, mal wieder, nicht einen Gegner in einen Zweikampf zu stellen.

      Mit Pizza auf dem Platz stieg auch das Selbstbewusstsein und in der Offensive schien ein Chef auf dem Platz, nicht umsonst leitete er sofort den zweiten Treffer ein – aber ein Tor um sich alleine als bester ausländischer Torschütze zu etablieren will ihm einfach nicht gelingen – wäre so kurz nach seiner Verletzung aber auch zu viel gewesen.

      Sollte es die Möglichkeit geben einen Spieler zu klonen, ich hätte gerne mehrere Wesleys im Werderteam, läuferisch stark und spielerische Übersicht en masse machen ihn jetzt schon unverzichtbar.

    3. Das mit den Zweikämpfen würde ich nicht zu hoch bewerten. Freiburg spielt ziemlich clever und gewinnt die Bälle eher dadurch, dass es ihre Gegner unter Druck setzt und zu Fehlpässen “zwingt”. Die Zweikampfstärke war einer der wenigen Trümpfe, die Werder in dem Spiel hatte.

      Und ja, Wesley ist unverzichtbar. Was eigentlich schade ist. Liegt ja leider nicht nur an seiner Klasse sondern auch an Werders Defiziten.

    4. das die mal einen “saufen gehen” sollen ist mehr so die udo lattek variante.

      um das teambuilding sollte sich aber wirklich mal jemand kümmern. da scheint etwas nicht 100%tig zu stimmen.

      pizarro ist eindeutig der, wenn man so will, chef in der offens. bin mir auch sicher das er sein tor bald machen wird. was mir aber auch noch gedanken macht ist der vertrag mit almeida. ich mag den burschen, und er ist ein besonderer typ strümer den man im repertoire einer mannschaft mit werders ansprüchen haben sollte.
      Aber schaut man da zu sehr durch die grüne werder brille oder sollte man eine verlängerung nicht vorantreiben?

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